Die Schlacht von Hastings 1066 – Kampf um ein Königreich

Als die mittelalterlichen Königreiche Westeuropas das erste Mal in den Kontakt mit den Nordmännern kamen wird sich noch niemand hat vorstellen können, welch gewichtige Rollen ihre Anführer in der zukünftigen Politik spielen würden. Aus den Seeräubern wurden zunächst Armeen, von denen einige von den Königen des Frankenreichs angeworben wurden und denen zum Teil sogar Siedlungsgebiete zugesprochen wurden. Vermutlich 911 wurde Wikingern aus Dänemark und Norwegen das Gebiet der Normandie als Lehen zugesprochen. Ihren Namen erhielt dieser Landstrich von diesen Nordmännern, die sich größtenteils mit einheimischen Frauen vermählten.

Dänische Heere eroberten große Teile Englands und schufen dort eigene Reiche. Trotz andauerndem Abwehrkampf der Angelsachsen konnten die Dänen nicht mehr von der Insel vertrieben werden. 1013 führte der Dänenkönig Sven Gabelbart eine Invasion Englands an. Nach seinem Tod 1014 folgte ihm sein Sohn Knut nach. 1016 besiegte er den englischen König Edmund Ironside in der Schlacht von Assandun und ließ sich Weihnachten zum König krönen. Ein Jahr später heiratete er Emma von der Normandie, auf die der spätere Wilhelm der Eroberer seine Ansprüche auf den englischen Thron zurückführte. Knut starb 1035. Ihm folgten seine Söhne Harald und Hardiknut nach. Nach Hardiknuts Tod übernahm sein Stiefsohn Eduard der Bekenner die Krone. Dieser sollte bis zu seinem Tod 1066 König bleiben.

Auf seinem Totenbett soll Eduard Harold Godwinson zu seinem Nachfolger bestimmt waren. Wenig später wurde dieser vom Witan[1] in dieser Rolle bestätigt. Wilhelm der Eroberer ließ auf dem Teppich von Bayeux darstellen, dass Harold ihm zuvor den Eid geschworen habe, ihm im Streben nach dem englischen Thron zu unterstützen. Ob dies tatsächlich und vollständig freiwillig geschah, ist allerdings nicht nachzuweisen. Immerhin war Harold nach einem Schiffbruch kurzzeitig in die Gefangenschaft des normannischen Adligen Guy de Ponthieu geraten, aus der er von Wilhelm befreit wurde. Zudem befand sich Harolds Bruder in normannischer Geiselhaft. Auf jeden Fall stellte dieser Eidbruch einen wichtigen Legitimationsgrund für das spätere militärische Vorgehen Wilhelms dar.

Harald II. auf dem englischen Thron

Harald II. auf dem englischen Thron

Nach Harolds Krönung zu Harald II. musste sich der Angelsachse gegen eine Armee unter dem norwegischen König Harald III. Hardråde erwehren, die in Nordengland mit 300 Schiffen anlandete. Diese konnte aber in der Schlacht bei Stamford Bridge am 25. September 1066 besiegt werden. Zeit zur Erholung blieb nicht. Schon kurz nach der Schlacht erhielt Harald II. die Nachricht, dass die normannische Armee unter Wilhelm in See gestochen war. Dieser hatte sich zuvor abgesichert, indem er sich der Unterstützung des Papstes Alexander II. versicherte. Sogar eine von diesem gesegnete Flagge führte er mit sich. Wilhelms Heer soll insgesamt ca. 5-6.000 Mann umfasst haben, von denen allerdings nicht alle aus der Normandie kamen. Auch Söldner aus der Bretagne, Flandern und anderen Fürstentümern verstärkten Wilhelms Truppen. [2] Harald II. konnte auf ca. 4.000 Krieger zurückgreifen, darunter die berüchtigten Huscarls. Dies waren in Kettenhemd und Helm kämpfende Elitekrieger, die lange Äxte und Schilde einsetzten. Der größte Teil des angelsächsischen Heeres wurde aber durch die Fyrd gebildet, einfache Bauern, die Wehrdienst leisteten. Pferde waren den Angelsachsen zwar bekannt, allerdings stiegen sie vor einer Schlacht ab und kämpften zu Fuß. Auch Wilhelm stützte sich auf Lehnsaufgebote. Allerdings konnte er auf adlige Reiterkrieger und Söldner zurückgreifen.

Der Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzung wurde aus normannischer Sicht in drei wichtigen Quellen festgehalten: Dem „Carmen de Hastingae Proelio“ von Guy, Bischof von Amiens (1068); der „Gesta Guillelmi“ des Wilhelm von Poitiers (1071-77) und auf dem Teppich von Bayeux, der zwischen 1077 und 1082 auf Anordnung von Wilhelms Bruder Bischof Odo geschaffen wurde. Direkt nach der Landung des normannischen Heeres an der Küste Südenglands ließ Wilhelm ein Fort errichten, um den Landeplatz und die Schiffe zu schützen. Zudem ließ er umliegende Dörfer plündern, um Harald II. zum Handeln zu zwingen.[3] Die angelsächsische Armee bezog auf dem Senlac-Hügel Position und bildete einen Schildwall. Wilhelm ließ sein Heer am Fuß des Hügels in drei Abteilungen antreten. Er selbst befand sich in der Mitte der Formation, in Gesellschaft seiner normannischen Gefolgsleute.[4]

Battle_of_Hastings-battleplan

Eröffnet wurde die Schlacht durch normannische Bogen- und Armbrustschützen, die allerdings gegen den angelsächsischen Schildwall nicht viel ausrichten konnten. Auch der anschließende Reiterangriff wurde abgewehrt. Zunächst scheiterten zudem Versuche, die Angelsachsen durch vorgetäuschte Flucht zu einem Auflösen ihrer Formation zu bewegen.[5] Wilhelm von Poitiers beschreibt, dass diese Methode nach und nach allerdings zu Erfolgen geführt habe und der Schildwall so Lücken bekam.[6] Nach und nach wurde das Heer Haralds II. dezimiert, bis schließlich der König selbst durch einige normannische Reiter getötet wurde. Durch dieses dramatische Ereignis kippte die Stimmung in der angelsächsischen Armee, die sich schließlich auflöste und zur Flucht wandte.

Harald II. wird in der Schlacht getötet

Harald II. wird in der Schlacht getötet

Letzten Endes haben wir es den Schlachtverlauf betreffend nicht mit außergewöhnlichen stratgischen Winkelzügen zu tun. Der Schildwall der Angelsachsen wurde stets frontal angegriffen und konnte dementsprechend zunächst nicht überwunden werden. Die Angelsachsen machten keine Anstalten, ihre vorteilhafte Position auf dem Hügel aufzugeben. So war der Ausgang der Schlacht zu Beginn der Kampfhandlungen komplett offen. Entscheidend war, welche Seite ihre Disziplin am längsten aufrechterhalten konnte. Nicht zufällig waren die Huscarls zum großen Teil zwischen den kämpfenden Bauern positioniert. Beide Seiten waren sich außerdem darüber im Klaren, dass eine Niederlage schwerwiegende Folgen haben würde. Auch das normannische Heer war vor kritischen Momenten nicht gefeit. So konnte eine Flucht durch Wilhelms persönlichen Einsatz im letzten Moment verhindert werden. Er betont ausdrücklich, dass man England nur im Falle des Sieges lebend werde verlassen können.[7] Für Harald II. ging es mindestens um den Thron. Mit Gnade wird er nicht gerechnet haben. Am Ende löste sich der angelsächsische Schildwall mehr und mehr auf und es kam zu erbitterten Nahkämpfen, in die nun auch die normannischen Panzerreiter eingreifen konnten. Mit dem Tod Haralds II. war die Schlacht praktisch entschieden, ohne Anführer konnte die Armee nicht zusammen gehalten werden.

Wilhelm gibt sich seinen Truppen zu erkennen, um Gerüchte über seinen Tod zu zerstreuen

Wilhelm gibt sich seinen Truppen zu erkennen, um Gerüchte über seinen Tod zu zerstreuen (2. von links)

Am Ende des Tages war Wilhelm siegreich und viele Angelsachsen lagen tot auf dem Schlachtfeld. Der erste Schritt der Eroberung Englands war getan, viele sollten folgen. Der Eroberungszug würde noch einige Zeit dauern und viele weitere Menschenleben fordern, bis das Land unter normannischer Kontrolle war. Die Führungsschicht wurde nach und nach ausgetauscht und die einzelnen Gebiete durch den Bau von Burgen gesichert. Mit dem Domesday Book verschaffte Wilhelm I. England erstmals ein akkurates Grund- und Rechtsbuch, das die Grundlage bildete für ein effizientes Geld- und Steuerwesen auf der Insel. Auch wirkte es sich zentral auf die Rechtsprechung aus. Zudem wurden viele französische Vokabeln eingeführt, die sich auf die englische Sprache auswirken sollten. Wilhelm I. hatte zeitlebens mit Aufständen und Angriffen auf seinen Herrschaftsbereich zu kämpfen, unter anderem sogar mit Mitgliedern seiner Familie. Zudem musste er sich mit dem französischen König Philipp I. auseinandersetzen. Wilhelm starb am 09. September 1087 und wurde in Caen beigesetzt.

[1] Höchster Rat der Angelsachsen.

[2] Vgl. Plassmann, Alheydis (2008). S. 160-169.

[3] Vgl. Guy von Amiens. Z. 141-154.

[4] Vgl. Wilhelm von Poitiers. II, 16.

[5] Vgl. Guy von Amiens. Z. 414-447.

[6] Vgl. Wilhelm von Poitiers. II, 20.

[7] Vgl. Guy von Amiens. Z. 450-453.

Quellen:

Guy Bishop of Amiens. The Carmen De Hastingae Proelio. Bearb. V.H. Galbraith, R.A. Mynors, C.N.L. Brooke. London, 1972.

Wilhelm von Poitiers. Gesta Guilelmi. Bearb. und Übers. R.H.C. Davis, Marjorie Chibnall. Oxford, 1998.

Literatur:

Plassmann, Alheydis. Die Normannen. Erobern – Herrschen – Integrieren. Stuttgart, 2008.

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