William Marshal – Der größte aller Ritter

Ritter, Turnierchampion, Berater von fünf englischen Königen, schließlich einer der mächtigsten Barone Englands – und nicht zuletzt ein Ritter, der trotz zahlreicher Kämpfe und Schlachten erst im stolzen Alter von 72 Jahren eines natürlichen Todes starb. Wer war dieser Mann, der in einer brutalen und unsicheren Zeit nicht nur überlebte, sondern einen beachtlichen sozialen Aufstieg schaffte?

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Wappen William Marshals

Eine traumatische Kindheit

Die Startbedingungen waren alles andere als vielversprechend. Sein Vater, John Marshal, war ein berüchtigter Warlord, der im englischen Bürgerkrieg auf der Seite der Kaiserin Matilda gegen König Stephan ins Feld zog. Seine väterliche Liebe schien nicht allzu groß gewesen zu sein. Im Alter von nur fünf Jahren wurde William dem König als Garant für einen Waffenstillstand im Zuge der Belagerung von Newbury übergeben. John dachte jedoch nicht daran, sich an seine Zusagen zu halten. William wurde mehrmals vor die Mauern geführt und an den Galgen gestellt, um seinen Vater unter Druck zu setzen. Einmal sollte er gar mit einem Katapult in die Burg geschleudert werden. Auch wenn letztlich keines dieser schrecklichen Vorhaben in die Tat umgesetzt wurde, so müssen diese Erlebnisse für den kleinen Jungen traumatisch gewesen sein.1

Der junge Ritter

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Chateau de Tancarville

Als Zweitgeborener hatte William Marshal nur geringe Aussichten auf das väterliche Erbe. 1160, im Alter von 13 Jahren, reiste er daher nach Tancarville in der Normandie, um dort seine Ausbildung zum Ritter abzuschließen. 1166 wurde er zum Ritter geschlagen und hatte auch gleich Gelegenheit, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Bei Neufchatel kam es zu einem durch Grenzstreitigkeiten ausgelösten Kampf, in dessen Verlauf sich der junge Ritter tapfer schlug. Doch Marshal musste lernen, dass ein Ritter nicht nur an seiner Tapferkeit gemessen wurde. Er versäumte es, Gefangene zu machen, für die er Lösegeld hätte verlangen können. Außer Spott und Witzeleien seitens seiner Kampfgefährten musste er sich nun einem viel größeren Problem stellen: Obwohl den Tancarvilles verwandtschaftlich verbunden, wurde er aus dem Haushalt ausgeschlossen. Ein Ritter wurde eben nicht nur an seiner Tapferkeit gemessen. Sein Besitz bestimmte letztlich, wer er war.2 Die „History of William Marshal“ vermerkt dazu: „You are what you have got, and no more than that.“3

Das Turnier als letzter Ausweg

Als mittelloser Ritter hatte William Marshal nur wenige Optionen. Er besaß noch keinen großen Namen, konnte also nicht darauf hoffen, von einem anderen Fürsten ohne weiteres in seine Dienste übernommen zu werden. Ihm blieb nur eine andere, wenn auch hochriskante Möglichkeit: Die Teilnahme an einem Turnier. Die Turniere dieser Zeit lassen sich nicht mit denen des späten Mittelalters oder der frühen Neuzeit vergleichen. Dies waren keine repräsentativen Veranstaltungen, auf denen sich der Adel in all seiner Pracht präsentierte. Im Grunde handelte es sich um Übungen für den Krieg. Verschiedene Gruppen kämpften mit scharfen Waffen auf einem Terrain, das nicht klar begrenzt war. Das Ganze konnte dabei durchaus länger dauern als nur einen Tag. Es ging jedoch nicht darum, den Gegner zu töten. Gefangene zu machen war das Ziel. Marshal kämpfte in seinem ersten Turnier bei Sainte Jamme ausgerechnet mit dem Aufgebot der Tancarvilles. Und er zeigte, dass er dazu gelernt hatte. Er machte zwei Ritter zu seinen Gefangenen, was ihm neben vier Schlachtrössern, diversen Packpferden und mehreren Rüstungen vor allem Respekt und Ansehen einbrachte.4

Im Dienst des Königshauses

Williams Erfolge machten ihn mit einem Schlag für die Fürsten interessant, die stets nach bekannten Rittern Ausschau hielten. So wurde er Teil des Gefolges des Patrick von Salisbury. Mit diesem begleitete er 1168 die englische Königin, Eleonore von Aquitanien, auf ihrer Reise nach Poitou. Die Gegend war berüchtigt für die dort schwelenden Konflikte. Und tatsächlich wurde die Gruppe von Rittern unter der Führung der Brüder Geoffrey und Guy von Lusignan5 angegriffen. William und der Rest der Ritter um Patrick von Salisbury stellten sich trotz ihrer geringen Zahl und nicht angelegten Rüstungen den Angreifern entgegen, um der Königin die Flucht zu ermöglichen. Patrick wurde getötet, Marshal geriet schwer verwundet in Gefangenschaft. Ausgelöst wurde er schließlich durch die Königin, die ihn kurz darauf in ihr persönliches Gefolge aufnahm.6

1170 wurde William Marshal zum „Tutor in Arms“ des jungen Königs Heinrich ernannt. Mit diesem sollte ihn letztlich eine langjährige und innige Freundschaft verbinden. Marshal war nicht nur Mentor des Königs, sondern nahm mit ihm überaus erfolgreich an einer Vielzahl von Turnieren teil. Er unterstützte ihn zudem in seinen zwei Rebellionen gegen seinen Vater, die jedoch scheiterten. Nach dem Tod Heinrichs 1183 reiste Marshal ins heilige Land, um den Mantel seines Herrn und Freundes nach Jerusalem zu bringen. Nach seiner Rückkehr trat er 1186 in den Haushalt König Heinrichs II. ein.7

Richard the Lionheart

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Richard Löwenherz, Darstellung aus dem 12. Jhd.

Richard, Sohn Heinrichs II., rebellierte ebenfalls gegen seinen Vater. Anders als sein Bruder Heinrich war Richard ein erfahrener Kommandeur. Er schaffte es schließlich, die Oberhand im Krieg zu gewinnen. 1189 nahm er Le Mans ein, die letzte Stadt des alten Königs. Dieser musste fliehen, um der Gefangennahme zu entgehen. William Marshal und William des Roches deckten den Rückzug ihres Herrn, der von seinem Sohn Richard verfolgt wurde. So kam es, dass Marshal und Richard Löwenherz direkt aufeinander trafen. William durchbohrte das Pferd Richards mit seiner Lanze, verschonte aber wohlweislich das Leben seines nur leicht gepanzerten Gegenübers. Heinrich II. entkam nach Chinon, wo er schließlich starb. William Marshal harrte bis zuletzt an seiner Seite aus.8

Richard Löwenherz nahm William noch im selben Jahr in seine Dienste auf und stimmte dessen Heirat mit Isabel von Clare zu. Dieser wurde somit der Herr von Striguil und damit ein Baron Englands. Mehr noch: Während Richards Kreuzzug ins Heilige Land diente William als Co-Justiciar Englands. Der einst mittellose Ritter hatte damit bereits jetzt einen sagenhaften Aufstieg erreicht.

William Marshal und König John

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König John, Darstellung aus dem 13. Jhd.

Richard wurde 1199 bei der Belagerung von Chalus von einem Armbrustbolzen tödlich getroffen. Sein Nachfolger wurde sein jüngerer Bruder John. Marshal wurde zum Earl von Pembroke ernannt. Der Titel des Earl besaß eine besondere Bedeutung. Er stammte noch aus angelsächsischer Zeit und hob Marshal auf eine deutlich höhere gesellschaftliche Stufe.

Die nächsten Jahre waren bestimmt durch die wachsenden Ambitionen des französischen Königs Philipp Augustus. Nach und nach vielen immer mehr Gebiete an Frankreich. 1202 führte Marshal die Verteidigung der Normandie an. Trotz aller Bemühungen vielen 1204 Rouen, Chateau Gaillard und die Normandie an die Franzosen. 1205 kam es zu Uneinigkeiten zwischen König John und William Marshal, der sich zunächst aus dem Umfeld des Hofes zurückziehen musste. Erst 1212 kehrte er an die Seite Johns zurück. 1215 begann die Rebellion der Barone gegen die als ungerecht empfundene Herrschaft des Königs. Diese erreichten noch im selben Jahr die Unterzeichnung der Magna Carta, die die Macht des Herrschers einschränken sollte.

1216 starteten die Franzosen unter ihrem König Louis eine Invasion Englands. Zu allem Überfluss starb der König noch im selben Jahr. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich III. William Marshal blieb auch dieses Mal dem Thron treu. Er wurde zum Wächter des Reiches ernannt und übernahm im Alter von 70 Jahren die Führung der englischen Armee.

Die letzte Schlacht

1217 war ein schicksalhaftes Jahr für England. Die Franzosen standen mit ihren Truppen fest auf englischem Boden. Unterstützt wurden sie von einigen Baronen, die sich auf die Seite des französischen Königs gestellt hatten. Doch die Engländer um William Marshal waren fest entschlossen, sie zu vertreiben. Bei Lincoln sollte es zur Entscheidung kommen. Durch eine geschickte Ablenkungstaktik war es den Engländern möglich, sich einen Weg in die Stadt zu bahnen. In der Folge kam es innerhalb der Mauern zu einer fürchterlichen Schlacht. Angeführt wurden die englischen Truppen von William Marshal höchstpersönlich, der mit seinem Sohn an der Spitze ritt. Zwischen Burg und Kathedrale kam es zu einem erbitterten Kampf. Die Schlacht entschied sich schließlich dadurch, dass die Franzosen in Panik gerieten und die Flucht antraten. Nur 200 französische Ritter sollen der anschließenden Verfolgung entkommen sein. Am 13. Juni wurde ein Friedensvertrag geschlossen und König Louis wurde gestattet, das Land mit seinen restlichen Truppen zu verlassen.9

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Die Schlacht von Lincoln, Illustration aus dem 13. Jhd.

Das Ende

William Marshal starb 1219, nur zwei Jahre nach der Schlacht von Lincoln, in Caversham Manor. Zuvor löste er ein Versprechen ein, dass er bereits 1180 gegeben hatte: Er trat dem Templerorden bei. Sein Freund und der Templermeister von England, Aimery von St. Maur, führte die notwendigen Riten durch. Nach seinem Tod wurde sein Körper zur Reading Abbey gebracht, wo eine erste Messe abgehalten wurde. Am 18. Mai wurde er in einer feierlichen Prozession in London zur Westminster Abbey überführt. Seine letzte Ruhe fand er schließlich am 20. Mai 1219 in der Temple Church in London. Seine Frau Isabel starb nur ein Jahr später. Sie wurde nicht älter als 45 Jahre.10

Die Karriere von William Marshal war beispiellos. Die Bezeichnung als der „größte aller Ritter“ bezieht sich dabei nicht nur auf seine Taten im Kampf, sondern auch auf seine Erfolge im politischen und materiellen Bereich. Seine Körpergröße, Kraft, Mut und sehr stabile Konstitution machten ihn zu einem geborenen Kämpfer in einer Zeit, in der dem bewaffneten Kampf eine große Bedeutung zukam. Seine Intelligenz und sein Verständnis für politische Zusammenhänge ermöglichtem ihm, auch auf der politischen Bühne eine erfolgreiche Rolle zu spielen. Er stand stets fest an der Seite derjenigen, denen er Treue und Freundschaft geschworen hatte. Eine Tatsache, die selbst von seinen Feinden respektiert wurde. Er besaß damit eine Kombination aus Eigenschaften, die so bei kaum einem anderen Menschen seiner Zeit vorhanden waren. Dazu kam, dass ihm bei mehreren Gelegenheiten das Glück unter die Arme griff. So kam es, dass ihn bereits seine Zeitgenossen als den größten aller Ritter in Erinnerung behielten.

Literatur:

Asbridge, Thomas: The Greatest Knight. The Remarkable Life of William Marshal, the Power behind five English Thrones. London, 2015.

1Vgl. Asbridge, Thomas (2015). S. 24-28.

2Vgl. Ebd. S. 54-58.

3Vgl. Ebd. S. 69.

4Vgl. Ebd. S. 63-69.

5Eben der Guy von Lusignan, der König von Jerusalem werden sollte und von Sultan Saladin in der Schlacht von Hattin besiegt wurde.

6Vgl. Ebd. S. 82-84.

7Vgl. Ebd. S. 384-385.

8Vgl. Ebd. S. 198-204.

9Vgl. Ebd. S. 353-361.

10Vgl. Ebd. S. 373-375.

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Die Bedeutung von Frauenkleidern für die Ritter des Mittelalters

Für den mittelalterlichen Ritter spielten die Frauen eine entscheidende Rolle. Die Suche nach der Minne (der höfischen Liebe) einer adligen Dame war eine der Hauptmotivationen für so gut wie jeden Ritter. Diese Suche musste dabei nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt sein. Der Weg war das Ziel. Ein langer Minnedienst, also das beständige Streben nach der Gunst der Angebeteten, ihr Besingen in eigenen Liedern war an sich schon Sinn stiftend.

Umso größer war die Freude, wenn der Ritter dann doch irgendwann mit der Gunst der Dame bedacht wurde. Geschehen konnte dies immer, oft werden Turniere genannt. Fast jeder kennt die Szene in vielen Mittelalterfilmen, in der die Dame ihrem Ritter ein Tuch an die Lanze heftet.

Tatsächlich kommt diese Darstellung der Realität sehr nahe. Allerdings handelte es sich damals nicht um die Taschentücher, die man in den Filmen häufig zu sehen bekommt. Es waren ganzen Kleidungsteile. Besonders beliebt waren die Ärmel. Wichtig war, dass die Dame das jeweilige Stück Stoff zuvor direkt auf ihrer Haut getragen hatte.

Diese Kleidungsstücke wurden auch nicht unbedingt an der Lanze getragen. Häufig befestigte sie der Ritter auf seinem Schild. Es sind auch Fälle überliefert, in denen Ritter ganze Oberteile, die sie zuvor von ihrer Angebeteten erhalten hatten, am eigenen Oberkörper oder an der Rüstung trugen. Diese Praxis wurde auch in realen Schlachten, also außerhalb von Turnieren, angewandt.

Es fällt auf, dass die jeweiligen Kleidungsstücke an Ausrüstungsgegenständen befestigt wurden, die dem Schutz des Ritters dienten. Wahrscheinlich versprachen sich die adligen Krieger eine zusätzliche Schutzwirkung durch Kleidung, die zuvor von ihrer umworbenen Dame getragen wurde.

Literatur:

Bumke, Joachim. Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 12. Auflage 2008. München, 1986.

 

In eigener Sache: „Das Mittelalter – Der Blog“ ist eine nicht-kommerzielle Seite, die ich in meiner Freizeit betreibe. Die Seite wird auch zukünftig trotz eines hohen Aufwandes kostenlos bleiben. Ich würde mich daher wirklich sehr über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

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Der Gruß im Mittelalter

In unserer Zeit gilt es als selbstverständlich, sich gegenseitig zu grüßen. Zumindest dann, wenn man in irgendeiner Art und Weise miteinander zu tun hat. Je nach Vertrautheit fällt der Gruß mehr oder weniger herzlich aus. Aber auch dann, wenn man sich eigentlich nicht wirklich leiden kann, grüßt man sich. In diesem Fall allerdings wohl eher wiederwillig, um eine gewisse Fassade aufrecht zu erhalten. Ein Beispiel: Den Arbeitskollegen, den man eigentlich überhaupt nicht leiden kann, wird man dennoch den Gruß nicht verweigern.

Wie ein Großteil unserer Traditionen hat auch der Gruß eine lange Geschichte. Im Mittelalter erfüllte er eine wichtige Funktion und hatte eine sehr viel symbolischere Bedeutung als heute. Zumindest dann, wenn es um den Adel ging. Der Gruß eines Adligen bedeutete gleichermaßen einen Gunstbeweis. Damit war er weit mehr als eine belanglose Geste oder ein schnell daher gesprochenes Wort. Er konnte sogar mit zukünftigen Versprechen verbunden sein. Wenn beispielsweise der König einen Adligen grüßte, war dies bereits eine große Ehre und man konnte sich zu Recht Hoffnungen auf eine nicht allzu geringe Gunst machen.

Dies gilt insbesondere für die Damenwelt des Mittelalters. Grüßte eine (unverheiratete) adlige Dame einen Herren, konnte dies  bereits als Versprechen auf eine innigere Beziehung gedeutet werden. Von daher war es sinnvoll sich genau zu überlegen, wen man grüßte. Ein Beispiel sind die Minnesänger. Diese beschwerten sich häufig darüber, dass die von ihnen besungenen Damen sie nicht eines Blickes würdigten. Kein Wunder, denn hätten sie dies getan, hätte es bereits ein ernsthaftes Interesse bekundet. Dies gilt auch für die Gunstbeweise bei Turnieren.

Wem man feindlich gesinnt war, den grüßte man überhaupt nicht. Nicht verwunderlich, dass es durchaus zu Missverständnissen kommen konnte, wenn man jemanden übersah und ihn deswegen nicht grüßte. Symbolisch hatte dies bereits eine große Wirkung.

Sekundärliteratur:

Bumke, Joachim. Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 12. Auflage 2008. München, 1986.

 

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The Tournament in the early and the later Middle Ages

What comes to your mind when you think of the medieval tournament? Surely you will think of two valiant knights in shining amoury and bright coulours who ride against each other, only separated from each other through a small fence in the middle of the field. One of the knights will either be knocked of his horse or the lance will break at his armour and there will be another round. Surely you will imagine that the knights will be encouraged from the king and the queen who are sitting on the tribune and the peasants who cheer from their stands.

That is not surprising, since this is exactly the way the medieval tournament is portrayed in most movies. And this form of tournament did actually exist in the later Middle Ages. The early times of the tournament looked very different. They were fought on a larger scale, were more brutal and more spectacular.

These fights were not fought on a normal showground, but in the countryside. There different forms of terrain were available for the knights to use: fields, forest, rivers and bushes. The knights could move freely in this environment and they could rest, if they were able to hide themselves and their horses. Participants came from every corner of Christendom, sometimes even kings took part in this tournaments. A knight could gain honour, recognition and fame by winning such a tournament. One could also make money by capturing rich knights and releasing them only after they promised to pay a certain amount of money. All of this was particulary interesting for young knights with nothing to inherit from their families. Only the first-born son inherited the land of the family. The second-born had to earn everything by himself. Why not doing so by doing something he was trained in for his whole life? Rich but unexperienced participants had to be careful, though. They could be recognized by their coats of arms and become targets of poor knights. High-ranking knights like a king would bring some bodyguards with them to prevent others from capturing them.

The armoury did not consist of the well-known plate armour at this time, the 10th and 11th century. The knights wore mailshirts over padded shirts, a closed helmet and pieces of iron on sensible spots. The protection was not so good as in later times, and deaths and injuries were common. The weapons did not differ that much from later times. They were not sharp, but used with the whole strength by the knights.

The opening of the tournament consisted of the formation of the participants and a charge into the middle of the enemy ranks. You had to be fast, otherwise all the worthwile ransoms were taken by other knights. There were an audience, too. It consisted mainly of other knights who already used chants to support their favourite fighters. If someone managed it to win tournaments constantly, he could become famous.

As we see the original tournament differed from that of later times. It was harder, more dangerous but offered also more chances than the later tjosting. Of course you could also lose more. It was also very much more a training for real battle and offered the knights a possibility to make a living by using their abilities to fight in times of peace.


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Das Turnier im frühen und hohen Mittelalter

Turnierszene aus dem Codex Manesse

Turnierszene aus dem Codex Manesse

An was denken Sie als erstes, wenn Sie das mittelalterliche Turnier vor Augen haben? Mit ziemlicher Sicherheit an zwei in glänzende Plattenpanzer und bunte Farben gekleidete Ritter, die sich auf ihren geschmückten Pferden entgegen reiten, lediglich durch einen Zaun voneinander getrennt, die Turnierlanze im Anschlag. Beim Aufprall wird einer der Ritter entweder vom Pferd gestoßen, die Lanze wird splittern oder es wird noch einen weiteren Durchgang geben. Sicherlich werden Sie sich auch vorstellen, wie das Geschehen von einer Bühne aus vom König und der Königin und weiteren Würdenträgern des Reiches erfolgt wird und wie das einfache Volk von seinen Rängen aus jubelt.

Kein Wunder, denn genau so wird das mittelalterliche Turnier in der Regel dargestellt. Und diese Form, übrigens Tjost genannt, gab es auch tatsächlich. Die Anfänge des Turniers sahen allerdings ganz anders aus. Die frühe Form gab es zwar in kleinerem Maßstab in Form des Buhurts auch später noch, aber die ersten Turniere waren wesentlich umfangreicher, spektakulärer und gewalttätiger als ihre Nachfolgeveranstaltungen.

Diese Kämpfe wurden nicht auf einem normalen Turnierplatz ausgetragen, sondern in normalem Gelände. Dieses beinhaltete meist mehrere Geländeformen: Feld, Wald, Flüsse und Dickicht. In diesem Gelände konnten sich die Ritter frei bewegen, kämpfen und sogar ausruhen, wenn sie sich verstecken konnten. Teilnehmer kamen von überall her, sogar Könige nahmen teil. Es gab vor allem zwei Ziele. Zum einen konnte man durch den Sieg Ehre, Anerkennung und Bekanntheit erlangen und sich vielleicht sogar einem Herrscher für den nächsten Kriegszug empfehlen. Zum anderen konnten man durch die Gefangennahme gegnerischer Ritter mehr oder weniger hohe Lösegelder erzielen. Beides waren besonders erstrebenswerte Ziele für junge Ritter, die als Zweitgebohrene keinen Anspruch auf ein Erbe hatten oder die auch als Erstgebohrene aufgrund der Armut des Vaters nichts zu erwarten hatten. Sie mussten sich Geld und Ehre erst verdienen. Was lag näher als dies durch den Kampf zu erreichen, in dem sie ihr Leben lang ausgebildet worden waren? Reiche aber unerfahrene Kämpfer mussten achtsam sein. Anhand ihrer Wappen konnten sie schnell erkannt werden und wurden dann schnell Opfer von erfahrenen Rittern, die so relativ einfach satte Lösegelder gewinnen konnten. Im Falle der Teilnahme von hochgestellten Persönlichkeiten traten diese meist in Begleitung mehrer Gefolgsleute teil, die quasi als Leibwächter fungierten.

Die Ausrüstung bestand in dieser Zeit, dem 11. und 12. Jahrhundert, noch nicht aus den berühmten Plattenrüstungen. Es gab Topfhelme, ansonsten wurde meistens ein Kettenhemd über einem wattierten Wams getragen, manchmal durch Eisenplatten an wichtigen Stellen verstärkt. Dennoch, insgesamt war der Schutz geringer als bei den späteren Turnieren. Verletzte und Tote gab es regelmäßig. Als Waffe wurde alles verwendet, was auch auf dem Schlachtfeld Verwendung fand: Schwert, Lanze, Streitkolben, Schild. Die Waffen waren zwar nicht scharf, aber die Teilnehmer schlugen mit aller Kraft zu.

Die Eröffnung des Turniers erfolgte durch das Aufstellen der Ritter, die kurz darauf aufeinander losstürmten. Und das möglichst schnell, um ja kein Lösegeld zu verpassen. Und es gab auch Zuschauer. Meist bestand das Publikum ebenfalls aus Rittern, die sogar Fangesänge zum besten gaben. Wer kontinuierlich gut kämpfte, konnte sich also sogar dauerhafte Fans schaffen.

Wie wir sehen weicht das ursprüngliche Turnier wesentlich von dem ab, was wir uns heute als solches vorstellen und was in den Filmen gezeigt wird. Diese Form gab es wie gesagt erst ab dem Hochmittelalter. Das Massenturnier davor war gefährlicher, härter und auch mit höheren Gewinnen oder Verlusten verbunden. Auch war es sehr viel eindeutiger Training für die Schlacht und eine Möglichkeit für die Ritter, auch in Friedenszeiten ihrem Handwerk nachgehen zu können und davon zu leben.


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