Der Kampf zur See im Mittelalter

Seeschlachten sind in der Militärgeschichte stets mit großem Interesse untersucht worden. Ob Antike oder Neuzeit – Aufzeichnungen über Taktik und Vorgehensweise sind zahlreich zu finden. Die Quellenlage für das Mittelalter ist weniger günstig. Dennoch möchte ich in diesem Artikel einen kleinen Überblick über die Seeschlacht im Mittelalter geben. Dabei muss unterschieden werden zwischen Früh-, Hoch- und Spätmittelalter und zudem der geografischen Region. Als Beispiel sollen hier zunächst die Wikinger dienen, erfahrene Krieger zur See und Pioniere im Schiffbau. Weiterhin ist die Zeit der Hanse von Bedeutung, hier insbesondere die Koggen und ihr Einsatz in Seegefechten. Schließlich möchte ich auf die Schiffe des späten Mittelalters eingehen, die zum Teil bereits einige Ähnlichkeiten mit den Schiffen des 18. und 19. Jahrhunderts aufwiesen.

Die Wikinger – Pioniere auf See

Wikinger

Frühe Darstellung dänischer Krieger auf ihren Langboote

Im frühen Mittelalter gab es in Europa kein seefahrendes Volk, das auch nur entfernt mit den Wikingern verglichen werden kann. Die Langschiffe dieser erfahrenen und überaus erfolgreichen Krieger waren Meisterwerke der Schiffsbaukunst und taktisch äußerst vielseitig einsetzbar. Sie konnten nicht nur auf dem Meer, sonder aufgrund ihres geringen Tiefgangs auch in küstennahen Gebieten und sogar auf Flüssen eingesetzt werden. Sie waren dementsprechend für schnelle Anlandungen bestens geeignet. Auch Schlachten zwischen Wikingerflotten sind überliefert. Die unterschiedlich großen Schiffe wurden dazu aneinander vertäut und bildeten so hölzerne Plattformen, auf denen gekämpft wurde. Wer den Gegner im Nahkampf bezwingen konnte, gewann das gegnerische Schiff. In diesem Kontext gewinnen auch spielerische Übungen der Wikinger an Bedeutung, beispielsweise das Laufen auf den Rudern bei voller Fahrt.

 

Die Koggen – Schwimmende Festungen

Die Koggen des Hochmittelalters waren wesentlich schwerfälliger als die schnellen Langboote. Dementsprechend unterschied sich die Taktik, in deren Rahmen sie eingesetzt wurden. Koggen verfügten über relativ hohe Bordwände. Am Bug und am Heck befanden sich hölzerne Kastelle, die Schutz vor Geschossen boten. Auch vom geschützten Mastkorb aus wurde gekämpft. Der Kampf zwischen Koggen begann in der Regel damit, dass die Schiffe aufeinander zu segelten und versuchten, eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Diese war wichtig, um dem Gegner einen möglichst heftigen Rammstoß zu verpassen und im besten Fall direkt zu versenken. Passierte dies nicht, kam es zunächst zu einem Schusswechsel mit Pfeilen, Bolzen und Büchsengeschossen. Anschließend wurden die Schiffe mit der Hilfe von Enterhaken fixiert und es kam zum Kampf Mann gegen Mann. Wichtig zu beachten ist, dass es beim Koggenbau keine Einheitsgröße gab. Das bedeutet, dass es durchaus bedeutende Größenunterschiede geben konnte und ein Kampf damit unter Umständen schon im Vorfeld entschieden war.

Kogge_stralsund

Galeeren – nicht nur in der Antike eingesetzt

Insbesondere im Mittelmeer bildeten die Galeeren das Rückgrat byzantinischer, italienischer, spanischer/portugiesischer und sarazenischer Flotten. Wie ihre antiken Vorbilder wurden sie sowohl durch Segel als auch durch Ruder angetrieben und verfügten über einen Rammsporn am Bug. Im späten Mittelalter wurde auf ihnen auch Kanonen eingesetzt, die allerdings nur nach vorne bzw. hinten feuern konnten. Sie waren relativ schnell und wendig, allerdings auch anfällig für raue See. Dieser Schiffstyp wurde auch im 17. Jahrhundert noch eingesetzt. Das Hauptaugenmerk im Kampf lag bei den Galeeren darin, gegnerische Schiffe zu entern. Zu diesem Zweck befanden sich neben den Ruderern und Seeleuten zahlreiche Soldaten an Bord.

Battle_of_Lepanto_1571

Die Schlacht von Lepanto 1571

Das Spätmittelalter und die Weiterentwicklung des Schiffbaus

Mit der Einführung der Pulverwaffen veränderte sich die Taktik zur See nach und nach. Langbögen, Armbrüste und Handbüchsen waren nur der Anfang. Mit der Erfindung der Kanone boten sich für Schiffe ganz neue Möglichkeiten der Bewaffnung. Dazu waren allerdings zunächst neue Konstruktionsarten notwendig. Während die Galeeren wie bereits erwähnt nur nach vorne und hinten feuern konnten, setzten sich im Westen bald Schiffe durch, die ganze Breitseiten abfeuern konnten. Die Kanonen wurden dazu an der Schiffswand platziert, später dann auf mehreren übereinander liegenden Decks. Das diese Art der Konstruktion anfangs noch Probleme machte, lässt sich beispielsweise am Beispiel der Mary Rose, dem Flaggschiff des englischen Königs Heinrich VIII., zeigen. Bei einem scharfen Wendemanöver während der Schlacht von Solent 1545 drang durch eine der nah an der Wasserlinie liegenden Geschützluke Wasser ein. Das Schiff kenterte vor dem Augen des Königs.

AnthonyRoll-2_Mary_Rose.jpg

Die Mary Rose. Darstellung von 1546.

Auch nach Ende des Mittelalters kam es noch zu Unfällen, die in direkten Zusammenhang mit einer fehlerhaften Konstruktion gebracht werden können. 1628 sank die schwedische Galeone „Vasa“ auf ihrer Jungfernfahrt (nach ca. einem Kilometer), da ihr Schwerpunkt deutlich zu hoch lag. Briten und Holländer schafften es aber im 17. Jahrhundert, hochseetaugliche und schlagkräftige Schlachtschiffe zu bauen und einzusetzen. Mit ihnen Begann eine neue Ära der Kriegführung zur See.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Der Kampf zur See im Mittelalter

  1. […] Heck sowie am Hauptmast befanden sich Plattformen, von denen aus gekämpft werden konnte. In einer Seeschlacht nahmen die Koggen zunächst Fahrt auf und rammten anschließend das gegnerische Schiff. […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s