William Marshal – Der größte aller Ritter

Ritter, Turnierchampion, Berater von fünf englischen Königen, schließlich einer der mächtigsten Barone Englands – und nicht zuletzt ein Ritter, der trotz zahlreicher Kämpfe und Schlachten erst im stolzen Alter von 72 Jahren eines natürlichen Todes starb. Wer war dieser Mann, der in einer brutalen und unsicheren Zeit nicht nur überlebte, sondern einen beachtlichen sozialen Aufstieg schaffte?

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Wappen William Marshals

Eine traumatische Kindheit

Die Startbedingungen waren alles andere als vielversprechend. Sein Vater, John Marshal, war ein berüchtigter Warlord, der im englischen Bürgerkrieg auf der Seite der Kaiserin Matilda gegen König Stephan ins Feld zog. Seine väterliche Liebe schien nicht allzu groß gewesen zu sein. Im Alter von nur fünf Jahren wurde William dem König als Garant für einen Waffenstillstand im Zuge der Belagerung von Newbury übergeben. John dachte jedoch nicht daran, sich an seine Zusagen zu halten. William wurde mehrmals vor die Mauern geführt und an den Galgen gestellt, um seinen Vater unter Druck zu setzen. Einmal sollte er gar mit einem Katapult in die Burg geschleudert werden. Auch wenn letztlich keines dieser schrecklichen Vorhaben in die Tat umgesetzt wurde, so müssen diese Erlebnisse für den kleinen Jungen traumatisch gewesen sein.1

Der junge Ritter

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Chateau de Tancarville

Als Zweitgeborener hatte William Marshal nur geringe Aussichten auf das väterliche Erbe. 1160, im Alter von 13 Jahren, reiste er daher nach Tancarville in der Normandie, um dort seine Ausbildung zum Ritter abzuschließen. 1166 wurde er zum Ritter geschlagen und hatte auch gleich Gelegenheit, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Bei Neufchatel kam es zu einem durch Grenzstreitigkeiten ausgelösten Kampf, in dessen Verlauf sich der junge Ritter tapfer schlug. Doch Marshal musste lernen, dass ein Ritter nicht nur an seiner Tapferkeit gemessen wurde. Er versäumte es, Gefangene zu machen, für die er Lösegeld hätte verlangen können. Außer Spott und Witzeleien seitens seiner Kampfgefährten musste er sich nun einem viel größeren Problem stellen: Obwohl den Tancarvilles verwandtschaftlich verbunden, wurde er aus dem Haushalt ausgeschlossen. Ein Ritter wurde eben nicht nur an seiner Tapferkeit gemessen. Sein Besitz bestimmte letztlich, wer er war.2 Die „History of William Marshal“ vermerkt dazu: „You are what you have got, and no more than that.“3

Das Turnier als letzter Ausweg

Als mittelloser Ritter hatte William Marshal nur wenige Optionen. Er besaß noch keinen großen Namen, konnte also nicht darauf hoffen, von einem anderen Fürsten ohne weiteres in seine Dienste übernommen zu werden. Ihm blieb nur eine andere, wenn auch hochriskante Möglichkeit: Die Teilnahme an einem Turnier. Die Turniere dieser Zeit lassen sich nicht mit denen des späten Mittelalters oder der frühen Neuzeit vergleichen. Dies waren keine repräsentativen Veranstaltungen, auf denen sich der Adel in all seiner Pracht präsentierte. Im Grunde handelte es sich um Übungen für den Krieg. Verschiedene Gruppen kämpften mit scharfen Waffen auf einem Terrain, das nicht klar begrenzt war. Das Ganze konnte dabei durchaus länger dauern als nur einen Tag. Es ging jedoch nicht darum, den Gegner zu töten. Gefangene zu machen war das Ziel. Marshal kämpfte in seinem ersten Turnier bei Sainte Jamme ausgerechnet mit dem Aufgebot der Tancarvilles. Und er zeigte, dass er dazu gelernt hatte. Er machte zwei Ritter zu seinen Gefangenen, was ihm neben vier Schlachtrössern, diversen Packpferden und mehreren Rüstungen vor allem Respekt und Ansehen einbrachte.4

Im Dienst des Königshauses

Williams Erfolge machten ihn mit einem Schlag für die Fürsten interessant, die stets nach bekannten Rittern Ausschau hielten. So wurde er Teil des Gefolges des Patrick von Salisbury. Mit diesem begleitete er 1168 die englische Königin, Eleonore von Aquitanien, auf ihrer Reise nach Poitou. Die Gegend war berüchtigt für die dort schwelenden Konflikte. Und tatsächlich wurde die Gruppe von Rittern unter der Führung der Brüder Geoffrey und Guy von Lusignan5 angegriffen. William und der Rest der Ritter um Patrick von Salisbury stellten sich trotz ihrer geringen Zahl und nicht angelegten Rüstungen den Angreifern entgegen, um der Königin die Flucht zu ermöglichen. Patrick wurde getötet, Marshal geriet schwer verwundet in Gefangenschaft. Ausgelöst wurde er schließlich durch die Königin, die ihn kurz darauf in ihr persönliches Gefolge aufnahm.6

1170 wurde William Marshal zum „Tutor in Arms“ des jungen Königs Heinrich ernannt. Mit diesem sollte ihn letztlich eine langjährige und innige Freundschaft verbinden. Marshal war nicht nur Mentor des Königs, sondern nahm mit ihm überaus erfolgreich an einer Vielzahl von Turnieren teil. Er unterstützte ihn zudem in seinen zwei Rebellionen gegen seinen Vater, die jedoch scheiterten. Nach dem Tod Heinrichs 1183 reiste Marshal ins heilige Land, um den Mantel seines Herrn und Freundes nach Jerusalem zu bringen. Nach seiner Rückkehr trat er 1186 in den Haushalt König Heinrichs II. ein.7

Richard the Lionheart

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Richard Löwenherz, Darstellung aus dem 12. Jhd.

Richard, Sohn Heinrichs II., rebellierte ebenfalls gegen seinen Vater. Anders als sein Bruder Heinrich war Richard ein erfahrener Kommandeur. Er schaffte es schließlich, die Oberhand im Krieg zu gewinnen. 1189 nahm er Le Mans ein, die letzte Stadt des alten Königs. Dieser musste fliehen, um der Gefangennahme zu entgehen. William Marshal und William des Roches deckten den Rückzug ihres Herrn, der von seinem Sohn Richard verfolgt wurde. So kam es, dass Marshal und Richard Löwenherz direkt aufeinander trafen. William durchbohrte das Pferd Richards mit seiner Lanze, verschonte aber wohlweislich das Leben seines nur leicht gepanzerten Gegenübers. Heinrich II. entkam nach Chinon, wo er schließlich starb. William Marshal harrte bis zuletzt an seiner Seite aus.8

Richard Löwenherz nahm William noch im selben Jahr in seine Dienste auf und stimmte dessen Heirat mit Isabel von Clare zu. Dieser wurde somit der Herr von Striguil und damit ein Baron Englands. Mehr noch: Während Richards Kreuzzug ins Heilige Land diente William als Co-Justiciar Englands. Der einst mittellose Ritter hatte damit bereits jetzt einen sagenhaften Aufstieg erreicht.

William Marshal und König John

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König John, Darstellung aus dem 13. Jhd.

Richard wurde 1199 bei der Belagerung von Chalus von einem Armbrustbolzen tödlich getroffen. Sein Nachfolger wurde sein jüngerer Bruder John. Marshal wurde zum Earl von Pembroke ernannt. Der Titel des Earl besaß eine besondere Bedeutung. Er stammte noch aus angelsächsischer Zeit und hob Marshal auf eine deutlich höhere gesellschaftliche Stufe.

Die nächsten Jahre waren bestimmt durch die wachsenden Ambitionen des französischen Königs Philipp Augustus. Nach und nach vielen immer mehr Gebiete an Frankreich. 1202 führte Marshal die Verteidigung der Normandie an. Trotz aller Bemühungen vielen 1204 Rouen, Chateau Gaillard und die Normandie an die Franzosen. 1205 kam es zu Uneinigkeiten zwischen König John und William Marshal, der sich zunächst aus dem Umfeld des Hofes zurückziehen musste. Erst 1212 kehrte er an die Seite Johns zurück. 1215 begann die Rebellion der Barone gegen die als ungerecht empfundene Herrschaft des Königs. Diese erreichten noch im selben Jahr die Unterzeichnung der Magna Carta, die die Macht des Herrschers einschränken sollte.

1216 starteten die Franzosen unter ihrem König Louis eine Invasion Englands. Zu allem Überfluss starb der König noch im selben Jahr. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich III. William Marshal blieb auch dieses Mal dem Thron treu. Er wurde zum Wächter des Reiches ernannt und übernahm im Alter von 70 Jahren die Führung der englischen Armee.

Die letzte Schlacht

1217 war ein schicksalhaftes Jahr für England. Die Franzosen standen mit ihren Truppen fest auf englischem Boden. Unterstützt wurden sie von einigen Baronen, die sich auf die Seite des französischen Königs gestellt hatten. Doch die Engländer um William Marshal waren fest entschlossen, sie zu vertreiben. Bei Lincoln sollte es zur Entscheidung kommen. Durch eine geschickte Ablenkungstaktik war es den Engländern möglich, sich einen Weg in die Stadt zu bahnen. In der Folge kam es innerhalb der Mauern zu einer fürchterlichen Schlacht. Angeführt wurden die englischen Truppen von William Marshal höchstpersönlich, der mit seinem Sohn an der Spitze ritt. Zwischen Burg und Kathedrale kam es zu einem erbitterten Kampf. Die Schlacht entschied sich schließlich dadurch, dass die Franzosen in Panik gerieten und die Flucht antraten. Nur 200 französische Ritter sollen der anschließenden Verfolgung entkommen sein. Am 13. Juni wurde ein Friedensvertrag geschlossen und König Louis wurde gestattet, das Land mit seinen restlichen Truppen zu verlassen.9

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Die Schlacht von Lincoln, Illustration aus dem 13. Jhd.

Das Ende

William Marshal starb 1219, nur zwei Jahre nach der Schlacht von Lincoln, in Caversham Manor. Zuvor löste er ein Versprechen ein, dass er bereits 1180 gegeben hatte: Er trat dem Templerorden bei. Sein Freund und der Templermeister von England, Aimery von St. Maur, führte die notwendigen Riten durch. Nach seinem Tod wurde sein Körper zur Reading Abbey gebracht, wo eine erste Messe abgehalten wurde. Am 18. Mai wurde er in einer feierlichen Prozession in London zur Westminster Abbey überführt. Seine letzte Ruhe fand er schließlich am 20. Mai 1219 in der Temple Church in London. Seine Frau Isabel starb nur ein Jahr später. Sie wurde nicht älter als 45 Jahre.10

Die Karriere von William Marshal war beispiellos. Die Bezeichnung als der „größte aller Ritter“ bezieht sich dabei nicht nur auf seine Taten im Kampf, sondern auch auf seine Erfolge im politischen und materiellen Bereich. Seine Körpergröße, Kraft, Mut und sehr stabile Konstitution machten ihn zu einem geborenen Kämpfer in einer Zeit, in der dem bewaffneten Kampf eine große Bedeutung zukam. Seine Intelligenz und sein Verständnis für politische Zusammenhänge ermöglichtem ihm, auch auf der politischen Bühne eine erfolgreiche Rolle zu spielen. Er stand stets fest an der Seite derjenigen, denen er Treue und Freundschaft geschworen hatte. Eine Tatsache, die selbst von seinen Feinden respektiert wurde. Er besaß damit eine Kombination aus Eigenschaften, die so bei kaum einem anderen Menschen seiner Zeit vorhanden waren. Dazu kam, dass ihm bei mehreren Gelegenheiten das Glück unter die Arme griff. So kam es, dass ihn bereits seine Zeitgenossen als den größten aller Ritter in Erinnerung behielten.

Literatur:

Asbridge, Thomas: The Greatest Knight. The Remarkable Life of William Marshal, the Power behind five English Thrones. London, 2015.

1Vgl. Asbridge, Thomas (2015). S. 24-28.

2Vgl. Ebd. S. 54-58.

3Vgl. Ebd. S. 69.

4Vgl. Ebd. S. 63-69.

5Eben der Guy von Lusignan, der König von Jerusalem werden sollte und von Sultan Saladin in der Schlacht von Hattin besiegt wurde.

6Vgl. Ebd. S. 82-84.

7Vgl. Ebd. S. 384-385.

8Vgl. Ebd. S. 198-204.

9Vgl. Ebd. S. 353-361.

10Vgl. Ebd. S. 373-375.

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Edle Helden und mutige Taten – das Idealbild des Ritters und die Realität

Um kaum eine andere soziale Schicht des Mittelalters ranken sich so viele Legenden wie um die Ritterschaft. Die Faszination, die von diesen berittenen Kämpfern ausgeht, hat seit dem Mittelalter nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Das Bild des edlen oder auch des bösen Ritters wird auch in modernen Erzählungen immer wieder aufgegriffen. Aktuellstes Beispiel hierfür ist sicherlich die Star-Wars-Saga. Wie kam es zu dieser Faszination? Was machte den mittelalterlichen Ritter zum Vorbild immer neuer Erzählungen über den Kampf des Guten gegen das Böse? Wie sah die Realität aus? Was bedeutete es, dem Ritterstand anzugehören? Anlässlich neuer Forschungsergebnisse, basierend auf der Geschichte des englischen Ritters William Marshal, möchte ich in diesem Artikel einen Blick auf die mittelalterliche Realität werfen.

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Fränkische Panzerreiter

Ritter innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung

Die Entstehung des Ritterstandes in Europa war eng verknüpft mit dem Bedarf an ausgebildeten Reiterkriegern in der Spätantike und dem frühen Mittelalter. Sowohl Franken als auch die übrigen germanischen Stämme konnten dabei auf eine lange Tradition zurückblicken. Schon unter Gaius Julius Cäsar und später unter den römischen Kaisern rekrutierten sich die berittenen Hilfstruppen aus den Reihen der Germanen. Im Frankenreich waren es vor allem die Panzerreiter, die für den militärischen Erfolg verantwortlich waren. Ihre Ausrüstung war teuer. Dementsprechend benötigten sie entweder eigene Einkünfte aus Landbesitz oder Kriegsbeute, oder sie mussten von ihrem Lehnsherren ausgerüstet werden. Das Lehnssystem wurde lange Zeit als ein rein funktionelles Wirtschaftssystem bewertet. Neuere Forschungsergebnisse stellen jedoch die Bedeutung der freundschaftlichen Verbundenheit weit mehr in den Vordergrund. Ritter und Lehnsherr waren nicht nur durch einen gesellschaftlichen Vertrag aneinander gebunden, sondern pflegten eine weit persönlichere Beziehung. Der Lehnsherr rüstete seine Panzerreiter nicht nur aus und gewährte ihnen Anteil an der Kriegsbeute, sondern er legte auch Wert auf den Rat seiner Gefolgsleute. Dies unterschied die enge Gefolgschaft von Adligen zu einem höhergestellten Herren von dem der reinen Söldner, die einzig und allein für Geld kämpften. Der Ritter befand sich also stets in einem klar strukturierten Gesellschaftsgefüge, an dessen Regeln er sich zu halten hatte.

Die ritterlichen Spielregeln

Die soziale Stellung verpflichtet – das galt auch und ganz besonders für das Mittelalter. Von einem Ritter wurde erwartet, dass er mit den sozialen Spielregeln vertraut war. Diese Regeln wurden in den Sagen in besonderem Maße betont. Loyalität nahm einen besonderen Stellenwert ein. Allerdings nur so lange, wie sich der jeweilige Herr auch an die Spielregeln hielt. Der Ritter musste für seine treuen Dienste entsprechend entlohnt werden. Nicht nur mit Geld, sondern auch mit Landbesitz. Denn den Ritter definierten nicht nur seine Taten, sondern in besonderem Maße sein hierdurch gewonnener Reichtum. Ein schönes Beispiel nennt Thomas Asbridge in seinem Buch „The Greatest Knight“. William Marshal beweist in seiner ersten Schlacht seinen Mut und seine kämpferischen Fähigkeiten. Er versäumt es jedoch, Gefangene zu nehmen oder Beute zu machen. Die anderen Ritter verspotten ihn daraufhin ob seiner Armut. Im Anschluss wird er sogar von seinem Herrn verstoßen. Erst nachdem er bei Turnieren Ruhm und Reichtum gewonnen hatte, wurde er allseits respektiert. Dieses Beispiel zeigt, wie stark sich die Ritter über ihren Besitz definierten bzw. definiert wurden.

Lösegelder spielten in der ritterlichen Welt eine große Rolle. Selbst in einer Schlacht war es unüblich, gegnerische Adlige zu töten. Profitabler war es, sie gefangen zu nehmen und später gegen Zahlung eines entsprechend hohen Lösegeldes wieder freizulassen. Dabei mussten die entsprechenden Ritter nicht zwangsläufig direkt gefangen genommen werden. Es reichte theoretisch aus, wenn sich der Gegner ergab und versprach, sich zu einem bestimmten Datum als Gefangener an einem bestimmten Ort einzufinden. Hier wird eine weitere Spielregel deutlich: Das Einhalten des eigenen Ehrenwortes. Das Wort eines Ritters hatte Gewicht und er war gut beraten, es auch einzuhalten.

Das Töten eines anderen Adligen war also nicht das Ziel im ritterlichen Kampf. Dieses konnte gar als Mord gewertet werden – selbst, wenn es im Rahmen einer Schlacht geschah.

Der Ritter und das Christentum

Im Mittelalter spielte in der ritterlichen Welt der christliche Glauben eine wichtige Rolle. Die Ritter waren sich durchaus darüber im Klaren, dass ihr Auftrag im Widerspruch stand zu den christlichen Geboten. Gleichzeitig waren sowohl dem Adel als auch der Kirche die Notwendigkeit einer Kriegerschicht bewusst. Die Kirche versuchte, bestimmte Regeln aufzustellen. So galt das Töten eines Christen stets als Sünde, für das Buße geleistet werden musste. Wer einen Ungläubigen tötete, konnte dagegen mit dem ewigen Lohn im Paradies rechnen. So wurde versucht, die kriegerische Energie der Ritter auf die Feinde der Kirche zu lenken. Gleichzeitig sollte der Ritter die Kardinaltugenden besitzen und sein Leben ihnen entsprechend ausrichten: Klugheit, Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit. Es sind insbesondere diese Tugenden, die in den späteren Jahrhunderten das Bild des Ritter prägen sollten.

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Darstellung eines Ritters, Mitte 13. Jahrhundert; Guilelmus Peraldus, Summa de virtutibus et vitiis

Die militärische Schlagkraft

Die Ritter waren unbestritten die schlagkräftigsten Einheiten auf den Schlachtfeldern des frühen und hohen Mittelalters. Dazu kam ihre Mobilität. Die einfachen Kämpfer der Lehnsaufgebote, die zu einem großen Teil aus der wehrfähigen Bevölkerung der jeweiligen Gebiete bestand, waren den seit ihrer Kindheit ausgebildeten Elitekriegern im Normalfall deutlich unterlegen. Ein Ritter konnte es durchaus mit einer deutlichen Übermacht aufnehmen, solange er nicht in die Enge getrieben oder in eine Falle gelockt wurde. Die speziell gezüchteten und ausgebildeten Schlachtrösser stellten hierbei einen entscheidenden Faktor da. Sie waren größer, leistungsfähiger und weit aggressiver als ihre zivilen Artgenossen. Sie in allen Lagen souverän zu beherrschen und von ihnen aus kämpfen zu können, erforderte jahrelanges Training. Der Ritter musste in der Lage sein, sie nur mit Hilfe seiner Beine lenken zu können und sich gleichzeitig im Sattel zu halten. Ritter und Pferd verschmolzen dabei zu einer Einheit. Doch damit war es noch nicht getan. Die Reiterkrieger kämpften nicht alleine, sondern im Verbund mit anderen Rittern. Bestimmte Formationen gab es dabei nicht unbedingt, wichtig war vor allem, dass sie dicht beieinander blieben und im Team arbeiteten. Heroische Einzeltaten gab es zwar, waren aber riskant. Besonders bekannt für entsprechende Aktionen waren die Ritterorden, die im Tod in der Schlacht gegen Ungläubige einen direkten Weg zu Gott sahen.

Wichtig war, dass sich die Angehörigen einer Gruppe im Getümmel einer Schlacht gegenseitig erkennen konnte. Farben, Wimpel und später die Wappen sorgten dafür, dass man nicht aus Versehen einen seiner Verbündeten angriff. Auch wurden Hornsignale verwendet, um Anweisungen zu übermitteln.

Neben seinen Fähigkeiten und seinem treuen Schlachtross musste sich der Ritter auf seine Ausrüstung verlassen können. Der berühmte Plattenpanzer aus Stahl tauchte dabei erst im Spätmittelalter auf. Davor schützten sich die Kämpfer mit Gambesons, Kettenpanzern und später mit durch Eisenplatten verstärkten Rüstungen. Besonderer Bedeutung kam dabei dem Schutz des Kopfes zu. Der Ritter des Hochmittelalters trug meist eine gepolsterte Haube, darüber eine Kettenhaube, eine Stahlhaube und darüber dann den eigentlichen Helm. Diese Konstruktion konnte auch härteren Treffern standhalten. Insgesamt scheinen die Rüstungen ihre Besitzer recht gut geschützt zu haben. Die Zahl der bei Turnieren oder Schlachten getöteten Ritter hielt sich normalerweise sehr in Grenzen. Weit weniger geschützt waren allerdings die Pferde. In den Quellen ist immer wieder zu lesen, dass Ritter in einer einzigen Schlacht gleich mehrere Pferde verloren. Die Tiere waren weitgehend ungepanzert und stellten daher verwundbare Ziele dar.

Taktik und Strategie

Während die Reiterei in der Antike vor allem zur Aufklärung und zum Plänkeln eingesetzt wurde, kam ihr im Mittelalter eine weit zentralere Rolle zu. Schlachten waren relativ selten. Die Befehlshaber mieden sie meist, da sie ein unkalkulierbares Risiko darstellten. Belagerungen und Raubzüge waren in der mittelalterlichen Kriegführung üblicher. Insbesondere bei letzterem kam den Rittern ihre hohe Mobilität zugute. Kam es dennoch zu einer größeren Schlacht, so wurde diese meist von Bogen- und Armbrustschützen eröffnet. Es folgte in der Regel der gefürchtete Sturmangriff der Ritter. Dieser war meist überaus effektiv. Die eng geschlossene Reihe sorgte dafür, dass die Reiter wie ein Block auf den Gegner trafen. Das Beben der Erde, der Anblick der schwer gepanzerten und waffenstarrenden Reiter und der anschließende Aufprall müssen ein schreckliches Erlebnis gewesen sein. Flucht war in diesem Augenblick übrigens keine Alternative – ein fliehendes Heer war leichte Beute für die schnellen Reiter. Kein Wunder, dass immer mehr nach Möglichkeiten gesucht wurde, solch einen Angriff abwehren zu können.

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Schlacht von Muret, Grandes Chroniques de France, 14. Jhd.

Die Grenzen der Ritter

Die Achillesverse für die Ritter waren vor allem Schusswaffen und fest geschlossene Formationen – und das nicht erst im Spätmittelalter. Insbesondere die Armbrust spielte hier eine wichtige Rolle. Sie war relativ einfach zu bedienen und besaß eine enorme Durchschlagskraft. Mit ihr konnten auch einfache Bauern einen Ritter töten. Probleme bereiteten den Rittern zunächst auch die berittenen Bogenschützen der Ungarn und später der Mongolen. Ihre Taktik der schnellen Überfälle in Verbindung mit Pfeilhageln sorgte für bedeutende Niederlagen europäischer Heere. Später waren es vor allem die Langbögen, die ganzen Ritterheeren zum Verhängnis wurden. Sie konnten sogar Plattenrüstungen durchschlagen und verletzten oder töteten die Pferde der Ritter. Piken und Hellebarden waren weitere Waffen, die insbesondere für den Einsatz gegen berittene Gegner entwickelt wurden. Mit ihnen war es möglich, Reiterangriffe zu stoppen und die Ritter von ihren Pferden zu holen. Die Böhmen setzten im Spätmittelalter vor allem Wagenburgen und Parvesen ein, um den Rittern widerstehen zu können. Zu dieser Zeit wurden bereits Feuerwaffen verwendet, die letztlich den Niedergang des Ritters auf dem Schlachtfeld besiegeln sollten.

Die Kavallerie

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Ulanenregiment 1914

Der Niedergang des Ritters auf dem Schlachtfeld am Ende des Mittelalters bedeutete keineswegs das Ende der berittenen Kämpfer. In den nachfolgenden Jahrhunderten spielte die Kavallerie weiterhin eine wichtige Rolle in der Kriegführung. Großangelegte Reiterangriffe gab es noch bis in den ersten Weltkrieg hinein. Doch nahm die kriegsentscheidende Bedeutung immer weiter ab, auch wenn dies von Romantikern und Nostalgikern noch lange Zeit bestritten wurde. Es zeigte sich immer deutlicher, dass die Reiter den modernen Feuerwaffen und befestigten Stellungen nicht mehr viel entgegensetzen konnten. Trauriger Höhepunkt dieser Verkennung militärischer Realität stellte der erste Weltkrieg dar. Es kam zu absurden Szenen, als Kavalleristen mit Lanzen und Säbeln Maschinengewehrstellungen angriffen. Die Verluste unter Reitern und Pferden stiegen in nie für möglich gehaltene Höhen.

 

Das Erbe der Ritter

Die romantische Verklärung ritterlicher Ideale lässt sich in beinahe allen Epochen nach dem Mittelalter finden. Nicht geringen Anteil daran haben die Sagen über die Ritter, die bereits im Mittelalter zu den Bestsellern zählten. Sie wurden immer wieder neu aufgeschrieben und ausgeschmückt. Diese waren wiederum beeinflusst von den Kardinaltugenden, deren Einhaltung den Rittern von der Kirche nahegelegt wurde. So entstand nach und nach ein Bild des Ritters, das nur noch wenig mit der Realität zu tun hatte. Es gab tatsächlich Regeln, die eingehalten werden sollten. In der Realität des Mittelalters wurden viele dieser Punkte aber immer wieder flexibel ausgelegt oder sogar missachtet. Es sollte zudem beachtet werden, dass der ritterliche Kodex vor allem innerhalb des Ritterstandes Anwendung fand. Nichtadlige konnten nicht darauf hoffen, von einem Ritter im Kampf geschont zu werden. Auch musste der Ritter ihnen gegenüber keine Versprechungen abgeben. Dementsprechend wenig Hemmungen legten wiederum die Nichtadligen im Kampf gegen Ritter an den Tag. Die verlustreichsten und brutalsten Schlachten fanden zumeist zwischen Adel und gewöhnlichen Kämpfern statt. Der Hundertjährige Krieg legt hierfür erschütternde Zeugnisse ab.

Die Schlacht im Mittelalter – häufiges Ereignis oder Ausnahmeerscheinung?

Die offene Feldschlacht ist eines der beliebtesten Motive in der Geschichtsschreibung. Kein Wunder, bietet sie doch sowohl dem Autor als auch dem Leser eine ganze Reihe von interessanten und zum Teil beeindruckenden als auch furchteinflößenden Motiven. Auch Heldendarstellungen lassen sich vorzüglich in die Erzählung einer großen Schlacht integrieren. Da überrascht es nicht, dass auch die modernen Autoren und Filmemacher immer wieder gerne auf die Darstellung von großen Schlachten zurückgreifen. Nicht selten entsteht dann der Eindruck, dass derartige Ereignisse zum Alltag des mittelalterlichen Kriegers gehörten. Doch waren große Schlachten zwischen verschiedenen Heeren tatsächlich eine derart häufige Erscheinung im Mittelalter? Oder wurde und wird hier regelmäßig übertrieben?

Die Realität einer mittelalterlichen Schlacht

Um diese Frage zu beantworten ist es sinnvoll, sich ein wenig mit der Realität einer solchen Schlacht zu beschäftigen. Eröffnet wurde sie meist mit Fernwaffen, also Bögen, Armbrüsten, Wurfmaschinen und später den ersten Kanonen. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich als Fußsoldat in einer der vorderen Schlachtreihen. Im Idealfall wissen Sie durch ein entsprechendes Kommando, dass gerade eine Salve abgefeuert wurde. Während sie den Kopf gesenkt halten prasseln bereits die ersten Pfeile auf Ihren Helm und ihre Schulterpanzer. Vereinzelt sind Schreie zu hören, wenn ein Projektil die Lücke in einer Rüstung findet. Von weiter weg werden Kommandos gebrüllt. Da Sie sowieso keinerlei Überblick über das Geschehen haben, konzentrieren Sie sich aber lediglich auf die nächste Umgebung. Sie sind derart eng von Kämpfern umgeben, dass Sie sich nur noch im Verband bewegen können. Plötzlich ertönt der Befehl, sich auf einen unmittelbar bevorstehenden Reiterangriff vorzubereiten. Kurz darauf bebt die Erde. Am anderen Ende des Schlachtfeldes haben sich die gegnerischen Ritter in Bewegung gesetzt, eine eng geschlossene Reihe aus Pferden und schwer gepanzerten Elitekämpfern, die Lanzen auf Ihre Reihen gerichtet. Die erste Reihe hält den Schildwall geschlossen, aber der Aufprall ist dennoch schrecklich. Die Männer vor Ihnen werden von Lanzen durchbohrt oder von den großen Streitrössern zu Boden geworfen. Die Pferde sind darauf trainiert, um sich zu beißen und ihre Hufe bestmöglich als Waffen einzusetzen. Am liebsten würden Sie fliehen, aber die Männer hinter Ihnen drängen sie immer weiter nach vorne. Sie beißen die Zähne derart fest aufeinander, dass der Zahnschmelz der Belastung nicht mehr standhalten kann. Es ist heiß, der Boden ist schlüpfrig von Blut und Schlamm. Sollten sie zu Boden gehen, werden Sie entweder die Pferde der Ritter oder Ihre Kameraden zu Tode trampeln. Sie bekämpfen den Gegner erbittert, aber langsam erlahmt ihr Schwertarm und Sie können den Schild kaum noch oben halten. Die Ritter lassen sich nicht stoppen, immer mehr Kämpfer fallen. Plötzlich bricht Panik aus. Die Formation löst sich auf und Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich der Flucht anzuschließen. Egal wie viele Ihrer Kameraden bis zu diesem Zeitpunkt gefallen sind, jetzt nimmt die Tragödie erst richtig ihren Lauf. Mit dem Rücken zum Feind ist Ihre Einheit leichte Beute für die Berittenen, die die fliehende Armee nun vor sich her treiben und bis auf wenige Ausnahmen vernichten.

Ein derartiges Szenario hätte sich beispielsweise bei der Schlacht von Muret 1213 abspielen können, in der eine zahlenmäßig weit überlegene Armee durch die Wucht eines Reiterangriffes vernichtend geschlagen wurde. Der beschriebene Verlauf ist nur ein Beispiel einer mittelalterlichen Schlacht. Es verdeutlicht aber insbesondere die Schlagkraft der Ritter im hohen Mittelalter. Doch auch auf diese konnten sich die Feldherren des Mittelalters nicht immer verlassen. In vielen Schlachten, insbesondere im 100-jährigen Krieg zwischen England und Frankreich, unterlagen diese hervorragend ausgerüsteten und ausgebildeten Kämpfer gegen zu Fuß kämpfende Armeen.

Warum waren Schlachten gerade im Mittelalter so unberechenbar?

Im Grunde war eine offene Feldschlacht im Mittelalter ein Glücksspiel. Es gab derart viele Unwägbarkeiten, dass der Ausgang weder zu Beginn noch im weiteren Verlauf feststand. Diese Tatsache macht bereits deutlich, dass die kriegführenden Parteien nur in Ausnahmesituationen das Risiko einer solchen Schlacht eingingen. Dies konnte sowohl eine besonders aussichtslose Lage sein, in der keine andere Wahl blieb, als auch die Vermutung, auf jeden Fall siegen zu können. In der Regel verlegte man sich darauf, Landstriche zu verwüsten und Städte zu belagern. Dabei konnte es zwar immer zu Scharmützeln kommen, die ganz großen Schlachten blieben allerdings aus.

Darstellung der Schlacht von Grandson: Es ist bereits der Versuch zu erkennen, einheitliche Formationen beizubehalten.

Darstellung der Schlacht von Grandson: Es ist bereits der Versuch zu erkennen, einheitliche Formationen beizubehalten.

Das Feldschlachten derart unberechenbar und relativ waren, steht in einem nicht unerheblichen Gegensatz zu der Kriegführung in Antike und Neuzeit. In beiden Epochen schreckten die Feldherren in der Regel nicht davor zurück, mit ihren Armeen offen gegeneinander anzutreten. Der Grund hierfür ist wohl in der besseren Organisation und Ausbildung der Armeen zu suchen. Ob griechische bzw. makedonische Phalanx, römische Legion oder napoleonische Armee, sie alle hatten einen jahrelangen und strengen Drill gemeinsam. Es handelte sich um einheitliche Systeme, die perfekt funktionierten und bei denen sich der Feldherr vor allem auf einen gewissen Standard an Disziplin verlassen konnte. Dazu kommt eine einheitliche Kommandostruktur, samt Offizieren und Unteroffizieren. Die Lehnsaufgebote des Mittelalters und auch die Söldnerkompanien des späten Mittelalters waren im direkten Vergleich sehr viel uneinheitlicher ausgebildet, ausgerüstet und besaßen sehr unterschiedliche Gründe, überhaupt in den Krieg zu ziehen. Erst gegen Ende des Mittelalters gab es ernsthafte Versuche, einheitliche Grundsätze zu schaffen. Hier war es vor allem der burgundische Herzog Karl der Kühne, der für seine Söldnerarmee detaillierte Vorschriften verfasste. Was im Training wohl gut funktionierte, konnte allerdings auf dem Schlachtfeld noch nicht optimal umgesetzt werden. Karl begab sich im Vertrauen auf seine Armee bei mehreren Gelegenheiten in Feldschlachten, die allesamt katastrophal endeten.

Eugene Burnand - Die Flucht Karls des Kühnen (nach der Schlacht von Grandson am 2. März 1476)

Eugene Burnand – Die Flucht Karls des Kühnen (nach der Schlacht von Grandson am 2. März 1476)

Fazit

Letztlich ist die Anzahl der Schlachten im Mittelalter weit geringer, als uns das bestimmte Darstellungen glauben lassen wollen. Kein Herrscher war gerne dazu bereit, sein Heer leichtfertig zu riskieren. Es war weit sinnvoller, den Feind durch Raubzüge und Verwüstungen zu Zugeständnissen zu zwingen. Zu großen Kämpfen kam es vor allem dann, wenn es keine andere Möglichkeit gab oder wenn die Befehlshaber überzeugt davon waren, gewinnen zu können. Hier spielte häufig das Vertrauen auf Gott eine entscheidende Rolle. Nicht selten wurde der Ausgang einer Schlacht zudem als Gottesurteil gewertet. Dass sich gerade in der Historiographie viele Darstellungen von Schlachten finden lassen ist ein weiteres Zeichen dafür, dass es jeweils besondere Ereignisse waren. Im Mittelalter wurde grundsätzlich nur das aufgeschrieben, was als besonders wichtig erachtet wurde. Auch sollte bedacht werden, dass zwischen den einzelnen Schlachten zum Teil relativ große Zeitabschnitte liegen.

Der Reiterkrieger – Entstehung, Bedeutung und Mythos

Kaum ein Ideal war derart prägend für Europa wie das des edlen und tapferen Ritters. Noch heute begegnet uns dieses Bild in vielerlei Gestalt. Wissenschaft und Pop-Kultur beschäftigen sich gleichermaßen mit einem Ideal, dass sich über viele Jahrhunderte erhalten hat und heute, genau wie damals, Menschen in seinen Bann zieht.

Den Ritterstand gab es bereits in der Antike, auch wenn es sich hierbei nicht um Ritter im mittelalterlichen Sinne handelte. Doch bereits in Rom handelte es sich hierbei um Menschen, die besondere Privilegien genossen, über ein gewisses Vermögen verfügten und vor allem beritten waren.  Die Meister der Reiterei waren aber zu dieser Zeit andere. Vor allem die verschiedenen Reitervölker der östlichen Steppen, in der Spätantike allen voran die Hunnen, sind hier zu nennen. Pferde spielten außerdem für Kelten und Germanen eine wichtige Rolle. Insbesondere die Gallier verfügten über eine schlagkräftige Reiterei, während die Kelten Britanniens Streitwagen einsetzten. Die germanischen Ubier dienten bereits unter Gaius Julius Cäsar als berittene Hilfstruppen. Insbesondere die Römer waren auf derartige Hilfe angewiesen, da sie selbst über keine schlagkräftige Kavallerie verfügten. Diese frühe Kavallerie war allerdings noch nicht in der Lage, wuchtige Frontalangriffe auszuführen. Sie war in erster Linie für die Aufklärung, schnelle Überfälle und die Verfolgung fliehender Gegner zuständig. Auch diente sie als Plattform für Fernkampfangriffe. Die Germanen hatten die Technik perfektioniert, Speere vom Rücken der Pferde zu werfen. Sie ritten im Kreis, warfen ihre Speere und nahmen am anderen Ende des Kreises neue auf. So konnte ein kontinuierlicher Speerhagel aufrechterhalten werden.

Im Osten stießen die zu Fuß kämpfenden Legionen Roms an ihre Grenzen, als sie unter der Führung von Marcus Licinius Crassus 53 v.Chr. in das Partherreich einmarschierten und von berittenen Bogenschützen und schwer gepanzerten Reitern vernichtet wurden, obwohl sich diese in der Unterzahl befanden. Hier offenbarte sich bereits der deutliche strategische Vorteil, der sich in offenem Terrain durch Kavallerie erreichen ließ.

Kataphrakt der Sassaniden

Kataphrakt der Sassaniden, Spätantike

Die gepanzerten Reiter, auch Kataphrakte genannt, wurden zunächst von Parthern und Sarmaten eingesetzt. Diese wurden in der Spätantike auch von den Römern als Hilfstruppen angeworben. Später wurden sie insbesondere im oströmischen Reich und danach in Byzanz weiterentwickelt. Diese Reiter und ihre Pferde waren komplett in Schuppenpanzer gehüllt. Gekämpft wurde mit Lanze, Reiterschwert und  Schild. Aufgrund des hohen Gewichts der Ausrüstung waren sie allerdings nicht so schnell wie die leicht gepanzerten und wendigen leichten Reiter.

Römischer Kataphrakt

Römischer Kataphrakt

In Europa waren es vor allem die Hunnen, die mit einer gefährlichen Reiterei große Gebiete erobern konnten. Sie führten vor allem eine wichtige Neuerung ein: Den Steigbügel. Durch ihn wurde es möglich, sich auch ohne Hilfe der Hände auf dem Pferd zu halten. Auch gab er Angriffen mit der Lanze eine größere Wucht. Nach und nach entwickelten auch die germanischen Stämme ihre Reiterei weiter. Mit ihr war es möglich, weite Raubzüge in die römischen Provinzen zu unternehmen, die nur noch unzureichend durch schwache Grenzgarnisonen verteidigt wurden. Als Reaktion darauf nahmen die römischen Kaiser immer mehr germanische Verbände als Hilfstruppen in ihre Dienste und siedelten ganze Stämme auf römischem Gebiet an. Fürsten der Germanen übernahmen bald wichtige militärische Posten in der römischen Armee und damit in der Politik. Entgegen der Erwartungen der Kaiser führte dies jedoch nicht dazu, dass diese Anführer persönliche Feindschaften gegenüber anderen Stämmen vergaßen oder sich den Prämissen der römischen Politik komplett unterordneten.

Nach dem Fall des römischen Reiches übernahmen die einstigen Barbaren die Kontrolle über die ehemaligen Provinzen. Im Westen entstand das Frankenreich. Das Westgotenreich in Spanien war zu dieser Zeit bereits zusammengebrochen und von nordafrikanischen Muslimen in Besitz genommen worden. Nachdem Spanien unter ihrer Kontrolle stand, überquerten sie im 8. Jahrhundert die Pyrenäen und fielen im Frankenreich ein. Unter der Führung des fränkischen Hausmeiers Karl Martell stellten sich ihnen in drei verschiedenen Schlachten (Tour und Poitiers, Avignon, Fluss Berre) Truppen der Franken, Friesen, Sachsen und Langobarden entgegen. Sie waren letztlich in der Lage, die islamische Expansion in Westeuropa zu stoppen. Karl der Große unternahm 778 einen Feldzug nach Spanien. Zu bedeutenden Ergebnissen führte dieser nicht. Karl musste abziehen. Auf dem Rückweg wurde seine Nachhut von Basken eingekesselt und vernichtet – die Vorlage für das berühmte Rolandslied, dass die Schlacht zu einem heroischen Kampf gegen die Ungläubigen stilisiert. Interessanterweise werden aber auch die muslimischen Krieger zu einem nicht unerheblichen Teil als ritterliche Kämpfer dargestellt, die prachtvoll ausgestattet auf Pferden in die Schlacht ziehen.

Fränkische Reiter

Fränkische Reiter

Die Franken verfügten zu dieser Zeit bereits über die bekannten Panzerreiter. Dies waren Adlige, die in Kettenhemd und Helm mit Lanze, Schwert und Schild als Reiter in die Schlacht zogen. Diese Ausrüstung war sehr teuer. Zudem war ein hohes Maß an Können notwendig, um auf diese Weise effektiv kämpfen zu können. Das Feudalsystem ermöglichte es den Adligen, diesen Lebensstil zu finanzieren. Ihre jeweiligen Ländereien samt den dort arbeitenden Leibeigenen machten die Ausrüstung verschieden großer Kontingente möglich.

Bei der Eroberung Englands durch Wilhelm I. 1066 spielten die Panzerreiter eine wichtige strategische Rolle, wenngleich in der Schlacht von Hastings ihre Grenzen offenkundig wurden. Ihre direkten Angriffe auf den angelsächsischen Schildwall waren nicht erfolgreich. Dennoch, als sich die Formation des Feindes auflöste, brachte ihr Einsatz den Sieg über die zu Fuß kämpfenden Angelsachsen. Auf dem Teppich von Bayeux ist sehr schön zu sehen, wie die Reiter ausgerüstet waren und wie sie angriffen. Sie trugen ein knielanges Kettenhemd, einen Nasalhelm, bis zu den Knien reichende Langschilde sowie einhändige Schwerter und Lanzen, die zu dieser Zeit noch über dem Kopf gehalten wurden. Die Pferde selbst waren nicht gepanzert. Dies führte in der Schlacht zu Problemen. Oft wurden nicht die Kämpfer selbst verwundet, sondern deren Pferde getötet – mit unangenehmen Folgen für ihre Reiter.

Angriff der normannischen Panzerreiter

Angriff der normannischen Panzerreiter

Nach und nach entwickelte sich die Waffentechnik weiter. Die Rüstungen wurden immer umfangreicher. Zunächst wurde damit begonnen, exponierte Körperstellen mit Eisenplatten zu schützen. Aus der Antike war bereits der Schuppenpanzer bekannt. Im 13. Jahrhundert kam der Plattenrock in Gebrauch. Hier wurden Eisenplatten an der Innenseite eines Überwurfs angebracht, die den Torso schützen sollten. Zu dieser Zeit wurden zudem mehr und mehr geschlossene Helme verwendet. Nun begann sich auch die Entwicklung der Heraldik, um sich auch in voller Rüstung beim Turnier oder auf dem Schlachtfeld erkennen zu können. Die Entwicklung der Rüstungstechnik gipfelte in den herausragend gearbeiteten Plattenrüstungen des Spätmittelalters. Besonders Stücke aus Augsburg und Mailand waren bekannt und beliebt. Diese Rüstungen waren nicht nur ein hervorragender Schutz, sie waren auch sehr kunstvoll gearbeitet. Schließlich wollte der Ritter auch in der Schlacht gut aussehen. Diese Rüstungen waren nicht schwer zu tragen. Sie wurden auf Maß gefertigt und schränkten die Bewegungen nur unwesentlich ein.

Neben der Ausrüstung änderte sich auch die Strategie und Kampfesweise. Die Ritter entwickelten sich zu schweren Reitern, die in geschlossenen Reihen mit angelegten Lanzen angriffen. Wichtig war, dass die Reihen komplett geschlossen waren. Dies war die Hochzeit des Ritters im Krieg. Es gab zwar weiterhin Fußsoldaten und Bogenschützen, allerdings war der Ausgang der Schlacht in vielen Fällen vom Erfolg des Reiterangriffs abhängig. Die Wucht dieses Angriffs konnte die gegnerischen Reihen aufbrechen und eine Panik auslösen. Die Niederlage war dann meist nur noch eine Frage der Zeit. Dennoch sollte die Wirkung dieser Kampfweise nicht überbewertet werden. Klug agierenden Gegnern gelang es immer wieder, diese Sturmangriffe zu stoppen oder sie ins Leere laufen zu lassen. Ein bekanntes Beispiel für die Überschätzung der ritterlichen Schlagkraft stellt die Schlacht von Hattin dar. Sultan Saladin lockte die Armee der schwer gepanzerten Kreuzritter in die Wüste, machte die Wasserstellen unbrauchbar und ließ Hitze und Durst das gegnerische Heer schwächen. Danach war es für die leichten und wendigen Sarazenen ein leichtes, es zu vernichten.

Bereits im hohen Mittelalter kam es zu bedeutenden Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Infanteriewaffen. Die Entdeckung des Schwarzpulvers im 14. Jahrhundert führte zum Bau von Waffen, gegen die auch die besten Rüstungen wirkungslos waren. Armbrustschützen waren schon vorher die gefährlichsten Feinde für die Ritterschaft. Auch wenn sie eine geringe Schussfrequenz besaßen, waren die Bolzen dieser Waffe in der Lage, so gut wie jede Rüstung zu durchschlagen. Die Armbrust wurde also nicht zufällig im 12. Jahrhundert von kirchlicher Seite für den Einsatz gegen Christen verboten. Dies bedeutete jedoch nicht, dass sie daraufhin auch wirklich verschwand. Im Hundertjährigen Krieg erschien mit dem englischen Langbogen eine Waffe, die auf den ersten Blick nicht wirklich neu war. Bögen gehören zu den ältesten Waffen der Menschheit. Die Art, wie sie von den Engländern eingesetzt wurde sowie die besondere Spannkraft der Langbögen ermöglichten Siege über zahlenmäßig überlegende Armeen. Kriegsbögen verfügten in den meisten Fällen über eine Stärke von über 100 Pfund. Ein geübter Schütze war nicht nur zielsicher über weite Entfernungen, sondern konnte ca. 11 Pfeile pro Minute verschießen. In der Schlacht von Azincourt 1415 standen dem englischen König Heinrich V. 7.632 Langbogenschützen zur Verfügung.[1] Die französische Armee, die größtenteils zu Fuß über ein schlammiges Feld vorrückte, wurde also theoretisch in einer Minute mit 83.952 Pfeilen überschüttet. Diese Zahl wurde lediglich durch die nicht allzu reichhaltigen Vorräte an Munition begrenzt. Für die berittenen Franzosen kam erschwerend hinzu, dass die Bogenschützen angespitzte Pfähle vor sich in den Boden getrieben hatten, die den ersten und entscheidenden Aufprall der Reiter abwehren konnten.

Wagenburg, 15. Jahrhundert

Wagenburg, 15. Jahrhundert

So kam es zur sogenannten Infanterierevolution. Die Bedeutung des berittenen Kämpfers nahm ab, da die Fußsoldaten immer effektive Mittel und Wege fanden, die wuchtigen Angriffe der Ritter zu stoppen. Im Spätmittelalter wurden mit Pulver betriebene Schusswaffen in großem Stil verwendet. Die Böhmen erfanden die Wagenburg und spezielle Kriegswagen, die Schutz vor den Reitern boten. Im Boden verankerbare Pavesen ermöglichte es, schnell und jederzeit einen Schutzwall aufbauen zu können. Die Schweizer setzten auf eine Kombination aus langen Spießen und Hellebarden, mit denen Rüstungen durchschlagen und Reiter vom Pferd geholt werden konnten. Kriegshämmer waren eine weitere effektive Waffe gegen die Plattenrüstung. Auch die Kombination aus Pikenieren und Schützen stellte eine effektive Kombination dar, die auch nach dem Mittelalter noch Verwendung finden sollte.

Während die Schlachtfelder des späten Mittelalters mehr und mehr von Infanterie beherrscht wurden, nahm die Bedeutung der Turniere für den Adel deutlich zu. Die Tjoste im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert sind berühmt für ihre außergewöhnliche Pracht. Hier konnten die Ritter weiterhin ihren Traditionen nachgehen und sich als die Krieger darstellen, als die sie seit jeher in der Literatur dargestellt wurden.

Turnier in München, um 1500

Turnier in München, um 1500

Auch wenn die militärische Bedeutung der Ritter abnahm, sozial bildeten sie weiterhin eine elitäre Gruppe. Doch auch hier bekamen sie Konkurrenz, meist durch reiche Kaufleute. Selbst diese begannen nun, sich wie Ritter zu kleiden und eigenen Turniere abzuhalten Was sich aber erhielt und bis heute besteht ist der Mythos des Rittertums. Der oft zitierte Ehrenkodex der Ritter stellt Ehre, Pflichtgefühl, Minne und gottgefälliges Verhalten an erste Stelle. Auch wenn es diese Werte durchaus gegeben hat, sind sie durch die Literatur seit dem Mittelalter überhöht worden. Die Ritter des Mittelalters waren in erster Linie Krieger, die Menschen töteten und sich entsprechend ihres hohen Standes prachtvoll in Szene setzten. Interessant ist, dass sich der Mythos bis heute fast unverändert erhalten konnte und begeisterte Anhänger findet. Es scheint zu allen Zeiten ein großes Bedürfnis nach Menschen gegeben zu haben, die über dem Schlechten und den Abgründen der menschlichen Zivilisation stehen und dem Bösen mutig und entschlossen entgegen treten.

[1] Vgl. Ossenkop, Daniel (2011). S. 10.

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Stadt und Burg Linn im Mittelalter – Geschichte einer mittelalterlichen Siedlung

Burg Linn

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Diese Burg war zunächst der Adelsfamilie derer von Linn. Sie wurde in mehreren Ausbaustufen errichtet. Um 1150 wurde eine Motte aufgeschüttet und auf ihr ein steinerner Wohnturm errichtet. Dieser wurde dann, wie es üblich war, mit einer Holzpalisade umgeben. Um 1190 ersetzte die Familie von Linn die Palisade durch eine sechseckige Ringmauer mit Türmen, eine Konstruktion, wie sie für den Niederrhein eigentlich ungewöhnlich ist. Man geht davon aus, dass Otto von Linn sich im Zuge seiner Teilnahme am Kreuzzug Friedrich Barbarossas von byzantinischen Vorbildern inspirieren ließ. 1290, jetzt in der Hand der Grafen von Kleve, erfolgte ein frühgotischer Ausbau der Burg. 1480 folgte schließlich der spätgotische Ausbau und der Bau der Außenmauer. Der Burg kamen dabei im Laufe der Zeit unterschiedliche Aufgaben zu. Sie diente als Adels- und Gerichtssitz, als Witwensitz für Mechthild von Geldern, als Verwaltungszentrum und als Gefängnis.[1]

Die Zehntscheune der Burg

Die Zehntscheune der Burg

Die Burg befand sich von bis 1188 in Besitz der Herren von Linn, bis sie von diesen für 100 Mark an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191) verkauft wurde, der sie ihnen als Lehen verlieh. Urkundlich sind die Herren von Linn erwähnt. Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechtes ging das Lehen nach 1245 an die Grafen von Kleve. Es umfasste neben der Burg noch den Drenkerhof, den Beeckerhof und den Borgerhof in Ossum. Die Burg diente jetzt einem Amtmann der Klever Grafen als Sitz, der hier auch zu Gericht saß. 1270 befanden sich hier zusätzlich 16 Landschöffen. Zusätzlich wurden die Einkünfte aus der Grundherrschaft hier verwaltet. Als der letzte Graf von Kleve, Johann, 1368 starb, fiel das Lehen zurück an Kurköln. Die Witwe des Grafen, Mechthild von Geldern, wollte die Burg und ihre Ländereien aber nicht kampflos aufgeben und wurde hierbei vom Herrn von Strünkede tatkräftig unterstützt. Da dieser hierdurch in Geldnöte geriet begann er, von Burg Linn aus Kaufleute und Kirchengüter zu überfallen. Als Reaktion hierauf begannen am 7.8.1377 der Erzbischof Friedrich von Köln, Herzog Wenzel von Luxemburg, Brabant und Limburg, Herzog Wilhelm II. von Jülich und Geldern, Graf Adolf von Kleve-Mark und die Städte Köln und Aachen die Burg zu belagern. Ihr Aufgebot umfasste  240 Reiter und 48 Schützen, außerdem sollten drei Belagerungstürme errichtet werden. Es kam allerdings nicht zum Angriff, da es zu einer friedlichen Einigung kam. Im Jahr 1377 kam es allerdings erneut zu Konflikten, als der deutsche Kaiser am 29.11.1377 Wilhelm II. von Jülich mit Geldern und Zutphen belehnte. Mechthild, abermals mit der Unterstützung durch von Strünkede, wehrte sich mit kriegerischen Mitteln. Zur Finanzierung von Strünkedes Einsatz verpfändete Mechthild die Burg, Stadt und das Land am 7.3.1378 für 6000 Goldschilde, später die Linner Objekte mit allen Hoheitsrechten für 45.000 Goldschilde an den Kölner Erzbischof (mit dem dieses Mal kein Konflikt bestand). Nach langen und brutalen Auseinandersetzungen wurde von Strünkede von Wilhelm II. besiegt und gefangen genommen. Mechthild musste daher am 24.3.1379 auf das Herzogtum Geldern und die Grafschaft Zutphen verzichten. Linn fiel letztlich an den Kölner Erzbischof, nachdem  Graf Adolf von Kleve darauf verzichtet hatte.[2]

Es fällt auf, dass es sich bei Burg Linn anscheinend keineswegs um ein rein repräsentatives Bauwerk handelt. Die sorgfältigen Belagerungsvorbereitungen zeigen deutlich, dass sie auch wehrtechnisch ein bedeutendes Bauwerk war. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle kurz auf die Bauweise eingehen, die man auch heute noch sehr schön im Museum Burg Linn betrachten kann. In ihrer frühesten Form bestand sie, wie bereits erwähnt, lediglich aus einem Wohnturm, der mit einer Palisade umgeben war. Zur Abwehr eines organisierten Angriffs war diese Konstruktion nur bedingt geeignet. Die sechseckige Mauer mit ihrem Schalentürmen an den Ecken dagegen war eine ausgereifte Wehrkonstruktion. Die Mauer war sehr viel höher und stabiler als die Palisade. Außerdem konnte der Fuß der Mauer von den Ecktürmen aus unter Beschuss genommen werden. Im Zuge des gotischen Ausbaus erhielt die Burg neben dem Palas vor allem Bergfried und Zwinger. Diese Ausbauten erhöhten ihre Wirksamkeit deutlich. Das Tor war jetzt wesentlich besser geschützt und der Bergfried ermöglichte neben einer guten Rundumsicht auf das Land auch einen letzten Rückzugsort. Die im Zuge des spätgotischen Ausbaus hinzugekommene Ringmauer fügte der Burg eine vorgelagerte Verteidigungsebene hinzu. Dass Burg Linn später, sogar zur Zeit der Schwarzpulverwaffen, mit Schanzen versehen und weiter genutzt wurde zeigt deutlich, dass sie ihre Wehrhaftigkeit über einen langen Zeitraum hinweg bewahren konnte.[3]

Zugang zur Vorburg

Zugang zur Vorburg

Die Ortschaft Linn

Neben der militärstrategischen Bedeutung ist, wie bei Burgen allgemein, die wirtschaftliche und soziale Seite der Entwicklung interessant. Schon in ihrer frühesten Entwicklungsstufe hatte die Burg einen entscheidenden Einfluss auf die Urbarmachung des umliegenden Landes. Landausbau, Rodung und Siedlung gingen von Burg Linn aus.  Eine wichtige Voraussetzung für die Gründung von Wasserburgen wie Burg Linn war ein geschlossener Besitz von Feldern und Weiden, die für die Versorgung herangezogen werden konnten. Auch  Wirtschaftshöfe und Wirtschaftsgebäude gehörten dazu. Angebaut wurden Hafer, Hirse, Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Erbsen, Lein sowie Buchweizen; Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Schlehe, Zwetschge, Birne, Apfel, Edelkastanie und Traube. Allgemein üblich war Dreifelderwirtschaft, davon abweichend die rheinische Zweifelderwirtschaft als Zwischenschritt zur neuzeitlichen Fruchtwechselwirtschaft. Auch die Viehzucht spielte eine wichtige Rolle: vor allem Schwein, danach Rind, Schaf und Ziege. Fischteiche erweiterten das Nahrungsangebot weiter. All diese Besitzungen waren nicht nur für die Versorgung essentiell, sie warfen auch gute Gewinne ab. Es gab Einnahmen aus Waldbewirtschaftung (Holz und Wild) sowie  aus Pacht, dem Zehnten und von Halfenhöfen. Außerdem konnten überschüssige Waren auf dem Kölner Markt verkauft werden. Für die Herren der rheinischen Wasserburgen entwickelte sich bald eine überregionale Geldwirtschaft, anders als für viele Adlige auf Höhenburgen. Erst als es ab dem 13. Jahrhundert zu einer Abwanderung in die Städte kam, eine Klimaveränderung einsetzte und zahlreiche Kriege manche Landstriche verwüsteten wurden viele ländliche Siedlungen aufgegeben.[4]

Die Stadt Linn entstand planmäßig, d.h. ihre Anlage erfolgte nach einem bestimmten Plan. Dies war alleine schon deswegen sinnvoll, da Baugrund, Verkehrs- und Schutzlage berücksichtigt werden mussten. Die Burg war schon vorhanden und musste integriert werden. Die Lage von Kirche und Rathaus wurde im Vorfeld festgelegt, das gesamt Stadtareal parzelliert. Im Fall von Linn war ein quadratisches Areal von 7,6 ha vorgesehen, wobei die Bebauung erst nach und nach erfolgte. Zu Verteidigungszwecken wurden zunächst Gräben und Wälle errichtet, die Stadtmauer aus Stein wurde erst im 14. Jahrhundert erbaut.[5]  Die Burg wurde in die Stadtbefestigung von Anfang an mit einbezogen.[6]

Linn befand sich damit in guter Gesellschaft. Die Städte des Mittelalters waren keine kompletten Neuentwicklungen sondern eine Mischung aus der antiken Stadt und neuen Ideen als Reaktion auf neue Erfordernisse. Die Germanen siedelten und gründeten häufig dort, wo es bereits Strukturen gab und es ist bekannt, dass die vor Ort lebenden Menschen sich häufig mit den Neuankömmlingen arrangierten und mit ihnen zusammenarbeiteten.[7]

Auch im Bereich der Geldwirtschaft fanden Entwicklungen statt. Diese war absolut unverzichtbar, um einen effektiven Handel zu ermöglichen. Bereits zur Merowingerzeit gab es verschiedene Münzen. Im 8. – 11. Jahrhundert wurde mit Denar oder Pfennig bezahlt. Im 12. Jahrhundert verlor das Geld an Bedeutung und der Tauschhandel mit Waren verbreitete sich, zumindest im Auslandshandel. In der Region selbst wurde weiterhin mit Geld bezahlt. Hierbei wurden häufig Teilstücke verwendet, genannt Hälbling (Obolus) und Vierling (Quadrans). Die Münzen wurden in den Städten geprägt, die das Recht hierzu besaßen. Die Geltung dieser war jedoch örtlich und zeitlich begrenzt. Für Köln und Berg galt folgende Umrechnung:

 

144 schwere Pfennige = 12 Schillinge = 1 Mark Silber; 240 leichte Pfennige = 20 Schillinge = 1 Pfund Silber

 

Im 14. Jahrhundert entstand eine neue Währung. Aus Italien und Frankreich wurde die Großmünze Groschen (nummus grossus) übernommen und der französische tournois (grossus turonensis) ab 1266 nachgeahmt. Außerdem kam es zur Eingliederung der Goldgroschen in das Geldsystem am Rhein.[8]

Passend zum Geldsystem gab es ein sehr umständliches Zollsystem. Aufgrund der zahlreichen Herrschaftsgebiete gab es eine Vielzahl an Zöllen. Dies behinderte den Handel, tat ihm aber keinen Abbruch.[9]

 


[1]    Vgl. Klümpen Hegmans, Johanna (1993) S. 36-45.

[2]    Vgl. Feinendegen, Reinhard; Vogt, Hans (1998). S. 423-432.

[3]    Vgl. Klümpen Hegmans, Johanna (1993) S. 36-38.

[4]    Vgl. Ott, Hanns (1984) S. 62-66.

[5]    Vgl. Klümpen Hegmans, Johanna (1993) S. 58-59.

[6]    Vgl. Friedrich, Reinhard (2010) S. 258.

[7]    Vgl. Ennen, Edith (1972) S. 32-80.

[8]    Vgl. Heppe, Karl Bernd (1984) S. 119-124.

[9]    Vgl. Walz, Rainer (1984) S. 109-118.

 

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Wer waren die „Raubritter“?

Raubritter

Insbesondere im 18. und 19.  Jahrhundert, einer Zeit des besonders romantischen Blicks auf das deutsche Mittelalter, entstanden eine ganze Reihe von Geschichten über Raubritter. Hier waren es die Anführer von Räuberbanden, die in verfallenen Burgen im Wald hausten und von dort aus Überfälle auf Reisende, Dörfer oder gar Städte durchführten. Doch wer waren diese Ritter wirklich?

Um das Phänomen des Raubritter verstehen zu können muss man sich die mittelalterliche Fehde in Erinnerung rufen. Es gab ein Fehderecht, in dem genau festgelegt war, wann eine Fehde erlaubt war, wie sie einzuleiten war und welche Regeln man im allgemeinen befolgen musste. So eine Fehde wurde meist durch das Überbringen eines Fehdebriefes eröffnet und war im Grunde dazu da, eine Vermittlung in einem bestimmten Konflikt zu erreichen. Im Vorfeld war eine friedliche Einigung in der Regel gescheitert oder einer der Fehdeführer sah keine Möglichkeit, in einem bestimmten Gebiet ein gerechtes Urteil zu erreichen. Das war meistens dann der Fall, wenn die Gerichte unter der Kontrolle von demjenigen standen, gegen den prozessiert werden sollte. So wurde eine Fehde in vielen Fällen von ärmeren und/oder weniger mächtigen Adligen erklärt, die keine andere Möglichkeit sahen, sich gegen ein vermeintliches Unrecht zur Wehr zu setzen. Im gleichen Zuge bot eine Fehde immer auch die Aussicht auf mehr oder weniger reiche Beute, beispielsweise wenn ein Adliger eine Fehde gegen eine Stadt führte und die Händler auf dem Weg in die Stadt überfielen. So nutzten viele verarmte Adlige diese Möglichkeit, um vielleicht wieder zu Geld zu kommen. Dennoch, sich in einer Fehde befindenden Ritter sind keineswegs mit Räuberbanden gleichzusetzen.

Gut und Böse hingen in diesem Fall, wie meistens, vom jeweiligen Standpunkt ab. Auch wenn der Adlige unter Umständen im Recht war, so sah die Stadt dies mit Sicherheit ganz anders. Wenn der fehdeführende Adlige in die Hände der Stadt geriet, konnte er nicht immer mit Verständnis rechnen, zu Hinrichtungen kam es in mehreren Fällen.

So konnte sich also der Adlige durchaus im Recht fühlen, während er aus Sicht der Bürger lediglich ein übler Räuber, Plünderer und Mörder war. Auf der anderen Seite gab es aber auch durchaus Adlige, auf die diese Bezeichnungen durchaus zu trafen.

Schon im frühen Mittelalter gab es bald Probleme mit Rittern, die in Friedenszeiten immer wieder Fehden begannen. Auch wenn das Fehderecht diese vorsah, wurden sie schnell zu einem wirklichen Problem für die Zivilbevölkerung und letztlich auch für die Herrschenden. Nicht zufällig versuchte die Kirche, diese Konflikte u.a. durch den Kirchenfrieden zu begrenzen und christliche Ritter zum Kampf gegen Muslime in Spanien oder im Heiligen Land zu bewegen.

Es sollte deutlich geworden sein, dass es keine einheitliche Definition, ja nicht einmal eine genaue zeitliche Eingrenzung des Begriffes „Raubritter“ gibt. Und tatsächlich gab es ihn zur Zeit des Mittelalters nicht. Fehden und die damit verbundene Verwüstung der Landstriche des Gegners sind die Grundlage für die Legenden, in denen diese raubenden Ritter die Hauptrolle spielen.

 

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Ein Leben als Ritter

Hartmann von Aue im Codex Manesse - Idealbild eines Ritters

Hartmann von Aue im Codex Manesse – Idealbild eines Ritters

Ein Traum vieler Jungen: Als Ritter in glänzender Rüstung in einer prächtigen Burg leben, von allen bewundert oder gefürchtet, unverwundbar und wehrhaft. Ein schöner Traum, der durch eine ganze Reihe von Rittergeschichten, Filme und Spiele weitere Nahrung erhält. Wirklich enden tut diese Vorstellung nicht, auch wenn man das Kindesalter längst hinter sich gelassen hat. Beim Ritter, seiner Burg und seinem Burgfräulein handelt es sich um Bilder, die sich auch bei vielen Erwachsenen finden lassen. Viele Filme greifen dies auf und kreieren Bilder, die den Zuschauern gefallen. Kaum ein Film oder Serie, der die wirklichen Lebensverhältnisse des Mittelalters darstellt. Wie würden Sie dazu stehen, als Ritter im Mittelalter zu leben?

Die Romantisierung des Mittelalters ist kein Phänomen allein unserer modernen Zeit. Schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts begannen die Romantiker damit, ein übertrieben schönes Bild vom Mittelalter zu zeichnen, meist als Gegenentwurf zu den Lebensbedingungen ihrer eigenen Epoche. Untersuchungen an mittelalterlichen Skeletten liefern uns weit realistischere Eindrücke aus dieser Zeit.

Ein besonders bekanntes Beispiel hierfür stellt der Ritter Sir John de Stricheley dar. Er starb am 10. Oktober 1341 im Alter von 25 Jahren.  Sein Skelett zeigt heute noch die Spuren seines kurzen aber zweifellos harten Lebens. Ihm waren im Kampf bereits mehrere Zähne ausgeschlagen worden, außerdem hatte er einen Treffer einer Schlachtaxt überlebt, wie uns sein Schädelknochen verrät.

Bei älteren Rittern stellte man außerdem diverse Verschleißerscheinungen fest. Besonders betroffen war die Wirbelsäule, die durch das jahrelange Reiten und das Tragen der schweren Ausrüstung verschlissen war. Darüber hinaus findet man auch immer wieder Hinweise auf schlechte Zähne. Kein Wunder wenn man bedenkt, welche Schäden diese im Kampf davontragen konnten. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, welche Schmerzen damit verbunden gewesen sein müssen.

Auf Feldzügen wurde das Überleben noch schwieriger. Otto von Linn, ein niedriger Adliger aus dem Rheinland, nahm am Kreuzzug Friedrich Barbarossas ins Heilige Land teil. Es ist überliefert, dass das Heer bei seinem Zug durch Anatolien sehr unter Hunger zu leiden hatte. Das Skelett Ottos zeigt deutliche Spuren dieser Hungersnot. An seinen Schienbeinen sind die sogenannten Harris’schen Linien zu erkennen. Diese treten vor allem dann auf, wenn ein Mensch in seiner Wachstumsphase eine Zeit lang unter starkem Hunger zu leiden hat. Zudem sind ihm die oberen Backenzähne ausgefallen, was auf Skorbut schließen lässt. Er überlebte aber und kehrte auf seine Burg zurück.

Auch Geschlechtskrankheiten spielten eine Rolle. Das berühmteste Beispiel hierfür ist mit Sicherheit der englische König Heinrich VIII. Wenn man seine Rüstung im Tower of London besichtigt fällt schnell eine spezielle Wölbung im Bereich der Genitalien auf. Diese war extra gefertigt worden, da der König unter der Syphilis litt. Den Frauen wird es nicht besser gegangen sein. Keine besonders romantischen Lebensumstände.

Das Leben auf der Burg war zwar auch nicht besonders bequem, allerdings immer noch etwas besser als das des Bauern in seiner Hütte. Wirklich zu beneiden war der Ritter allerdings nicht. Ganz im Gegenteil, ein Brief des Ritters Ulrich von Hutten an den Patrizier Willibald Pirckheimer aus dem Jahr 1518 verrät uns sehr gut, was ein Ritter dieser Zeit über seine Lebenssituation dachte:

„In den Städten könnt ihr nicht nur friedlich, sondern auch bequem leben, wenn ihr es euch vornehmt. Aber glaubst du, dass ich unter meinen Rittern jemals Ruhe finden werde? […] Man lebt auf dem Feld, im Wald und in den bekannten Burgen auf dem Berg. Die uns ernähren, sind bettelarme Bauern, […]. Der einkommende Ertrag ist, gemessen an der aufgewandten Mühe, geringfügig […]. Unterdessen gehen wir nicht einmal im Umkreis von zwei Joch ohne Waffen aus. Kein Dorf können wir unbewaffnet besuchen, auf Jagd und Fischfang nur in Eisen gehen.[…] Die Burg selbst […] ist nicht als angenehmer Aufenthalt, sondern als Festung gebaut. Sie ist von Mauer und Gräben umgeben, innen ist sie eng und durch Stallungen für Vieh und Pferde zusammengedrängt. Daneben liegen dunkle Kammern, vollgepfropft mit Geschützen, Pech, Schwefel und sonstigem Zubehör für Waffen und Kriegsgerät. […], und dann die Hunde und ihr Dreck, auch das – […] ein lieblicher Duft! Reiter kommen und gehen, darunter Räuber, Diebe und Wegelagerer.“ (Ulrichs von Hutten Schriften, hrsg. von Eduard Böcking, Bd. 1, Leipzig 1859, S. 201-203 Brief Nr. 90; Deutsche Schriften , übers. von Peter Ukena und Dietrich Kurze, München 1970).

Wie wir sehen, bewertete selbst ein mittelalterliche Ritter sein Leben recht kritisch als nicht besonders romantisch oder heroisch. Selbst die gewaltsamen Auseinandersetzungen sorgen anscheinend eher für Ungemach als für heroische Höhenflüge. Man sollte aber beachten, dass sich das Rittertum zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einer anderen Phase befand als im Hochmittelalter. Die generellen Lebensumstände sahen aber sehr ähnlich aus.

Ich denke es ist deutlich geworden, dass ein Leben als mittelalterlicher Ritter so ziemlich das Gegenteil von dem ist, was wir uns heute häufig darunter vorstellen. Aber würde sich ein Film, der dies wirklich realistisch darstellt, die Massen in die Kinos locken? Die historischen Romane scheinen sich hier zumindest leichter zu tun. Letzten Endes wollen wir unserer Realität einfach für eine gewisse Zeit entfliehen, ohne mit einer n0ch viel raueren Realität konfrontiert zu werden. Im realen Mittelalter leben würde wohl kaum jemand wollen.

Quellen:

 Ulrichs von Hutten Schriften, hrsg. von Eduard Böcking, Bd. 1, Leipzig 1859, S. 201-203 Brief Nr. 90; Deutsche Schriften , übers. von Peter Ukena und Dietrich Kurze, München 1970.

Internet:

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelgeschichte/d-72327452.html (28.02.2013).

Literatur:

Borst, Arno. Lebensformen im Mittelalter. 5. Auflage 2010. Berlin, 2004.

 

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