Köln: Die militärische Organisation einer spätmittelalterlichen Stadt

In diesem Artikel möchte ich mich damit befassen, wie eine Stadt im Spätmittelalter für ihre Sicherheit und ihren Fortbestand sorgte. Viele Städte bildeten bereits seit dem Hochmittelalter eigene politische Einheiten oder waren Zentren der Herrschaftsbereiche mächtiger Fürsten. Aus diesem Grund war es für sie unverzichtbar, militärisch unabhängig vom Kaiser handeln zu können. Mehr noch, es war absolut notwendig, wenn man auf der politischen Bühne eine Rolle spielen wollte. So war auch Köln immer wieder in politische Ränkespiele und militärische Aktionen verwickelt und mehr als einmal wurde das Erzstift Köln und auch die Stadt selbst durch äußere Feinde bedroht.

Holzschnitt aus der Chronica van der hilligen stat van Cöllen. Cöllen 1499

Holzschnitt aus der Chronica van der hilligen stat van Cöllen 1499.

Die Gemeinde der Stadt Köln war in 22 Gaffeln gegliedert, die auch die Grundlage der Wehrverfassung bildeten. Es war die Pflicht jeden Bürgers der Stadt, einen Harnisch zu besitzen. Zusätzlich zu den Gaffeln gab es eine Einteilung in die sogenannten Kirchspiele, die die Flexibilität im Ernstfall deutlich erhöhten.[1] Die Bürger waren aber nicht nur wehrpflichtig im Falle eines Angriffes, sie mussten auch beim Bau und später beim Erhalt der städtischen Wehranlagen mithelfen. Kam es zum Krieg, konnte von ihnen darüber hinaus eine Kriegssteuer erhoben werden. Mitte des 15. Jahrhunderts bestand die vorgeschriebene Mindestausrüstung aus Harnisch, Eisenhut, Armbrust und einem Paar Handschuhe. Dennoch war das Aufgebot an Bürgern wohl wenig diszipliniert, was immer wieder zu Problemen führte. So geht Wübbeke davon aus, dass die Entsendung des Bürgeraufgebots zu den Steinen bei Neuss der dringenden Notlage der Stadt geschuldet war und nicht davon ausgegangen werden konnte, dem Heer Karls des Kühnen ernsthaft etwas entgegen setzen zu können. Um die Schlagkraft des Bürgeraufgebots zu erhöhen, wurden zusätzlich bestimmte Fachleute eingestellt. So waren es vor allem die finanziellen Möglichkeiten der Bürger, die die Stadt Köln zu einer militärisch durchaus ernst zu nehmenden Einheit machte. Dazu trugen auch die Frauen bei, die das volle Bürgerrecht besaßen.[2] Aus den Reihen der Bürger wurden auch verschiedene Ämter besetzt. Es gab zwei Rentmeister, die für vor allem Befestigungen und Geschütze betreffende Ausgaben zuständig waren. Zwei Wachtmeister zeichneten sich verantwortlich für Wachwesen und Verteidigung. Zwei Stimmmeister schätzten den Wert der Pferde der Söldner (was für eventuelle Schadensersatzforderungen dieser wichtig war) und kümmerten sich ebenfalls um die Bewachung der Stadt.[3]

Die militärische Führung oblag dem Rat der Stadt. Dieser konnte grundsätzlich alleine Entscheidungen treffen, es sei denn es handelte sich um eine Heerfahrt, Bündnisse, Verträge, Kreditaufnahmen und Ausgaben, die 1.000 Gulden überschritten. In diesen Dingen mussten je zwei Vertreter der Gaffeln hinzugezogen werden.[4]

Die Stadt unterhielt seit dem 13. Jahrhundert eine Truppe aus berittenen Söldnern, Büchsenmeistern, Armbrust-, Pulver- und Windenmachern. Eine weitere, sehr wichtige und angesehene Gruppe, stellten die städtischen Schützen dar. Ihre Aufgabe war die Sicherung der Stadt in Krisenzeiten sowie die Bewachung der Stadtmauern und des Rheins.[5] Diese Fachleute waren sehr bedeutend. Die Büchsenmeister hatten sich aus dem Schmiede- und Glockengießerhandwerk entwickelt. Köln verfügte im späten Mittelalter über ein größeres Arsenal an Geschützen. Im Dienst der Stadt stehende Büchsenmeister sind erstmals in den Jahren 1365-1382 belegt, erste Pulvergeschütze seit dem 13. März 1370. Diese wurden im Belagerungsfall auf den Stadtbefestigungen in Stellung gebracht. Die Büchsenmeister mussten Pulver herstellen können, Bollwerke errichten und mit ihren Büchsen zielen und feuern können. Zum Schutz der Geschütze wurden von Zimmerleuten spezielle Schutzschirme hergestellt.[6]

In Dienst gestellt wurden seit 1380 auch die Hauptleute, die diese Truppen anführen sollten. Ab 1425 war dies immer nur ein Hauptmann, der einen befristeten Dienstvertrag bekam.[7] Während des Neusser Krieges wurde dieser Posten mit Johann van Elsich besetzt, der aus einer angesehenen Kölner Familie stammte und mehrfach Ratsherr war. 1474 erhielt er die Aufgabe, alle von der Kriegskommission genannten Personen der Stadt zu verweisen oder gefangen zu nehmen, eine durchaus übliche Praxis. Am 01. Januar 1475 wurde er offiziell als Rittmeister mit drei Berittenen in Dienst genommen. Auch wenn darauf geachtet wurde, diese wichtige Position nur mit Personen zu besetzen, denen man vertrauen konnte, so führte van Elsich während des Neusser Krieges ein sehr eigenmächtiges Regiment und musste mehrfach vom Rat aufgrund von Plünderungen ermahnt werden.[8]

Über die stehende Truppe hinausgehenden Söldner wurden immer für einen bestimmten Einsatzzweck und Zeitraum unter Vertrag genommen. Eingeteilt wurden diese in Gleven, wobei eine Gleve aus einem schweren Reiter und seiner Mannschaft bestand. Köln hatte durch seine weitreichenden Kontakte und seine hohe Finanzkraft die Möglichkeit, sehr schnell und in hoher Zahl Söldner anzuwerben.[9] Eine Besonderheit war, dass die Stadt in den Soldverträgen festlegen ließ, dass sie im Nachhinein nicht für Schäden an Leib und Ausrüstung der Söldner haftbar gemacht werden konnte. Weiterhin wurden die Pflichten der Söldner vertraglich festgehalten. Neben der Beistandspflicht mussten sie auch bei der Bekämpfung von Feuer helfen, Geleit geben und Wachdienste übernehmen. Dafür wurde ihnen eine regelmäßige Bezahlung versprochen, sie durften einen bestimmten Teil der Beute behalten und erhielten außerdem Prämien für Gefangene.

Versorgt wurden die Söldner zum Teil durch die Stadt, zum Teil mussten sie sich selbst versorgen. Zu diesem Zweck wurde ein zusätzlicher Sold gezahlt und dafür gesorgt, dass in der Nähe des Lagers ein Markt zugänglich war.

Ihre Ausrüstung mussten die Söldner selbst stellen. Sie sollte aus Panzer, Hose, Beinschienen, Handschuhen, Gürtel, Armbrust und Schwert bestehen.[10]

Die Ursprünge Kölns: Die Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Die Ursprünge Kölns: Die Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Insgesamt war die Stadt Köln also eine sehr wehrhafte Stadt. Sie war seit der Zeit unter den Römern, als sie noch als Colonia Claudia Ara Agrippinensium bekannt war, befestigt. Im späten 12. Jahrhundert maß das Stadtgebiet auf der Nordsüdachse 3.075 Meter und auf der Ostwestachse 1.575 Meter. Die verschiedenen Torbauten stellten mächtige Bollwerke dar, die mit Geschützen versehen werden konnten und auch die Rheinseite war befestigt.[11]


[1] Vgl. Wübbeke, Brigitte Maria (1991). S. 53-57.

[2] Vgl. Ebd. S. 58-67.

[3] Vgl. Ebd. S. 75-79.

[4] Vgl. Ebd. S. 73.

[5] Vgl. Ebd. S. 68-71.

[6] Vgl. Ebd. S. 160-163.

[7] Vgl. Ebd. S. 94-96.

[8] Vgl. Ebd. S. 104-110.

[9] Vgl. Ebd. S. 122-127.

[10] Vgl. Ebd. S. 143-151.

[11] Vgl. Ebd. S. 195-198.

Literatur:

Wübbecke, Brigitte Maria. Das Militärwesen der Stadt Köln im 15. Jahrhundert. (Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte; 91). Stuttgart, 1991.

 

In eigener Sache: „Das Mittelalter – Der Blog“ ist eine nicht-kommerzielle Seite, die ich in meiner Freizeit betreibe. Die Seite wird auch zukünftig trotz eines hohen Aufwandes kostenlos bleiben. Ich würde mich daher wirklich sehr über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

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