Herolde – Diplomaten des Mittelalters

Wappen und Symbole spielten schon früh eine wichtige Rolle in der Welt des Adels. Sie dienten nicht nur zu Repräsentationszwecken, sondern waren für die Identifikation einzelner Adliger im Getümmel einer Schlacht oder auf einem Turnier unerlässlich. Dies galt umso mehr für die Zeit des hohen und des späten Mittelalters, in der geschlossene Helme getragen wurden. Wie wichtig eine klare Kennzeichnung war wird am Beispiel des Königs von Aragon deutlich. Dieser kämpfte in der Schlacht von Muret 1213 in einer fremden Rüstung und war so als König nicht erkennbar. In der Hitze des Gefechts wurde er getötet.

Herolde präsentieren die Helmzier ihrer Herren vor dem Turnier, 1483

Herolde präsentieren die Helmzier ihrer Herren vor dem Turnier, 1483

Mit zunehmender Komplexität der Wappen, Farben und Banner wuchs der Bedarf an Experten der Heraldik. Herolde gab es schon vorher. Sie waren vor allem als Kuriere und Botschafter tätig. Diese Aufgaben setzten eine genaue Kenntnis der einzelnen Adelshäuser und ihrer Wappen voraus. Jedes Adelshaus hatte daher Bedarf an Herolden. Ihre Aufgaben wurden dabei immer vielschichtiger. Sie erstellten Wappenbücher, in denen alle Generationen eines oder mehrerer Häuser samt ihrer Wappen aufgeführt waren. Die Bedeutung dieser Aufzeichnungen war immens – die Frage der richtigen Abstammung entschied schließlich direkt über den Platz in der mittelalterlichen Gesellschaft. Dementsprechend hatte ein Herold stets die Aufgabe, seinen Herrn in einem möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen. Außerdem waren sie als Diplomaten tätig, die an andere Höfe entsandt wurden. Dabei besaßen sie diplomatische Immunität – eine Tatsache, die auch im Kriegsfall Verhandlungen ermöglichen sollte. Am Hof gab es eine klare Rangordnung unter den Herolden: An der Spitze stand der Wappenkönig, darunter kamen die Persevanten.

Herolden kamen auch organisatorische Aufgaben zu. Dies galt für das Turnier wie auch für den Kriegsfall. Sie organisierten die Turniere und überprüften die Wappenrollen der einzelnen Teilnehmer auf ihre Authentizität. Im Krieg waren sie für die Organisation der Armee zuständig und führten Verhandlungen, beispielsweise über den Freikauf von Gefangenen oder die Kapitulation einer Armee. Nach der Schlacht kam ihnen die Aufgabe zu, die Gefallenen zu identifizieren. Dies musste nicht zwangsläufig anhand von Wappen erfolgen. Oft genug wussten die Herolde über bestimmte körperliche Merkmale ihres Herren.1

Wappenrolle aus dem 15. Jahrhundert

Wappenrolle aus dem 15. Jahrhundert

Die Herolde spielten eine zentrale Rolle im Gesellschaftsgefüge des Mittelalters. Ohne sie wäre das System des Adels in seiner damaligen Form nicht praktikabel gewesen. Auch wäre es weit schwieriger gewesen, diplomatische Beziehungen zu unterhalten oder Verhandlungen zu führen. In einer Gesellschaft, in der die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand und der eigene Ruf alles bedeuteten, konnten gute Herolde entscheidende Bedeutung für den Erfolg eines Adelshauses haben. Es handelte sich bei den Herolden also bereits um professionelle Diplomaten. Doch waren sie weit mehr als das. Sie standen ihren Herren sehr nah, fungierte als ständige Berater und kümmerten sich um die professionelle Vermarktung des jeweiligen Adelshauses.

1Vgl. Slater, Stephen (2004). S. 32-33.

Literatur:

Slater, Stephen. Wappen, Schilde, Helme. Eine farbig illustrierte Einführung in die Heraldik. Wien, 2004.

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