Die Rosenkriege 1461-1485 – York gegen Lancaster

Im späten Mittelalter war England bereits von vielen verschiedenen Dynastien regiert worden. Friedlich ging es dabei selten zu. Was aber später als die Zeit der Rosenkriege bekannt werden sollte, war eine der blutigsten Auseinandersetzungen um den Thron, die das Land bis dahin erlebt hatte. Dieser Konflikt, in dessen Zentrum die Adelsfamilien York und Lancaster standen, sollte nicht nur England nachhaltig prägen, sondern auch Eingang finden in die Literatur der kommenden Jahrhunderte. Auch unsere heutige Kultur wird noch von den Rosenkriegen beeinflusst. Die Waringham-Reihe der bekannten Schriftstellering Rebecca Gable und die Reihe „A Song of Ice and Fire“ von George R.R. Martin sind nur zwei Beispiele aus dem Bereich der Literatur. Dazu kommen noch entsprechende TV- und Filmumsetzungen. Doch was macht gerade diesen Konflikt derart faszinierend?

Die Familien York und Lancaster

Jede gute Geschichte braucht charismatische oder unverwechselbare Akteure. Diese hatten sowohl Lancaster als auch York zu bieten. Genau wichtig sind die Geschichten von Liebe, Freundschaft aber auch Verrat. Auch davon lassen sich in den Rosenkriegen einige finden. Beide Adelshäuser waren Nebenlinien der Plantagenets.[1] Somit konnten beide Familien einen legitimen Anspruch auf den englischen Thron ableiten. Den beiden Familien wird die Verwendung von Rosen als Abzeichen nachgesagt, von denen die Auseinandersetzungen dieser Zeit ihren Namen haben. Die weiße Rose für York, die rote für Lancaster. Ob die Rosen tatsächlich die offiziellen Abzeichen waren, lässt sich aber nicht zweifelsfrei beweisen.[2]

Das Vorspiel

Auch wenn der König von England eine große Machtfülle besaß, konnte er nicht ohne die Unterstützung der mächtigen Adelsfamilien des Landes regieren. Sie besaßen große Ländereien, viel Geld und waren in der Lage, eigene Heere aufzustellen. Für die Rosenkriege sind neben den Lancasters besonders drei von ihnen von Bedeutung: Neville, York und Mortimer. Die Yorks konnten theoretisch über Anne Mortimer und ihren Ehemann Richard, Graf von Cambridge dabei gleich doppelt Anspruch auf den Thron erheben. Das sie dies zunächst nicht taten, lag wohl vor allem an den außenpolitischen Erfolgen der Lancasters im Hundertjährigen Krieg.[3]

Aus der Ehe zwischen Anna und Richard ging Richard Plantagenet hervor, der sich später mit der Enkelin Johannes von Gent, Cecily Neville, vermählte. Er war Herzog von York und später Protektor von England.[4]

Heinrich VI.

Heinrich VI.

Margarete von Anjou

Margarete von Anjou

Währenddessen verschlechterte sich die Lage der englischen Truppen in Frankreich erheblich. Unter Jeanne d’Arc gelang es den Franzosen, Gebiete von den Engländern zurück zu erobern. Am englischen Hof kam es zu Zerwürfnissen. Heinrich VI. machte den Fehler, seine beiden Ratgeber Heinrich Beaufort und Wilhelm de la Pole über allen anderen zu favorisieren, was zu Widerständen, insbesondere seitens des Herzogs von Gloucester, führte. Dieser wurde 1447 verhaftet und starb wenig später. Zu allem Überfluss erhoben sich 1450 die Bauern und Handwerker der Grafschaft Kent. Doch nicht nur das einfache Volk revoltierte, auch Teile des Landadels schlossen sich ihnen an. Auch wenn die Rebellion noch im gleichen Jahr zusammenbrach so wurde doch deutlich, dass es nicht nur im Adel, sondern auch im einfachen Volk rumorte. Durch all diese Wirren bestärkt trat nun Richard Plantagenet die Bühne des Geschehens. Er schaffte es, sich als Vertreter der öffentlichen Meinung und als entschiedener Kritiker der Hofpartei um Heinrich VI. darzustellen. Zur selben Zeit wurde immer deutlicher, dass Heinrich VI. an einer ernsthaften Geisteskrankheit litt. Neben Richard erhoben nun auch die Beauforts Anspruch auf den Thron. Richard Plantagenet wies sie allerdings darauf hin, dass Heinrich IV. sämtliche Ansprüche ihrer Familie für nichtig hatte erklären lassen. Es kam zu militärischen Konfrontationen in den Jahren 1450 und 1452, in denen es York jedoch nicht gelang, die Oberhand zu gewinnen.1453 überwarf sich der Earl of Somerset mit dem Grafen von Warwick, Richard Neville. Dieser schloss sich daraufhin York an. Richard Plantagenet gelang es schließlich, Protektor von England und Vorsitzender des königlichen Rates zu werden.[5]

Der Krieg

Der Friede sollte allerdings nicht von langer Dauer sein. 1455 kam es zur Schlacht von St. Albans zwischen York und Somerset, die die Yorkisten für sich entscheiden konnten. Der Herzog von Somerset wurde getötet.[6] Insgesamt sollte es noch 13 weitere Schlachten geben. An erfahrenen Söldnern mangelte es nicht. Nach den zahlreichen Niederlagen in Frankreich waren zahlreiche arbeitslose Soldaten nach England zurückgekehrt. Dazu kamen noch die Adligen des Landes, die entsprechend des Lehnssystems im Kriegsfall ihren Gefolgschaftspflichten nachkommen mussten. Zumindest diese konnten in mittelalterlichen Schlachten im Falle der Niederlage im Normalfall gegen ein Lösegeld freikommen. In den Rosenkriegen ging es allerdings häufig um die Anschuldigung des Verrats. Die Urteile der Sieger wurden daher meist direkt nach der Schlacht vollstreckt. Besser erging es Heinrich VI., der nach der Schlacht von Northampton 1460 von Warwick gefangen genommen und im Tower of London inhaftiert wurde. Dies bedeutete jedoch nicht, dass Richard Plantagenet zum König gekrönt wurde – das Parlament und die königlichen Räte lehnten dies strikt ab. Stattdessen erkannte Heinrich VI. am 31.10.1460 Richard als Erben an und ernannte ihn zum Prinzen von Wales. Doch noch im selben Jahr, am 30.12.1460, wurde Richard in der Schlacht von Wakefield von Truppen der Lancasters getötet. Sein zweiter Sohn Edmund wurde wenig später ermordet. Richards Haupt wurde mit einer Papierkrone versehen und neben dem seines Sohnes und dem des ebenfalls gefallenen Richard Neville in York öffentlich zur Schau gestellt. Richards Nachfolger wurde der 18-jährige Eduard, der zwei Monate später die Lancasters in der Schlacht bei Mortimer’s Cross besiegte. Allerdings war Richard Neville (der älteste Sohn des Grafen von Warwick) von durch Margarete von Anjou geführte Waliser und Schotten geschlagen worden. Es gelang Warwick und Eduard aber, diese Armee in der Schlacht von Towton 1461 zu vernichten und die Lancasters ins schottische Exil zu treiben. Mit der Krönung Eduards am 28.06.1461 waren die Yorks zunächst einmal am Ziel.[7]

Elisabeth Woodville und Eduard IV.

Elisabeth Woodville und Eduard IV.

Eduard IV. heiratete Elisabeth Woodville, was dem Privy Council im September 1464 verkündet wurde. Ein harter Schlag für Warwick, der bereits 1461 plante, den König mit Bonne von Savoyen, der Schwägerin des französischen Königs, zu vermählen. Die komplett ohne sein Zutun oder Rat durchgeführte Hochzeit war nicht nur eine öffentliche Demütigung für den Grafen, der König heiratete zudem deutlich unter seinem Stand. Dementsprechend brachte die Verbindung keine politischen oder militärischen Vorteile.[8]

Warwick verlor am Hof immer mehr an Ansehen, bis es schließlich zum Bruch mit dem König kam. 1469 begab er sich mit seiner Familie nach Calais. Von dort aus plante er seine Aktionen gegen Eduard IV. Er verfolgte das Ziel, den mit seiner Tochter Isabella verheirateten Georg, Herzog von Clarence (den Bruder Eduards) zum König zu machen. In England wurden am 26.07. von Graf Rivers Woodville und dessen Sohn John geführte Truppen besiegt und beide auf Anweisung Warwicks hingerichtet. Der König wurde von Erzbischof Georg Neville von York gefangen genommen. Warwick musste ihn allerdings wieder freilassen, da er es nicht schaffte, ohne königliche Anweisung die Ordnung im Land wiederherzustellen. Auch wenn Warwick zunächst nicht in unmittelbarer Gefahr war, musste er die Unterstützung der alten Königin, Margarete von Anjou, suchen. Vermittelt vom französischen König Ludwig XI. war es ihm 1470 möglich, Frieden mit der ehemaligen Feindin zu schließen. Warwicks jüngste Tochter Anna wurde mit Margaretes Sohn Eduard verheiratet, um das Bündnis zu besiegeln.

Richard Neville, Graf von Warwick

Richard Neville, Graf von Warwick

Von Ludwig XI. militärisch unterstützt setzte Warwick nach England über. Eduard IV. war zunächst gezwungen, ins Exil zu gehen. Warwick leitete inzwischen die Wiedereinsetzung von Heinrich VI. ein und versuchte, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Eduard wurde öffentlich als Usurpator verurteilt, alle seine Beschlüsse für ungültig erklärt und Georg als Nachfolger Heinrichs bestimmt. Dennoch war die Krone für Eduard noch nicht verloren. Viele Menschen im Land waren ihm gewogen. Außerdem hatte ihm seine Frau bereits 1453 einen Sohn und Thronfolger geboren. Nicht zuletzt konnte er auf die Unterstützung Karls des Kühnen zählen.[9] Der Herzog zählte zu den reichsten und mächtigsten Fürsten Europas und unterstützte seinen Schwager mit finanziellen Mitteln und einer großen Flotte, mit der Eduard 1471 nach England übersetzte. Er versöhnte sich mit seinem Bruder Georg und marschierte in Richtung London. Zwei entscheidende Schlachten sollten folgen. Bei Barnet wurde Warwick getötet. In der Schlacht von Tewkesbury starb Heinrichs Sohn. Der alte König kam am 21. Mai 1471 unter bis heute unklaren Umständen im Tower of London ums Leben.[10] Mit seinem Tod endete die direkte Linie des Hauses Lancaster.

Das Ende

Die Rosenkriege endeten nicht mit dem Sieg und dem Tod der wichtigsten Lancastrianer bei Tewkesbury. Eduard IV. konnte aber bis zu seinem Tod 1483 in relativem Frieden regieren und England eine neue Blütezeit bescheren. Noch im selben Jahr übernahm sein Sohn Richard III. die Regentschaft. Doch obwohl seit Tewkesbury viele Jahre vergangen waren, waren noch nicht alle Lancasters ausgelöscht. Heinrich Tudor, rechtzeitig ins Exil geflohen, landete am 7. August 1485 mit französischen und walisischen Söldnern in England. In der folgenden Schlacht von Bosworth wurde das zahlenmäßig stärkere Heer Richards geschlagen und der König getötet. Der Sieger bestieg als Heinrich VII. als erster König der Tudor-Dynastie den Thron. Er heiratete Elisabeth von York, eine Tochter Elisabeth Woodvilles und Eduards IV.[11] Somit wurden die Linien der Yorks und Lancasters schließlich vereint und die Rosenkriege endgültig beendet.

Schlacht von Tewkesbury

Schlacht von Tewkesbury

[1] Vgl.Vollrath, Hanna; Fryde, Natalie (Hg.) (2009). S. 236-237.

[2] Vgl. Wagner, John A. (2001). S. 294f.

[3] Vgl. Brodt, Bärbel (2009). S. 190-191.

[4] Vgl. Vollrath, Hanna; Fryde, Natalie (Hg.) (2009) S. 237.

[5] Vgl. Brodt, Bärbel (2009). S. 193-195.

[6] Vgl. Ebd. S. 195.

[7] Vgl. Ebd. S. 195-199.

[8] Vgl. Ebd. S. 201-203.

[9] Vgl. Ebd. S. 204-208.

[10] Vgl. Ebd. S. 209.

[11] Vgl. Ebd. S. 225-226.

Literatur:

Brodt, Bärbel: Das Haus York und die Rosenkriege (1461-1485). In: Volllrath, Hanna; Fryde, Natalie (Hrgs.): Die englischen Könige im Mittelalter. Von Wilhelm dem Eroberer bis Richard III. 2., durchgesehene Auflage 2009. München, 2004. S. 186-226.

Krieger, Karl-Friedrich: Das Haus Lancaster (1377-1461). In: Volllrath, Hanna; Fryde, Natalie (Hrgs.): Die englischen Könige im Mittelalter. Von Wilhelm dem Eroberer bis Richard III. 2., durchgesehene Auflage 2009. München, 2004. S. 150-185.

Volllrath, Hanna; Fryde, Natalie (Hrgs.): Die englischen Könige im Mittelalter. Von Wilhelm dem Eroberer bis Richard III. 2., durchgesehene Auflage 2009. München, 2004.

Wagner, John A.: Encyclopedia of the Wars of the Roses. Santa Barbara, 2001.

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5 Kommentare zu “Die Rosenkriege 1461-1485 – York gegen Lancaster

  1. amyrobsart sagt:

    Ein interessanter Artikel, für Laien, die sich einfach nur für Geschichte begeistern ein guter Überblick. Aber eine Sache verwirrt mich: Ist Richard III. nicht der jüngste Bruder von Edward of March bzw. Edward IV. gewesen? Der eigentliche Thronfolger sollte Edward V. sei, zu dessen Krönung es aber nicht kam und der mit seinem kleinen Bruder Richard im Tower verschwand?
    Liebe Grüße A.

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    • robson sagt:

      Ja da hast du Recht. Der spätere Richard III. war der Bruder. Das ist auch jener Richard III., der sogar von Shakespeare mit einem Werk bedacht wurde. Die Söhne Edward IV. verschwanden im Tower of London unter ungeklärten Umständen. Es gab im 17 Jh. einen Fund von zwei Skeletten, die den beiden Vermissten entsprachen. Über die Ursachen des Todes der Beiden kann man jedoch nur spekulieren. Es gibt Meinungen, die sagen, es war auf Veranlassung Richard III. und andere wiederum sagen, es war auf Veranlassung Henry Tudors. Ich persönlich denke ersteres.

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      • Gabriele sagt:

        Es kann aber auch der Duke of Buckingham gewesen sein, welcher für den Tod der beiden Prinzen verantwortlich war – ich persönlich glaube nicht, dass Richard seine Neffen ermorden ließ – loyaulte me lie

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  2. chris sagt:

    Interessanter Artikel, aber neben der Tatsache, dass Richard III. der Bruder von Eduard IV war, ist wohl auch eine Jahreszahl nicht ganz zutreffend: Eduard Thronfolger kann nicht bereits 1453 zur Welt gekommen sein.

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  3. Petyr Baelish sagt:

    Sehr guter Blog! Aber ich denke der größte Fehler Henry VI war Somerset zu seiner rechten Hand zu machen, denn das frustrierte Richard Duke of York deutlich mehr, da Somerset in seinen Augen ein Verräter und der eigentlich Grund für die Probleme in England war.

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