Der Krieg in der spätmittelalterlichen Chronik

Die Darstellung bewaffneter Konflikte war stets ein zentrales Thema der mittelalterlichen Geschichtsschreibung.[1] Die Chronisten nahmen den Krieg dabei nicht nur in ihre Schriften auf, um einfach über ihn zu berichten. Er sollte auch unterhalten. Aus diesem Grund gingen die Chronisten häufig nicht auf alle Details der Schlachtfelder ein. Allerdings war die aktive Teilnahme an bewaffneten Konflikten im Mittelalter durchaus Teil der Erfahrungswelt des durchschnittlichen Stadtbürgers. Noch mehr galt dies für den Adel, der sich in den Chroniken auch dementsprechend heroisch dargestellt sehen wollte.[2] Für den Adel galt das heroische, für eine gute Sache Kämpfen als sinn- und identitätsstiftend: „Im Krieg werden Helden gemacht und genau davon berichtet die Historiographie“[3]. Auf nicht unbedingt notwendige, sowieso zum Allgemeinwissen zählende Details und vielleicht nicht so heroische Taten wurde dementsprechend verzichtet. Wenn Geschehnisse aber allgemein bekannt waren, mussten die Chronisten meistens auf wirkliche Lügen verzichten.[4]

Eine besondere Rolle spielte der Krieg für die Städte. Er war für sie durchaus gängiges Mittel der Politik und auch die Bürger beteiligten sich selbst daran. In den Chroniken zählten vor allem die Belagerungen einer Stadt zu den besonderen Ereignissen, in denen  vor allem der Durchhaltewillen der verteidigenden Bürger gegen den angreifenden Adel hervorgehoben werden sollte. Die städtischen Chronisten hielten ihre Texte im Vergleich zu ihren beim Adel tätigen Kollegen meist schlicht und pragmatisch und schrieben in erster Linie für die Bürger. Selten sind Beschreibungen über ausufernde Gewalt oder unvorhergesehene Ereignisse.[5] Die Darstellung der Toten konzentrierte sich nicht auf deren Verwundungen oder ihre Gewandung. Gefallene wurden meist als nackt dargestellt und sind so keiner der Kriegsparteien zuzuordnen.[6]


[1] Vgl. Clauss, Martin (2010). S. 34.

[2] Vgl. Ebd. S. 37-40.

[3] cf. Ebd. S. 43.

[4] Vgl. Ebd. S. 43/45.

[5] Vgl. Rüther, Stefan (2009). S. 58-60.

[6] Vgl. Groebner, Valentin (2003). S. 29.

Literatur:

Clauss, Martin. Kriegsniederlagen im Mittelalter. Darstellung – Deutung – Bewältigung. (Krieg in der Geschichte (KRiG); 54). Paderborn, 2010.

Groebner, Valentin. Menschenfett und falsche Zeichen. Identifikation und Schrecken auf den Schlachtfeldern des späten Mittelalters und der Renaissance. In: Martus, Steffen; Münkler, Marina; Röcke, Werner (Hrsg.). Schlachtfelder. Codierung von Gewalt im medialen Wandel. Berlin, 2003. S. 21-32.

Rüther, Stefan. Alltäglichkeit und Entgrenzung. Zum Bild des Krieges in der spätmittelalterlichen Chronistik. In: Emich, Birgit; Signori, Gabriela (Hrsg.). Kriegs/Bilder in Mittelalter und Früher Neuzeit. (Zeitschrift für historische Forschung; Beiheft 42). Berlin, 2009. S. 33-60.

 

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