Piraten des Mittelalters

Das drittälteste Gewerbe der Welt verhieß bereits seit der Antike all jenen ein Einkommen, die gewillt waren, ihr Leben aufs Spiel zu setzen und anderen das ihre sowie ihre Besitztümer zu nehmen. Beute fanden die Seeräuber zu allen Zeiten reichlich, zur See wie an Land. Die grundsätzlichen Strukturen und Vorgehensweisen unterschieden sich im Mittelalter kaum von denen, die sich von 17. bis zum 18. Jahrhundert finden lassen- von der Waffentechnik einmal abgesehen.

Wikinger: Seeräuber des Nordens

Die Nordmänner waren wahre Meister der Kriegführung zur See und im Durchführen schneller Überfälle. Sogar Belagerungen und offene Schlachten fürchteten sie nicht. Ihre Unerschrockenheit brachte ihnen schnell einen furchterregenden Ruf ein. Zeitweise wurden sie gar als Strafe Gottes für die Sünden innerhalb der christlichen Königreiche betrachtet. Ihre Langschiffe waren allen anderen Schiffen ihrer Zeit weit voraus. Bei schneller Fahrt sorgte die Anordnung der Planken dafür, dass Luft unter den Rumpf geleitet wurde und sich dort zwischen Schiff und Wasser schob. So waren ungewöhnlich hohe Geschwindigkeiten erreichbar. Der geringe Tiefgang sorgte zudem dafür, dass die Wikinger selbst auf kleinen Flüssen Ziele erreichen konnten, die weit im Inland lagen.

Die Piratenschiffe des Mittelalters

Das Design der Langschiffe wurde von einigen Seefahrern noch lange Zeit beibehalten. Im Hoch- und Spätmittelalter wurde vor allem die Kogge verwendet, die in unterschiedlichen Größen gefertigt wurde. Dieser Schiffstyp besaß einen größeren Tiefgang als das Langschiff und konnte weit mehr Ladung aufnehmen. Es war zwar langsamer als die Langschiffe, dafür aber weit stabiler. An Bug, Heck sowie am Hauptmast befanden sich Plattformen, von denen aus gekämpft werden konnte. In einer Seeschlacht nahmen die Koggen zunächst Fahrt auf und rammten anschließend das gegnerische Schiff. Anschließend kam es zum Kampf Mann gegen Mann. In manchen Fällen wurden Koggen beim Aufprall derart beschädigt, dass sie sanken. Für die Piraten war dies, zumindest bei Kaperfahrten, jedoch nicht das gewünschte Ziel.

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Kogge auf dem Siegel von Stralsund

Eustache le Moine – ein Mönch als Pirat

Eustache war ein flämischer Mönch, der im Auftrag der englischen Krone französische Schiffe überfiel. Er operierte vor allem von der englischen Südküste sowie den Kanalinseln aus. Seine Gier nach Beute ließ ihn jedoch bald auch englische Schiffe ins Visier nehmen. 1212 musste er aus England fliehen und stellte sich sogleich in den Dienst des französischen Königs Philipp II. In seinem Auftrag sollte er die geplante Invasion Englands anführen. In der folgenden Seeschlacht unterlag die französische Flotte allerdings. Eustache wurde gefangen genommen und noch auf See enthauptet.

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Eustache in der Schlacht von Sandwich 1217. Chronica Majora des Matthäus Paris (1200–1259).

Die Vitalienbrüder

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde der Nord- und Ostseeraum von einer Gruppe unsicher gemacht, die „Vitalienbrüder“ genannt wurde. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts taucht außerdem die Bezeichnung „Likedeeler“ auf, was so viel wie „Gleichteiler“ bedeutet. Die Beute könnte also zu gleichen Teilen unter der Besatzung aufgeteilt worden sein, ähnlich den späteren Piratengenerationen.

Ursprünglich handelte es sich bei dieser Gruppe um Söldner, die keinen Sold erhielten. Stattdessen waren sie selbst dafür verantwortlich, sich ihre Beute zu sichern. Dies war derart lohnenswert, dass sie sich dieser Beschäftigung auch außerhalb offizieller Kriegszüge widmeten. Wer nun denkt, es hätte sich hierbei ausnahmslos um namenlose Räuber gehandelt, liegt falsch. Eine nicht geringe Zahl rekrutierte sich aus dem Landadel des Nordens. Gödeke Michels, Klaus Störtebeker, Henning Wichmann, Klaus Scheld und Magister Wigbold sind nur ein paar namhafte Persönlichkeiten, die als Anführer auftraten. Zusammen mit nichtadeligen Piraten bildeten sie sogenannte Bruderschaften.

Die Vitalienbrüder operierten so gut wie immer in Kooperation mit Territorialherrschern. Sie waren sowohl im Auftrag von Mecklenburg als auch Dänemarks tätig. Im Nordseeraum arbeiteten sie vor allem mit den ostfriesischen Häuptlingen zusammen, die ebenfalls Piraterie betrieben.

Es liegt nahe, dass die Piraten immer wieder in Kontakt mit den Kaufleuten der Hanse kamen. Diese setzte zwar selbst immer mal wieder auf den Dienst der Seeräuber. Da jedoch immer mehr Schiffe der Hanse Opfer von Überfällen wurden wuchs mehr und mehr der Wunsch, dem Treiben der Piraten ein Ende zu setzen. Die Hanse setzte zu diesem Zweck immer wieder Friedensschiffe ein. Diese waren allerdings teuer, ihre Zahl dementsprechend klein. So blieb die Situation erst einmal, wie sie war.

Das Ende der Vitalienbrüder

Nur ein entschlossenes Vorgehen konnte der Piratenplage ein Ende bereiten. Dies war bekannt, doch musste erst der Leidensdruck hoch genug werden. Gotland, seit Ende des 14. Jahrhunderts eine reine Seeräuber-Insel, wurde 1398 durch eine Flotte des Deutschen Ordens eingenommen. Die Hanse übte unterdessen Druck auf die Ostfriesen aus, die schließlich ihre Unterstützung der Vitalienbrüder einstellten. Die Kaufleute rangen sich nun endlich dazu durch, eine Flotte auszurüsten. Diese stach von Lübeck aus in See und besiegte die Seeräuber auf der Osterems. Einige Anführer konnten zunächst entkommen, wurden aber später gestellt und getötet oder gefangen genommen. Am Leben gelassen wurde letztlich keiner der gefangenen Piraten. Die Städte wollten ein Exempel statuieren. Genutzt hat es freilich nichts. Auch nach dem Ende der Vitalienbrüder kam es immer wieder zu Überfällen auf Handelsschiffe.

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Klaus Störtebeker wird 1401 als Gefangener nach Hamburg gebracht. Nach einem Holzstich von Karl Gehrts (1877).

Die Ursachen der Piraterie

Die einen besitzen viel, die anderen wenig oder nichts. Wurde die Armut immer drängender, weckten offen zur Schau gestellter Reichtum und reiche Handelsverbindungen schon im Mittelalter Begehrlichkeiten. Dabei war es unerheblich, ob ein Seeräuber von adliger Abstammung war oder nicht. Ähnlich den Raubrittern zu Land sahen verarmte Adlige in der Piraterie eine Möglichkeit, mit Hilfe ihrer von Kindesbeinen an erlernten Fähigkeiten ihren Lebensunterhalt zu sichern. Eben diese Fähigkeiten sorgten dafür, dass sie die Raubzüge anführten und zur Anlaufstelle auch für viele Nichtadelige wurden, die ansonsten verhungert wären. So erklärt sich auch, warum aller Einsatz der Städte und Staaten nicht dazu führte, dass die Piraten restlos verschwanden. Es war zudem nicht besonders hilfreich, dass immer wieder Kaperbriefe vergeben wurden. All dies sollte nicht nur kein Ende finden, sondern sich viele Jahrhunderte fortsetzen – auf allen Meeren der Welt.

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Der Kampf zur See im Mittelalter

Seeschlachten sind in der Militärgeschichte stets mit großem Interesse untersucht worden. Ob Antike oder Neuzeit – Aufzeichnungen über Taktik und Vorgehensweise sind zahlreich zu finden. Die Quellenlage für das Mittelalter ist weniger günstig. Dennoch möchte ich in diesem Artikel einen kleinen Überblick über die Seeschlacht im Mittelalter geben. Dabei muss unterschieden werden zwischen Früh-, Hoch- und Spätmittelalter und zudem der geografischen Region. Als Beispiel sollen hier zunächst die Wikinger dienen, erfahrene Krieger zur See und Pioniere im Schiffbau. Weiterhin ist die Zeit der Hanse von Bedeutung, hier insbesondere die Koggen und ihr Einsatz in Seegefechten. Schließlich möchte ich auf die Schiffe des späten Mittelalters eingehen, die zum Teil bereits einige Ähnlichkeiten mit den Schiffen des 18. und 19. Jahrhunderts aufwiesen.

Die Wikinger – Pioniere auf See

Wikinger

Frühe Darstellung dänischer Krieger auf ihren Langboote

Im frühen Mittelalter gab es in Europa kein seefahrendes Volk, das auch nur entfernt mit den Wikingern verglichen werden kann. Die Langschiffe dieser erfahrenen und überaus erfolgreichen Krieger waren Meisterwerke der Schiffsbaukunst und taktisch äußerst vielseitig einsetzbar. Sie konnten nicht nur auf dem Meer, sonder aufgrund ihres geringen Tiefgangs auch in küstennahen Gebieten und sogar auf Flüssen eingesetzt werden. Sie waren dementsprechend für schnelle Anlandungen bestens geeignet. Auch Schlachten zwischen Wikingerflotten sind überliefert. Die unterschiedlich großen Schiffe wurden dazu aneinander vertäut und bildeten so hölzerne Plattformen, auf denen gekämpft wurde. Wer den Gegner im Nahkampf bezwingen konnte, gewann das gegnerische Schiff. In diesem Kontext gewinnen auch spielerische Übungen der Wikinger an Bedeutung, beispielsweise das Laufen auf den Rudern bei voller Fahrt.

 

Die Koggen – Schwimmende Festungen

Die Koggen des Hochmittelalters waren wesentlich schwerfälliger als die schnellen Langboote. Dementsprechend unterschied sich die Taktik, in deren Rahmen sie eingesetzt wurden. Koggen verfügten über relativ hohe Bordwände. Am Bug und am Heck befanden sich hölzerne Kastelle, die Schutz vor Geschossen boten. Auch vom geschützten Mastkorb aus wurde gekämpft. Der Kampf zwischen Koggen begann in der Regel damit, dass die Schiffe aufeinander zu segelten und versuchten, eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Diese war wichtig, um dem Gegner einen möglichst heftigen Rammstoß zu verpassen und im besten Fall direkt zu versenken. Passierte dies nicht, kam es zunächst zu einem Schusswechsel mit Pfeilen, Bolzen und Büchsengeschossen. Anschließend wurden die Schiffe mit der Hilfe von Enterhaken fixiert und es kam zum Kampf Mann gegen Mann. Wichtig zu beachten ist, dass es beim Koggenbau keine Einheitsgröße gab. Das bedeutet, dass es durchaus bedeutende Größenunterschiede geben konnte und ein Kampf damit unter Umständen schon im Vorfeld entschieden war.

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Galeeren – nicht nur in der Antike eingesetzt

Insbesondere im Mittelmeer bildeten die Galeeren das Rückgrat byzantinischer, italienischer, spanischer/portugiesischer und sarazenischer Flotten. Wie ihre antiken Vorbilder wurden sie sowohl durch Segel als auch durch Ruder angetrieben und verfügten über einen Rammsporn am Bug. Im späten Mittelalter wurde auf ihnen auch Kanonen eingesetzt, die allerdings nur nach vorne bzw. hinten feuern konnten. Sie waren relativ schnell und wendig, allerdings auch anfällig für raue See. Dieser Schiffstyp wurde auch im 17. Jahrhundert noch eingesetzt. Das Hauptaugenmerk im Kampf lag bei den Galeeren darin, gegnerische Schiffe zu entern. Zu diesem Zweck befanden sich neben den Ruderern und Seeleuten zahlreiche Soldaten an Bord.

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Die Schlacht von Lepanto 1571

Das Spätmittelalter und die Weiterentwicklung des Schiffbaus

Mit der Einführung der Pulverwaffen veränderte sich die Taktik zur See nach und nach. Langbögen, Armbrüste und Handbüchsen waren nur der Anfang. Mit der Erfindung der Kanone boten sich für Schiffe ganz neue Möglichkeiten der Bewaffnung. Dazu waren allerdings zunächst neue Konstruktionsarten notwendig. Während die Galeeren wie bereits erwähnt nur nach vorne und hinten feuern konnten, setzten sich im Westen bald Schiffe durch, die ganze Breitseiten abfeuern konnten. Die Kanonen wurden dazu an der Schiffswand platziert, später dann auf mehreren übereinander liegenden Decks. Das diese Art der Konstruktion anfangs noch Probleme machte, lässt sich beispielsweise am Beispiel der Mary Rose, dem Flaggschiff des englischen Königs Heinrich VIII., zeigen. Bei einem scharfen Wendemanöver während der Schlacht von Solent 1545 drang durch eine der nah an der Wasserlinie liegenden Geschützluke Wasser ein. Das Schiff kenterte vor dem Augen des Königs.

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Die Mary Rose. Darstellung von 1546.

Auch nach Ende des Mittelalters kam es noch zu Unfällen, die in direkten Zusammenhang mit einer fehlerhaften Konstruktion gebracht werden können. 1628 sank die schwedische Galeone „Vasa“ auf ihrer Jungfernfahrt (nach ca. einem Kilometer), da ihr Schwerpunkt deutlich zu hoch lag. Briten und Holländer schafften es aber im 17. Jahrhundert, hochseetaugliche und schlagkräftige Schlachtschiffe zu bauen und einzusetzen. Mit ihnen Begann eine neue Ära der Kriegführung zur See.

Schiffe und Seefahrt der Wikinger

Die Wikinger waren das bedeutendste seefahrende Volk des frühen Mittelalters. Ihre Fähigkeiten in Schiffbau, Seefahrt und Kriegführung zur See sollten lange Zeit unübertroffen und bis in unsere heutige Zeit hinein Vorbild bleiben. Nur so war es den Wikingern möglich, ihre berühmten Fahrten zu unternehmen oder erfolgreich Seeräuberei zu betreiben. Dabei beschränkten sich ihre Fähigkeiten längst nicht nur auf den Krieg. Viel wichtiger waren Entdeckung, Besiedlung und Handel. Nicht nur in der damals bekannten Welt erreichten sie so jeden Winkel, sie überquerten gar den Atlantik und gründeten die erste europäische Siedlung in Neufundland. Auch kamen sie lange vor Christoph Kolumbus in Kontakt mit den amerikanischen Ureinwohnern. Doch was machte ihre Schiffe derart besonders?

Die Geschichte der skandinavischen Seefahrt reicht zurück bis in die Bronzezeit, in der noch Kanus eingesetzt wurden. Diese wurden noch nicht über den Wind angetrieben, sondern durch Muskelkraft. Gedacht waren sie in erster Linie für den Einsatz auf Binnengewässern. Das früheste nachgewiesene Boot dieser Art ist das Hjortspring-Boot, das in Dänemark gefunden wurde und aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammt. Es war 19 Meter lang und zwei Meter breit. Angetrieben wurde es durch 24 Paddler. Ruder wurden erstmals bei Booten aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen.[1]

Segel besaßen diese frühen Schiffe noch nicht. Diese werden zum ersten Mal in einem Bericht von Sidonius Appolinaris aus dem Jahr 743 n. Chr. erwähnt. Aufschluss über die Konstruktionsweise gibt das Oseberg-Schiff, dass aus dem Jahr 820 n. Chr.  stammen soll. Das Schiff war 21,5 Meter lang, 5,2 Meter breit und 1,4 Meter hoch. Der Mast war vor mittschiffs auf dem Kielschwein angebracht. Ein Mastpartner stützte ihn dabei zusätzlich. Als zusätzliche Sicherungen gab es zahlreiche Taue und Wanten, um den Mast auch seitlich abzustützen und so der Kraft des Windes etwas entgegen zu setzen. Von besonderer Bedeutung war die Mastfischplatte. Auf dieser saß der Mast auf. Sie hatte die Aufgabe, das Gewicht des Mastes und die Kraft des auf das Segel wirkenden Windes auf eine breite Fläche zu übertragen. Die Länge der Platte musste dabei an die Länge des Schiffes angepasst werden, um eine Überbelastung zu vermeiden.[2]

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Der Bau der Schiffe oblag erfahrenen Baumeistern, die von Anfang an nach einer klaren Vorstellung arbeiten ließen. Zunächst wurde  der Kiel angelegt. Anschließend fügte man die Planken nach und nach hinzu. Danach erst brachte man die inneren Bauelemente an. Während bei den frühen Schiffen die Planken noch mit Seilen verbunden wurden, verwendete man später Nieten. Das Bauholz wurde mit Äxten bearbeitet. Da die Wikinger keine Sägen kannten, mussten die Baumstämme zuvor mit Keilen gespalten werden. Auch wenn man Hobel verwendete, konnte man mit Hilfe der Äxte bereits eine sehr glatte Oberfläche herstellen. Zusätzlich kamen kleine Handbohrer und Schnitzwerkzeuge zum Einsatz. Man vermutet, dass zum Bestimmen von Längen Senkbleie verwendet wurden. Nieten und Anker bestanden aus Eisen und mussten in Schmieden hergestellt werden.[3]

Gebaut wurde dabei nicht nur ein Schiffstyp. Für verschiedene Aufgaben wurden unterschiedliche Schiffe eingesetzt. Aus den Kriegskanus entwickelten sich zunächst die bekannten Kriegsschiffe, die lang und schlank waren. Mit ihnen konnten große Geschwindigkeiten erreicht werden, auch konnten sie durch ihren geringen Tiefgang Flüsse und Seen befahren. Angetrieben wurden sie durch Segel und Ruder, gelenkt durch ein Steuerruder am Heck. Die Maße konnten variieren. Für den Transport von Waren und längere Reisen auf dem offenen Meer wurden später Frachtschiffe, die Knorren, entwickelt. Sie waren breiter und besaßen mehr Tiefgang.[4]

Bei der Schifffahrt ist es unerlässlich, navigieren zu können. In der Anfangszeit wurde häufig noch mit Hilfe von Landmarken navigiert. Hierzu durfte man sich aber nicht zu weit von der Küste entfernen. Wenn die Wikinger weiter vom Land entfernt waren, nutzten sie die Sonne und andere Sterne dazu, sich zu orientieren. Als Hilfe konnten auch Seevögel dienen, die sich in der Nähe von Land aufhalten. Auch führten manche Seefahrer eigene Vögel mit, die sie fliegen ließen und ihnen quasi folgten. Die Tiere folgten ihrem inneren Kompass, um an Land zu gelangen. Wichtig waren auch Erfahrungswerte über Winde und Strömungen, an denen sich die Wikinger orientieren konnten. So war es ihnen auch möglich, das Wetter für die kommenden Tage vorauszusagen. Als einzig wirklich belegtes technisches Hilfsmittel gilt das Lot, mit dem nahe der Küste Wassertiefen bestimmt werden konnten.[5]

Die wikingische Seemannschaft war in ihrer Zeit einzigartig und überaus erfolgreich. Nur durch sie gelang es den skandinavischen Völkern, ihre Heimatländer zu verlassen und in unbekannte Breiten vorzustoßen. Sie orientierten sich dabei nicht an festgeschriebenen Plänen, sondern griffen auf die mündlich überlieferten Erfahrungen anderer Seefahrer zurück. Gerade dies macht es so schwierig, die damals verwendeten Methoden zu rekonstruieren, auch wenn die experimentelle Archäologie hier bereits Großes geleistet hat. So konnte in Tests herausgefunden werden, dass durch die Anordnung der Planken bei schnellen Fahrten Luft unter das Langschiff gesogen wurde und es so ein klein wenig aus dem Wasser hob und den Widerstand verringerte. Für diese frühe Epoche eine unglaubliche Leistung.


[1] Vgl. Bill, Jan (2001). S. 193-194.

[2] Vgl. Ebd. S. 195-197.

[3] Vgl. Ebd. S. 203-206.

[4] Vgl. Ebd. S. 198-200.

[5] Vgl. Ebd. S. 207-209.

Literatur:

Bill Jan. Schiffe und Seemannschaft. In: Sawyer, Peter (Hg.). Die Wikinger. Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes. 2. Auflage 2001. Stuttgart, 2000. S. 192-211.

 

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