Die fida’i – Assassinen des Mittelalters

Spionage und Mord waren ihr Geschäft. Und sie waren so berühmt und berüchtigt, dass alleine die Erwähnung ihres Namens ausreichte, um politische Gegner in Angst und Schrecken zu versetzen. Um die Meuchelmörder des Mittelalters ranken sich dementsprechend zahlreiche Mythen und Legenden. Doch wer waren sie wirklich?

Die Assassinen aus dem Nahen Osten

Die Meuchelmörder entstanden aus der schiitischen Glaubensgemeinschaft der Nizari-Ismailiten. Diese existierte im 11. Jahrhundert in Syrien und Persien und war ein erklärter Feind der sunnitischen Seldschuken-Dynastie, die das byzantinische Reich in Atem hielt. Dank taktischem und kämpferischem Geschick gelang es ihnen, mehrere Bergfestungen zu erobern und zu halten. Im Gebirgszug des Dschebel Aansariye konnten sie sogar so etwas wie ein eigenes Herrschaftsgebiet aufbauen. Nun verfügten sie über eine Basis, von der aus sie ihre Operationen durchführen konnten.

Der Alte vom Berg

Der erste Anführer der Assassinen war Hasan-i Sabbah. Er führte die Attentäter von der Burg Alamut aus, die sich im Nordwesten des heutigen Iran befindet. Nach ihm übernahmen immer wieder Imame die Führung der Gruppe.

Sir John Mandeville berichtet in einem Text aus dem 13. Jahrhundert detailliert über die Methoden, mit denen Sabbah Anhänger für die sehr riskanten Attentatsversuche gewann. Er würde ihnen „einen gewissen Trunk“ verabreichen, der den Trinkenden in einen wundervollen Rausch versetzen würde. Nun würde er ihnen eröffnen, dass sie im Falle des Todes „in einem Paradies erwache[n]“ würden, „das hundertmal schöner sei als die Bergfestung, voll mit willigen Jungfrauen, mit denen er nach Belieben Sex haben werde, ohne dass sie ihre Jungfräulichkeit verlören“1.

Gezielte Attentate

Die Assassinen operierten nicht nur im Verborgenen. Sie legten außerdem Wert auf absolute Präzision. Es sollte stets nur die Zielperson getötet werden. Unbeteiligte sollten verschont bleiben. Diese Vorgehensweise spricht für ein überaus professionelles Vorgehen, dass sicherlich eine ganze Reihe von besonderen Techniken und Taktiken erforderte.

assassination_of_nizam_al-mulk

Ermordung von Nizam al-Mulk durch einen Assassinen; 14. Jhd.; Topkapi Palace Museum, Cami Al Tebari TSMK, Inv. No. H. 1653, folio 360b

Die meisten Opfer waren sunnitische Muslime. Der englische König Richard Löwenherz bediente sich mehrmals der Dienste der Assassinen. Raimund II., Graf von Tripolis war eines der prominenten Opfer. Selbst Sultan Saladin war mehrmals Ziel von Attentaten, die jedoch allesamt scheiterten.

Das Bild der schrecklichen, orientalischen Assassinen

Es war auch die Unerschrockenheit der Attentäter, die sie so furchterregend machte. Wenn es der Auftrag erforderte, nahmen sie bereitwillig und jederzeit den Tod in Kauf. So erschienen sie ihren Gegnern und Opfern bald als weit größer und gefährlicher, als sie es tatsächlich waren. Schon bald reichte alleine die Drohung, ein in ein Kissen gestochener Dolch, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Es ist umstritten, ob es den gezielten Einsatz von Drogen wirklich gegeben hat. Ich halte dies jedoch durchaus für denkbar.

Das Ende

Dass auch die Assassinen nicht unbesiegbar waren, wurde schon bald deutlich. 1256 wurde Alamut durch die Mongolen zerstört, die in Syrien, Persien und Palästina einfielen. Der letzte Anführer, Imam Rukn al-Din Khurshah, wurde nach dem Sieg der Mongolen von Hülegü Khan hingerichtet. Die Assassinen in Syrien existierten jedoch noch bis ins 14. Jahrhundert und arbeiteten für den ägyptischen Sultan.

siege_of_alamut_1256

Die Belagerung von Alamut 1256

Auch wenn die Legenden sie zu mehr machen, als sie tatsächlich waren: Die Assassinen waren durchaus eine professionell geführte Gruppe von Meuchelmördern, die ihren schrecklichen Ruf nicht zu Unrecht trug. Ihr fielen zahlreiche Menschen zum Opfer, bei denen es sich vor allem um wichtige Persönlichkeiten ihrer Zeit handelte. Die Assassinen überlebten die Wirren des Krieges in der umkämpften Region nicht allzu lange. Ihre Geschichten, Mythen und Legenden aber bestehen bis heute fort und dienen immer wieder als Vorbild in der modernen Pop-Kultur.

Literatur:

Larringtion, Carolyne. Winter is Coming. Die mittelalterliche Welt von Game of Thrones. Darmstadt, 2016.

1cf. Larrington, Carolyne (2016). S. 199.

Diesen Artikel auf Spanisch lesen:

spain-156236_640

Advertisements