Grabhügel – Übergänge in die Anderswelt

Bestattungsriten sind so alt wie die Menschheit selbst. Schon die frühesten Menschen beerdigten ihre Toten und es gibt deutlich Hinweise darauf, dass auch der Glaube an ein Leben nach dem Tod seine Wurzeln in der Frühzeit der menschlichen Gesellschaften hat. Ein solcher Glaube ist nicht ohne Bedeutung für die Art der Bestattung. Insbesondere dann nicht, wenn ein physisches Weiterleben in der nächsten Welt erwartet wird. In einem solchen Fall macht es durchaus Sinn, dem Verstorbenen all die Dinge mit auf den Weg zu geben, die er auch im nächsten Leben benötigen wird. Auch im frühen Mittelalter lebten diese Traditionen in Europa fort.

Übergänge in die andere Welt

Bei den alten Religionen Nord- und Westeuropas spielten die Natur und insbesondere Naturphänomene besondere Rollen. Bäume, Flüsse, Seen, Wiesen – alles besaß eine spirituelle Bedeutung. Übergänge in die jenseitige Feld konnten sich an vielen Orten befinden. Besonders baten sich hier Höhlen an, die auch als Wohnorte von göttlichen Wesen dienen konnten. Mit Nebel bedeckte Wiesen konnten den Übergang in die Anderswelt kennzeichnen. Die Verbindung der Menschen dieser Zeit zur Natur war also eine ganz besondere. Es verwundert daher nicht, dass sich die Grabstätten dieser Zeit häufig innerhalb der Natur befanden. Ein deutlicher Unterschied zu den christlichen Gräbern des Mittelalters, die sich in der Regel in der direkten Nachbarschaft einer Kirche befanden. Eines haben aber beide Begräbnisformen gemeinsam: Es geht darum, sich in der Nähe besonderer, spiritueller Orte zu befinden um in das Leben nach dem Tod gelangen zu können.

Die Grabstätten der alten Welt

Monumentale Grabstätten lassen sich in allen Epochen der Menschheitsgeschichte und in allen Erdteilen finden. Im Bereich Nordeuropas wurden die Toten seit der Steinzeit häufig in Steingräbern oder unter Grabhügeln bestattet. Diese Tradition fand auch im frühen Mittelalter noch weite Verbreitung. Grabhügel war jedoch nicht gleich Grabhügel. Tacitus schreibt über die Germanen, sie hätten ihre Toten verbrannt und die Asche anschließend unter einem Hügel beigesetzt. Es sind aber auch beeindruckende Grabkammern aus Holz und Stein entdeckt worden, die neben dem unverbrannten Leichnam zahlreiche Grabbeigaben enthielten. Neben kostbaren Schmuckstücken, Waffen, Haushaltsgegenständen und sogar kompletten Streitwagen fanden die Archäologen auch geopferte Tiere und sogar Sklaven, die ihrem Herren mehr oder weniger freiwillig ins nächste Leben folgen sollten. Die Innenseiten der Grabkammern waren in besonderen Fällen mit kunstvollen Schnitzereien oder Gravuren verziert. Es wurde davon ausgegangen, dass der Tote körperlich wieder auferstehen wird und dann all das brauchen wird, was ihm bereits in seinem alten Leben lieb und teuer war. Dementsprechend richtete sich Umfang und Wert der Beigaben nach dem jeweiligen Status des Verstorbenen. Diese Form der Bestattung war dabei nicht für die Männer reserviert. Es wurden auch Gräber bedeutender Frauen gefunden, deren Grabbeigaben denen der Männer in nichts nachstanden. Die bedeutendsten Gräber konnten wahrlich beeindruckende Ausmaße annehmen. Es wurden Hügel mit bis zu 100 Meter Durchmesser und über 10 Meter Höhe gefunden.

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Ausgrabung des Sutton Hoo-Schiffs, 1939

Besondere Formen der Grabhügel wurden für besonders bedeutende Wikingerherrscher und -herrscherinnen errichtet. Diese wichtigen Persönlichkeiten wurden mitsamt kompletter Langschiffe bestattet. Schiffe gehörten zu den wertvollsten Besitztümern eines Herrschers. Kein Wunder dass davon ausgegangen wurde, dass er dieses auch im nächsten Leben benötigen wird. Insbesondere den Ausgrabungen von Sutton Hoo in England und Oseberg in Norwegen ist zu verdanken, dass wir einen Einblick in dieses Bestattungsritual nehmen können. In einigen Fällen wurde das Schiff samt seiner wertvollen Ladung auch verbrannt, bevor es mit Erde überhäuft wurde. Die archäologischen Befunde decken sich dabei weitgehend mit den Überlieferungen von Augenzeugen wie Saxo Grammaticus und dem islamischen Gelehrten Ibn Fadlan.

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Ausgrabung des Oseberg-Schiffs

Die Angst vor den lebenden Toten

Tod und Sterben waren seit jeher Themen, die nicht nur Anlass zur Trauer gaben, sondern auch Furcht auslösten. Insbesondere die Angst vor lebenden Toten spielte hier eine bedeutende Rolle. Insbesondere die Christen sahen in den alten Grabstätten Orte des Bösen. Besonders verbreitet war die Angst vor Grabunholden, die „draugr“ genannt wurden, was sich als „schädlicher Geist“ übersetzen lässt.

Vor Grabräubern schützten aber auch dieser Aberglauben nicht – viele Gräber wurden geplündert. Wohl auch einer der Gründe dafür, den Toten und seine Wertgegenstände zu verbrennen.

Die Christen und das Verschwinden der Grabhügel

Die Verbreitung des christlichen Glaubens bedeutete letztlich das Ende der alten Bestattungsriten. Die Toten wurden nun nur mit einem Totenhemd bekleidet in der Nähe der christlichen Kirchen begraben. Irdische Besitztümer konnten sie im Leben nach dem Tod ohnehin nicht gebrauchen. Das dennoch auch in christlichen Gräbern dieser Zeit teilweise noch Grabbeigaben gefunden wurden lässt aber darauf schließen, dass sich die alten Traditionen nicht sofort aus den Köpfen verbannen ließen und es einer gewissen Übergangszeit bedurfte, bevor die neuen Riten voll akzeptiert wurden.

Was blieb, sind beeindruckende Monumente einer Kultur, die fest von einem Leben nach dem Tod ausging. Diese Welt war nicht die letzte Station, sondern der Ausgangspunkt für eine Reise, die erst beginnt. Eine Vorstellung, die die Menschen bis in die heutige Zeit begleitet und im Umfeld der Religionen heute genauso aktuell ist wie in allen vergangenen Epochen der Menschheitsgeschichte.

Literatur:

Arnulf Krause: Die wirkliche Mittelerde. Tolkiens Mythologie und ihre Wurzeln im Mittelalter. Konrad Theiss Verlag GmbH, 2012.

Wikingerbegräbnisse – Met und Kampf nach dem Tod?

Die Frage danach, was den Menschen nach dem Tod erwartet, ist so alt wie die Menschheit selbst. Die Antwort darauf unterscheidet sich jedoch häufig, ist nach Religion und Kulturkreis verschieden. Noch schwieriger wird es, wenn sich im Laufe der Jahrhunderte religiöse Vorstellungen vermischen und den Blick auf die ursprüngliche Version erschweren. Wenn es um die Begräbnisse im vorchristlichen Skandinavien geht, tritt dieser Fall häufig ein. Heute begegnet dem Interessierten häufig das gängige Vorurteil, dass sich alle toten Wikinger in der Halle Odins in Walhalla wiederfinden werden, um immerwährend zu kämpfen und sich den Met aus riesigen Trinkhörnern in den Rachen zu schütten.

"Walhall" von Emil Doepler, 1905.

„Walhall“ von Emil Doepler, 1905.

In der Realität des Frühmittelalters sahen die Vorstellungen allerdings ein klein wenig anders aus. Nicht ein Leben nach dem Tod erschien wichtig, sondern die zu Lebzeiten vollbrachten Taten:

„Besitz stirbt, Sippen sterben,

Du selbst stirbst wie sie;

Eins weiß ich, Das ewig lebt;

Des Toten Tatenruhm.“1

Dies bedeutete jedoch nicht, dass es keinen Glauben an ein Leben nach dem Tod gegeben hätte. Es heißt aber, dass längst nicht alle darauf hoffen konnten, in Odins Methalle auf Ragnarök warten zu dürfen. Dieses Privileg war den ruhmreich im Kampf gefallenen Kriegern vorbehalten.2 Kein Wunder, schließlich waren für den Kampf am Ende der Welt die besten gerade gut genug. Dies stellte nebenbei bemerkt keine Diskriminierung von Frauen dar, die bei den Skandinaviern durchaus mit in den Kampf zogen.

Der Eingang nach Walhall, bewacht von Heimdall, 17. Jhd.

Der Eingang nach Walhall, bewacht von Heimdall, 17. Jhd.

Neben Walhalla existierte noch „Hel“, ein dunkler Ort, an dem die restlichen Toten ein ewiges Dasein fristen müssen.3 Auch wenn Hel sehr an das englische „Hell“ erinnert, handelte es sich nicht um eine Hölle nach christlichem Verständnis. Vielmehr geht es dort relativ unspektakulär zu, die Toten erwarten hier das Ende aller Zeiten. Einem stolzen Krieger wäre aber der Aufenthalt in Hel wohl ähnlich unerträglich vorgekommen.

Die frühen Skandinavier glaubten außerdem daran, dass sie in körperlicher Form ihr neues Leben antreten würden. Dies steht im Gegensatz zu christlichen Vorstellungen, die von einem Weiterleben der Seele ohne den Körper ausgehen. Als Konsequenz fanden sich in Wikingergräbern Grabbeigaben, wie man sie auch aus anderen Kulturkreisen kennt. Je höher der soziale Stand, desto besser waren die Gräber ausgestattet. Fürsten und Könige wurden in großen Grabhügeln bestattet, inklusive Langschiff, Pferden, Waffen, Schmuck, Hunden, Vieh, Dingen des alltäglichen Lebens und sogar von einigen Dienern begleitet.4 Diese wurden im Rahmen des Begräbnisses getötet. Dabei musste dies nicht immer unter Zwang geschehen. In vielen Fällen begleiteten sie ihre Herren freiwillig ins nächste Leben. Eine Entscheidung, die die Tiere freilich nicht treffen konnten.

Das Schiff musste nicht zwangsläufig in einen Grabhügel eingebettet werden. Der islamische Schreiber Ahmed ibn Fadlan beschreibt, dass das Schiff nach der entsprechenden Ausstattung mit Beigaben in Brand gesetzt wurde.

Es wurden aber nicht immer Grabhügel aufgeschüttet oder gar ganze Schiffe eingegraben bzw. verbrannt. Es gab auch den Brauch, aus großen Steinen Schiffsformen um ein Grab herum zu formen. Symbolisch sollten aber sowohl die richtigen Langschiffe als auch ihre Entsprechungen aus Stein den oder die Toten ins Jenseits bringen, wo es ihnen an nichts mangeln sollte.5 Die tapferen Krieger benötigten insbesondere ihre Waffen, um Odin an Ragnarök im letzten Kampf beistehen zu können.

"Kampf der untergehenden Götter" von Friedrich Wilhelm Heine, 1882.

„Kampf der untergehenden Götter“ von Friedrich Wilhelm Heine, 1882.

Die alten Bräuche verschwanden, nachdem sich das Christentum mehr und mehr in Skandinavien ausbreitete. Interessant sind die zahlreichen Parallelen, die es zu Kulturen des Altertums gibt. Schiffe für die Seelen finden sich beispielsweise auch bei den alten Pharaonen. Darstellungen von sogenannten Totenschiffen finden sich sogar später noch in der christlichen Mythologie. Die Ausstattung der Toten für das nächste Leben begegnet den Archäologen bei einer Vielzahl von Kulturen, wenn auch hier die alten Ägypter eines der bekanntesten Beispiele sind. Und auch beeindruckende Grabmonumente lassen sich überall auf der Welt finden. Das Führen des richtigen Lebens, das Vollbringen ruhmreicher und guter Taten war ebenso universell wichtig. Dennoch scheint insbesondere das Christentum eine große Faszination auf die Skandinavier ausgeübt zu haben. Die Verheißung eines ewigen Lebens in Seligkeit für alle Menschen, nicht nur für die tapferen Krieger, sowie die Abkehr von einer nicht unwesentlich durch Gewalt geprägten Glaubenswelt scheinen für die Skandinavier ähnlich reizvoll gewesen zu sein wie für die germanischen Stämme vor ihnen.

1cf. Sörensen (2001). S. 226.

2Vgl. Ebd. S. 226-227.

3Vgl. Ebd. S. 226.

4Vgl. Ebd. S. 227.

5Vgl. Ebd. S. 227-228.

Literatur:

Sörensen, Preben Meulengracht. Alte und neue Religion. In: Peter Sawyer (Hg.). Die Wikinger. Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes. 2. Auflage 2001. Stuttgart, 2000. S. 212-234.

Der gerichtliche Zweikampf im Mittelalter

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Gerichtlicher Zweikampf 1544

Ein sehr bekanntes mittelalterliches Motiv stellen die Gottesurteile dar, insbesondere der gerichtliche Zweikampf. Dabei handelt es sich hierbei keineswegs um eine Erfindung des Mittelalters. Gottesurteile gab es bereits in der Antike und dort in verschiedenen Kulturen. Auch bei Völkern Mittel- und Südamerikas gab es die Vorstellung, dass man durch Wettkämpfe den Willen der Götter ablesen könnte.

Man kann daraus schließen, dass diese Methode nicht allein durch Überlieferung und Tradition zu Stande kam. Vielmehr lohnt ein Blick auf die religiösen Vorstellungen von der Welt. Alle Kulturen gingen von einer allem zu Grunde liegenden Ordnungskraft aus. Ohne Ordnung war kein Leben möglich, von Zivilisationen ganz zu schweigen.  Nicht ohne Grund basieren auch die Religionen auf einem Ordnungsprinzip mit klaren Regeln.

Verstieß ein Mensch gegen diese Ordnung, stellte er gleichzeitig eine Bedrohung derselben dar. Im Grunde gilt dies auch heute noch. Ein Einbrecher beispielsweise bedroht das sicher geglaubte Heim anderer Menschen, die sich bei ihrer Existenzplanung auf ein Mindestmaß an Sicherheit verlassen.

Eide auf Reliquien

Eide auf Reliquien (Sachsenspiegel)

Beim Gottesurteil verließ man sich darauf, dass die Kräfte der Ordnung immer die Oberhand gewinnen würden. Im Falle des europäischen Mittelalters würde Gott demjenigen zum Sieg verhelfen, der im Recht war. Denn es wäre unvorstellbar, dass Er die Kräfte des Bösen triumphieren lassen würde. Doch es musste nicht sofort ein Kampf erfolgen. Zunächst einmal gab es den Eid, der sich bis in unser modernes Rechtssystem erhalten hat. Zur Zeit der Germanen gewann hier allerdings vor allem derjenige, der die meisten Eideshelfer für sich gewinnen konnte, also Menschen, die ihn in seiner Aussage unterstützten.[1]

Wenn dies von vorneherein klar war, konnte einer der Streitenden dem anderen im Vorfeld die Schwurhand entziehen, womit ein Zweikampf notwendig wurde. Auch das jeweilige Gericht konnte diesen anordnen. Dieser Kampf hatte genauen Regeln zu folgen, die vom Gericht festgelegt wurden. Wichtig war vor allem, dass die Chancengleichheit gewahrt wurde. So gab es beispielsweise beim Zweikampf zwischen Mann und Frau die Variante, dass der Mann bis zur Hüfte in einem Loch stand, dass er nicht verlassen durfte. Auch der Kampfplatz war genau abgesteckt.[2] Frauen wie Männer hatten aber auch das Recht, jemanden an ihrer Stelle für sich kämpfen zu lassen oder eine andere Art des Gottesurteils zu verlangen. Als Vertreter kamen entweder Kämpfer in Frage, die ihre Dienste für Geld anboten, oder Ritter, die sich bereit erklärten, anzutreten. So konnte es auch zu einem Kampf zwischen einem Adligen und einem Bauern kommen.[3]

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Zweikampf zwischen Mann und Frau

Im Mittelalter waren nicht nur die Adligen im Kampf ausgebildet. Die Bürger einer Stadt mussten diese im Krieg selbst verteidigen. Das galt ebenfalls für die Bauern auf ihren Höfen und in den Dörfern, die sich im Ernstfall zunächst alleine gegen Räuber wehren mussten. Insgesamt lag zu dieser Zeit die Selbstverteidigung in erster Linie bei einem selbst und erst dann bei den Ordnungskräften. Denn bis diese vor Ort waren, falls sie überhaupt verfügbar waren, konnte es dauern. So trugen auch die einfachen Menschen Waffen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das sogenannte Lange Messer, das mit einer Schneide auch von Nichtadligen geführt werden durfte. So war der Sieg des Ritters im Zweikampf nicht vollkommen sicher.

Insbesondere in den Städten wurde der gerichtliche Zweikampf zunehmend unbeliebt, insbesondere unter den Kaufleuten. So wurde sich zunehmend darum bemüht, von dieser Regelung befreit zu werden. Ganz besonders schlecht für das Geschäft war es, wenn sich ein auswärtiger Kaufmann Gottesurteilen unterziehen musste und der Stadt zukünftig fernblieb oder gar getötet wurde. Aus diesem Grund entwickelte sich nun die Zeugenbefragung, um den wahren Hergang eines Verbrechens nachvollziehen zu können. Dazu kam, dass nun auch die Folter als gängiges Verfahren zur Wahrheitsfindung Anwendung fand.[4]

Gänzlich verschwunden war das Gottesurteil damit allerdings nicht, was die Hexenprozesse zeigen sollten, von denen die letzten noch im 18. Jahrhundert stattfanden. Und auch heute noch existiert die Vorstellung, dass derjenige, der auf der richtigen Seite steht, siegen wird. Auch das Vertrauen darauf, dass das Gute letztlich über das Böse triumphieren wird, geht auf die Denkweisen der Antike und  des Mittelalters zurück. Die Idee des Gottesurteils ist somit sehr viel aktueller, als man es auf den ersten Blick vermuten könnte.

 

[1] Vgl. Schild, Wolfgang (1989). S. 226.

[2] Vgl. Ebd. S. 226-229.

[3] Vgl. Ebd, S, 232-233.

[4] Vgl. Ebd. S. 236-237.

Literatur:

Schild, Wolfgang: Die Gottesurteile. In: Justiz in alter Zeit (Schriftenreihe des Mittelalterlichen Kriminalmuseums Rothenburg ob der Tauber; 6). Rothenburg o. d. T. 1989. S. 225-240.

 

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Die Jagd im Mittelalter

Seit der Steinzeit gehört die Jagd zu den wohl populärsten Motiven künstlerischer Darstellung des Menschen. Während es in der Frühzeit des Menschen vor allem darauf ankam, Nahrung zu beschaffen, so wandelte sich die Funktion im Laufe der Zeit. Die Nahrungsbeschaffung blieb zwar ein Aspekt der Jagd, beinahe wichtiger wurde sie aber für das Sozialgefüge. Bereits in der Antike gibt es zahlreiche Darstellungen von Herrschern, die jagen. Nicht etwa nur Tiere, die besonders reichhaltig Fleisch lieferten, sondern in besonderem Maße herrschaftliche Tiere, wie beispielsweise Löwen. Diese Tiere zu erlegen war weit weniger ertragreich als gefährlich und waren Beweis für den Mut, die Geschicklichkeit sowie die Kampfkraft des jeweiligen Herrschers und untermauerten seinen Herrschaftsanspruch.

Im Mittelalter waren es wieder die Herrscher, die der Jagd nachgingen. Während die Germanen der Spätantike noch in ihren jeweiligen Stammesgebieten auf die Pirsch gingen, wurde das Recht zur Jagd mehr und mehr zu einem Recht des Adels. Die Tiere des Waldes, insbesondere größere Tiere wie Hirsche und Wildschweine, wurden zum Besitz des jeweiligen Fürsten erklärt. Sie ohne seine Erlaubnis zu erlegen, konnte den Tod bedeuten. Schon im Frühmittelalter gehörte die Jagd zum adligen Alltag und wurde in besonderem Maße bei besonderen Gelegenheiten und Treffen zelebriert.

Im Laufe der Zeit wurden die Jagdtechniken mehr und mehr verfeinert. Hunde wurden zu jeder Zeit verwendet, aber man züchtete mehr und mehr Arten, die für besondere Verwendungen geeignet waren. Die sogenannten Windspiele waren Windhunde, die besonders für die Hetzjagd geeignet waren. Kleinere Hunde wurden für die Jagd auf Kleintiere eingesetzt, apportierfreudige Arten für die Jagd auf Wasservögel. Gezüchtet wurden sie nicht unbedingt auf den Burgen des Adels. Oft mussten die umliegenden Dörfer die Zucht übernehmen, was die Bauern vor nicht geringe Probleme stellte. Immerhin waren die Hunde für sie nutzlos, und Zeit und Ressourcen konnten nicht in Nutzvieh investiert werden. Dies war einer der Punkte, der für den Ausbruch der Bauernkriege 1524 von Bedeutung sein sollte. Zimperlich umgegangen wurde mit den Tieren nicht. Sie konnten jederzeit von einem Wildtier getötet oder verletzt werden. Versagten sie in irgendeiner Form, wurde ihnen zur Strafe oft der Schwanz abgetrennt. Dies sollte dem Tier wahrscheinlich die Ehre nehmen. Eine Strafe, die den Adligen des Mittelalters als weit schlimmer galt, als der Verlust des Lebens.

Jagd mit Hunden im 15. Jhd.

Jagd mit Hunden im 15. Jhd.

Die Jagd wurde grundsätzlich bei jedem Wetter durchgeführt. Sie musste gut vorbereitet werden. Man musste vorher per Brief klären, was genau man jagen wollte. Dem entsprechend wurden dann Ausrüstung, Jagdhunde und Helfer organisiert. Vielleicht besaß der Fürst im jeweiligen Wald auch eine oder mehrere Jagdhütten, die vorbereitet werden mussten. Denn häufig war man nicht nur einen Nachmittag unterwegs, sondern mehrere Tage hintereinander.

Eine sehr beliebte Jagdmethode war die Hetzjagd. Während sich der Fürst noch zurück oder sich schon an einem bestimmten Punkt bereit hielt, begaben sich die Helfer mit den Hunden ins Unterholz, um Wild aufzuspüren und in die gewünschte Richtung zu treiben. Dann konnte es der Fürst mit Armbrust oder Bogen erschießen. Eine andere Möglichkeit war, dass sich das Wild zum Kampf stellte. Dies kam insbesondere bei Bären und Wildschweinen vor. Diesen war auch mit der Armbrust oft nicht effektiv beizukommen, so dass man sie mit Spießen und Schwertern erlegen musste. Keine ungefährliche Angelegenheit bei einem in die Enge getriebenen, aggressiven und kräftigen Tier.

Kaninchen jagte man auf besondere Weise. War ein Bau gefunden, wurden manche der Ausgänge mit Holz versperrt, vor anderen Netze aufgespannt. Nun ließ man Frettchen in den Bau hinein, die die Kaninchen in die aufgespannten Netze trieben. Nun konnten sie lebendig transportiert werden, was insbesondere dazu diente, das Fleisch frisch zu halten.

Fallen verwendete man auch für größere Tiere. Netze eigneten sich nicht nur für Kaninchen, sondern auch für Wölfe oder Hirsche. Die Wölfe sah man in erster Linie als Jagdkonkurrenz an. Man fing und tötete sie beispielsweise in Fallgruben oder in hölzernen Zwingern, in die sie mit Ködern gelockt wurden.

Maria von Burgund, Portrait von 1479

Maria von Burgund, Portrait von 1479

Die Jagd war dabei keine reine Männerbeschäftigung. Auch Frauen durften und wollten jagen, sofern sie adlig waren. So ist von Maria von Burgund überliefert, dass sie leidenschaftlich gerne jagte. Vor den Gefahren der Jagd war sie genauso wenig gefeit wie die Männer. So starb sie bei einer Fehlgeburt, drei Wochen nachdem sie bei der Jagd vom Pferd gestürzt war. Frauen betrieben meist die Beizjagd mit dem Falken. Diese Tiere waren speziell hierfür trainiert und extrem wertvoll. Bezeichnend ist, dass die Vögel im Mittelalter Namen erhielten, die Hunde nicht. Falken wurden ihrer Natur gemäß für die Jagd auf andere Vögel eingesetzt. Sie scheinen aber auch größere Beute erlegt zu haben. So ist überliefert, dass sie auch Reiher töten konnten.

Beizjagd

Beizjagd

Jagen war mehr als reine Nahrungsversorgung, sie war Statussymbol und Herrschaftsausübung. Man war in seinem Reich unterwegs, hatte Kontakt zu dessen Bewohnern, pflegte Kontakte und traf Entscheidungen mit Menschen, mit denen dies am Verhandlungstisch wahrscheinlich schwieriger gewesen wäre. Auch den Spaßfaktor sollte man nicht vergessen. Darüber hinaus diente die Jagd seit jeher als Training für den Krieg. Man musste reiten, vom Pferd herab kämpfen, schießen und strategisch vorgehen, um sein Ziel zu erreichen. Dies machte sie besonders für die Fürstenkinder zu einem wichtigen Teil ihrer Erziehung.

 

 

 

 

Literatur:

Fietze, Katharina. Im Gefolge Dianas: Frauen und höfische Jagd im Mittelalter (1200-1500). (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte; 59). Köln [u.a.], 2005.

Martini, Wolfram (Hrsg.). Die Jagd der Eliten in den Erinnerungskulturen von der Antike bis in die frühe Neuzeit. (Formen der Erinnerung; 3). Göttingen, 2000.

Rösener, Werner (Hrsg.). Jagd und höfische Kultur im Mittelalter. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte; 135). Göttingen, 1997.

 

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Die Bedeutung von Frauenkleidern für die Ritter des Mittelalters

Für den mittelalterlichen Ritter spielten die Frauen eine entscheidende Rolle. Die Suche nach der Minne (der höfischen Liebe) einer adligen Dame war eine der Hauptmotivationen für so gut wie jeden Ritter. Diese Suche musste dabei nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt sein. Der Weg war das Ziel. Ein langer Minnedienst, also das beständige Streben nach der Gunst der Angebeteten, ihr Besingen in eigenen Liedern war an sich schon Sinn stiftend.

Umso größer war die Freude, wenn der Ritter dann doch irgendwann mit der Gunst der Dame bedacht wurde. Geschehen konnte dies immer, oft werden Turniere genannt. Fast jeder kennt die Szene in vielen Mittelalterfilmen, in der die Dame ihrem Ritter ein Tuch an die Lanze heftet.

Tatsächlich kommt diese Darstellung der Realität sehr nahe. Allerdings handelte es sich damals nicht um die Taschentücher, die man in den Filmen häufig zu sehen bekommt. Es waren ganzen Kleidungsteile. Besonders beliebt waren die Ärmel. Wichtig war, dass die Dame das jeweilige Stück Stoff zuvor direkt auf ihrer Haut getragen hatte.

Diese Kleidungsstücke wurden auch nicht unbedingt an der Lanze getragen. Häufig befestigte sie der Ritter auf seinem Schild. Es sind auch Fälle überliefert, in denen Ritter ganze Oberteile, die sie zuvor von ihrer Angebeteten erhalten hatten, am eigenen Oberkörper oder an der Rüstung trugen. Diese Praxis wurde auch in realen Schlachten, also außerhalb von Turnieren, angewandt.

Es fällt auf, dass die jeweiligen Kleidungsstücke an Ausrüstungsgegenständen befestigt wurden, die dem Schutz des Ritters dienten. Wahrscheinlich versprachen sich die adligen Krieger eine zusätzliche Schutzwirkung durch Kleidung, die zuvor von ihrer umworbenen Dame getragen wurde.

Literatur:

Bumke, Joachim. Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 12. Auflage 2008. München, 1986.

 

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Der Gruß im Mittelalter

In unserer Zeit gilt es als selbstverständlich, sich gegenseitig zu grüßen. Zumindest dann, wenn man in irgendeiner Art und Weise miteinander zu tun hat. Je nach Vertrautheit fällt der Gruß mehr oder weniger herzlich aus. Aber auch dann, wenn man sich eigentlich nicht wirklich leiden kann, grüßt man sich. In diesem Fall allerdings wohl eher wiederwillig, um eine gewisse Fassade aufrecht zu erhalten. Ein Beispiel: Den Arbeitskollegen, den man eigentlich überhaupt nicht leiden kann, wird man dennoch den Gruß nicht verweigern.

Wie ein Großteil unserer Traditionen hat auch der Gruß eine lange Geschichte. Im Mittelalter erfüllte er eine wichtige Funktion und hatte eine sehr viel symbolischere Bedeutung als heute. Zumindest dann, wenn es um den Adel ging. Der Gruß eines Adligen bedeutete gleichermaßen einen Gunstbeweis. Damit war er weit mehr als eine belanglose Geste oder ein schnell daher gesprochenes Wort. Er konnte sogar mit zukünftigen Versprechen verbunden sein. Wenn beispielsweise der König einen Adligen grüßte, war dies bereits eine große Ehre und man konnte sich zu Recht Hoffnungen auf eine nicht allzu geringe Gunst machen.

Dies gilt insbesondere für die Damenwelt des Mittelalters. Grüßte eine (unverheiratete) adlige Dame einen Herren, konnte dies  bereits als Versprechen auf eine innigere Beziehung gedeutet werden. Von daher war es sinnvoll sich genau zu überlegen, wen man grüßte. Ein Beispiel sind die Minnesänger. Diese beschwerten sich häufig darüber, dass die von ihnen besungenen Damen sie nicht eines Blickes würdigten. Kein Wunder, denn hätten sie dies getan, hätte es bereits ein ernsthaftes Interesse bekundet. Dies gilt auch für die Gunstbeweise bei Turnieren.

Wem man feindlich gesinnt war, den grüßte man überhaupt nicht. Nicht verwunderlich, dass es durchaus zu Missverständnissen kommen konnte, wenn man jemanden übersah und ihn deswegen nicht grüßte. Symbolisch hatte dies bereits eine große Wirkung.

Sekundärliteratur:

Bumke, Joachim. Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 12. Auflage 2008. München, 1986.

 

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CANTUS – Eine musikalische Datenbank des Mittelalters

Hinter CANTUS verbirgt sich eine Datenbank, in der Sie schnell und komfortabel nach Liedtexten des Mittelalters suchen können. Sie können einzelne Wörter, Zeilenfragmente oder auch Sätze eingeben. Die Seite an sich ist zwar auf Englisch, da die Texte der Kirchenlieder des Mittelalters aber in Latein geschrieben wurden, spielt dies keine besonders große Rolle. Auf diese Weise können Sie sehr schnell herausfinden, zu welchem Lied ein Abschnitt bzw. ein Wort gehört, welche Lieder zu welchen Festen gesungen wurden und welche Ordnungen es für die einzelnen Feste gab.

Bei der Suche können Sie auf mehrere Werkzeuge zurückgreifen. Sie können sich eine Gesamtliste aller gespeicherten Quellen anzeigen lassen, die Ergebnisse nach den verschiedenen Festen des Mittelalters filtern, eine Liste der Lieder anzeigen lassen oder ganz einfach den gesuchten Begriff in die Suchleiste eingeben.

Besonders interessant ist das Analysetool. Hiermit ist es möglich, in einem bestimmten Manuskript ein bestimmtes liturgisches Fest auszuwählen und die Auswahl und Ordnung der vorkommenden Lieder mit anderen in der Datenbank gespeicherten Datensätze zu vergleichen. Ähnlichkeiten werden daraufhin angezeigt.

Die Datenbank verbirgt sich hinter folgendem Link:

http://cantusdatabase.org/about