Das mittelalterliche Münzwesen – Überblick über Entstehung und Entwicklung

Wer heute in seine Geldbörse greift hat häufig die Wahl, mit welchen Zahlungsmitteln er bezahlen möchte. Uns modernen Menschen steht neben dem traditionellen Bargeld inzwischen vor allem der digitale Weg offen. Daneben gibt es aber noch eine Reihe ganz anderer Ideen zur Abwicklung von Zahlungen, beispielsweise die Internetwährung Bitcoin. Wir erleben hautnah eine Entwicklung, wie sie auch in den vorangegangenen Jahrhunderten immer wieder stattfand. Alte Wege des Bezahlens wurden immer wieder von neuen ergänzt oder gar ganz abgelöst. Dieser Artikel soll einen Überblick darüber geben, wie die mittelalterlichen Währungen entstanden, entwickelten und letztlich die Grundlage für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Europas bildeten.

Germanen und Römer: Zwei Wirtschaftssysteme treffen aufeinander

Als die germanischen Stämme östlich des Rheins in Kontakt mit dem römischen Reich traten kam es nicht nur zu Konflikten. Der Austausch von Waren spielte eine bedeutende Rolle in der Beziehung zwischen den so verschiedenen Welten. Hier trafen zwei verschiedene Wirtschaftssysteme aufeinander. Während die Römer bereits über ein Münzwesen verfügten, diente bei den Germanen zu dieser Zeit vor allem das Vieh als Zahlungsmittel. Im Laufe der Zeit lernten die Stämme, dass das Bezahlen von Waren mit Münzen durchaus seine Vorteile haben konnte. Tauschhandel mochte beim direkten Kontakt mit Nachbarn gut funktionieren, stieß aber spätestens beim Fernhandel an seine Grenzen. Kleine Münzen oder Barren ließen sich eben deutlich besser transportieren.

Römische Münzen

Die römische Republik hatte im dritten vorchristlichen Jahrhundert begonnen, Kupfer- und Bronzebarren als Zahlungsmittel einzuführen. Ihnen folgte der As nach, der häufig mit Götterbildern verziert war. Noch im selben Jahrhundert wurde auch Silber für die Münzprägung üblich – der sogenannte Quadrigatus entstand. Ihm folgte bald der Denar.

Nach dem Untergang der Republik und unter der Herrschaft der römischen Kaiser kam schließlich die Goldmünze auf, der Aureus. Den silbernen Denar gab es weiterhin, ebenso den As aus Kupfer. Dazu kam der bekannte Sesterz, der vielen auch aus den Asterix-Comics bekannt sein dürfte. Dieser wurde aus Messing hergestellt. Weniger bekannt dürfte der Dupondius sein. Während der Kaiserzeit war es üblich, die Münzen mit dem Profil des jeweiligen Kaisers zu versehen. So wurden die Münzen nicht nur zu einer Möglichkeit, Macht über bestimmte Gebiete zu symbolisieren. Sie helfen auch Archäologen recht zuverlässig bei der zeitlichen Zuordnung von Funden. Da jeder Kaiser bei Regierungsantritt eigene Münzen in Umlauf brachte, lassen sich Funde entsprechend der jeweiligen Regierungszeit gut datieren.

Römischer Sesterz

Römischer Sesterz

Die Wechselkurse stellten sich folgendermaßen dar: Ein Aureus war 25 Denare wert, die wiederum den Gegenwert von 100 Sesterzen besaßen. Für diese hätte der Händler 200 Dupondien bekommen, die er in 400 Asse hätte wechseln können. In der späten Kaiserzeit kamen mit Argenteus, Nummis und Follis neue Münzen hinzu.

Follis der Spätantike

Follis der Spätantike

Der Übergang zum Mittelalter

Als zur Zeit der Völkerwanderung ab dem Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr. immer mehr Germanen nach Westen und Süden zogen und Gebiete von den Römern übernahmen, begannen auch sie mit dem Prägen von Münzen. Diese erste germanischen Eigenprägung nennt man auch den germanischen Brakteat. Dieser war nur auf einer Seite mit einer Prägung versehen. Auch übernahmen sie im Umlauf befindliche Münzen.

Dennoch blieb im frühen Mittelalter der Tauschhandel mit Naturalien in vielen Gebieten hauptsächlicher Bestandteil des Handels. Eine Ausnahme bildete Byzanz, welches das bestehende römische Münzsystem weiter nutzte und veränderte. Auch die nun islamischen Gebiete verwendeten Münzen: Den goldenen Dinar und den Dirhem aus Silber. Beim Bezahlvorgang wurden Münzen nicht abgezählt, wie es heute üblich ist – sie wurden abgewogen.

Münzen und ihre Bedeutung im Mittelalter

Die Bedeutung des Geldes für die Menschen war damals eine andere als heute. Ein gefüllter Geldbeutel bedeutete noch nicht, dass jemand gesellschaftlich aufsteigen konnte. Es war noch nicht einmal sicher, ob diese Münzen überall als Tauschmittel akzeptiert werden würden. Immerhin wurde in vielen Gebieten weiterhin mit Naturalien bezahlt. Die Bedeutung der Münzen für die Politik war allerdings sehr groß. Dies liegt vor allem darin begründet, dass das Recht zur Prägung seit der Antike dem jeweiligen Herrscher zustand. Dies war auch im Mittelalter der Fall. Es war eines der Regalien, der Rechte, die nur einem König zustanden und nur durch diesen auch jemand anderem gewährt werden konnten.

Dementsprechend waren es zunächst die Könige und Kaiser, die Münzreformen durchführten. Karl der Große machte die Erneuerung des Münzwesens zu einem Pfeiler seiner umfangreichen Reformen innerhalb seines Reiches. Unter ihm wurde der Silberdenar zur reichsweiten Währung.

Französischer Denar (Denier) aus dem frühen Mittelalter.

Französischer Denar (Denier) aus dem frühen Mittelalter.

Im Hochmittelalter (ab 1356) wurde das Münzregal neben dem König auch den Kurfürsten zugestanden. Nun war es jedem von ihnen möglich, in seinem Herrschaftsgebiet eigene Münzen zu prägen. Einzelne freie Städte hatten dieses Recht sogar schon früher erhalten. Das Ergebnis war eine große Vielfalt an Münzen, die erst mit der Reichsgründung 1871 und der damit verbundenen Vereinigung der deutschen Einzelstaaten ein Ende finden sollte.

Goldgulden aus dem Spätmittelalter.

Goldgulden aus dem Spätmittelalter.

Im Rheinland war der Albus gängiges Zahlungsmittel, im mittleren Deutschland und am Bodensee zahlte man mit dem Brakteat. Im Spätmittelalter war in Süddeutschland, der Schweiz und dem nördlichen Italien der sogenannte Batzen im Umlauf (benannt nach dem Bären, dem Wappentier von Bern). Neben dieser interessanten Münze gab es den Dicken und den Guldiner. Auch Heller und Groschen fanden eine weite Verbreitung. Während in Nordeuropa Münzen vor allem aus Silber hergestellt wurden, bediente man sich in Südeuropa auch Gold. Die Spanier kannten den Dobla, der östliche Mittelmeerraum den Dukat, den Floren und den Genovino d’oro. Dies waren die Währungen der italienischen Städte, die durch Handel und andere Transportdienstleistungen zu Reichtum und Macht gelangten. Im Heiligen Römischen Reich wurden diese Goldmünzen als Goldgulden übernommen. In Frankreich wurden der Denier und der Gros verwendet.1 Im englischen Raum wurde mit dem Penny bezahlt, der sich bis heute halten konnte. Dies gilt auch für den Dirhem im islamischen Raum. Auch die anderen Münzen blieben auch nach dem Ende des Mittelalters teilweise einige Jahrhunderte im Umlauf.

Albus aus dem späten 17. Jahrhundert.

Albus aus dem späten 17. Jahrhundert.

Es versteht sich von selbst, dass die Münzen nicht unbedingt in den Gebieten blieben, in denen sie geprägt wurden. Durch den Fernhandel gab es ein gewisses Maß an Geldaustausch auch zwischen weit entfernten Gebieten. Dies war kein allzu großes Problem, bestanden die Münzen doch tatsächlich aus richtigem Edelmetall. Werte gingen so zunächst nicht verloren. Erst als der Silberanteil geringer wurde und auch unedle Metalle bei der Prägung verwendet wurden stieg der Bedarf an detaillierten Wechselkursen und vor allem an Geldwechslern.

Bezahlen im Mittelalter – Naturalien oder Münzen?

Wir haben gesehen, dass es trotz des im Mittelalter immer noch weit verbreiteten Naturalientausches auch nach dem Ende des römischen Reiches eine große Zahl an Münzen gab. So unbedeutend sie zunächst für den Tauschhandel zwischen direkten Nachbarn war, so wichtig wurden sie für den Handel über weite Entfernungen. Für die Herrscher war das Münzregal zunächst vor allem Zeichen ihrer Macht. Sie folgten damit direkt der antiken Tradition. Das Lehnssystem an sich war zunächst nicht unbedingt auf Geld angewiesen, profitierte aber langfristig von dem sich immer weiter verdichtenden Handelsnetz. Insbesondere die freien Städte gelangten mit Hilfe der Münzen und dem hiervon begünstigten Fernhandel im hohen und späten Mittelalter zu großem Reichtum. Dies ermöglichte es ihren Bewohnern schließlich, dem Adel auf dem Land die Stirn zu bieten und eigene Armeen und Flotten auszurüsten. Somit bildeten sie den Ausgangspunkt für die Entwicklung, die bis in unsere Zeit anhalten sollte. Am Ende setzten sich die Münzen gegen den Tauschhandel mit Naturalien weitgehend durch. Ihre Vorteile überwogen deutlich.

Grundlagen der nordischen Mythologie im Mittelalter

Die Religion der skandinavischen Völker im frühen Mittelalter ist ein immer wieder behandeltes Thema. Dies gilt nicht nur für wissenschaftliche Texte, sondern in besonderem Maße für die Populärkultur, die die überlieferten Geschichten dieser Zeit immer wieder aufgreift. Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über die Grundzüge der nordischen Mythologie liefern, ohne dabei die skaldische und eddische Dichtung im Detail wiederzugeben. Dementsprechend wird auch nicht auf alle Charaktere dieser faszinierenden Geschichte eingegangen, die in ihrer Gesamtheit den Rahmen eines Blogeintrages sprengen würde.

Schriftliche Überlieferungen aus der Welt des mittelalterlichen Skandinaviens sind vor allem (wenn auch nicht ausschließlich) von schriftkundigen Christen erhalten. Der wichtigste Autor ist hier Adam von Bremen, der in seinem Werk „Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificium“ (1070) über die heidnischen und barbarischen Völker im hohen Norden berichtet. Bereits 832 war die Erzdiözese Hamburg gegründet worden, um die Missionierung in Norden und Osten voranzutreiben.[1] Dementsprechend kamen Bewohner des Nordens recht frühzeitig mit dem Christentum in Kontakt. Dies bedeutete aber keineswegs, dass sie die neue Religion sofort übernahmen. Vielmehr gab es eine mehr oder weniger friedliche Koexistenz.[2]

Trotz ihrer vorwiegend mündlichen Tradition waren die Nordmänner und -frauen des Schreibens mächtig. Seit dem 1. oder 2. Jahrtausend n.Chr. verfügten sie über die Runenschrift.[3] Mit ihr wurden die Lieder und Sagas festgehalten, die erst später in lateinische Schrift übertragen wurden.

Die gegenwärtige Welt

Der von den Menschen bewohnte Teil der Welt wird als Midgard bezeichnet. Die Götter oder Asen leben in Asgard, wobei den Göttern bestimmte Wohnsitze zugeordnet sind:

Thor: Thrudheim (Welt der Macht)

Odin: Valhall (Halle der gefallenen Krieger)

Freyja: Folkvangr (Schlachtfelder)

Frigg: Fensalier (Sumpfhallen)

Baldr: Breidablik (starker Glanz)

Heimdall: Himinbjörg (himmlische Berge)

Loki: Er ist ein ausgesprochener Sonderfall. Sein Vater war ein Riese, seine Mutter eine Göttin. Er ist zwar auf der einen Seite Verbündeter Odins. Auf der anderen Seite zeugt er u.a. die Weltenschlange, die einst Thor töten wird. Auch kämpft er an Ragnarök auf der Seite der Kräfte des Chaos.

Yggdrasil, die Weltenesche

Yggdrasil, die Weltenesche (aus einer isländischen Schrift aus dem 17. Jhd.)

In der Mitte von Asgard wächst Yggdrasil, die Weltenesche. Ihr Stamm bildet die Achse von Zeit und Raum. Ihre drei Äste berühren den Himmel, ihre drei Wurzeln umspannen die Erde. Eine Wurzel durchläuft die Welt der Menschen, eine die der Riesen (Jotonheimr), unter einer liegt die Unterwelt. Neben der Esche befindet sich der Brunnen Urdrs. Diese entscheidet zusammen mit Verdandi und Skuld über das Schicksal. Diese Frauen werden auch als die drei Nornen bezeichnet.[4]

Der Schöpfungsmythos, der Kosmos und Ragnarök

Zeit spielt eine zentrale Rolle in der nordischen Mythologie. Alles ist vergänglich, insbesondere die Weltenesche, an der Würmer und Hirsche kontinuierlich fressen. Die Völuspá, das erste Götterlied aus dem „Codex Regius“, erzählt uns von den vier Phasen der Existenz.

  • Schöpfung
  • Zeit bis zum Weltenende
  • Ragnarök
  • Neue Welt

Vor der Schöpfung existierte nur Chaos, das Ginnungagap. Aus diesem Chaos entstand das Wesen Ymir (das Tosen). Unter seinem Arm entstanden Mann und Frau, seine beiden Füße zeugten Kinder. So wurde die Familie der Riesen erschaffen. Außer Ymir existierte eine Kuh namens Audhumbla, aus deren Euter sich Ymir ernährte. Sie leckte an einem Salzstein und erschuf so eine menschenähnliche Frau. Diese bekam einen Sohn namens Borr. Er heiratete die Riesin Bestla. Dieses Paar zeugte drei Söhne:

  • Odin (Intellekt)
  • Vili (Wille)
  • Vé (das Heilige)

Dies waren die ersten Asen. Sie töteten Ymir und erschufen aus seinem Leichnam den Kosmos. Sein Fleisch wurde die Erde, sein Blut die Meere, seine Knochen die Berge, sein Schädel das Firmament und sein Gehirn die Wolken. Durch seine Ermordung machten sich die Asen allerdings seine Familie, die Riesen, zum Feind. Hierin liegt ihre andauernde Feindschaft begründet.

Auf diese Art erschufen die Asen eine Idealwelt nach ihren Wünschen. Dann wurde diese von drei Riesinnen angegriffen, die das Schicksal und den Tod in die Welt brachten. Doch erweckten sie auch eine schöpferische Kraft, die die Menschheit hervor brachte. Doch beginnt nun auch die Zeit zu laufen und Ragnarök kommt unaufhaltsam näher.

Thor kämpft gegen die Weltenschlange (Emil Doepler, ca. 1905).

Thor kämpft gegen die Weltenschlange (Emil Doepler, ca. 1905).

An Ragnarök zerfällt alles. Die Götter fallen im Kampf gegen verschiedenen Ungeheuer (Thor wird beispielsweise durch die Weltenschlange getötet). Die Welt geht in Flammen auf und versinkt schließlich in den Meeren. Doch ist dies nicht das Ende. Es entsteht eine neue Welt mit einer neuen Genration von Göttern und Menschen, die nun endlich in Glückseligkeit leben können.[5]

Die neue Welt (Emil Doepler, ca. 1905).

Die neue Welt (Emil Doepler, ca. 1905).

[1] Vgl. Meulengracht Sørensen, Preben (2001). S. 212.

[2] Vgl. Ebd. S. 213.

[3] Vgl. Ebd. S. 214.

[4] Vgl. Ebd. S. 220.

[5] Vgl. Ebd. S.221-222.

Literatur:

Meulengracht Sørensen, Preben: Alte und neue Religion. In: Sawyer, Peter (Hrsg.): Die Wikinger. Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes. 2. Auflage 2001. Stuttgart, 2000. S. 212-234.

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Das Mittelalter und seine Quellen

Ich möchte an dieser Stelle einmal darauf eingehen, warum wir heute überhaupt noch über das Mittelalter Bescheid wissen. Diese Frage klingt vielleicht auf den ersten Blick banal, ist aber nicht unwichtig. Immerhin ist aus dieser Zeit schon lange niemand mehr am Leben, der uns Auskunft geben könnte. Auch Fotografien gab es noch lange nicht, genauso wenig Filme oder Tonaufnahmen. Wir können uns einzig und alleine auf die schriftlichen Hinterlassenschaften des Mittelalters und archäologische Funde berufen. Doch wer sagt uns, dass es sich nicht um Fälschungen handelt?

An dieser Stelle wird es meistens schwierig. Wie wissen die Historiker, ob sie es mit einem Original oder zumindest der Abschrift eines Originals zu tun haben und nicht mit einer Fälschung? Um diese Frage möglichst sicher zu beantworten, wird die Quellen genau untersucht. Aus welchem Material besteht die Quelle? Wo wurde sie gefunden, wo aufbewahrt? Lassen sich Vermerke darüber finden, ob sie in einem bestimmten Archiv aufbewahrt wurde? Wie alt ist das Material? Stimmt der Inhalt mit anderen Quellen dieser Zeit überein? Wer war der Urheber der Quelle und passt dieser in den historischen Kontext?

Bei Texten, die nicht mehr im Original erhalten sind sondern lediglich eine Abschrift vorliegt wird versucht, die Herkunft des Originaltextes möglichst genau zu bestimmen. Dies geschieht durch den Handschriftenvergleich. Die Texte werden gelesen und es wird ein Koordinatensystem angelegt, mit dessen Hilfe man Abweichungen der Texte untereinander feststellen kann. Hieraus ergeben sich verschiedene Handschriftenklassen, anhand derer man Abhängigkeiten herausstellen kann. Auf diese Weise ist es möglich, einen sogenannten Archetyp zu bestimmen, also den Ursprungstext, auf den alle andere Abschriften zurückgehen. Dieser Arbeitsschritt wird beim Edieren einer Quelle angewandt und normalerweise in der Einleitung der Edition beschrieben.

Wenn man mit Bildern aus dem Mittelalter arbeiten möchte, sollte deren Echtheit im Vorfeld geklärt werden. Experten auf diesem Gebiet sind die Kunsthistoriker. Aber auch Naturwissenschaftler können mit Hilfe einer Altersbestimmung hilfreich sein. Dies ist insbesondere deswegen so wichtig, da ein großer Teil der mittelalterlich wirkenden Bilder nicht wirklich aus dem Mittelalter stammt.

Die Archäologie ist ein wesentlicher Bestandteil der Mittelalterforschung. In den schriftlichen Quellen geht es nur selten um die einfachen Menschen oder um Dinge, die für die damalige Zeit alltäglich waren. Bedenken Sie, Schreibmaterial war kostbar, die Herstellung von Schriften zeitaufwendig. Aufgeschrieben wurde nur, was aus der damaligen Sicht wirklich wichtig war. Die Archäologen geben uns Einsicht in dieses einfache Leben, in Bauernhöfe, Burgen und Städte. Ihre Funde lassen sich eindeutig datieren, da sie in entsprechenden Erdschichten gemacht werden. Im Zweifelsfall kann auch hier eine naturwissenschaftliche Altersbestimmung Sicherheit geben.

Unser Wissen über das Mittelalter beruht auf dem Zusammentragen aller Erkenntnisse, von der Tonscherbe im Boden bis hin zum wertvollen Codex in einer der verbliebenen Klosterbibliotheken. Durch einen steten Abgleich und eine generell kritische Arbeitsweise wird versucht, größtmögliche Sicherheit zu gewinnen. Dennoch, ein Restzweifel sollte immer bleiben. So stellte sich beispielsweise die Konstantinische Schenkung, die der römischen Kirche das Gebiet des Kirchenstaates zusicherte, erst sehr spät als Fälschung des Mittelalters heraus. Munter gefälscht wurde auch bei den Urkunden, da die Aussteller in der Regel keine Archive unterhielten und deren Echtheit nur schwer überprüfen konnten. Sicherlich gibt es viele Dinge, die wir noch nicht wissen und vielleicht niemals herausfinden werden (neue Quellenfunde aus dieser Zeit sind sehr, sehr selten). Die richtige Arbeitsweise schützt aber vor Fehlern, insbesondere der Vergleich aller Erkenntnisse zu einer bestimmten Zeit. So lassen sich Unstimmigkeiten am besten herausarbeiten.

 

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Das Turnier im frühen und hohen Mittelalter

Turnierszene aus dem Codex Manesse

Turnierszene aus dem Codex Manesse

An was denken Sie als erstes, wenn Sie das mittelalterliche Turnier vor Augen haben? Mit ziemlicher Sicherheit an zwei in glänzende Plattenpanzer und bunte Farben gekleidete Ritter, die sich auf ihren geschmückten Pferden entgegen reiten, lediglich durch einen Zaun voneinander getrennt, die Turnierlanze im Anschlag. Beim Aufprall wird einer der Ritter entweder vom Pferd gestoßen, die Lanze wird splittern oder es wird noch einen weiteren Durchgang geben. Sicherlich werden Sie sich auch vorstellen, wie das Geschehen von einer Bühne aus vom König und der Königin und weiteren Würdenträgern des Reiches erfolgt wird und wie das einfache Volk von seinen Rängen aus jubelt.

Kein Wunder, denn genau so wird das mittelalterliche Turnier in der Regel dargestellt. Und diese Form, übrigens Tjost genannt, gab es auch tatsächlich. Die Anfänge des Turniers sahen allerdings ganz anders aus. Die frühe Form gab es zwar in kleinerem Maßstab in Form des Buhurts auch später noch, aber die ersten Turniere waren wesentlich umfangreicher, spektakulärer und gewalttätiger als ihre Nachfolgeveranstaltungen.

Diese Kämpfe wurden nicht auf einem normalen Turnierplatz ausgetragen, sondern in normalem Gelände. Dieses beinhaltete meist mehrere Geländeformen: Feld, Wald, Flüsse und Dickicht. In diesem Gelände konnten sich die Ritter frei bewegen, kämpfen und sogar ausruhen, wenn sie sich verstecken konnten. Teilnehmer kamen von überall her, sogar Könige nahmen teil. Es gab vor allem zwei Ziele. Zum einen konnte man durch den Sieg Ehre, Anerkennung und Bekanntheit erlangen und sich vielleicht sogar einem Herrscher für den nächsten Kriegszug empfehlen. Zum anderen konnten man durch die Gefangennahme gegnerischer Ritter mehr oder weniger hohe Lösegelder erzielen. Beides waren besonders erstrebenswerte Ziele für junge Ritter, die als Zweitgebohrene keinen Anspruch auf ein Erbe hatten oder die auch als Erstgebohrene aufgrund der Armut des Vaters nichts zu erwarten hatten. Sie mussten sich Geld und Ehre erst verdienen. Was lag näher als dies durch den Kampf zu erreichen, in dem sie ihr Leben lang ausgebildet worden waren? Reiche aber unerfahrene Kämpfer mussten achtsam sein. Anhand ihrer Wappen konnten sie schnell erkannt werden und wurden dann schnell Opfer von erfahrenen Rittern, die so relativ einfach satte Lösegelder gewinnen konnten. Im Falle der Teilnahme von hochgestellten Persönlichkeiten traten diese meist in Begleitung mehrer Gefolgsleute teil, die quasi als Leibwächter fungierten.

Die Ausrüstung bestand in dieser Zeit, dem 11. und 12. Jahrhundert, noch nicht aus den berühmten Plattenrüstungen. Es gab Topfhelme, ansonsten wurde meistens ein Kettenhemd über einem wattierten Wams getragen, manchmal durch Eisenplatten an wichtigen Stellen verstärkt. Dennoch, insgesamt war der Schutz geringer als bei den späteren Turnieren. Verletzte und Tote gab es regelmäßig. Als Waffe wurde alles verwendet, was auch auf dem Schlachtfeld Verwendung fand: Schwert, Lanze, Streitkolben, Schild. Die Waffen waren zwar nicht scharf, aber die Teilnehmer schlugen mit aller Kraft zu.

Die Eröffnung des Turniers erfolgte durch das Aufstellen der Ritter, die kurz darauf aufeinander losstürmten. Und das möglichst schnell, um ja kein Lösegeld zu verpassen. Und es gab auch Zuschauer. Meist bestand das Publikum ebenfalls aus Rittern, die sogar Fangesänge zum besten gaben. Wer kontinuierlich gut kämpfte, konnte sich also sogar dauerhafte Fans schaffen.

Wie wir sehen weicht das ursprüngliche Turnier wesentlich von dem ab, was wir uns heute als solches vorstellen und was in den Filmen gezeigt wird. Diese Form gab es wie gesagt erst ab dem Hochmittelalter. Das Massenturnier davor war gefährlicher, härter und auch mit höheren Gewinnen oder Verlusten verbunden. Auch war es sehr viel eindeutiger Training für die Schlacht und eine Möglichkeit für die Ritter, auch in Friedenszeiten ihrem Handwerk nachgehen zu können und davon zu leben.


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Die Regula Benedicti – die Benediktsregel

In Klöstern lebten und leben eine Vielzahl von verschiedenen Charakteren unter einem Dach zusammen, um einen gemeinsamen Weg zu verfolgen. Es verwundert daher nicht, dass klare Regeln notwendig waren, um zum einen die Ordensgemeinschaft als solche auf dem richtigen Weg zu halten und zum anderen das Zusammenleben der Mönche möglich zu machen. Zu diesem Zweck wurde Klöstern bzw. Orden eine Regel zugrunde gelegt.

Der erste Entwurf der Benediktsregel stammt von Benedikt von Nursia, der von 480-547 lebte. Wer Einzelheiten über sein Leben nachlesen möchte, kann dies in seiner Vita tun, welche von Papst Gregor dem Großen verfasst wurde. Hier wird bereits deutlich, welch hohes Ansehen Benedikt nach seinem Tod in der römischen Kirche hatte. Er wurde sogar heilig gesprochen. Er war der Sohn einer adligen Familie und erhielt seine grundlegende Ausbildung in Rom, was einen entscheidenden Einfluss auf sein Leben haben sollte. Anscheinend schockiert über die Zustände der Kirche, zog er sich als Eremit zurück. Die Mönche des Klosters Vicovaro baten ihn schließlich, ihr Kloster zu leiten. Allerdings schienen sie von den harten Vorgaben Benedikts überfordert gewesen zu sein, er entging nur knapp einem Giftanschlag. Er zog daraufhin das Eremitenleben dem Klosterleben vor. Anstatt selbst in ein bereits bestehendes Kloster zu gehen, gründete er mehrere eigene, unter anderem das berühmte Kloster Monte Cassino in Italien. Im Jahr 529 schrieb er mehrere Grundsätze zum Zusammenleben von Mönchen auf. Diese Schrift sollte später als die Benediktsregel bekannt werden und die Grundlage für viele Ordensgemeinschaften bilden.

Das erste wichtige Merkmal der Benediktsregel ist, dass sie relativ offen und auslegbar ist. Sie mutet mehr wie ein Grundgerüst an, dass man durch zusätzliche Regeln ergänzen kann. Dies könnte ihre weite Verbreitung erklären. Sie war allgemein anwendbar. Nach einem einleitenden Prolog legt Benedikt fest, wie die Hierarchie innerhalb des Kloster aussehen sollte. Zunächst unterscheidet er vier Arten von Mönchen, je nach ihrer Lebensweise. Die Koinobiten seien diejenigen, die in einer Klostergemeinschaft unter einem Abt leben würden. Die Anachoreten seien die Einsiedler. Die Sarabaiten seien zu verabscheuen. Sie seien zwar nach außen hin Mönche, würden aber ansonsten noch den weltlichen Freuden anhängen. Auch kritisiert er die Gyrovagen, die Wandermönche. Auch ihnen würde es an nötiger Disziplin mangeln, würden das tun, was ihnen gerade in den Sinn käme.

Als Leiter des Klosters nennt Benedikt den Abt (aramäisch abba; Vater). Dieser würde den Mönchen zwar vorstehen, müsse aber vor allem durch ein gutes Beispiel vorangehen und auch nur das lehren, was in Übereinstimmung mit der Lehre Gottes ist. Bewerten solle er die Mönche nicht nach dem persönlichen Ansehen, sondern nach ihrer Tüchtigkeit, ihrem Fleiß und ihrer Demut. Im Falle von Regelüberschreitungen solle er aber auch hart durchgreifen können. Zudem sei er letzten Endes dafür verantwortlich, was die Mönche unter seiner Leitung vollbracht haben- ob gutes oder schlechtes. Dafür müsse er sich letzten Endes vor dem Herrn verantworten. Wichtige Entscheidungen solle er aber nicht alleine treffen, sondern vorher die Brüder zum Rat einberufen. Um Rat fragen solle er aber nur die älteren Brüder.

Als grundlegende Tugenden nennt Benedikt Gehorsam, Schweigsamkeit und Demut. An diese schließt er eine lange Liste von Geboten an, welche ich hier nicht im einzelnen aufführen werde. Diese drei Oberbegriffe sah er als Voraussetzung dafür an, das christliche Ideal bereits zu Lebzeiten zu verwirklichen. Genaue Angaben macht Benedikt auch für die verschiedenen Gebetszeiten. Ob für den Tag, die Nacht, Feiertage und die Jahreszeiten – für alles gibt es genaue Vorgaben:

http://www.benediktiner.de/index.php/die-ordensregel-des-hl-benedikt/das-gemeinsame-gebet.html

Aber nicht nur zu geistlichen Themen äußert sich Benedikt. Auch zur Organisationsstruktur des Klosters selbst schrieb er genaue Anweisungen auf. So sei es bei großen Gemeinschaften sinnvoll, Dekane zu bestimmen. Diese sollten einen guten Ruf haben und der Abt sollte ihnen vertrauen können. Ich gehe davon aus, dass es hier sowohl um die Organisation des Zusammenlebens als auch um bessere Kontrolle durch den Abt ging. Auch die Nachtruhe ist genau geregelt, etwa dass jeder Mönch ein eigenes Bett haben solle, welche in einem gemeinsamen Schlafsaal stehen sollen. Auch sollen die Mönche angekleidet schlafen. Bei Zuwiederhandlungen habe der Abt die Möglichkeit, Strafen zu verhängen. Bei leichten Vergehen reiche zunächst eine Zurechtweisung, bei Uneinsichtigkeit oder schweren Verfehlungen könne ein Mönch aber auch ausgeschlossen werden, zunächst vom Essen, später sogar vom Klosterleben. Wichtig zu beachten ist hier, dass der Abt und auch die Gemeinschaft für den Ausgeschlossenen beten und ihm, sollte er seine Fehler bereuen, auch vergeben sollten. In diesem Punkt greift ganz deutlich das christliche Prinzip von Vergebung und Nächstenliebe.

Neben den Regelungen für die sozialen Beziehungen innerhalb des Klosters ist aber auch die Versorgung der Gemeinschaft wichtig. Der Cellerar ist dafür verantwortlich, sowohl die Ausstattung des Klosters zu überwachen und die Mönche mit Essen und Trinken zu versorgen. Er verwaltet die Bestände und muss sich darum kümmern, dass alles in ausreichender Zahl vorhanden ist. Dementsprechend wird enpfohlen, nur maßvolle und weise Brüder für diese Aufgabe auszuwählen. Es gilt zu beachten, dass Eigenbesitz komplett verboten ist. Alle Gegenstände gehören der Gemeinschaft und werden auch Anordnung des Abtes an die Brüder ausgeliehen. Auch die täglichen Mahlzeiten sind streng reglementiert. Kranke, Alte und Kinder können zwar etwas mehr zu essen bekommen, viel wird es aber nicht sein. Denn wie auch beim sonstigen Tagesablauf ist auch beim Essen das richtige Maß entscheidend. Auch Fastenzeiten müssen beachtet werden. Während des Essens muss geschwiegen werden. Man kann nur den Tischleser vernehmen, der verschiedene Texte vorliest.

Ein wichtiger Aspekt des Klosterlebens ist die Aufnahme von Gästen. Fremde sollen immer aufgenommen und bewirtet werden, ganz nach dem Vorbild Jesu. So steht geschrieben, dass die Gäste durch den Abt und die Mönche eine Fußwaschung erhalten sollen. Das Klosterleben sollen sie allerdings nicht stören, so dass für den Abt und seine Gäste eine gesonderte Küche vorgesehen ist. Die Klöster empfingen häufig hochstehende Gäste, nicht zuletzt, weil viele Äbte aus adligen Familien der Region stammten und entsprechende Kontakte unterhielten. So war der Abt auch zuständig dafür, Beziehungen zu unterhalten und zu pflegen, um dem Kloster Sicherheit und Wachstum zu gewährleisten.

Die Aufnahme neuer Mönche ist ebenfalls geregelt. Zunächst bestehe die Möglichkeit, Kinder aufzunehmen. Diese wurden häufig durch adlige Familien, meist verbunden mit der Schenkung eines Hofes zur Versorgung des Kindes, in das Kloster gegeben. Erwachsene konnten auch aufgenommen werden, allerdings erst nach eingehender Prüfung ihrer Motivation und ihres Charakters. Zu diesem Zweck mussten sie erst so etwas wie eine Probezeit bestehen. Eine Ausnahme besteht für andere Mönche, welche vielleicht sogar mit einem Empfehlungsschreiben ihres alten Abtes anreisten oder von sich aus einen guten Ruf genossen.

Neben dem Cellerar und dem Abt sind in der Benediktsregel noch andere Ämter beschrieben. So gibt es einen Pförtner, der genau überwacht, wer in das Kloster gelangt. Der Prior ist der Stellvertreter des Abtes, allerdings warnt Benedikt eindringlich davor, dass sich der Prior möglicherweise als zweiter Abt betrachten und Unruhe ins Kloster bringen könnte.

Idealerweise sei die Gesellschaft der Mönche durch gegenseitige Liebe geprägt. Alle sollten mit Eifer auf das gemeinsame Ziel hin arbeiten und regelmäßig über ihre Gedanken und ihr Tun reflektieren. So sollten sie selbst mögliche Sünden bemerken und diese beichten bzw. sich selbst bestrafen.

Wie bereits am Anfang erwähnt, wurde die Benediktsregel noch durch zusätzliche, genauere Bestimmungen erweitert bzw. präzisiert werden. Wichtig waren hier die sogenannten „consuetudines“, die sich sehr genau auf alltägliche Abläufe bezogen und genau zum jeweilige Kloster passten. Die Rückbesinnung auf den eigentlichen Kern der Regel, den Armuts- und Demutsgedanken, sollte immer wieder die Grundlage für neue Reformbewegungen werden.

Quellen (Aufruf: 26.07.2012):

http://www.benediktiner.de/index.php/die-ordensregel-des-hl-benedikt

Sekundärliteratur:

Gleba, Gudrun: Klosterleben im Mittelalter. Darmstadt, 2004.


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Schrifttum im Mittelalter- Ein Überblick

Das Mittelalter war längst kein so dunkles Zeitalter, wie man es heute oft glauben könnte. Es war keineswegs so, dass das Schrifttum komplett ausgestorben war. Zwar gab es nicht mehr so viele Autoren, wie in der Antike. dennoch sind uns eine Reihe sehr wertvoller Schriften überliefert. Insbesondere die Buchmalerei fand im Mittelalter einen Höhepunkt. Ich möchte mich in diesem Artikel der Frage widmen, wie und zu welchem Zweck im Mittelalter geschrieben wurde.

Zunächst möchte ich mich dem Material widmen. Im Mittelalter wurde meistens auf Pergament geschrieben. Hierbei handelt es sich um nichts anderes als bearbeitete Kuhhaut. Die Haut wurde abgezogen, zugeschnitten und von Haaren befreit. Das Pergament wurde nun mehrfach gefaltet, je nachdem wie viele Seiten das Buch haben sollte. Anschließend wurde es mit Tinte beschrieben. Korrekturen waren mithilfe eines Schabers möglich. Die Tinte konnte bei Bedarf einfach abgeschabt werden. danach wurde das Buch mit einem Buchrücken versehen und zwischen zwei Buchdeckel eingebunden. Diese Buchdeckel waren entweder aus Leder oder aus Holz. Sie wurden mit Eisen beschlagen, um durch das liegen auf dem Pult nicht ab zu nutzen. Zusätzlich konnten Verzierungen angebracht werden, was aber nur bei sehr wertvollen Werken Anwendung fand.

Die päpstliche Kanzlei verwendete noch bis in das Mittelalter hinein Papyrus. Da dieses Material aber in den hiesigen Breiten aufgrund der Feuchtigkeit sehr schnell verfällt, ist von diesen Schriftstücken kaum noch etwas erhalten. Aus dem selben Grund stieg auch die Kirche nach und nach auf Pergament um.

Die Bücher wurden zumeist von Mönchen hergestellt. Nur sie waren in der Lage, zu schreiben. Häufig richteten sie sogar öffentliche Bibliotheken ein, um das Wissen zugänglich zu machen. Die Verbreitung von Wissen wurde von ihnen als eine heilige Aufgabe angesehen, welche ihn sogar Zugang zum Paradies verschaffen konnte. Mönche unternahmen häufig Reisen, um diese Bibliotheken zu besuchen.Diesen Schriften ist es zu verdanken, dass uns Werke antiker Autoren überliefert sind. Das Mittelalter war in dieser Hinsicht also bei weitem nicht die rückständige Zeit, als die wir sie heute oft betrachten.

Die von den Mönchen verwendeten Schriftzeichen waren normiert. Dies ist die heutige Forschung ein Glücksfall. Nur so ist es möglich, die Schriften zuverlässig entziffern zu können. Unter Karl dem Großen wurde beispielsweise die karolingische Minuskel eingeführt. Doch zu welchem Zweck wurde geschrieben? Zunächst ging es darum, die geistlichen Texte zu erhalten und zu verbreiten. Aber auch die Suche nach Heil durch das Verbreiten des Wissens war wichtig. Dazu kamen Texte, die wichtige Persönlichkeiten, zumeist Herrscher, beschreiben und ihre Taten verherrlichen sollten. Auch die Verwaltung benötigte Schrifttum. Wie wir sehen, war die Schrift auch im Mittelalter eine sehr wichtige Form der Kommunikation. Ihre Relevanz kann nicht überschätzt werden.


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Waffen des Mittelalters: Das Schwert

Das Schwert ist mit Sicherheit eine wenn nicht die populärste Waffe, wenn man Menschen nach den Waffen des Mittelalters fragt. Sie symbolisiert wie keine andere Waffe dieses Zeitalter. Nicht zuletzt deswegen, weil sie eigentlich immer mit dem Ritterstand in Verbindung gebracht wird. Ihre Ursprünge liegen aber sehr viel weiter in der Vergangenheit.

Schwerter finden sich schon in der Frühzeit schriftlicher Überlieferung., neben Lanze und Bogen. Die Form und das Material sollten sich aber über die Jahrhunderte fundamental verändern. Die frühen Schwerter wurden noch nicht aus Eisen gefertigt, sondern aus Bronze. Auch handelte es sich vorwiegend um Stich-, nicht um Hiebwaffen. Das blieben sie zum großen Teil auch bis in das Mittelalter hinnein. Besonders wichtig wurde das Schwert aber erst mit dem Beginn der Eisenzeit, da durch das neue Material eine größere Härte erreicht werden konnte. Besonders in der römischen Armee war zuerst das Kurzschwert (Gladius), später das längere Spatha von Bedeutung. In den Stämmen Nordeuropas waren Schwerter zunächst selten. Dies lag vor allem darin begründet, dass die Gewinnung von Eisen und das Schmieden der Schwerter aufwendig und teuer war. Somit blieb diese Waffe den hochstehenden Persönlichkeiten vorbehalten. Hier wird schon der Symbolcharakter des Schwerts deutlich, als Zeichen der Herrschaft und Gerichtsgewalt.

Dieser Symbolcharakter ist auch einer der Gründe dafür, dass das Schwert sich in das Gedächtnis der Geschichte so fest eingebrannt hat. Schon in den Heldensagen des frühen Mittelalters (beispielsweise Beowulf) tauchen berühmte Schwerter auf, denen sogar Namen gegeben wurden. Später, im Reich der Deutschen, stellte das Reichsschwert eine der Königsinsignien dar. Dabei ist zu beachten, dass in der Symbolik des Mittelalters seit dem Entwurf der Zweischwerterlehre zwischen dem geistlichen und dem weltlichen Schwert unterschieden wird. Beide sind Symbole für Macht, an dieser Stelle allerdings im übertragenden Sinne. Das weltliche Schwert gebührte dem Kaiser, das geistliche dem Papst.

Die Ritter, also die berittenen Berufskrieger der Zeit, waren recht früh mit Schwertern ausgerüstet. Dies lag vor allem daran, dass diese schon immer zu der herrschenden Schicht gehörten und sich derart kostspielige Ausrüstung leisten konnten. Nachdem sich daraus so etwas wie eine europäische Adelsgesellschaft gebildet hatte, wurde das Schwert für diese zum Symbol. Nicht umsonst wurden die Knappen bei ihrem Ritterschlag mit einem Schwert an der Schulter berührt und ihnen ein solches überreicht. Zudem hatte das Schwert eine religiöse Bedeutung. Griff und Parierstange bilden nicht zufällig eine Kreuzform. Auch finden sich immer wieder religiöse Symbole auf Schwertern.

Die Form des Schwerts war auch im Laufe des Mittelalters Veränderungen unterworfen. Dabei gab es auch zahlreiche regionale Unterschiede.  Je nach Einsatzgebiet gab es andere Formen. Während beim Kampf vom Pferd aus vor allem Geschwindigkeit wichtig war, benötigten die Fusssoldaten eine gute Reichweite. Dementsprechend gab es für die Infanterie zum Teil recht lange Schwerter. Die bekanntesten dürften der Zweihänder und der Andertalbhänder sein. Letzterer ist auch als europäisches Langschwert bekannt. Außerdem gab es eine Reihe von kürzeren Schwertern, wie beispielsweise das Breitschwert. Diese waren besonders für den Kampf in engen Formationen geeignet, wie zum Beispiel bei Belagerungen. Die muslimischen Streitkräfte verwendeten dagegen meist Krummsäbel. Über den Kampfstil ist, anders als die japanischen Samurai betreffend, recht wenig überliefert. Einzig einige Bildquellen geben Aufschluss. Die experimentelle Archäologie hat aber einige neue Erkenntnisse erbracht. Näher Interessierte finden hierzu eine Vielzahl von Videos im Internet. Man sollte aber beachten, dass es sich hierbei lediglich um Rekonstruktionen von möglichen Techniken handelt, nicht unbedingt um die historische Realität.

Daniel Ossenkop

Sekundärliteratur:

Prietzel, Malte. Kriegführung im Mittelalter. Handlungen, Erinnerungen, Bedeutungen. Aus: Krieg in
der Geschichte (KriG). Hrsg. Stig Förster u.a.. Band 32. Ferdinand Schöningh: Paderborn, 2006.

Paravicini, Werner. Gab es eine einheitliche Adelskultur Europas im späten Mittelalter?. In:
Historische Zeitschrift. Hrsg. Lothar Gall. Band 40. Europa im späten Mittelalter. Politik –
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401-434.

Göttert, Karl-Heinz. Die Ritter. Philipp Reclam jun. GmbH&Co. KG: Stuttgart, 2011.


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