Buchvorstellung: „Willehalm und Arabel“ – nach Wolfram von Eschenbach

51jscvtkswl-_sx326_bo1204203200_Opladen, Gudrun: Willehalm und Arabel – nach Wolfram von Eschenbach. rethink verlag, Friedberg, 2015.

Eine ungewöhnliche Liebe gerät in das machtpolitische Räderwerk ihrer Zeit: Es ist die Liebe zwischen der sarazenischen Königin Arabel und dem christlichen Ritter und Markgrafen Willehalm, der in Arabien gefangen gehalten wird. Gemeinsam fliehen sie an die rettende Küste der Provence. Arabel tritt zum Christentum über und wird Willehalms rechtmäßige Frau. Doch die Rache ihres ersten Ehemanns Tibalt sowie ihres Vaters, des mächtigen Großkönigs Terramer, zieht ein Meer aus Flammen, Tränen und Blut nach sich.

Willehalm und Arabel ist die spannend zu lesende Neuerzählung des Willehalm von Wolfram von Eschenbach. Der große Dichter des Parzival schuf damit ein Werk, das zugleich Ritterepos, Heldenroman, Heiligenlegende, Liebesgeschichte und Schlachtengemälde ist: alt und doch modern, brutal und doch zärtlich, fremd und doch vertraut, märchenhaft und doch real – kurz, eine durch und durch menschliche Erzählung.

(Klappentext aus: „Willehalm und Arabel“)

  1. Altes Thema der Weltgeschichte und Literatur: Islam versus Christentum

    Der Kampf Orient gegen Okzident, Morgen- gegen Abendland, Islam gegen Christentum war und ist eines der großen Themen der Weltgeschichte und Literatur. Mit ihm beschäftigt sich auch das Ritterepos Willehalm des berühmten Parzival-Dichters Wolfram von Eschenbach (* um 1160-80; † um/nach 1220). Es erzählt von der Liebe zwischen dem christlichen Ritter Willehalm und der sarazenischen Königin Arabel – eine tragische Liebe, ein blutiger „Minnesang“, der zu zwei großen Schlachten und zu mit ihnen verbundenen riesigen und letztlich unbewältigten Verlusten führt. Dabei geht die Figur des Helden Willehalm (Guillaume d’Orange) auf den 1066 heilig gesprochenen Wilhelm von Aquitanien (* um 754; † 28. Mai 812) zurück, den Grafen von Toulouse und Herzog von Aquitanien. Wie sein literarisches Pendant kämpfte auch der historische Wilhelm im Auftrag Karls des Großen gegen die Sarazenen (793).

  2. Vergessene Perle aus der Schatzkiste der Höfischen Literatur

    Der Willehalm, der schon in seiner Entstehungszeit literarisch eine eher ungewöhnliche Mischung aus Ritterepos, Heldenroman, Heiligenlegende, Liebesgeschichte und Schlachtengemälde darstellte, wurde vor über 800 Jahren im Auftrag des Landgrafen Hermann I. von Thüringen (*1190; † 1217) verfasst. Für sein Werk übersetzte Wolfram eine alt-französische Vorlage (La Bataille d’Aliscans ) ins Deutsche und erzählte sie für sein höfisches Publikum in der damals üblichen Vortrags-Reimform neu – so erfolgreich, dass der Willehalm zu einem der beliebtesten Erzähltexte des Hochmittelalters, oder, modern ausgedrückt, zu einem echten Bestseller in Form vieler schöner Handschriften wurde. Im Unterschied zu Parzival ist das Werk jedoch inzwischen allgemein in Vergessenheit geraten, von seiner nach wie vor bestehenden Bedeutung innerhalb der Mediävistik einmal abgesehen.

  3. Weniger Kreuzzugsideologie als frühes humanistisches Dokument

    Eine mögliche Vernachlässigung des Stoffes könnte darin liegen, dass er offiziell als unvollendetes Fragment gilt, es also kein klassisches „Happy End“ im Willehalm gibt – im Unterschied zum Parzival bietet der Willehalm keine homogen christliche Ritterromantik, sondern stellt das Geschehen schonungslos als eine „Schlächterei“ dar, die man nur mit „Sterben und Ruin des Glücks“ bezahlen könne. Vor allem aber bezieht das Werk erstmals auch die Lebens- und Gefühlswelt der muslimischen „Heiden“ mit ein und wird dadurch zu einem frühen, aufklärerischen und humanistischen Dokument, das sich von der einseitig feindlich gesinnten Kreuzzugsideologie eines Rolandslieds wohltuend unterscheidet.

Willehalm und Arabel: Romanhafte Wiederentdeckung des Willehalm

Für mich als Autorin bildeten gerade das Fragmentarische des Willehalm und sein fehlendes Happy End den passenden Anknüpfungspunkt, um das Wolfram’sche Original mit seinen knapp 14.000 Verszeilen für den heutigen Leser wieder zugänglich zu machen. Willehalm und Arabel hält sich werktreu an die Vorlage, reduziert das umfangreiche Epos aber auf die Handlung, die ich in eine verständliche, romanhafte Form gegossen habe. Die Erzählung wurde 2016 vom „Leseforum Bayern“ deshalb auch als Schulbuch empfohlen. Versbeispiele aus den neun Büchern der mittelhochdeutschen Originalvorlage ergänzen die Neuerzählung, ein Nachwort, ein Anmerkungs-, Begriffs- und Namensverzeichnis erleichtern darüber hinaus die Orientierung. Vor allem aber kann ich den Lesern von „Willehalm und Arabel“ eines versprechen: eine authentische, ungewöhnliche und bestürzend aktuelle Reise in die Welt des Mittelalters zu erleben.

Gudrun Opladen

Die Bedeutung der Wappen für die Welt des Mittelalters

Jeder kennt sie: Die farbenprächtigen und kunstvollen Wappen, die nicht nur im Mittelalter von den Reichen und Mächtigen geführt wurden. Sie kennzeichnen nicht nur einzelne Mitglieder einer Dynastie, sie dienen in Form der  eindrucksvollen Wappenrollen auch als Nachweis einer gehobenen Abstammung. Was heute wie selbstverständlich mit dem Mittelalter verbunden wird, entwickelte sich bereits sehr viel früher. Eine Entwicklung, die keineswegs zusammen mit der Epoche ihr Ende fand. Woher kamen die Wappen? Welchem Zweck dienten sie? Welche Bedeutung besaßen sie für die Menschen des Mittelalters?

Farben im grauen Schlachtgetümmel

Schlachten stellten die Feldherren jeder Epoche vor große Herausforderungen. Sobald zwei Armeen aufeinandertrafen wurde es fast unmöglich, einzelne Truppenteile voneinander zu unterscheiden. Bereits in der Antike griffen die Befehlshaber daher auf gewisse Hilfsmittel zurück. Die Soldaten einfarbig einzukleiden war dabei nur eine Methode. Flaggen und Standarten erwiesen sich als noch wirkungsvoller. So war immerhin ersichtlich, wo sich der Standartenträger und damit hoffentlich auch der Rest seiner Einheit befand.

Diese Notwendigkeit zur Kennzeichnung war auch für die Krieger des Mittelalters vorhanden. Nachdem die Ritter komplett geschlossene Rüstungen verwendeten, wurde es umso wichtiger, anhand eines genau bestimmten Symbols erkannt werden zu können. Dies spielte sowohl dann eine Rolle, wenn es zu der Zurechnung bestimmter Heldentaten kam als auch dann, wenn es um die Gefangennahme und damit verbundenen Lösegelder ging. Zudem war es für die Kämpfer außerordentlich wichtig, Feinde und Verbündete klar voneinander unterscheiden zu können.

Besondere Bedeutung besaßen die Wappen im Zusammenhang mit dem Turnier. Vor der Teilnahme musste der Ritter seine Abstammung anhand der bereits erwähnten Wappenrolle nachweisen. Diese wurde von Herolden genau geprüft. Während der Turniere dienten die Wappen, wie auch in der realen Schlacht, zur Identifizierung der einzelnen Teilnehmer.

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Wappenrolle aus dem 15. Jahrhundert

Die Wappen des Mittelalters

Da es wesentlich mehr Adelsfamilien gab als Heere in der Antike, wurden auch die Wappen immer ausgefallener. Wenn zwei Familien das selbe Wappentier verwenden wollten, musste es sich eben farblich unterscheiden. War auch die Farbe dieselbe, griff man auf weitere Bildelemente oder Schildformen zurück. Nach und nach wurden die Wappen immer komplexer und kunstvoller. Während sie zu Beginn noch vorwiegend aus geometrischen Mustern bestanden, fanden immer mehr Tiere, Fabelwesen und sogar ganze Szenen aus bekannten Sagen ihren Weg auf die ritterlichen Schilde. Und nicht nur dorthin. Auch die Rüstung und die Waffen wurden mit Kennzeichnungen versehen. Besonders eindrucksvoll kamen die Helmzieren daher, die vor allem auf Turnieren beeindrucken sollten. Über der Rüstung trugen viele Ritter zur Zeit des Hochmittelalters zudem ein mit dem Wappen versehenes Gewand. Auch die Pferde wurden häufig mit einem farbenprächtigen Wappenrock bekleidet.

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Hartmann von Aue im Codex Manesse – Idealbild eines Ritters

Herrschaftszeichen

Wappen kennzeichneten nicht nur einen Adligen, sie zeigten auch Besitzansprüche an. Wehte ein Banner über einer Burg oder auf einem bestimmten Teil Land, zeigte dies eindeutig an, wer hier Besitz beanspruchte. Daher auch die Geste, das Banner eines Feindes zu Boden zu werfen und sein eigenes an dessen Stelle zu setzen. Könige und Kaiser konnten das Recht verleihen, ihr jeweiliges Banner zu verwenden, um die Zugehörigkeit zum Herrscher zu symbolisieren. So erlaubte Kaiser Friedrich III. der Stadt Neuss 1474, das kaiserliche Banner zu verwenden – eine deutliche Geste in Richtung des burgundischen Herzogs Karl dem Kühnen, der die Stadt belagern wollte.

Das Führen eines Wappens

Es ist kaum erstaunlich, dass schon bald bestimmte Regeln gefunden werden mussten, um der immer größer werdenden Welt der Heraldik eine gewisse Ordnung zu geben. Zunächst war wichtig festzustellen, wer überhaupt ein Wappen führen durfte. Die Regelungen gingen dabei in den verschiedenen Reichen auseinander. In einigen Ländern waren Wappen dem Adel vorbehalten, anderswo durften sogar Bauern eines führen. Im Heiligen Römischen Reich konnten der Hofpfalzgraf das Recht zum Führen eines Wappens verleihen. In England und Wales war es streng verboten, ein Wappen ohne Erlaubnis zu führen. Innerhalb eines Landes durfte es zudem kein Wappen zweimal geben. Anders sah dies bei Mitgliedern zweier verschiedener Reiche aus. In diesem Fall war es zwar ärgerlich aber durchaus möglich, dass das selbe Wappen mehrmals vorhanden war.

Erkennungszeichen und Statussymbol

Das Wappen bis in unsere heutige Zeit wichtige Funktionen erfüllen und nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben spricht deutlich für ihre Funktionalität. Gleichzeitig stellen sie eine eigene Kunstform dar, die mit ihren prachtvollen Farben und einer Vielzahl von Symbolen, Fabelwesen, Tieren und sogar Figuren den Betrachter immer wieder in Erstaunen versetzen. Im Mittelalter, einer Zeit, in der nur die wenigsten Menschen Lesen und Schreiben konnten, stellten die Wappen meist die einfachste und effektivste Methode dar, Dynastien und ihre Mitglieder schnell identifizieren zu können. Dies wurde umso wichtiger, wenn es zu Versammlungen, Kriegszügen oder Belagerungen kam. Zudem konnten Wappen als Herrschaftszeichen Verwendung finden. Ihre Bedeutung für die höfische Welt des Mittelalters kann somit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Literatur:

Slater, Stephen: Wappen, Schilde, Helme. Eine farbig illustrierte Einführung in die Heraldik. Wien, 2004.

Buchvorstellung: Die Liedersammlung Stuttgart

9783830933687Ebinger-Möll, Katrin: Die Liedersammlung Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. Don. A III 18. Edition und Kommentar. (Studien und Texte zum Mittelalter und zur frühen Neuzeit; 19). Waxmann, Münster, 2016.

Musik spielt in unserem Leben eine nicht wegzudenkende Rolle. Das war im Mittelalter nicht anders. Berühmte Lieder des Mittelalters haben ihren Weg bis in die moderne Musikwelt geschafft. Doch ging ihre Bedeutung häufig über die reine Unterhaltung hinaus. Kirchenlieder wurden nicht einfach nur gesungen, sie trugen und tragen jeweils eine ganz eigene theologische Bedeutung in sich. Viele von ihnen wurden im Laufe der Zeit inhaltlich und sprachlich immer wieder verändert. So ist es möglich, Lieder anhand ihres Inhalts oder ihrer sprachlichen Struktur zeitlich relativ genau einzuordnen. Editionen der ursprünglichen Versionen haben somit stets eine besonders wichtige Funktion. Nur durch eine genaue sprachliche und inhaltliche Analyse sowie den Vergleich unterschiedlicher Versionen wird es möglich, fundierte Aussagen über die Kirchenlieder des Mittelalters treffen zu können.

Die in der Württembergischen Landesbibliothek unter der Signatur Cod. Don. A III 18 untergebrachte Liedersammlung ist nun durch Katrin Ebinger-Möll ediert und kommentiert worden. Insgesamt hat sie 15 Lieder aus dem 16. Jahrhundert untersucht, die in einer Sammlung aus acht Pergamentseiten die Jahre überdauert haben. Es handelt sich mit einer Ausnahme um Weihnachtslieder. Geographisch stammen die Lieder aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Neben einer Transkription der einzelnen Lieder findet sich ein umfangreicher Kommentar, der auf die Bedeutung der einzelnen Elemente eingeht.Auch Überlieferungsgeschichte und eine sprachliche Analyse sind vorhanden. Interessant: Die Autorin hat die Entstehungsgeschichte untersucht und herausgefunden, dass nur das erste Drittel der Sammlung mit einer klaren Konzeption zusammengestellt wurde: Auf eine lateinische Cantio folgt stets eine volkssprachliche Version, die auf die selbe Melodie gesungen wurde. Später kamen immer neue Lieder hinzu, wobei das Weihnachtsmotiv als maßgebliches Auswahlkriterium gedient hat.Im Anhang befindet sich ein vollständiges Faksimile der Liedersammlung.

Es ist sehr erfreulich, eine so umfassende Edition dieser bisher nicht erfassten Liedersammlung in den Händen zu halten. Sie ist nicht nur für Historiker, sondern in besonderem Maße für Literatur- und Sprachwissenschaftler von Nutzen., da sie einen besonderen Schwerpunkt auf die sprachlichen Besonderheiten legt. Auch für Theologen bietet diese Edition viele nützliche Inhalte. Für jede Strophe der einzelnen Lieder erfolgt eine detaillierte Analyse und Erklärung der religiösen Motive. Durch das enthaltende Faksimile ist zudem ein Eigenstudium der einzelnen Lieder möglich.

Vorstellung: Das Mittelalter – Alltag in einer bewegten Zeit

neue-magazinreihe-geo-epoche-kollektion-ist-ab-16-dezember-2015-im-handel-erhaeltlichBewegte Zeiten bringen nicht selten faszinierende Persönlichkeiten hervor. Das Mittelalter war eine solche Zeit. Vom Alltag dieser Menschen berichten die Artikel der ersten Ausgabe von GEOEPOCHE Kollektion – eine Sammlung der interessantesten Artikel zum Thema Mittelalter aus den vorangegangenen Ausgaben der GEOEPOCHE. Der Leser hält so ein umfangreiches Kompendium der mittelalterlichen Alltagsgeschichte in den Händen.

Thematisch ist die Kollektion breit gefächert. So werden bekannte Ereignisse des Mittelalters wie Reichstage, Fehden, die Katharerverfolgung in Südfrankreich, der englische Bauernaufstand 1381sowie die Revolution der Kunst in der Toskana ab 1300 detailliert und aus der Sicht einer oder mehrerer Personen beschrieben und erklärt. Dabei werden einige, besonders wichtige Personen näher beleuchtet – insbesondere Walther von der Vogelweide, Albertus Magnus, Hildegard von Bingen, Johannes Gutenberg oder Eike von Repgow, der für die Entstehung des Sachsenspiegels verantwortlich war. Die soziale Ordnung des Mittelalters und politische Bündnisse wie die Hanse sowie ihr Weltbild werden ebenfalls im Detail erläutert. Ins Auge fallen hier besonders die qualitativ hochwertigen Darstellungen mittelalterlicher Karten. Was mir außerdem aufgefallen ist: Ralf Berhorst beschäftigt sich mit Federico da Montefeltro, einem bekannten condottiere, einem Söldneranführer des späten Mittelalters. Es ist erfreulich zu sehen, dass neben den Rittern auch das Thema der mittelalterlichen Söldner zunehmend Beachtung erfährt.

Auch Liebhaber mittelalterlicher Baukunst kommen auf ihre Kosten. In zwei bildgewaltigen Artikeln wird auf den Bau von Burgen und Kathedralen eingegangen. Die hochwertigen Fotografien fallen hierbei besonders ins Auge.

Überhaupt gehört die eindrucksvolle Bebilderung zu den Highlights der Kollektion. Nicht nur Fotografien, auch mittelalterliche Darstellungen fangen das Auge ein und vermitteln ein ganz anderes Bild als das eines „Dunklen Zeitalters“. Bewegte Zeiten waren es durchaus – aber eben auch sehr bunte. Umso erfreulicher, dass der Leser diese aus der Sicht von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten erfahren kann. So wird er gleich zu Beginn jedes Artikels in die Welt des Mittelalters versetzt und erfährt hautnah was es bedeutete, in dieser Epoche zu leben und zu überleben. Der Text ist dabei stets sehr zugänglich, ohne dabei unwissenschaftlich zu werden.

Mein Eindruck der GEOEPOCHE Kollektion ist durchweg positiv. Die Idee, ein Best-Of aus den bisher erschienenen Artikel zum Alltag im Mittelalter zu erstellen, ist sehr interessant. Die vorliegende Ausgabe geht dabei bisweilen über die alltäglichen Ereignisse hinaus, beispielsweise im Fall der Beschreibung der Erfindung des Buchdrucks, dem Bau der Kathedrale von Chartres oder der Gründung der Universität von Heidelberg durch Ruprecht I. Auch die Pest und die Verfolgung der Katharer in Südfrankreich sind eher als Ausnahmeereignisse einzuordnen. Die Autoren zeigen anhand dieser Beispiele aber sehr schön, wie sich bestimmte Glaubenssätze und Lebensverhältnisse im Mittelalter generell darstellten.

Wenn auch letztlich kein komplettes Kompendium der mittelalterlichen Geschichte, so ist die GEOEPOCHE Kollektion definitiv überaus umfangreich. Unterhaltsam zu lesen und mit beeindruckenden Bildern ausgestattet eignet sie sich nicht nur für den schnellen Ausflug ins Mittelalter für zwischendurch, sondern ist auch als Nachschlagewerk durchaus geeignet. Zudem ist sie aufgrund ihrer hochwertigen Aufmachung auch für die Heimbibliothek geeignet. Insgesamt kann ich dem am Mittelalter interessierten Leser die Kollektion wärmstens empfehlen.

GEOEPOCHE Kollektion NR.1. Das Mittelalter. Alltag in einer bewegten Zeit. G&J, Hamburg, November 2015.

Buchvorstellung: Medieval Cyprus – A Place of Cultural Encounter

51eFYe7COFLSabine Rogge, Michael Grünbart (eds): Medieval Cyprus: A Place of Cultural Encounter. Conference in Münster, 6-8 December 2012. Waxmann Verlag, Münster, New York 2015. (=Schriften des Instituts für Interdisziplinäre Zypern-Studien; 11).

Die Insel Zypern kann auf eine bewegte Geschichte zurück blicken. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage im östlichen Mittelmeer, nahe der türkischen und syrischen Küste, war und ist sie für die strategischen Planungen der Mächte ein bedeutender Faktor. Dies zeigte sich sowohl zur Hochzeit des byzantinischen Reiches, während der Kreuzzüge als auch während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich. Da überrascht es nicht, dass die Insel auch wirtschaftlich bedeutend und zur Heimat verschiedener religiöser Gruppen wurde.

Der Sammelband, den ich hier vorstellen möchte, deckt alle diese Bereiche ab. Die Aspekte Geschichte, Wirtschaft und Handel, die materielle Kultur sowie der Siedlungsphasen auf Zypern dienen hierbei als Oberkategorien. Die Autoren bringen hier ihre Vorträge der dreitägigen Konferenz zum mittelalterlichen Zypern vom 6. bis zum 8. Dezember in Münster in englischer Sprache zu Papier. Ziel der vom Institut für Byzantinistik und Neogräzistik sowie dem Institut für interdisziplinäre Zypern-Studien der Universität Münster organisierten Veranstaltung war es, die neuesten Ergebnisse der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Zypern-Forschung zusammenzubringen.

Teil 1: Die Geschichte

In der Geschichte Zyperns spielt der Krieg eine bedeutende eine Rolle. Dementsprechend geht es im ersten Abschnitt um die verschiedenen Konflikte, die immer wieder auf Zypern ausgetragen wurden oder von hier ihren Ausgang nahmen. Von der Herrschaft des Isaak Komnenos, über die der Franken und die Kreuzzüge bis hin zum Königreich Zypern und die Kämpfe zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich – alle wichtigen Ereignisse werden im Detail beschrieben und wissenschaftlich untersucht.

Teil 2: Wirtschaft und Handel

Zypern war jedoch weit mehr als Garnison und Schlachtfeld. Seine günstige Lage machte es nicht nur für Kriegszüge zu einer wichtigen Insel. Insbesondere als Schnittstelle für den Handel von Waren zwischen Orient und Okzident besaß es stets eine besondere Bedeutung.

Bekannt war Zypern zudem für den Zuckerrohranbau. Das Klima stellte sich als optimal für diese Form der Zuckergewinnung heraus und verhalf dem Wirtschaftszweig zum Aufstieg. Kein Wunder, dass auch ausländische Machthaber großes Interesse an Landbesitz auf der Insel hatten.

Teil 3: Über Fundstücke und Architektur

Auskunft über die bewegte Geschichte Zyperns geben uns nicht nur schriftliche Quellen. Im Laufe von Jahrzehnten haben Archäologen zahlreiche Funde gemacht und katalogisiert. Auf diese Weise ist es uns möglich, Einblick zu nehmen sowohl in die Alltagskultur als auch in die luxuriöse Welt der herrschenden Klasse. Besonders interessant sind die bemalten Keramiken, welche Menschen und ihre Gestik darstellen.

Neben Gegenständen ist vor allem die spätgotische Architektur auf Zypern von Interesse. Die Ruinen des Königspalastes und eines Klosterkomplexes zeugen noch heute von der Pracht und dem Reichtum vergangener Zeiten.

Teil 4: Siedlungen auf Zypern

Die Hauptstadt Zyperns wurde von der Spätantike bis ins Mittelalter hinein insgesamt drei Mal verlegt. Es lohnt sich also, auf die verschiedenen Siedlungsphasen auf der Insel näher einzugehen. Myrto Veikou widmet diesem Thema ein eigenes Kapitel, in dem sie die Situation auf Zypern mit der auf Sizilien und Andros vergleicht.

Eine Übersicht, die ins Detail geht

Wer „Medieval Cyprus“ zur Hand nimmt, den erwarten umfangreiche Informationen zu speziellen und hochaktuellen Forschungsthemen zum mittelalterliche Zypern. Für einen schnellen Überblick über die Geschichte der Mittelmeerinsel ist es dementsprechend nicht geeignet. Umso mehr lohnt sich das Studium dieses Sammelbandes für denjenigen, der sein Wissen über Zyperns Geschichte deutlich vertiefen möchte. Wer Informationen für die eigene wissenschaftliche Arbeit sucht, wird hier ebenfalls Fall fündig. Dank der umfangreichen Bibliographie am Ende jedes Aufsatzes wird dem Leser zudem die Suche nach weiterführender Literatur erleichtert.

Erfreulich ist, dass die Aufsätze alle Epochen der mittelalterlichen Geschichte Zyperns abdecken. Zudem werden nicht nur die großen historischen Ereignisse untersucht, sondern auch das Alltagsleben der Menschen. Ein gewisses Vorwissen zur mittelalterlichen Geschichte ist empfehlenswert, um die Zusammenhänge komplett verstehen zu können. Die Autoren gehen nicht auf jede wichtige Person oder bedeutendes Ereignis gesondert ein. Dafür sind die Themen einfach zu speziell.

Sehr positiv fällt die Bebilderung des Sammelbandes auf. Die dezent eingebauten Bilder von Fundstücken und Gebäuden, archäologischen Grabungsplänen, Karten und Tabellen lockern das Textbild angenehm auf und verdeutlichen wichtige Zusammenhänge.

Insgesamt bietet „Medieval Cyprus“ einen hervorragenden Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse zum mittelalterlichen Zypern, der durchaus in die Tiefe geht. Die Autoren zeigen zugleich auf, dass noch viel Forschungsarbeit zu leisten sein wird. Wer auf der Suche nach einem umfangreichen Fachbuch zur Geschichte Zyperns im Mittelalter ist, dem sei „Medieval Cyprus – A Place of Cultural Encounter“ wärmstens empfohlen.

Tolkien und „Die wirkliche Mittelerde“

Über kaum ein anderes Buch ist soviel geschrieben worden wie über J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Kein Wunder, gilt dieses epochale Werk doch zurecht als Grundlage einer ganzen Literaturgattung. Tolkien schuf aber weit mehr als eine spannende Fantasygeschichte. „Der Herr der Ringe“ strotzt nur so vor Parallelen zum Westeuropa der Antike und des frühen Mittelalters. Arnulf Krause hat hierzu bereits 2012 ein interessantes Buch geschrieben: „Die wirkliche Mittelerde. Tolkiens Mythologie und ihre Wurzeln im Mittelalter“.

Die Geschichten des frühen Mittelalters als Quelle

Krause geht in seinem Buch auf die verschiedenen sagenhaften Elemente ein, die dem Leser auf seiner Reise durch Mittelerde begegnen. Er nähert sich dem Thema zunächst über die Sagenwelt Nord- und Westeuropas. Dazu zählen sowohl die Eddas und Sagas Skandinaviens als auch die Geschichten der Angelsachsen und Kelten. Kein Wunder, hat sich Tolkien hier doch wesentlich inspirieren lassen. Insbesondere der altenglische „Beowulf“ (entstanden ca. 1000) hatte es dem Oxforder Professor angetan. In diesen Geschichten finden sich Zwerge, Elben (Alben), Drachen und streitbare Götter. Wer einen genauen Blick in die alten Schriften wirft, wird zudem eine ganze Reihe von Namen wiedererkennen, die ihren Weg in den Herrn der Ringe gefunden haben.

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Die erste Seite des „Beowulf“

 

Fiktion und Realität

Geschichten entstehen immer in einem Umfeld. Dieses beleuchtet Arnulf Krause sehr detailliert. Er schlägt dabei den Bogen von den Tagen des mächtigen Imperium Romanum sowie seiner barbarischen Nachbarn bis hin zum Zeitalter der Wikinger und ihrer Eroberungen auf den britischen Inseln. Die Beschreibungen der Wanderungszüge, Siedlungs- und Herrschaftsgebiete zeigen sehr schön, woher Tolkien die Inspiration bezogen hat. So geht es beim Herrn der Ringe zunächst um eine Wanderung – wenn auch eine sehr gefährliche. Doch auch die Wanderer des frühen Mittelalters waren nach dem Untergang der Ordnungsmacht Rom zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Die Gefährten rund um den Ringträger treffen dabei auf die Relikte längst untergegangener Reiche. Krause vergleicht diesen Punkt sehr passend mit den Ruinen römischer Herrschaft, die von den neuen Bewohnern bestenfalls als Steinbruch genutzt werden. Der Verfall ist überall sichtbar, die Natur gefährlich und geheimnisvoll. Wer sich aus den festen Siedlungen hinaus bewegt, muss sehr wehrhaft sein – oder sich gut verstecken können.

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Die Siedlung – Zufluchtsort vor der unerbittlichen Natur

Brauchtümer und Heldentum

Wo viel Ungewissheit und Verfall herrscht, gewinnen Brauchtümer und mutige Menschen eine ganz besondere Bedeutung. Im Herrn der Ringe treffen viele unterschiedliche Vorstellungen und Traditionen aufeinander. Die friedlichen Hobbits treffen in rascher Folge auf bäuerlich lebende Menschen, geheimnisvolle und edle Elben, bösartige Orks, Trolle und schließlich auf die mutigen Menschen Rohans und Gondors. Diese sehen sich wiederum mit wilden Kriegern aus der südlichen Wüste und ihren furchterregenden, elefantenähnlichen Kreaturen konfrontiert. Hier treffen nicht nur Krieger aufeinander, sondern ganze Kulturen. Schließlich ist da noch das Böse an sich – Sauron und seine unzähligen Heerscharen, die aus dem Schatten zu kommen scheinen und eigentlich nicht zu besiegen sind. Letztlich triumphieren die Menschen des Westens. Arnulf Krause geht in seinem Buch mehrmals auf den Kampf zwischen dem Helden und dem Bösen ein. Ob nun Beowulf gegen Grendel oder gegen einen Drachen kämpft, immer geht es um Mut im Angesicht eines hoffnungslos überlegen erscheinenden Widersachers.

Die Welt der Fabelwesen

Besonders intensiv beschäftige sich Arnulf Krause mit den Ursprüngen der zahlreichen Fabelwesen im Herrn der Ringe. Ob friedfertige Hobbits, gefährliche Orks, zauberhafte Elben oder Grabwichte in ihren Grabhügeln – die Liste ist zu lang, um sie hier komplett aufzuzählen. Krause beschreibt, wie diese Wesen ihren Weg aus der Sagenwelt des Mittelalters in die Geschichte rund um den Einen Ring gefunden haben. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Krause auch auf die Ableitung der Namen eingeht. So sei beispielsweise bei den Elben der Ursprung bei den Alben zu suchen, die in den alten Sagen alles andere als einen guten Ruf genossen. Diese Tatsache lasse sich letztlich auch im Herrn der Ringe finden, wo die bösen Orks letztlich aus einer Pervertierung gefangener Elben zustande kamen.

Der Hobbit und die Drachen

Krause macht dann auch einen kleinen Ausflug in die Welt des Buches „Der kleine Hobbit“. Hier interessieren ihn besonders die Drachen.Während diese im Herrn der Ringe nicht vorkommen, spielt der Drache Smaug in Tolkiens Geschichte rund um Bilbo und die Zwerge eine sehr bedeutende Rolle. Der Autor geht hier vor allem auf Beowulfs Kampf mit dem Drachen und die Sagen rund um Thor und die Midgardschlange ein. Eine besondere Rolle kommt dem Drachentöter Siegfried zu, der durch seine Heldentat nicht nur den Drachen tötet, sondern letztlich einen Teil von ihm in sich aufnimmt und den berühmten Nibelungenschatz gewinnt. Krause zieht hier eine spannende Parallele zu Gollum und dem Ring, die beide erste durch das Erscheinen eines Helden wieder ans Tageslicht kommen. Er erzählt aber auch von den Ursprüngen der Drachen, die von der Bibel bis hin zu bildlichen Darstellungen reichen.

Nicht nur für Tolkien-Fans

„Die wirkliche Mittelerde“ erzählt nicht die Geschichte des Herrn der Ringe neu. Arnulf Krause führt den Leser vielmehr in die Grundlagen der Mythologie und Glaubenswelt des realen Mittelalters und der Antike ein. Sehr schön auch, dass er nicht nur die Unterschieden, sondern vor allem die Gemeinsamkeiten beschreibt und so zeigt, wie eng die Glaubenswelten Europas letztlich verknüpft waren und Grenzen spielend leicht überwanden. Krause zeigt auch auf, wie sich auf der Grundlage dieser Welten Geschichten bildeten, die in leicht veränderter Form immer wieder erzählt wurden und dabei doch immer wieder die gleichen Themen aufgriffen. Ein Aspekt, der letztlich auch für den Herrn der Ringe gilt. Fantasy-Literatur ist eben weit mehr als einfache Unterhaltung – ihre Ursprünge reichen sehr weit zurück. Ich kann dieses Buch all jenen wärmstens empfehlen, die sich mit der europäischen Mythologie beschäftigen möchten und sich für die Ursprünge unserer modernen Erzählungen interessieren.

Arnulf Krause: Die wirkliche Mittelerde. Tolkiens Mythologie und ihre Wurzeln im Mittelalter. Konrad Theiss Verlag GmbH, 2012.

Promotion: Naturschmuck für Mittelalter-Fans

Wer nach einzigartigem Naturschmuck mit einer individuellen Note sucht, findet auf dem Online-Shop „DesignerNaturschmuck“ auf der Plattform Etsy https://www.etsy.com/de/shop/DesignerNaturschmuck sehr schöne Einzelstücke. Alle Schmuckstücke werden von Hand gefertigt und sind echte Unikate. Besonders Mittelalter- und Fantasy-Fans mögen den individuellen Designer-Naturschmuck.

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Bei der Herstellung werden ausschließlich ausgewählte Naturmaterialien verwendet, die den Anhängern, Armbändern, Ketten, Ringen, Trinkhörner oder Messern einen besonderen Charme verleihen. Jedes einzelne Schmuckstück wird mit viel Liebe zum Detail persönlich angefertigt und verziert. Dabei lässt der Designer JRP seiner Kreativität freien Lauf. Auf Wunsch kann jedes Schmuckstück auch individuell verändert oder eine Maßanfertigung nach eigenen Vorstellungen erstellt werden. Den eigenen Ideen sind hier keine Grenzen gesetzt, was dem Designer bei seiner Arbeit auch sehr wichtig ist.

lle Arbeitsmaterialien werden sehr bewusst ausgesucht – wie beispielsweise Leder, Holz, Knochen, Tagua-Nuss, Horn (vom Hirsch, Büffel oder Watussi-Rind) oder Stein. Überdies verschönern vor allem Perlmutt, Bernstein, Hämatit sowie Muscheln die einzigartigen Schmuckstücke und verleihen ihnen einen besonderen Glanz. Um die Individualität noch mehr hervorzuheben, werden auch verschiedene Verschlüsse verwendet – ob ein prunkvoller Schlangenkopf oder ein einfacher Magnetverschluss – hier finden Sie viele Variationen.

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Mit der Gravur-Technik Scrimshaw werden ferner die Trinkhörner und Messer sehr schön und filigran verziert.

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Die Produkte des Designer-Naturschmucks eignen sich auch sehr gut als ausgefallene Geschenkideen für Freunde oder Familie. Auch Männer finden großen Gefallen an den teilweise maskulinen Schmuckstücken, denn nicht nur Frauen können den Schmuck tragen. Vor allem die Schmuckstücke aus Leder kommen sehr gut bei Herren an.

Als schöne Verpackung der Schmuckstücke fungieren glänzende Samt-Säckchen, welche in liebevoller Handarbeit angefertigt werden.

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