Buchvorstellung: Images of the Past. Gender and its Representations.

Fries, Jana Esther; Gutsmiedl-Schümann, Doris; Matias, Jo Zalea; Rambuschek, Ulrike (Eds.): Images of the Past. Gender and its Representations. (Frauen – Forschung – Archäologie, Bd. 12). Waxmann, Münster, 2017.

Genderforschung und Geschichtsbilder – darum geht es in der neuesten Veröffentlichung der Schriftenreihe Frauen – Forschung – Archäologie. Entstanden ist die Idee hierzu auf zwei bedeutenden Veranstaltungen zur Geschlechterforschung in Istanbul und Lübeck.

Der vorliegende Band Nr. 12 enthält Aufsätze in englischer und deutscher Sprache zu den Themenbereichen ‘‘Images of the Past in Academia and Popular Media“ sowie ‘‘Images of the Past in Museums“. In beiden Abschnitten geht es um die Darstellung der Geschlechterrollen sowie deren Auswirkung auf das allgemeine Bild der Geschlechter innerhalb der Gesellschaft im Wandel der Zeit.

Die AutorInnen schreiben anschaulich, modern und wissenschaftlich über Themen, die (nicht nur) für die Geschichtswissenschaft von großem Wert sind. Welche Auswirkungen kann beispielsweise die Darstellung eines kräftigen, sportlichen Ritters in Büchern für junge LeserInnen auf das Geschichtsbild haben? Immerhin konnte die Realität vom hier vermittelten Idealbild deutlich abweichen. Interessant ist außerdem, dass detailliert auf die Wirkung von verschiedenen Bildern im jeweiligen historischen Kontext eingegangen wird. Nicht nur Gemälde und Bücher stehen hier auf dem Prüfstand. Auch auf die Darstellungen in Videospielen wird mit großem Sachverstand eingegangen.

Sehr interessant wird es zudem im Fall der Museen. Denn auch hier wird mit Bildern gearbeitet. Dass hier ein besonders sensibler Umgang mit Darstellungen besonders wichtig ist, das zeigen die AutorInnen im zweiten Buchabschnitt an prominenten Beispielen.

„Images of the Past“ ist ein Buch, dass die Augen öffnet. Oder zumindest daran erinnert, die Intention von Bildern immer mit im Blick zu haben. Denn Geschlechterrollen sind keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Es hat sie immer gegeben, und das war den Menschen auch bewusst. Das Buch sei daher all jenen besonders ans Herz gelegt, die sich für die Rolle der Geschlechter im Laufe der Geschichte und deren Rezeption in der damaligen wie in unserer Zeit interessieren. Es ist gleichzeitig interessant für alle Kunstinteressierte, die sich noch näher mit der Wirkung von Bildern beschäftigen möchten.

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Das Mittelalter und seine Quellen

Ich möchte an dieser Stelle einmal darauf eingehen, warum wir heute überhaupt noch über das Mittelalter Bescheid wissen. Diese Frage klingt vielleicht auf den ersten Blick banal, ist aber nicht unwichtig. Immerhin ist aus dieser Zeit schon lange niemand mehr am Leben, der uns Auskunft geben könnte. Auch Fotografien gab es noch lange nicht, genauso wenig Filme oder Tonaufnahmen. Wir können uns einzig und alleine auf die schriftlichen Hinterlassenschaften des Mittelalters und archäologische Funde berufen. Doch wer sagt uns, dass es sich nicht um Fälschungen handelt?

An dieser Stelle wird es meistens schwierig. Wie wissen die Historiker, ob sie es mit einem Original oder zumindest der Abschrift eines Originals zu tun haben und nicht mit einer Fälschung? Um diese Frage möglichst sicher zu beantworten, wird die Quellen genau untersucht. Aus welchem Material besteht die Quelle? Wo wurde sie gefunden, wo aufbewahrt? Lassen sich Vermerke darüber finden, ob sie in einem bestimmten Archiv aufbewahrt wurde? Wie alt ist das Material? Stimmt der Inhalt mit anderen Quellen dieser Zeit überein? Wer war der Urheber der Quelle und passt dieser in den historischen Kontext?

Bei Texten, die nicht mehr im Original erhalten sind sondern lediglich eine Abschrift vorliegt wird versucht, die Herkunft des Originaltextes möglichst genau zu bestimmen. Dies geschieht durch den Handschriftenvergleich. Die Texte werden gelesen und es wird ein Koordinatensystem angelegt, mit dessen Hilfe man Abweichungen der Texte untereinander feststellen kann. Hieraus ergeben sich verschiedene Handschriftenklassen, anhand derer man Abhängigkeiten herausstellen kann. Auf diese Weise ist es möglich, einen sogenannten Archetyp zu bestimmen, also den Ursprungstext, auf den alle andere Abschriften zurückgehen. Dieser Arbeitsschritt wird beim Edieren einer Quelle angewandt und normalerweise in der Einleitung der Edition beschrieben.

Wenn man mit Bildern aus dem Mittelalter arbeiten möchte, sollte deren Echtheit im Vorfeld geklärt werden. Experten auf diesem Gebiet sind die Kunsthistoriker. Aber auch Naturwissenschaftler können mit Hilfe einer Altersbestimmung hilfreich sein. Dies ist insbesondere deswegen so wichtig, da ein großer Teil der mittelalterlich wirkenden Bilder nicht wirklich aus dem Mittelalter stammt.

Die Archäologie ist ein wesentlicher Bestandteil der Mittelalterforschung. In den schriftlichen Quellen geht es nur selten um die einfachen Menschen oder um Dinge, die für die damalige Zeit alltäglich waren. Bedenken Sie, Schreibmaterial war kostbar, die Herstellung von Schriften zeitaufwendig. Aufgeschrieben wurde nur, was aus der damaligen Sicht wirklich wichtig war. Die Archäologen geben uns Einsicht in dieses einfache Leben, in Bauernhöfe, Burgen und Städte. Ihre Funde lassen sich eindeutig datieren, da sie in entsprechenden Erdschichten gemacht werden. Im Zweifelsfall kann auch hier eine naturwissenschaftliche Altersbestimmung Sicherheit geben.

Unser Wissen über das Mittelalter beruht auf dem Zusammentragen aller Erkenntnisse, von der Tonscherbe im Boden bis hin zum wertvollen Codex in einer der verbliebenen Klosterbibliotheken. Durch einen steten Abgleich und eine generell kritische Arbeitsweise wird versucht, größtmögliche Sicherheit zu gewinnen. Dennoch, ein Restzweifel sollte immer bleiben. So stellte sich beispielsweise die Konstantinische Schenkung, die der römischen Kirche das Gebiet des Kirchenstaates zusicherte, erst sehr spät als Fälschung des Mittelalters heraus. Munter gefälscht wurde auch bei den Urkunden, da die Aussteller in der Regel keine Archive unterhielten und deren Echtheit nur schwer überprüfen konnten. Sicherlich gibt es viele Dinge, die wir noch nicht wissen und vielleicht niemals herausfinden werden (neue Quellenfunde aus dieser Zeit sind sehr, sehr selten). Die richtige Arbeitsweise schützt aber vor Fehlern, insbesondere der Vergleich aller Erkenntnisse zu einer bestimmten Zeit. So lassen sich Unstimmigkeiten am besten herausarbeiten.

 

In eigener Sache: „Das Mittelalter – Der Blog“ ist eine nicht-kommerzielle Seite, die ich in meiner Freizeit betreibe. Die Seite wird auch zukünftig trotz eines hohen Aufwandes kostenlos bleiben. Ich würde mich daher wirklich sehr über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

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