Die fida’i – Assassinen des Mittelalters

Spionage und Mord waren ihr Geschäft. Und sie waren so berühmt und berüchtigt, dass alleine die Erwähnung ihres Namens ausreichte, um politische Gegner in Angst und Schrecken zu versetzen. Um die Meuchelmörder des Mittelalters ranken sich dementsprechend zahlreiche Mythen und Legenden. Doch wer waren sie wirklich?

Die Assassinen aus dem Nahen Osten

Die Meuchelmörder entstanden aus der schiitischen Glaubensgemeinschaft der Nizari-Ismailiten. Diese existierte im 11. Jahrhundert in Syrien und Persien und war ein erklärter Feind der sunnitischen Seldschuken-Dynastie, die das byzantinische Reich in Atem hielt. Dank taktischem und kämpferischem Geschick gelang es ihnen, mehrere Bergfestungen zu erobern und zu halten. Im Gebirgszug des Dschebel Aansariye konnten sie sogar so etwas wie ein eigenes Herrschaftsgebiet aufbauen. Nun verfügten sie über eine Basis, von der aus sie ihre Operationen durchführen konnten.

Der Alte vom Berg

Der erste Anführer der Assassinen war Hasan-i Sabbah. Er führte die Attentäter von der Burg Alamut aus, die sich im Nordwesten des heutigen Iran befindet. Nach ihm übernahmen immer wieder Imame die Führung der Gruppe.

Sir John Mandeville berichtet in einem Text aus dem 13. Jahrhundert detailliert über die Methoden, mit denen Sabbah Anhänger für die sehr riskanten Attentatsversuche gewann. Er würde ihnen „einen gewissen Trunk“ verabreichen, der den Trinkenden in einen wundervollen Rausch versetzen würde. Nun würde er ihnen eröffnen, dass sie im Falle des Todes „in einem Paradies erwache[n]“ würden, „das hundertmal schöner sei als die Bergfestung, voll mit willigen Jungfrauen, mit denen er nach Belieben Sex haben werde, ohne dass sie ihre Jungfräulichkeit verlören“1.

Gezielte Attentate

Die Assassinen operierten nicht nur im Verborgenen. Sie legten außerdem Wert auf absolute Präzision. Es sollte stets nur die Zielperson getötet werden. Unbeteiligte sollten verschont bleiben. Diese Vorgehensweise spricht für ein überaus professionelles Vorgehen, dass sicherlich eine ganze Reihe von besonderen Techniken und Taktiken erforderte.

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Ermordung von Nizam al-Mulk durch einen Assassinen; 14. Jhd.; Topkapi Palace Museum, Cami Al Tebari TSMK, Inv. No. H. 1653, folio 360b

Die meisten Opfer waren sunnitische Muslime. Der englische König Richard Löwenherz bediente sich mehrmals der Dienste der Assassinen. Raimund II., Graf von Tripolis war eines der prominenten Opfer. Selbst Sultan Saladin war mehrmals Ziel von Attentaten, die jedoch allesamt scheiterten.

Das Bild der schrecklichen, orientalischen Assassinen

Es war auch die Unerschrockenheit der Attentäter, die sie so furchterregend machte. Wenn es der Auftrag erforderte, nahmen sie bereitwillig und jederzeit den Tod in Kauf. So erschienen sie ihren Gegnern und Opfern bald als weit größer und gefährlicher, als sie es tatsächlich waren. Schon bald reichte alleine die Drohung, ein in ein Kissen gestochener Dolch, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Es ist umstritten, ob es den gezielten Einsatz von Drogen wirklich gegeben hat. Ich halte dies jedoch durchaus für denkbar.

Das Ende

Dass auch die Assassinen nicht unbesiegbar waren, wurde schon bald deutlich. 1256 wurde Alamut durch die Mongolen zerstört, die in Syrien, Persien und Palästina einfielen. Der letzte Anführer, Imam Rukn al-Din Khurshah, wurde nach dem Sieg der Mongolen von Hülegü Khan hingerichtet. Die Assassinen in Syrien existierten jedoch noch bis ins 14. Jahrhundert und arbeiteten für den ägyptischen Sultan.

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Die Belagerung von Alamut 1256

Auch wenn die Legenden sie zu mehr machen, als sie tatsächlich waren: Die Assassinen waren durchaus eine professionell geführte Gruppe von Meuchelmördern, die ihren schrecklichen Ruf nicht zu Unrecht trug. Ihr fielen zahlreiche Menschen zum Opfer, bei denen es sich vor allem um wichtige Persönlichkeiten ihrer Zeit handelte. Die Assassinen überlebten die Wirren des Krieges in der umkämpften Region nicht allzu lange. Ihre Geschichten, Mythen und Legenden aber bestehen bis heute fort und dienen immer wieder als Vorbild in der modernen Pop-Kultur.

Literatur:

Larringtion, Carolyne. Winter is Coming. Die mittelalterliche Welt von Game of Thrones. Darmstadt, 2016.

1cf. Larrington, Carolyne (2016). S. 199.

Diesen Artikel auf Spanisch lesen:

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Piraten des Mittelalters

Das drittälteste Gewerbe der Welt verhieß bereits seit der Antike all jenen ein Einkommen, die gewillt waren, ihr Leben aufs Spiel zu setzen und anderen das ihre sowie ihre Besitztümer zu nehmen. Beute fanden die Seeräuber zu allen Zeiten reichlich, zur See wie an Land. Die grundsätzlichen Strukturen und Vorgehensweisen unterschieden sich im Mittelalter kaum von denen, die sich von 17. bis zum 18. Jahrhundert finden lassen- von der Waffentechnik einmal abgesehen.

Wikinger: Seeräuber des Nordens

Die Nordmänner waren wahre Meister der Kriegführung zur See und im Durchführen schneller Überfälle. Sogar Belagerungen und offene Schlachten fürchteten sie nicht. Ihre Unerschrockenheit brachte ihnen schnell einen furchterregenden Ruf ein. Zeitweise wurden sie gar als Strafe Gottes für die Sünden innerhalb der christlichen Königreiche betrachtet. Ihre Langschiffe waren allen anderen Schiffen ihrer Zeit weit voraus. Bei schneller Fahrt sorgte die Anordnung der Planken dafür, dass Luft unter den Rumpf geleitet wurde und sich dort zwischen Schiff und Wasser schob. So waren ungewöhnlich hohe Geschwindigkeiten erreichbar. Der geringe Tiefgang sorgte zudem dafür, dass die Wikinger selbst auf kleinen Flüssen Ziele erreichen konnten, die weit im Inland lagen.

Die Piratenschiffe des Mittelalters

Das Design der Langschiffe wurde von einigen Seefahrern noch lange Zeit beibehalten. Im Hoch- und Spätmittelalter wurde vor allem die Kogge verwendet, die in unterschiedlichen Größen gefertigt wurde. Dieser Schiffstyp besaß einen größeren Tiefgang als das Langschiff und konnte weit mehr Ladung aufnehmen. Es war zwar langsamer als die Langschiffe, dafür aber weit stabiler. An Bug, Heck sowie am Hauptmast befanden sich Plattformen, von denen aus gekämpft werden konnte. In einer Seeschlacht nahmen die Koggen zunächst Fahrt auf und rammten anschließend das gegnerische Schiff. Anschließend kam es zum Kampf Mann gegen Mann. In manchen Fällen wurden Koggen beim Aufprall derart beschädigt, dass sie sanken. Für die Piraten war dies, zumindest bei Kaperfahrten, jedoch nicht das gewünschte Ziel.

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Kogge auf dem Siegel von Stralsund

Eustache le Moine – ein Mönch als Pirat

Eustache war ein flämischer Mönch, der im Auftrag der englischen Krone französische Schiffe überfiel. Er operierte vor allem von der englischen Südküste sowie den Kanalinseln aus. Seine Gier nach Beute ließ ihn jedoch bald auch englische Schiffe ins Visier nehmen. 1212 musste er aus England fliehen und stellte sich sogleich in den Dienst des französischen Königs Philipp II. In seinem Auftrag sollte er die geplante Invasion Englands anführen. In der folgenden Seeschlacht unterlag die französische Flotte allerdings. Eustache wurde gefangen genommen und noch auf See enthauptet.

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Eustache in der Schlacht von Sandwich 1217. Chronica Majora des Matthäus Paris (1200–1259).

Die Vitalienbrüder

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde der Nord- und Ostseeraum von einer Gruppe unsicher gemacht, die „Vitalienbrüder“ genannt wurde. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts taucht außerdem die Bezeichnung „Likedeeler“ auf, was so viel wie „Gleichteiler“ bedeutet. Die Beute könnte also zu gleichen Teilen unter der Besatzung aufgeteilt worden sein, ähnlich den späteren Piratengenerationen.

Ursprünglich handelte es sich bei dieser Gruppe um Söldner, die keinen Sold erhielten. Stattdessen waren sie selbst dafür verantwortlich, sich ihre Beute zu sichern. Dies war derart lohnenswert, dass sie sich dieser Beschäftigung auch außerhalb offizieller Kriegszüge widmeten. Wer nun denkt, es hätte sich hierbei ausnahmslos um namenlose Räuber gehandelt, liegt falsch. Eine nicht geringe Zahl rekrutierte sich aus dem Landadel des Nordens. Gödeke Michels, Klaus Störtebeker, Henning Wichmann, Klaus Scheld und Magister Wigbold sind nur ein paar namhafte Persönlichkeiten, die als Anführer auftraten. Zusammen mit nichtadeligen Piraten bildeten sie sogenannte Bruderschaften.

Die Vitalienbrüder operierten so gut wie immer in Kooperation mit Territorialherrschern. Sie waren sowohl im Auftrag von Mecklenburg als auch Dänemarks tätig. Im Nordseeraum arbeiteten sie vor allem mit den ostfriesischen Häuptlingen zusammen, die ebenfalls Piraterie betrieben.

Es liegt nahe, dass die Piraten immer wieder in Kontakt mit den Kaufleuten der Hanse kamen. Diese setzte zwar selbst immer mal wieder auf den Dienst der Seeräuber. Da jedoch immer mehr Schiffe der Hanse Opfer von Überfällen wurden wuchs mehr und mehr der Wunsch, dem Treiben der Piraten ein Ende zu setzen. Die Hanse setzte zu diesem Zweck immer wieder Friedensschiffe ein. Diese waren allerdings teuer, ihre Zahl dementsprechend klein. So blieb die Situation erst einmal, wie sie war.

Das Ende der Vitalienbrüder

Nur ein entschlossenes Vorgehen konnte der Piratenplage ein Ende bereiten. Dies war bekannt, doch musste erst der Leidensdruck hoch genug werden. Gotland, seit Ende des 14. Jahrhunderts eine reine Seeräuber-Insel, wurde 1398 durch eine Flotte des Deutschen Ordens eingenommen. Die Hanse übte unterdessen Druck auf die Ostfriesen aus, die schließlich ihre Unterstützung der Vitalienbrüder einstellten. Die Kaufleute rangen sich nun endlich dazu durch, eine Flotte auszurüsten. Diese stach von Lübeck aus in See und besiegte die Seeräuber auf der Osterems. Einige Anführer konnten zunächst entkommen, wurden aber später gestellt und getötet oder gefangen genommen. Am Leben gelassen wurde letztlich keiner der gefangenen Piraten. Die Städte wollten ein Exempel statuieren. Genutzt hat es freilich nichts. Auch nach dem Ende der Vitalienbrüder kam es immer wieder zu Überfällen auf Handelsschiffe.

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Klaus Störtebeker wird 1401 als Gefangener nach Hamburg gebracht. Nach einem Holzstich von Karl Gehrts (1877).

Die Ursachen der Piraterie

Die einen besitzen viel, die anderen wenig oder nichts. Wurde die Armut immer drängender, weckten offen zur Schau gestellter Reichtum und reiche Handelsverbindungen schon im Mittelalter Begehrlichkeiten. Dabei war es unerheblich, ob ein Seeräuber von adliger Abstammung war oder nicht. Ähnlich den Raubrittern zu Land sahen verarmte Adlige in der Piraterie eine Möglichkeit, mit Hilfe ihrer von Kindesbeinen an erlernten Fähigkeiten ihren Lebensunterhalt zu sichern. Eben diese Fähigkeiten sorgten dafür, dass sie die Raubzüge anführten und zur Anlaufstelle auch für viele Nichtadelige wurden, die ansonsten verhungert wären. So erklärt sich auch, warum aller Einsatz der Städte und Staaten nicht dazu führte, dass die Piraten restlos verschwanden. Es war zudem nicht besonders hilfreich, dass immer wieder Kaperbriefe vergeben wurden. All dies sollte nicht nur kein Ende finden, sondern sich viele Jahrhunderte fortsetzen – auf allen Meeren der Welt.

Köln: Die militärische Organisation einer spätmittelalterlichen Stadt

In diesem Artikel möchte ich mich damit befassen, wie eine Stadt im Spätmittelalter für ihre Sicherheit und ihren Fortbestand sorgte. Viele Städte bildeten bereits seit dem Hochmittelalter eigene politische Einheiten oder waren Zentren der Herrschaftsbereiche mächtiger Fürsten. Aus diesem Grund war es für sie unverzichtbar, militärisch unabhängig vom Kaiser handeln zu können. Mehr noch, es war absolut notwendig, wenn man auf der politischen Bühne eine Rolle spielen wollte. So war auch Köln immer wieder in politische Ränkespiele und militärische Aktionen verwickelt und mehr als einmal wurde das Erzstift Köln und auch die Stadt selbst durch äußere Feinde bedroht.

Holzschnitt aus der Chronica van der hilligen stat van Cöllen. Cöllen 1499

Holzschnitt aus der Chronica van der hilligen stat van Cöllen 1499.

Die Gemeinde der Stadt Köln war in 22 Gaffeln gegliedert, die auch die Grundlage der Wehrverfassung bildeten. Es war die Pflicht jeden Bürgers der Stadt, einen Harnisch zu besitzen. Zusätzlich zu den Gaffeln gab es eine Einteilung in die sogenannten Kirchspiele, die die Flexibilität im Ernstfall deutlich erhöhten.[1] Die Bürger waren aber nicht nur wehrpflichtig im Falle eines Angriffes, sie mussten auch beim Bau und später beim Erhalt der städtischen Wehranlagen mithelfen. Kam es zum Krieg, konnte von ihnen darüber hinaus eine Kriegssteuer erhoben werden. Mitte des 15. Jahrhunderts bestand die vorgeschriebene Mindestausrüstung aus Harnisch, Eisenhut, Armbrust und einem Paar Handschuhe. Dennoch war das Aufgebot an Bürgern wohl wenig diszipliniert, was immer wieder zu Problemen führte. So geht Wübbeke davon aus, dass die Entsendung des Bürgeraufgebots zu den Steinen bei Neuss der dringenden Notlage der Stadt geschuldet war und nicht davon ausgegangen werden konnte, dem Heer Karls des Kühnen ernsthaft etwas entgegen setzen zu können. Um die Schlagkraft des Bürgeraufgebots zu erhöhen, wurden zusätzlich bestimmte Fachleute eingestellt. So waren es vor allem die finanziellen Möglichkeiten der Bürger, die die Stadt Köln zu einer militärisch durchaus ernst zu nehmenden Einheit machte. Dazu trugen auch die Frauen bei, die das volle Bürgerrecht besaßen.[2] Aus den Reihen der Bürger wurden auch verschiedene Ämter besetzt. Es gab zwei Rentmeister, die für vor allem Befestigungen und Geschütze betreffende Ausgaben zuständig waren. Zwei Wachtmeister zeichneten sich verantwortlich für Wachwesen und Verteidigung. Zwei Stimmmeister schätzten den Wert der Pferde der Söldner (was für eventuelle Schadensersatzforderungen dieser wichtig war) und kümmerten sich ebenfalls um die Bewachung der Stadt.[3]

Die militärische Führung oblag dem Rat der Stadt. Dieser konnte grundsätzlich alleine Entscheidungen treffen, es sei denn es handelte sich um eine Heerfahrt, Bündnisse, Verträge, Kreditaufnahmen und Ausgaben, die 1.000 Gulden überschritten. In diesen Dingen mussten je zwei Vertreter der Gaffeln hinzugezogen werden.[4]

Die Stadt unterhielt seit dem 13. Jahrhundert eine Truppe aus berittenen Söldnern, Büchsenmeistern, Armbrust-, Pulver- und Windenmachern. Eine weitere, sehr wichtige und angesehene Gruppe, stellten die städtischen Schützen dar. Ihre Aufgabe war die Sicherung der Stadt in Krisenzeiten sowie die Bewachung der Stadtmauern und des Rheins.[5] Diese Fachleute waren sehr bedeutend. Die Büchsenmeister hatten sich aus dem Schmiede- und Glockengießerhandwerk entwickelt. Köln verfügte im späten Mittelalter über ein größeres Arsenal an Geschützen. Im Dienst der Stadt stehende Büchsenmeister sind erstmals in den Jahren 1365-1382 belegt, erste Pulvergeschütze seit dem 13. März 1370. Diese wurden im Belagerungsfall auf den Stadtbefestigungen in Stellung gebracht. Die Büchsenmeister mussten Pulver herstellen können, Bollwerke errichten und mit ihren Büchsen zielen und feuern können. Zum Schutz der Geschütze wurden von Zimmerleuten spezielle Schutzschirme hergestellt.[6]

In Dienst gestellt wurden seit 1380 auch die Hauptleute, die diese Truppen anführen sollten. Ab 1425 war dies immer nur ein Hauptmann, der einen befristeten Dienstvertrag bekam.[7] Während des Neusser Krieges wurde dieser Posten mit Johann van Elsich besetzt, der aus einer angesehenen Kölner Familie stammte und mehrfach Ratsherr war. 1474 erhielt er die Aufgabe, alle von der Kriegskommission genannten Personen der Stadt zu verweisen oder gefangen zu nehmen, eine durchaus übliche Praxis. Am 01. Januar 1475 wurde er offiziell als Rittmeister mit drei Berittenen in Dienst genommen. Auch wenn darauf geachtet wurde, diese wichtige Position nur mit Personen zu besetzen, denen man vertrauen konnte, so führte van Elsich während des Neusser Krieges ein sehr eigenmächtiges Regiment und musste mehrfach vom Rat aufgrund von Plünderungen ermahnt werden.[8]

Über die stehende Truppe hinausgehenden Söldner wurden immer für einen bestimmten Einsatzzweck und Zeitraum unter Vertrag genommen. Eingeteilt wurden diese in Gleven, wobei eine Gleve aus einem schweren Reiter und seiner Mannschaft bestand. Köln hatte durch seine weitreichenden Kontakte und seine hohe Finanzkraft die Möglichkeit, sehr schnell und in hoher Zahl Söldner anzuwerben.[9] Eine Besonderheit war, dass die Stadt in den Soldverträgen festlegen ließ, dass sie im Nachhinein nicht für Schäden an Leib und Ausrüstung der Söldner haftbar gemacht werden konnte. Weiterhin wurden die Pflichten der Söldner vertraglich festgehalten. Neben der Beistandspflicht mussten sie auch bei der Bekämpfung von Feuer helfen, Geleit geben und Wachdienste übernehmen. Dafür wurde ihnen eine regelmäßige Bezahlung versprochen, sie durften einen bestimmten Teil der Beute behalten und erhielten außerdem Prämien für Gefangene.

Versorgt wurden die Söldner zum Teil durch die Stadt, zum Teil mussten sie sich selbst versorgen. Zu diesem Zweck wurde ein zusätzlicher Sold gezahlt und dafür gesorgt, dass in der Nähe des Lagers ein Markt zugänglich war.

Ihre Ausrüstung mussten die Söldner selbst stellen. Sie sollte aus Panzer, Hose, Beinschienen, Handschuhen, Gürtel, Armbrust und Schwert bestehen.[10]

Die Ursprünge Kölns: Die Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Die Ursprünge Kölns: Die Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Insgesamt war die Stadt Köln also eine sehr wehrhafte Stadt. Sie war seit der Zeit unter den Römern, als sie noch als Colonia Claudia Ara Agrippinensium bekannt war, befestigt. Im späten 12. Jahrhundert maß das Stadtgebiet auf der Nordsüdachse 3.075 Meter und auf der Ostwestachse 1.575 Meter. Die verschiedenen Torbauten stellten mächtige Bollwerke dar, die mit Geschützen versehen werden konnten und auch die Rheinseite war befestigt.[11]


[1] Vgl. Wübbeke, Brigitte Maria (1991). S. 53-57.

[2] Vgl. Ebd. S. 58-67.

[3] Vgl. Ebd. S. 75-79.

[4] Vgl. Ebd. S. 73.

[5] Vgl. Ebd. S. 68-71.

[6] Vgl. Ebd. S. 160-163.

[7] Vgl. Ebd. S. 94-96.

[8] Vgl. Ebd. S. 104-110.

[9] Vgl. Ebd. S. 122-127.

[10] Vgl. Ebd. S. 143-151.

[11] Vgl. Ebd. S. 195-198.

Literatur:

Wübbecke, Brigitte Maria. Das Militärwesen der Stadt Köln im 15. Jahrhundert. (Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte; 91). Stuttgart, 1991.

 

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Die Entstehung des Söldnerwesens im Mittelalter

Im Früh- und Hochmittelalter rekrutierten sich die Krieger aus den Vasallen eines Lehnsgebers. Für das Land, das sie von einem Herren erhalten hatten, mussten die Vasallen im Gegenzug im Kriegsfall eine bestimmte Anzahl an bewaffneten Kriegern stellen. Diese Zahl ergab sich aus der Größe und vor allem aus der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des jeweiligen Lehens. Unterstützung im Kriegsfall konnte aber durchaus auch durch die Zahlung einer Geldsumme erfolgen. Die Dienstzeit war in der Regel auf 40 Tage beschränkt. Eine Armee aus Lehnsaufgeboten konnte also nicht unbegrenzt im Feld gehalten werden. Problematisch konnte es auch werden, wenn eine Person Vasall von zwei verschiedenen Lehnsherren war, die miteinander im Streit lagen. In diesem Fall hatte der Vasall rechtlich gesehen die Möglichkeit, sich aus dem Streit heraus zu halten. In der Praxis war dies allerdings nicht immer machbar. Insbesondere dann nicht, wenn das Herrschaftsgebiet des Vasallen enger an das Gebiet eines der Lehnsherren lag oder einer derselben wesentlich mächtiger und einflussreicher war als sein Gegner.

Im späten Mittelalter kam das Lehnsaufgebot langsam aber sicher an seine Grenzen. Die wachsende Professionalisierung des Krieges erforderte immer spezialisiertere Krieger. Sie mussten nicht nur im Kampf in bestimmten Formationen geschult sein, sondern auch immer komplexere Kriegsmaschinen bauen und bedienen können. Die Feuerwaffen des Mittelalters, obwohl schon existent seit dem 14. Jahrhundert, benötigten nicht nur geübte Schützen, sondern auch Büchsenmeister. Diese waren zumeist keine Soldaten, sondern verstanden sich als Handwerker und Künstler. Von einigen von ihnen sind schöne Werke überliefert, in denen sie ihre Erfindungen festgehalten haben. Zu den bekanntesten zählen das „Kriegsbuch“ des Philipp von Södeneck, das „Wiener Büchsenmeisterbuch“ sowie das „Kriegs- und Püxenwerch“. Diese Kriegsmaschinen waren bereits sehr komplex und sie mussten sehr sorgfältig hergestellt werden, damit sie den ungeheuren Belastungen widerstehen konnten.

Auch gab es zunehmend Militärexperten. Dazu zählte u. a. der Wagenburgmeister, der Experte war für den Einsatz von Kriegswagen. Diese Experten übernahmen auch Ausbildungsaufgaben. Die Söldner stammten aus allen möglichen gesellschaftlichen Schichten. Nicht nur mittellose Menschen schlugen diesen Weg ein. Aus für Adlige war dieser Weg attraktiv. Sie wurden gezielt angeworben, um im Kriegsfall Dienst zu tun. Dabei wurde vertraglich genau festgelegt, wer mit welcher Ausrüstung angeworben wurde, zu welchem Zweck, für welche Dauer und zu welcher Bezahlung. Es wurde auch geregelt, was mit Beute geschehen sollte und in welchem Umfang die Söldner versichert sein sollten. Im Regelfall wurde ihnen nicht nur der Schaden an der Ausrüstung ersetzt, sie sollten sogar aus Kriegsgefangenschaft ausgelöst werden, falls nötig.

Diese Söldnerheere waren alles andere als günstig. Häufig kamen hier Summen zusammen, die kaum noch aufzubringen waren oder ein Adelsgeschlecht über mehrere Generationen hinweg verschuldete. Gute Söldner ließen sich ihre Dienste sehr gut bezahlen. Wurde der Sold nicht bezahlt, konnte es gar dazu kommen, dass Söldner ganze Landstriche ausplünderten oder besetzten, bis sie ihre Bezahlung erhielten. Einige Söldnerkapitäne schafften es sogar, Ländereien und Titel zu erhalten.

Diese Entwicklung im späten Mittelalter war der Vorläufer von dem, was man in der frühen Neuzeit beobachten konnte. Für die Deutschen sollte vor allem die Entstehung der Landsknechte, mit eigener Kultur und teilweise sogar Sprache, von Bedeutung sein.

Literatur:

Tresp, Uwe. Söldner aus Böhmen. Im Dienst deutscher Fürsten: Kriegsgeschäft und Heeresorganisation im 15. Jahrhundert. (Krieg in der Geschichte (KRiG); 19). Paderborn, 2004.

 

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