Die erfolgreiche Verteidigung einer mittelalterlichen Stadt – Teil 2 von 3

SiegeOfOrleans1429

Belagerung von Orleans 1429

Selbst wenn sich eine Stadt im Mittelalter optimal auf eine drohende Belagerung vorbereitet hatte, war eine erfolgreiche Verteidigung keineswegs garantiert. Nun ging es darum, die Stadtmauern zu halten. Dies gelang aber nur dann, wenn die Verteidiger ausreichend mit Nahrung versorgt wurden und die Mauern weitgehend intakt blieben.

Lesen Sie im zweiten Teil dieser Serie, wie der Proviant rationiert wurde, welche Maßnahmen gegen Mineure ergriffen werden konnten und warum es für die Verteidiger so wichtig war, regelmäßige Ausfälle zu unternehmen.

1. Die Vorräte mussten reichen – oder wie Proviant rationiert wurde

Da man im Vorfeld bestenfalls erahnen konnte, wie lange eine Belagerung dauern würde, kam der strengen Rationierung der Vorräte eine entscheidende Bedeutung zu. Es war daher empfehlenswert, den gesamten Proviant an einem zentralen Ort zu lagern. Dieser war einfacher zu bewachen und vor Brandanschlägen zu schützen. Von hier aus konnten jeden Tag genau festgelegte Rationen an die eingeschlossenen Menschen verteilt werden.

Diese Vorgehensweise war insbesondere deswegen so wichtig, da im Falle von extremem Hunger der vernünftige Umgang mit den Vorräten kaum noch gewährleistet werden konnte. Nach einigen Wochen bei kleinsten Rationen und großen körperlichen und seelischen Anstrengungen wuchs der Hunger ins Unermessliche. Eine geplünderte Vorratskammer aber wäre das Ende jeder noch so gut vorbereiteten Verteidigung gewesen.

Der Neusser Stadtschreiber Christian Wierstraet schildert die Folgen mangelnder Verpflegung während der Belagerung von Neuss 1474/75 durch den Burgunderherzog Karl den Kühnen sehr eindrücklich. Man sei schließlich dazu übergegangen, sogar die Schlachtrösser zu essen. In Anbetracht deren immensen Wertes lässt sich nur erahnen, wie sehr die Verteidiger unter Hunger gelitten haben müssen.

2. Mineure unter den Mauern – und wie man sie bekämpfte

Das Untergraben von Mauern stellte seit der Antike eine gängige Methode dar, diese zum Einsturz zu bringen. Dazu grub man einen Gang, den man direkt unter den Mauern zu einer Kammer erweiterte. Ließ man diese einstürzen oder entzündete hier ein Feuer, konnte dies die darüber liegenden Mauern kollabieren lassen. Allerdings waren die Verteidiger dieser Methode nicht schutzlos ausgeliefert. Zumindest dann nicht, wenn sie ebenfalls über fähige Mineure verfügten.

Zunächst kam es darauf an, Tunnel des Gegners rechtzeitig und einigermaßen präzise orten zu können. Dies gelang meist, indem die durch das Graben verursachten Erschütterungen erkannt wurden. Dies konnte beispielsweise durch kleine Glocken geschehen, die an der Mauer aufgestellt wurden. Einfacher war es, wenn sich der Feind beim Tarnen der Arbeiten keine besondere Mühe gab und die Erdarbeiten von der Mauer aus deutlich sichtbar waren.

War ein Tunnel erst einmal geortet, gruben die eigenen Mineure einen Gegenstollen. Sobald der feindliche Gang erreicht war, leitete man entweder Rauch hinein oder stellte den Gegner im Kampf. Ein Kampf unter Tage musste eine schreckliche Erfahrung gewesen sein. In der stickigen Enge der Stollen waren ausladende Bewegungen so gut wie unmöglich. Dafür konnte im Falle eines Sieges der Stollen zerstört und die Mauer vorerst gerettet werden.

3. Darum waren Ausfälle so wichtig

Alleine die Erfahrung, in einer Befestigung eingeschlossen zu sein, kann psychologisch ungeheuer belastend sein. So war es nicht nur aus strategischer Sicht wichtig, die Initiative zu behalten oder wiederzugewinnen. Diesem Zweck dienten Ausfälle. Die Verteidiger unternahmen immer wieder Angriffe aus der Befestigung heraus. Besonders bei nicht befestigten Lagern der Belagerer führten diese Überfälle immer wieder zu Erfolgen. Belagerungsmaschinen und Zelte konnten zerstört und manchmal sogar Beute gemacht werden. Für die Moral der Verteidiger unglaublich wichtige Faktoren. Immerhin machte man so immer wieder die Erfahrung, der Situation nicht komplett hilflos ausgeliefert zu sein.

Außerdem übten die Ausfälle Druck auf die Belagerer aus. Sie konnten sich eben nicht in ihrem Lager ausruhen und sicher fühlen. Ganz im Gegenteil: Stete Wachsamkeit war auch hier unerlässlich. Der Verlust von teuren Belagerungsmaschinen und Ausrüstung konnte zudem den Erfolg der ganzen Unternehmung ernsthaft gefährden. Noch schlimmer wurde es, wenn der Proviant betroffen war.

Lesen Sie im dritten und letzten Teil der Serie über den Umgang mit den Belastungen einer langen Belagerung und die Bewältigungsstrategien der Verteidiger.

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Die erfolgreiche Verteidigung einer mittelalterlichen Stadt – Teil 1 von 3

Eine Stadt musste im Mittelalter jederzeit mit Belagerungen rechnen. Insgesamt spielten sich die meisten bewaffneten Auseinandersetzungen dieser Zeit in diesem Rahmen ab. Die Belagerten befanden sich meist in einer sehr vorteilhaften Situation. Denn die Befestigungen und die strategisch günstige Lage vieler Städte verschaffte ihnen in der Regel einen deutlichen Vorteil. Zumindest dann, wenn die Vorbereitung stimmte.

Lesen Sie im ersten Teil dieser Serie, wie sich die Städter des Mittelalters auf eine drohende Belagerung vorbereiteten und welche Maßnahmen gegen Verräter ergriffen wurden.

SiegeOfOrleans1429

Belagerung von Orleans 1429

1. Die richtige Vorratshaltung

Um sich auf eine größere Belagerung vorbereiten zu können war es notwendig, rechtzeitig Bescheid zu wissen. Es lohnte sich also, die politische Lage und das Umland ständig im Auge zu behalten. Zeichnete sich dann eine Belagerung ab, konnten rechtzeitig alle notwendigen Vorräte eingelagert werden. Was sich dazu am besten eignet, schildert der Neusser Stadtschreiber Christian Wierstraet im 15. Jahrhundert:

  • Waffen, vor allem Armbrüste, Büchsen, Geschütze, Schwerter, Äxte und Spieße
  • im Spätmittelalter: Kohle, Salpeter und Schwefel zur Herstellung von Schwarzpulver
  • Viel Holz in unterschiedlichen Formaten – zum Bauen, Reparieren und für Pfeile
  • Ausreichend Arzneikräuter
  • Schaufeln – sehr wichtig, denn gegraben werden musste bei Belagerungen immer wieder
  • Wein, gesalzenes Fleisch und Speck, Butter und Käse, Erbsen, Honig, Öl, Kornfrucht, Trockenfisch und Salz; um „alle die wackeren und getreuen Gesellen auf Bollwerk und Wällen bei Kampfesmut [zu] halten“
  • Viel Brennholz
  • Steinkohle und Eisen
  • Leder1

Die Wasserversorgung war im Idealfall durch Brunnen oder Zisternen auf längere Zeit gesichert. Gleichzeitig empfehlen antike Autoren, alle Wasserquellen vor der Stadt zu vergiften – zumindest, wenn sich die zu verteidigende Stadt in einer generell wasserarmen Region befand.

Neben dem Anlegen von Vorräten empfahl es sich zudem, die hoffentlich vorhandenen Gräben um die Stadt in Stand zu setzen und idealerweise kleine Überraschungen für die anrückenden Feinde vorzubereiten.

2. Eigene Wurfmaschinen bauen oder reparieren

Diese Maschinen waren nicht nur für die Belagerer wichtig. Es konnte eine durchaus beachtliche psychologische Wirkung haben, zurückschießen zu können. Darüber hinaus konnten so Angriffe empfindlich gestört und feindliche Ausrüstung zerstört werden. Kleinere Wurfmaschinen oder später auch Kanonen wurden sogar auf Türmen aufgestellt.

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Trebuchet (Rekonstruktion)

3. Die Spreu vom Weizen trennen – oder der Umgang mit möglichen Verrätern

Keine Bedrohung war wohl während einer Belagerung größer als der oder die Verräter in den eigenen Reihen. Dabei musste es sich nicht zwangsläufig um einen geplanten Verrat handeln. Die psychologischen Belastungen einer Belagerung waren enorm. Da gab es immer mal wieder den ein oder anderen, der entkommen wollte – auch wenn das bedeutete, die Stadt aufzugeben oder in Gefahr zu bringen. Um mit dieser Bedrohung umgehen zu können, waren zwei Faktoren ausschlaggebend:

  • Die Verteidigung brauchte einen charismatischen, beliebten Anführer mit eigenen Kämpfern, die ihm unerschütterlich treu ergeben waren.
  • Zu Beginn einer Belagerung wurden meist Galgen und Rad öffentlich aufgestellt – eine deutliche Drohung an diejenigen, die die öffentliche Ordnung stören könnten.

Es handelte sich also um eine Kombination aus Abschreckung und positiver Motivation. Es war wichtig, in Panik geratene Menschen rechtzeitig zu isolieren. Ansonsten bestand die Gefahr, dass sich die Panik wie ein Lauffeuer ausbreitete. Wenn das geschah, war die Stadt so gut wie verloren. Daher war eine stete Achtsamkeit innerhalb der Bevölkerung notwendig, um eventuelle Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie der Proviant rationiert wurde, welche Maßnahmen gegen Mineure ergriffen werden konnten und warum es für die Verteidiger so wichtig war, regelmäßige Ausfälle zu unternehmen.

Quelle:

Wierstraet, Christian: Die Geschichte der Belagerung von Neuss. Faksimile der Erstausgabe bei Arnold ther Hoernen. Köln, 1476.

1Vgl. Wierstraet, Christian (1476). Z. 3130-4157.

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Waffen des Mittelalters: Brandsätze und Griechisches Feuer

Feuer: Lebenserhaltend und zerstörerisch zugleich. Ein Element, dass in der mittelalterlichen Kriegführung auf immer erfinderische Art und Weise Anwendung fand und mindestens so furchterregend war wie Schwerter und Äxte.

Der Ursprung des Feuers in der Kriegführung

Feuer wurde von der Menschheit seit jeher als Waffe eingesetzt. In der Antike kamen bereits sehr raffinierte Anwendungen zum Einsatz. Brennbare Pfeile und Katapultgeschosse waren gängige Praxis. Nicht nur gegen Armeen im Feld, selbst gegen mächtige Befestigungsanlagen entfaltete das Feuer seine zerstörerische Wirkung. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass auch die Krieger des Mittelalters auf das Feuer und verschiedene, brennbare Substanzen zurückgriffen.

Der Einsatz von Feuer gegen Befestigungen

Es gab mehrere Möglichkeiten, eine Mauer zum Einsturz zu bringen. Bestand sie aus Holz, konnte sie im Idealfall recht einfach in Brand gesteckt werden. Das galt ebenso für hölzerne Türen und Tore. Wurde Feuer in das Innere einer befestigten Siedlung geschleudert, konnten außerdem hölzerne Gebäude in Flammen aufgehen. Feuer stellte für jede Siedlung im Mittelalter die allergrößte Gefahr dar. Umso mehr wird deutlich, wie groß die Angst im Kriegsfall gewesen sein muss.

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Der Einsatz von Feuer gegen die hölzerne Mauer von Dinan, 1064. Darstellung auf dem Teppich von Bayeux.

Selbst Mauern aus Stein konnten einem Feuer zum Opfer fallen. Wurden Gänge unter die Mauern gegraben und dort ein großes Feuer entzündet, stürzte die Mauer nach einer Zeit in sich zusammen. Eine andere Methode sah vor, Löcher in die Wand zu bohren und heiße Luft hinein zu leiten. Zu diesem Zweck wurden Kohlen in tönernen Töpfen entzündet und die Hitze mit Hilfe von Eisenrohren in zuvor in die Mauer gebohrte Löcher geleitet. Dies führte schließlich dazu, dass die Steine platzten.1

Brennende Vögel und Katzen

Wie bereits erwähnt stellte ein Feuer innerhalb einer Siedlung stets eine große Gefahr dar. Die Quellen berichten in diesem Zusammenhang mit einigen sehr trickreichen, wenn auch brutalen Methoden, um eine Burg oder Stadt in Brand zu stecken.

Katzen und Vögel seien eingefangen und mit brennenden Materialien versehen worden. Die Autoren berichten weiterhin, dass die Tiere in Panik in ihre in der jeweiligen Befestigung befindlichen Unterschlüpfe fliehen würden und das Feuer sich dort ausbreiten könne.

Ob dies wirklich eine effektive Methode darstellte, kann heute nicht mehr eindeutig bewiesen werden.

Griechisches Feuer, arabische Naphta-Truppen und mongolische Granaten

Im 13. und 14. Jahrhundert tauchte in Europa das „Liber ignium ad comburendos hostes“ auf, verfasst von Marcus Graecus. In diesem Buch wird das berüchtigte Griechische Feuers erwähnt. Erfunden wurde diese extrem heiße und kaum zu löschende Substanz im siebten Jahrhundert von einem gewissen Callicinus und zunächst vor allem durch Byzanz verwendet. Die Byzantiner hüteten das Geheimnis der Herstellung mit allen Mitteln. Aus gutem Grund: Die Quellen berichten, dass Griechisches Feuer Stein und Eisen zu Staub werden lasse und selbst auf dem Wasser brennen würde. Zum Einsatz kam es vor allem auf den Schiffen der byzantinischen Marine. Aus einem bronzenen Rohr am Bug wurde das Feuer auf das feindliche Schiff gegossen.

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Einsatz des Griechischen Feuers zur See (12. Jhd.).

Es lassen sich außerdem Belege für kleinere Vorrichtungen finden, mit deren Hilfe griechisches Feuer von Soldaten im Nahkampf eingesetzt werden konnte. Diese sogenannte Hand-Siphons wurden ähnlich den modernen Flammenwerfern eingesetzt.

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 Darstellung aus dem Codex Vaticanus Graecus, 1605.

Hierfür waren neben den Byzantinern vor allem die Araber berüchtigt. In ihren Armeen kamen die sogenannten Naphta-Truppen zum Einsatz. Diese Spezialeinheiten waren in feuerfeste Kleidung gehüllt und schleuderten das Feuer in zerbrechlichen Gefäßen aus Ton, Glas oder Metall auf den Gegner. Sie wurden häufig zusammen mit Bogenschützen eingesetzt.2 Die Westeuropäer kamen mit dem Griechischen Feuer buchstäblich erstmals im Rahmen der Kreuzzüge in Berührung. Sie waren es, die es anschließend nach Europa importierten.

Griechisches Feuer wurde außerdem mit der Hilfe von Trebuchets auf Befestigungen geschleudert. Zu diesem Zweck wurde es in zerbrechliche Kugeln gefüllt, angezündet und verschossen. Diese Technik wurde u.a. von den Mongolen verwendet, die im 13.Jahrhundert große Teile Europas und Asiens eroberten.

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Ein Trebuchet schleudert ein brennendes Geschoss. Harper’s New Monthly Magazine, No. 2229, Juni, 1869.

Die Herstellung des Griechischen Feuers

Die Zusammensetzung des Griechischen Feuers ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Als Bestandteile von brennbaren Substanzen wurden im Mittelalter in erster Linie Teer, Terpentin, Petroleum, Öle, Schwefel, Wachs, Pech sowie die Fäkalien von Tauben und Schafen.3 Laut Marcus Graecus bestand das Griechische Feuer aus Schwefel, Pech, Petroleum, gewöhnlichem Öl, Sarcocolla und Sal Coctum. Letzteres ist besonders umstritten. Während die einen meinen, es würde sich um Salpeter handeln, halten es die anderen für normales Salz. Marcus Graecus erwähnt nicht, in welchem Mischverhältnis die Zutaten stehen müssen. Dafür nennt er die drei Wege, wie das Griechische Feuer gelöscht werden kann: Mit Urin, Essig und Sand.4 Es empfahl sich also im Vorfeld einer Belagerung, die entsprechenden Stoffe bereit zu halten und besonders gefährdete Stellen rechtzeitig zu imprägnieren.

Chemische Kriegführung im Mittelalter

Neben der Hitze stellten die giftigen Gase des Feuers eine ernstzunehmende Gefahr dar. Im 13. Jahrhundert wurden mit einer Mischung aus Schwefel und schwelender Kohle hochgiftige Gase erzeugt. Konrad Kyeser empfahl im 15. Jahrhundert Schwefel, Teer und zerstoßene Pferdehufe.5 Wurden diese Gase in eine Befestigung oder ein Lager geleitet, waren die Auswirkungen meist fatal.

Feuer und Schwarzpulver

Schwarzpulver wird aus Salpeter, Schwefel und Kohle hergestellt. Zutaten, die bereits bei der Herstellung der verschiedenen, brennbaren Substanzen verwendet wurden. Roger Bacon entdeckte die Mischung Mitte des 13. Jahrhunderts in Europa. Albertus Magnus entwickelte das Schwarzpulver 25 Jahre später dann noch einmal entscheidend weiter. Die neue Waffe war derart vielseitig einsetzbar, dass sie das Griechische Feuer in Europa weitgehend verdrängte. Neben der einfacheren Herstellung stellte vor allem die Explosivität des Pulvers einen bedeutenden Vorteil dar.

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Feuer und Explosionen – gängige Waffen des Mittelalters

Der Einsatz brennbarer und explosiver Substanzen auf den Schlachtfeldern des Mittelalters war nicht weniger ungewöhnlich als der von Schwertern und Bögen. Die Menschen nutzen das Feuer seid tausenden von Jahren. Seine Nutzung im Kampf war stets so naheliegend wie schrecklich für den Gegner. Letzten Endes verwendeten die Krieger des Mittelalters alles, was ihnen einen Vorteil und damit hoffentlich den Sieg verschaffte. Eine Strategie, die zur Entwicklung immer neuer Taktiken und Feuerwaffen führen sollte. Die Folgen sind heute nur zu gut bekannt.

1Vgl. Nossov, Konstantin (2012). S. 191-192).

2Vgl. Ebd. S. 193-197.

3Vgl. Ebd. S. 192-193.

4Vgl. Ebd. S. 199.

5Vgl. Ebd. S. 202.

Literatur:

Nossov, Konstantin: Ancient and Medieval Siege Weapons. A Fully Illustrated Guide to Siege Weapons and Tactics. Guilford, 2012.

Belagerungsmaschinen des Mittelalters – Der Trebuchet

Beim Angriff auf befestigte Stellungen bieten sich meist mehrere Möglichkeiten, diese zu überwinden. Bereits die Armeen der Antike verfügten hierfür über eine Vielzahl an Hilfsmitteln. Neben Leitern, Rammböcken, Rampen und Stollen stellten vor allem Wurfmaschinen wirksame Mittel dar, um entweder Bauwerke zu Fall zu bringen oder die feindliche Armee mit Geschossen auf dem Schlachtfeld zu begrüßen. Sie waren in der Lage schwere Projektile über weite Entfernungen zu schleudern und sollten für lange Zeit auf den Schlachtfeldern zu finden sein. Grund genug, einen genaueren Blick auf diese technisch hoch komplexen Maschinen zu werfen.

Die ersten „Trebuchets“ – noch per Hand betrieben

Unter den verschiedenen Wurfmaschinen nimmt der Trebuchet eine besonders prominente Stellung ein. Die ersten Maschinen dieser Art wurden in Byzanz und im nahen Osten gebaut und verwendet, bevor sie ihren Weg nach West- und Nordeuropa fanden. In Byzanz wurden die Katapulte „petraboles“ genannt. Diese funktionierten zunächst noch nicht durch Gegengewichte. Stattdessen wurde der Wurfarm durch Muskelkraft an am vorderen Teil des Wurfarmes angebrachte Seile nach unten gezogen und das Geschoss somit auf seinen unheilvollen Weg gebracht. Dabei spielte es eine wichtige Rolle, ob die Seile an der Vorderseite des Wurfarmes horizontal oder vertikal befestigt waren. Im ersten Fall war eine höhere Genauigkeit möglich, da die Kraft aller Seile gleichzeitig den Wurfarm erreichte. Bei einer vertikalen Befestigung war dagegen die Verwendung schwererer Projektile möglich – oder eine höhere Schussweite. Die beim Ziehen entwickelte Kraft wurde später noch durch erste, kleinere Gegengewichte erhöht. Das Gewicht eines einzelnen Projektils stieg von max. 30 kg auf 50 kg. Ab dem 12. Jahrhundert wurden fast nur noch Maschinen verwendet, die ausschließlich über Gegengewichte betrieben wurden. (Vgl. Nossov 2012, S. 164-169)

Der Trebuchet in Europa – Aufbau und Funktionsweise

Die Wurfmaschinen kamen erst im späten 12. Jahrhundert nach Europa. Diese Maschinen beeindrucken noch heute durch ihre geschickte Konstruktion, die mit Sicherheit von Experten vorgenommen werden musste. Ein stabiler Stand war unerlässlich. Zu diesem Zweck erhielt jeder Trebuchet ein solides hölzernes Fundament in Form einer Raute, aus der nach vorne und hinten noch einmal Pfosten herausragten. Mehrere Pfosten stützten nach oben hin die zwei Pfähle, zwischen denen der Wurfarm montiert wurde, wobei sich der längere Teil nach hinten erstreckte. Während vorne ein großes Gegengewicht angebracht wurde, befand sich am hinteren Ende des Arms die Schlinge für die Geschosse. Mit Hilfe von Flaschenzügen und Hebeln konnte der Wurfarm nach erfolgreichem Schuss wieder nach unten gezogen werden. In schussbereiter Position lag die Schlinge mit dem Geschoss in einer Schiene die dafür sorgte, dass der Schuss in möglichst gerader Linie nach vorne erfolgte. Löste die Geschützmannschaft den Wurfarm, zog das Gegengewicht den Wurfarm schnell nach oben. Die Schlinge mit dem Geschoss glitt durch ihre Schiene, schwang über den Wurfarm und entließ ihre tödliche Fracht hoffentlich in Richtung Feind. Der Wurfarm pendelte durch und war bereit für den nächsten Durchgang. (Vgl. Nossov 2012, S. 170/175)

Trebuchet (Rekonstruktion)

Trebuchet (Rekonstruktion)

Schussweite

Ähnlich beeindruckend wie das Erscheinungsbild sind die Abmessungen, Gewichte sowie die Schussleistung des Trebuchets. Im besten Fall konnten Geschosse mit einem Gewicht von 100 kg verschossen werden. In diesem Fall musste das Gegengewicht vier Tonnen schwer sein, um eine maximale Entfernung von 154 Metern zu erreichen. Neben dem Gegengewicht waren aber auch die Länge des Wurfarmes sowie die Form von Schlinge und Projektil entscheidend. (Vgl. Nossov 2012, S. 176-177)

Arten von Geschossen

Grundsätzlich konnte alles verschossen werden, was sich am Wurfarm anbringen ließ. Felsen, bearbeitete Steine, Brandbomben, Kadaver und auch Bienenkörbe lassen sich in den Quellen finden. Entscheiden war in erster Linie was durch den Beschuss erreicht werden sollte und was vor Ort vorhanden war oder herangeschafft werden konnte. Für die Zerstörung von Mauern waren runde Geschosse sinnvoll. Beim Beschuss einer Armee dagegen waren flächendeckende Methoden eine gute Idee, wobei auch hier Steine sehr effektiv sein konnten.

Ablösung durch Kanonen und Bombarden

Auch nach der Entdeckung des Schwarzpulvers in Europa im 14. Jahrhundert blieben die hölzernen Wurfmaschinen noch bis ins 15. Jahrhundert in Gebrauch, am Ende sogar Seite an Seite mit den Kanonen. Die effektive Schussentfernung der neuen Artillerie betrug allerdings im 15. Jahrhundert bereits 200 Meter und mehr. Außerdem wurde sie immer durchschlagskräftiger. Doch insbesondere in Sachen Schussfrequenz blieb der Trebuchet den Bombarden zunächst überlegen. Mit ihnen waren nur wenige Schuss pro Tag möglich. Darüber hinaus benötigte der Trebuchet kein Pulver, dass bei Belagerungen im Spätmittelalter regelmäßig knapp wurde. Letzten Endes war zu dieser Zeit aber bereits klar, welcher Waffe die Zukunft gehören würde. Ständige Weiterentwicklungen sorgten schließlich dafür, dass die Pulverwaffen ihre mittelalterlichen Vorgänger verdrängten.

Bombarden aus dem Jahr 1434; mit Steinkugeln

Bombarden aus dem Jahr 1434; mit Steinkugeln

 

Literatur:

Nossov, Konstantin: Ancient and Medieval Siege Weapons. A Fully Illustrated Guide to Siege Weapons and Tactics. Guilford, 2012.

 

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Konrad Kyesers Ideen für den Krieg – Die Darstellungen aus dem Bellifortis in Talhoffers Fechtbuch

Die am weitesten verbreiteten Vorstellungen über den Krieg im Mittelalter entstammen dem Frühmittelalter. Häufig wird dazu tendiert, diese einfach auf die Zeit des Spätmittelalters anzuwenden. Die aus dieser Zeit erhaltenden Kriegsbücher und Quellen zu Schlachten und Belagerungen zeigen aber, dass sich die Strategie im Krieg und die Waffentechnik zu dieser Zeit bereits wesentlich weiterentwickelt hatten. Insbesondere die Bücher zur Kriegs- und Kampftechnik sind ausgesprochen interessant und zeigen bisweilen Gerätschaften, die seltsam modern und exotisch anmuten.

In diesem Artikel sollen einige der Geräte und Ideen aus dem Fechtbuch von Hans Talhoffer vorgestellt werden. Talhoffer wurde 1410-15 in Schwaben geboren.[1] Er war ein versierter Kämpfer, der anfangs als Schirmmeister für adligen Nachwuchs tätig war. Von 1443 bis 1467 entstanden seine bis heute bekannten Fechtbücher, die er von zwei Schreibern sowie mehreren Malern herstellen ließ.[2] Hier soll es konkret um das Werk mit der Bezeichnung MS Thott.290.2º gehen. Es wurden 1459 fertig gestellt und befindet sich heute im Bestand der Det Kongelige Bibliotek in Kopenhagen, Dänemark.[3] Talhoffer gehörte den Marxbrüdern an, einer Bruderschaft aus Fechtern, die sich jährlich in Frankfurt traf.[4] Für diesen Artikel sind allerdings weniger seine Anleitungen für das Fechten von Bedeutung sondern die bildlichen Darstellungen Konrad Kyesers, die in das Fechtbuch übernommen wurden. Diese stammen aus dem „Bellifortis“, dass Kyeser am Ende des 14. Jahrhunderts verfasst hatte und die Hans Talhoffer in sein Fechtbuch übernahm.[5]

Das Überqueren von Gewässern

Viele mittelalterliche Befestigungen waren nicht nur durch Mauern, sondern auch durch Wassergräben geschützt. Diese zu überwinden war daher unumgänglich, wenn man einen Angriff ausführen wollte. Auch auf dem Marsch war es für Armeen notwendig, Wasserläufe schnell überqueren zu können. Nicht immer existierte eine Brücke und wenn doch, befand sie sich unter Umständen unter der Kontrolle des Feindes.

Folio 14v - Die Überwindung von Gewässern für einzelne Personen

Folio 14v – Die Überwindung von Gewässern für einzelne Personen

Folio 14v zeigt mehrere Möglichkeiten, ein Gewässer zu überqueren. Ein an einem Kran befestigter Korb ermöglicht es, immer einen Menschen hinüber zu heben. Auch wird eine ausfahrbare Schwimmbrücke gezeigt, die durch luftgefüllte Säcke über Wasser gehalten wird. Im Vordergrund ist eine Person zu sehen, die einen Schwimmring um die Hüften trägt und ihn ständig aufpusten muss, um nicht unterzugehen. Dieser Ring wird im Detail auf Folio 26r dargestellt. Auch die Idee der Schwimmflügel gab es schon im ausgehenden 14. Jahrhundert, wie Folio 27r beweist.

In der Tat wurden im Spätmittelalter Schwimmbrücken verwendet. Der burgundische Geschichtsschreiber Jean Molinet beschreibt in seinen „Chroniques“ eindrucksvoll, wie die Burgunder unter Karl dem Kühnen sie bei der Belagerung von Neuss 1474/75 einsetzten und mit ihrer Hilfe sogar ganze Wasserwege absperren konnten.[6]

Besonders interessant sind die dargestellten Möglichkeiten, zu tauchen. Folio 43v, 44r sowie 45r zeigen uns Schnorchel und Taucheranzüge. Laut Beschreibung sollten sie aus Leder hergestellt sein und mit Harz abgedichtet. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch mit Luft gefüllte Säcke oder Schnorchel. Diese Anzüge sind laut Beschreibung ausdrücklich dazu gedacht, unter Wasser laufen zu können.

Folio 44r - Ein Taucheranzug aus dem Mittelalter

Folio 44r – Ein Taucheranzug aus dem Mittelalter

Das Erstürmen von Befestigungen

Nach dem Überwinden der Wassergräben wollten noch die Mauern erklommen oder zum Einsturz gebracht werden. Hierfür wird zunächst die Blide empfohlen.[7] Neben diesem altbekannten Katapult finden sich modernere Büchsen.[8] Auch gibt es verschiedene Schutzschirme und fahrbare Tunnel, um am Fuß der Mauer geschützt arbeiten zu können.[9] Auch diverse Leitern und Rampen finden sich unter den Abbildungen.[10] Spannend sind diverse Aufzugskonstruktionen. Auf 33v wird ein Aufzug zum Teil durch Muskel- zum Teil durch Windkraft betrieben. Beim Modell auf 34r werden eine oder mehrere Personen mit Hilfe von zwei Flaschenzügen nach oben befördert. 35r zeigt einen auf einem Boot aufgebauten Aufzug, der durch Wasserkraft betrieben werden soll. Um sich dem Mauern zu nähern werden zudem große Körbe aus gehärtetem Leder empfohlen, unter denen mehrere Männer Platz finden sollen.[11]

Folio 34r - Aufzug mit Flaschenzügen

Folio 34r – Aufzug mit Flaschenzügen

Verteidigung von Burg, Stadt und Feldlager

Nicht nur für die Belagerer, auch für die Belagerten werden Vorschläge gemacht. Besonders interessant ist die auf Folio 24v gezeigte Idee, an der höchsten Stelle der Befestigung ein Feuer unter einer roten Kuppel aus Glas brennen zu lassen und so alles in ein unheimliches rotes Licht zu tauchen. Dies soll dazu dienen, den Feind in Angst zu versetzen. Ob dies tatsächlich so umgesetzt wurde und ob es funktionierte, lässt sich allerdings nicht nachweisen.

Folio 24v - Oben auf dem Turm ist die rote Glaskuppel zu sehen.

Folio 24v – Oben auf dem Turm ist die rote Glaskuppel zu sehen.

Weniger ungewöhnlich erscheint da der Vorschlag, die Tore mit Polstern zu schützen oder Zelte mit angespitzten Holzpfählen zu umgeben, um nächtlichen Überraschungen vorzubeugen.[12]

Gerätschaften für die Schlacht

Die offene Feldschlacht stellte in der Regel ein kaum kalkulierbares Risiko dar. Kein Wunder also, dass es zahlreiche Überlegungen gab, die Kämpfer bestmöglich zu schützen. Kriegswägen wurden erstmals von den Böhmen im 15. Jahrhundert im großen Stil eingesetzt. In Talhoffers Fechtbuch finden sie sich ebenfalls. So ist auf Folio 15v zu sehen, wie mehrere Kämpfer auf einem rollenden Fort in die Schlacht gezogen werden. 37v zeigt eine Art mittelalterlichen Panzerkampfwagen. An der Seite angebrachte Speere sollen Gegner fernhalten, während die zu beiden Seiten zeigenden Büchsen den Fernkampf ermöglichen.

Folio 37v - Der Kriegswagen ist zweidimensional dargestellt.

Folio 37v – Der Kriegswagen ist zweidimensional dargestellt.

Zudem werden mehrere mit stählernen Dornen und Klingen versehene Wägen gezeigt, die von einer erhöhten Stellung aus in die gegnerischen Reihen geschickt werden sollten, um diese aufzubrechen.[13] Sehr exotisch mutet der sogenannte Krebs auf Folio 38r an. Der Beschreibung nach soll dieser geschmiedet sein und an einem Ende über einen Ring verfügen. Ich nehme an, dass dieser dazu dienen sollte, den schweren Krebs mit Hilfe eines Zugtieres in Bewegung zu setzen. Über die Einsatzmöglichkeiten lässt sich aber nur spekulieren. So könnte versucht worden sein, den Krebs in die gegnerische Formation fahren zu lassen. Es wäre auch möglich gewesen, ihn gegen einen berittenen Angriff einzusetzen und die gegnerischen Pferde zum Stürzen zu bringen. Ob er überhaupt zum Einsatz kam, bleibt jedoch fraglich – nicht zuletzt aufgrund der riesigen Menge an Eisen, dass zur Herstellung nötig gewesen wäre. Auch wäre sein Einsatz unnötig kompliziert gewesen.

Folio 38r - Der Krebs

Folio 38r – Der Krebs

Die mittelalterliche Sauna

Die Idee, Räume zu beheizen, ist sehr alt. Jeder kennt sicherlich die komplexen Heizungsanlagen der Römer. Dieses Wissen verschwand nicht mit dem Untergang des weströmischen Reiches. Einige mittelalterliche Klöster, wie beispielsweise das Kloster Ebstorf in Niedersachsen, verfügten über eine Heizung. Luft wurde mit Hilfe von Feuer erhitzt und über ein Leitungssystem in den Fußboden geleitet. Auch Wasser konnte so erhitzt werden, wie Folio 41r zeigt. Sogar die Sauna war im Mittelalter bekannt. 31v zeigt eine Holzhütte, die durch einen Ofen beheizt wird. Zusätzlich wird die Verwendung von den Heilkräutern Baldrian, Bertram und Eindorn empfohlen. Helfen soll die Sauna gegen die „Gebrechen der Glieder und des Fusses“ sowie gegen das „Zittern der Glieder“.

Folio 31v

Folio 31v

Das Mittelalter – eine dunkle Zeit?

Wir sehen in diesem Werk eine Vielzahl von Erfindungen, die bereits eine hohe Komplexität bei gleichzeitiger Praxisorientiertheit aufweisen. Es fällt auf, dass die meisten von ihnen sich auf den Krieg beziehen. Dies verwundert nicht, immerhin waren sowohl Konrad Kyeser als auch Hans Talhoffer in erster Linie Soldaten. Sie wussten sehr gut, was im Krieg funktionierte. Kyeser hatte aber auch viele neue Ideen, die er in seinem Werk aufzeichnen ließ und die später von Talhoffer bereitwillig übernommen wurden. Dementsprechend finden sich alte und neue Ideen Seite an Seite. Die Konzepte von Kyeser muten an einigen Stellen ungewöhnlich modern an. Erstaunlich wenn man ihre Entstehungszeit, das Ende des 14. Jahrhunderts, bedenkt. Allerdings war die Technik im 14. und 15. Jahrhundert tatsächlich weit fortschrittlicher, als sie häufig dargestellt wird. Die angewandten Prinzipien nutzen sehr intelligent die Energie von Mensch und Tier, die Kraft von Wasser, Feuer, Luft und Erde. Schwarzpulver war bereits seit dem späten 14. Jahrhundert bekannt und wurde häufig eingesetzt. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei einigen der dargestellten Gerätschaften um Konzeptzeichnungen handelte, deren tatsächliche Existenz sich nicht sicher nachweisen lässt.

[1] Vgl. wiktenauer.com/wiki/Hans_Talhoffer (02.01.2015).

[2] Vgl. elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2008/3604/pdf/Fechtbuch.pdf (02.01.2015). S. 140.

[3] Vgl. wiktenauer.com/wiki/Talhoffer_Fechtbuch_%28MS_Thott.290.2%C2%BA%29 (02.01.2015).

[4] Vgl. wiktenauer.com/wiki/Marxbr%C3%BCder (02.01.2015).

[5] Vgl. commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bellifortis (03.01.2015).

[6] Vgl. Ossenkop, Daniel (2014). S. 66.

[7] Vgl. Folio 16v.

[8] Vgl. Folio 42v, 43r.

[9] Vgl. Folio 19v, 20r, 20v, 22v, 34v.

[10] Vgl. Folio 17r, 18r, 18v, 21v, 27v, 28r, 40v.

[11] Vgl. Foto 23v.

[12] Vgl. Folio 24r, 25r.

Quelle:

wiktenauer.com/wiki/Talhoffer_Fechtbuch_%28MS_Thott.290.2%C2%BA%29 (02.01.2015).

 

Internet:

commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bellifortis (03.01.2015).

wiktenauer.com/wiki/Hans_Talhoffer (02.01.2015).

wiktenauer.com/wiki/Marxbr%C3%BCder (02.01.2015).

 

Literatur:

elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2008/3604/pdf/Fechtbuch.pdf (02.01.2015).

Ossenkop, Daniel. Die Belagerung von Neuss im 15. Jahrhundert. Die Verteidigung der Stadtrechte gegen einen Herzog. Hamburg, 2014.

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[13] Vgl. Folio 23r, 36v, 38v, 39r.

Belagerungstechniken des Mittelalters : Der Krieg unter der Erde

 

Diese Methode zur Überwindung feindlicher Befestigungsanlagen stellte gleichzeitig eine der effektivsten als auch eine der gefährlichsten Strategien beim Angriff auf befestigte Orte dar. Das Graben von Stollen unter die Mauern war weniger anfällig für Beschuss von den Mauern, dafür war es alles andere als einfach, diese so anzulegen, dass man genau an die gewünschte Stelle gelangte. Zudem existierten einige Abwehrtechniken, die die Arbeit unter Tage lebensgefährlich machten.

Eine Vorstufe zu den Stollen unter der Erde stellte das Aushöhlen der Mauer dar. Dies geschah meist im Schutz von speziellen Schutzschilden, die hierzu am Fuß der Mauer aufgebaut wurden. Ziel war dabei nicht, eine Öffnung in die Mauer zu arbeiten. Stattdessen wurde in dem entstandenen Loch Feuer entzündet, um eine Bresche zu schlagen.[1]

Das tatsächliche Unterminieren von Wällen und Fundamenten war etwas komplizierter und konnte zu zwei verschiedenen Zwecken erfolgen. Man konnte entweder versuchen, einen Gang unter der Mauer zu graben, durch den die Angreifer in die Befestigung eindringen konnten oder es darauf anlegen, Gebäudeteile zum Einsturz zu bringen.

In beiden Fällen durften die Belagerten nicht bemerken, dass ein Stollen gegraben wurde. Geschah dies war nicht nur der Überraschungseffekt dahin, es konnten auch Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Bereits in der Antike konnten Gegenstollen gegraben werden. Erreichte man den Stollen des Feindes konnte man versuchen, diesen im Kampf Mann gegen Mann zu erobern und anschließend zu zerstören. Die Kämpfe unter der Erde müssen ganz besonders grausam gewesen sein. Man konnte oft nicht aufrecht stehen, es war dunkel, stickig und jederzeit konnten Teile des Ganges einstürzen oder zum Einsturz gebracht werden. Da die Gänge sehr schmal waren, konnten sich die Kämpfer nur hintereinander bewegen. Der vorderste von ihnen hatte im schlechtesten Fall einen bewaffneten Gegner vor sich und gleichzeitig den Rest seiner Truppe direkt hinter sich, immer nach vorne drängend. Bessere Chancen bestanden dann, wenn die Grabungsmannschaft des Feindes nichts vom Gegenstollen wusste. Dann konnte man überraschend einbrechen und die als Tunnelbauer eingesetzten Bergleute töten, bevor der Gegner eigenen Truppen in den Tunnel bringen konnte. Um den riskanten Kampf unter der Erde zu vermeiden, wurde häufig auf andere Mittel zurückgegriffen. Das Einleiten von heißem Öl, Wasser oder auch Rauch in das Tunnelsystem hatte meist tödliche Folgen.[2] Während der Belagerung von Neuss 1474/75 durch die burgundische Armee unter Karl dem Kühnen setzten die Verteidiger auch Sprengrohre und in kochendem Wasser erhitzte Fäkalien ein, um die Belagerer aus ihren Gräben zu vertreiben. Insbesondere letzteres erwies sich als außerordentlich effektiv.

Das Aufspüren der Tunnel war allerdings nicht einfach. Die Eingänge wurden durch hölzerne Bauwerke verdeckt, beispielsweise durch Palisaden oder auch Belagerungstürme. Die ausgehobene Erde musste unauffällig weggeschafft werden, um keinen Verdacht zu erregen. Manchmal wurde sie auch auf dem Boden des Tunnels festgestampft.[3] Dennoch gab es einige Methoden, die den Quellen nach zu urteilen häufig zum Erfolg führten. In der Antike legte man bronzene Schilde auf den Boden, um die Tunnelarbeiten akustisch zu orten. Hierzu eigneten sich auch Kupfergefäße. Im Mittelalter verwendete man mit Wasser gefüllte Schüsseln und/oder kleine Glocken. Doch auch diese Methoden waren nicht immer zuverlässig. Insbesondere dann nicht, wenn die Belagerer mehrere Tunnel gruben – von denen aber nicht alle in die Befestigung führten, sondern lediglich vom Hauptstollen ablenken sollten.[4]

Konnte der Stollen nicht rechtzeitig aufgespürt und zerstört werden, befand sich die belagerte Befestigung in größter Gefahr. Es konnten entweder Belagerer unbemerkt in die Stadt oder Burg gelangen und die Tore von innen öffnen oder die Fundamente der Mauern zerstört und diese damit zu Fall gebracht werden. Dies erreichte man dadurch, dass man den neu geschaffenen Hohlraum zunächst mit Holzbalken abstützte, ihn mit brennbarem Material füllte und dieses anzündete. Im späten Mittelalter konnte auch Schwarzpulver eingesetzt werden. Die Balken und der Hohlraum brachen ein und schufen im Idealfall eine breite Bresche, durch die man die Befestigungsanlagen stürmen konnte.[5] Schafften es die Verteidiger nicht, den ersten Angriff abzuwehren und die Bresche provisorisch mit Holz und Steinen zu verschließen, war die Einnahme nur noch eine Frage der Zeit.

Dieser Gefahr konnte man bereits beim Planen und Anlegen der Befestigungsanlagen vorbeugen. Reichten die Fundamente der Mauern zu tief, konnten sie nicht untergraben werden. Wassergräben stellten ebenfalls einen guten Schutz dar, wenn man sie nicht abgraben konnte.

Die Technik des Unterminierens feindlicher Stellungen sollte weit über das Mittelalter hinaus Anwendung finden. Sie wurde in größerem Stil im amerikanischen Sezessionskrieg und in den beiden Weltkriegen verwendet. Die Weiterentwicklung der Sprengstoffe und Waffen sollte hier noch zu weit schrecklicheren Ergebnissen führen, als sie im Mittelalter möglich waren.

 

[1] Vgl. Nossov, Konstantin (2012). S. 123.

[2] Vgl. Ebd. S. 131.

[3] Vgl. Ebd. S. 124-125.

[4] Vgl. Ebd. S. 129.

[5] Vgl. Ebd. S. 127/130.

 

Literatur:

Nossov, Konstantin: Ancient and Medieval Siege Weapons. A fully illustrated Guide to Siege Weapons and Tactics, Guilford, 2012.

 

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Die Schlacht von Muret 1213

1209 begann auf Drängen des Papstes Innozenz III. ein Kreuzzug, der nicht das Heilige Land als Ziel haben sollte. In Südfrankreich hatte sich die religiöse Bewegung der Katharer entwickelt. Sie sahen sich selbst als die wahren Christen, hatten aber keine komplett einheitliche Lehre, da sie in verschiedene Gruppen aufgespalten waren. Gemeinsam war ihnen, dass sie die materielle Welt grundsätzlich als Böse ansahen. Die Seelen waren demnach auf der Erde gefangen und die Katharer strebten danach, diese zu erlösen und den Himmel zu erreichen. Das Alte Testament lehnten sie ab, da sie im dort beschriebenen Gott ein in der materiellen Welt verhaftetes und damit böses Wesen sahen. Interessant ist zudem, dass Frauen bei den Katharern geistliche Ämter ausüben konnten – ein starker Gegensatz zur römischen Kirche.

Papst Innozenz III.

Papst Innozenz III.

Anhänger dieser Glaubensrichtung fanden sich in allen gesellschaftlichen Schichten.  Dazu gehörten auch hochrangige Adlige, wie der Graf von Toulouse, Raimund VI. Obwohl die Bewegung von der Kirche als ketzerisch eingestuft wurde, konnten die Geistlichen vor Ort nicht auf die Unterstützung der weltlichen Obrigkeit zählen. Aus diesem Grund war die Kirche gezwungen, zu einem bewaffneten Kreuzzug aufzurufen. Aus ihrer Sicht handelte es sich bei jeder Form um eine Krankheit, die die Christenheit ernsthaft bedrohte. Wir können hier also durchaus von ernst gemeinter Besorgnis ausgehen, nicht von reinem Streben nach Machterhaltung.

Der geistliche Autor Peter von les Vaux-de-Cernay hat einen detaillierten Bericht des gesamten Albigenserkreuzzugs verfasst. In diesem Artikel soll es um eine bedeutsame Schlacht gehen, die für den weiteren Verlauf des Kreuzzuges nicht ohne Bedeutung sein sollte und einige interessante Einblicke in die Kriegführung des hohen Mittelalters möglich macht – die Schlacht von Muret.

Alles habe damit begonnen, dass der spanische König Peter von Aragon mit einem Heer in die Gascogne einmarschiert sei, um dem Grafen von Toulouse zu Hilfe zu kommen. Er habe sein Heer mit den Truppen der Grafen von Toulouse, des Comminges und von Foix vereinigt und mit der Belagerung der Stadt Muret begonnen, welche sich am Fluss Garonne befindet. Eine vorgelagerte Befestigungsanlage haben die Angreifer schnell einnehmen können, woraufhin sich die Verteidiger zurückziehen mussten. Dies habe vor allem daran gelegen, dass sie deutlich in der Unterzahl gewesen seien. [1] Zur selben Zeit habe sich der Anführer der Kreuzfahrer, der Graf Simon von Montfort, 65 Kilometer von Muret entfernt befunden, um Kämpfer und Vorräte zur Verstärkung der Stadt zu sammeln – er sei bereits davon ausgegangen, dass es bald belagert würde.[2]

Kurz nachdem der Graf von der Belagerung erfahren habe, sei seine Frau nach Carcassonne aufgebrochen. Dort habe sie so viele Ritter um sich gesammelt, wie es ihr möglich gewesen sei. Zusätzlich habe sie den Vicomte von Payen überzeugen können, sich ihr anzuschließen – obwohl sein 40 tägiger Dienst eigentlich schon zu Ende war und er ohne Konsequenzen in die Heimat hätte abziehen können. Diese Truppen haben sich nun nach Fanjeaux begeben, während Simon von Montfort mit seinen Begleitern in die Nähe von Boulbonne gezogen sei, wo er in einem Zisterzienserkloster die Hilfe des Herrn erbeten habe. Bei ihm haben sich sieben Bischöfe und drei Äbte befunden, die der Erzbischof von Narbonne ausgewählt habe, um mit dem König von Aragon zu verhandeln. Außerdem habe er 30 französische Ritter bei sich gehabt.[3]

Am nächsten Morgen sei die Messe gefeiert und gebeichtet  worden. Danach seien die Kreuzfahrer aufgebrochen, um Muret zu Hilfe zu kommen. Zudem seien die Anführer des gegnerischen Heeres durch die Bischöfe exkommuniziert worden. Während der Annäherung an das feindliche Heer seien die Truppen in drei Abteilungen aufgeteilt worden, entsprechend der Heiligen Dreifaltigkeit. So habe man sich Auterive genähert, einer befestigten Stellung zwischen dem alten Standort und Muret. Obwohl Wetter und Terrain günstig für einen Überraschungsangriff der Belagerer gewesen seien, habe man das Gebiet ohne Gegenwehr durchqueren können.[4]

Schließlich habe man sich Muret genähert. Die Belagerer haben sich auf der anderen Flussseite befunden. Da es bereits Abend gewesen sei und die Truppen des Grafen von Montfort vom Marsch ermüdet gewesen seien, habe der Graf nicht sofort angreifen lassen, sondern stattdessen Gesandte zu den Belagerern geschickt, um sie zum Aufgeben zu bewegen.[5] Am nächsten Morgen haben die Kreuzfahrer Muret betreten. Es seien lediglich noch für einen Tag Vorräte in der Stadt gewesen. Daher sei es nicht länger möglich gewesen, sich zu verschanzen.[6]

Am Morgen des nächsten Tages habe man die Messe abgehalten und sich anschließend beraten, wie man den Feind am besten angreifen könne. Die sich deutlich in der Unterzahl befindenden Verteidiger haben sich daraufhin gerüstet und ihre Pferde bestiegen. Auf Anweisung des Grafen seien für den Angriff nur Berittene vorgesehen gewesen. [7] Bevor die Ritter Muret verlassen haben, seien sie durch den Bischof von Comminges gesegnet worden. Auch ihre Sünden seien ihnen komplett vergeben worden.[8]

Während die Verteidiger das Schlachtfeld betreten haben, seien sie von den Geistlichen in der Kirche durch Gebete unterstützt worden. Trotz der deutlichen Überzahl der Feinde habe die erste Schlachtreihe der Ritter mit großer Zuversicht frontal angegriffen, dicht gefolgt von der zweiten Reihe. Während dieses Angriffes sei der König von Aragon gefallen. Der Autor merkt kritisch an, dass er sich in einem nicht gekennzeichneten Harnisch in der zweiten Schlachtreihe der Belagerer befunden habe.

Der Graf von Montfort habe inzwischen bemerkt, dass seine ersten beiden Schlachtreihen bereits außer Sicht gewesen seien, da sie sich weit innerhalb des gegnerischen Heeres befunden haben. Daraufhin habe er mit seinen Truppen die linke Flanke der Belagerer angegriffen. Er sei allerdings durch einen Graben von diesen getrennt gewesen. So habe er erst angreifen können, nachdem er einen Durchgang durch diesen gefunden habe. Obwohl er sofort von mehreren harten Schlägen getroffen worden sei, habe er sich mit seinen Truppen langsam voran gekämpft und viele Feinde getötet.[9] In der Zwischenzeit haben die Bürger von Toulouse versucht, Muret einzunehmen. Dies sei ihnen aber nicht gelungen, da die siegreichen Ritter rechtzeitig wieder zurückgekehrt seien und viele von ihnen getötet haben.[10] Nach der Schlacht habe sich Graf Simon von Montfort zu dem inzwischen vollständig geplünderten Körper des Peter von Aragon führen lassen, um den Tod des Monarchen zu betrauern.[11]

Dieser Bericht enthält einige interessante Details, auf die an dieser Stelle näher eingegangen werden soll. Zunächst einmal scheint die Sicherung bereits eroberter Städte nicht einfach gewesen zu sein. Obwohl eine Belagerung Murets wahrscheinlich erschien, mussten in relativ weiter Entfernung zunächst neue Truppen ausgehoben und Vorräte beschafft werden. Interessant ist, dass dies nicht nur durch männliche Adlige möglich war. Auch die Gräfin von Montfort hatte die Befugnis, eine Armee aufzustellen und dieser Befehle zu erteilen. Wir können aber davon ausgehen, dass sich ihre Autorität auf die ihres Mannes stützte. Dennoch, die mittelalterliche Frau war weit davon entfernt, nur den Haushalt zu führen.

Das Vertrauen auf Gott war einer der zentralen Aspekte in der Kriegführung des Mittelalters. Die starke Betonung bei Peter von les Vaux-de-Cernay liegt aber vor allem darin begründet, dass es sich um einen geistlichen Autor handelt, der einen Kreuzzugsbericht verfasste. Gerade, weil dieser in einem christlichen Gebiet durchgeführt wurde, bedurfte es immer wieder besonderer Rechtfertigungen.

Die Strategie der Kreuzfahrer entsprach dem, was im 13. Jahrhundert üblich war. Zunächst musste man sich der belagerten Stadt nähern. Sie hatten Glück, dass sie im Sumpfland vor Auterive nicht  durch feindliche Kämpfer aufgehalten wurden. Da sich die Belagerer deutlich in der Überzahl befanden, hätte eine Entdeckung dem Rettungsversuch schnell ein Ende machen können. Auch konnten die Truppen des Grafen relativ ungehindert Muret betreten. Da die Vorräte aber aufgebraucht waren, konnte man keiner langen Belagerung mehr standhalten. Ein Ausfall war die letzte Möglichkeit eine Entscheidung herbei zu führen, bevor die Verteidiger vor Hunger zu sehr geschwächt waren.

Die Staffelung der Armee in drei Abteilungen war typisch für das hohe Mittelalter. Ebenso üblich war der gefürchtete Sturmangriff der schwer gepanzerten Ritter, gegen den die Belagerer anscheinend kein Gegenmittel parat hatte. Außergewöhnlich ist der Tod Peters von Aragon. Normalerweise befanden sich die Anführer nicht in den vorderen Schlachtreihen – trotz allen Gottvertrauens. Auch waren sie in der Regel durch das Wappen und die Farben an ihren Harnischen deutlich erkennbar und wurden eher gefangen genommen als getötet. Entsprechend kritisch wird das Verhalten des Königs gesehen.

Der Angriff der Ritter scheint sehr effektiv gewesen zu sein. So schnell durchbrachen sie die feindlichen Linien, dass sie bald aus dem Blickfeld des Grafen verschwanden. Er griff mit seinen Begleitern an, um eine Umzingelung zu verhindern. Die schweren Treffer, die er unverletzt überstand, sind ein deutliches Zeichen für den guten Schutz, den die Rüstungen des 13. Jahrhunderts boten. Auch sehen wir am Beispiel der Bürger von Toulouse, dass auch Stadtbürger in den Krieg zogen.

Die Schlacht von Muret ist vor allem deswegen so interessant, weil hier ein sich deutlich in der Unterzahl befindendes aber sehr gut ausgebildetes, ausgerüstetes und diszipliniertes Heer,bestehend ausschließlich aus Rittern, ein weit größeres Aufgebot an gemischten Truppen deutlich besiegte. Dies lag vor allem am ersten Schockmoment des Aufpralls der dicht geschlossenen Reihen der Kreuzfahrer, die nicht aufgehalten werden konnten. Zudem wird auch der frühe Tod des Königs von Aragon eine demoralisierende Wirkung gehabt haben.  Letzten Endes war es wohl eine Mischung aus Ausbildung, Gottvertrauen und Mut bei gleichzeitiger Überraschung des Gegners und taktischem Geschick, die zum Sieg verhalf.

Schlacht von Muret, Grandes Chroniques de France, 14. Jhd.

Schlacht von Muret, Grandes Chroniques de France, 14. Jhd.

 

[1] Vgl. Peter von les Vaux-de-Cernay. 446-448.

[2] Vgl. Ebd. 449.

[3] Vgl. Ebd. 450-451.

[4] Vgl. Ebd. 453-454.

[5] Vgl. Ebd. 455.

[6] Vgl. Ebd. 456.

[7] Vgl. Ebd. 458-460.

[8] Vgl. Ebd. 461.

[9] Vgl. Ebd. 463.

[10] Vgl. Ebd. 464.

[11] Vgl. Ebd. 465.

Quelle: Peter von les Vaux-de-Cernay: The History of the Albigensian Crusade, übers. von Tr. W.A. Sibly und M.D. Sibly, Woodbridge 2002.

 

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