Das Herzogtum Burgund und das Heilige Römische Reich: Die Soester Fehde 1444-1449

Das Herzogtum Burgund entwickelte sich im späten Mittelalter zu einer bedeutenden Macht in Westeuropa. Besonders bedeutend wurde es unter Herzog Philipp dem Guten, der es zu einem der reichsten und einflussreichsten Mächte werden lassen sollte, wenn auch nur für eine relativ kurze Zeit. Aufgrund seiner dennoch nicht unwesentlichen Bedeutung möchte ich mich in einigen Artikeln näher mit diesem interessanten Reich und seinen nicht minder faszinierenden Herrschern etwas näher befassen.

Eine wichtige Episode in den Beziehungen zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Burgund stellt die Soester Fehde dar. Auslöser für diesen Konflikt war der Übertritt der Stadt Soest vom Erzstift Köln in die Herrschaft des Herzogs Johann von Kleve. Aus diesem Grund verhängte der deutsche Kaiser Friedrich III. am 15. Januar 1445 die Acht über die Stadt. Philipp von Burgund griff zunächst nicht aktiv in die Auseinandersetzung ein, sondern beschränkte sich bewusst auf die Rolle als neutraler Vermittler. Als Leiter der Verhandlungen zwischen dem Erzstift und dem Klever Herzog nahm er allerdings eine Position ein, die eigentlich lediglich einem deutschen König zugestanden hätte. Nach dem Scheitern der Verhandlungen änderte sich Philipps neutrale Haltung merklich. Insbesondere, als sich eine Koalition aus Köln, Trier und Frankreich unter sächsischer Beteiligung im Jahr 1445 formierte. Damit war erstmals burgundisches Territorium in Gefahr. Dies hatte zum Ergebnis, dass Johann von Kleve erstmals mit aktiver burgundischer Hilfe rechnen konnte.

Johann I. von Kleve (1419-1481)

Johann I. von Kleve (1419-1481)

Doch auch jetzt noch versuchte Philipp, den Kölner Erzbischof zum Einlenken zu bewegen, indem er ihm 1446 die volle erzbischöfliche Titulatur zustand. 1448 sandte der Papst schließlich die Kardinallegaten Nikolaus von Kues und Johann Carvajal, um einen Frieden zu vermitteln.

Die Folgen der Soester Fehde sollten entscheidend für die weitere Entwicklung im niederrheinischen Raum sein. Da der Kölner Erzbischof und seinen Verbündeten Soest nicht erobern konnten, blieben sie auf den Kosten für ihre zahlreichen Söldner sitzen. Dies führte zu einer finanziellen Schwächung des Erzstiftes. Zudem festigte sich das klevisch-burgundische Bündnis.[1]

Die hier zum Einsatz kommenden Söldner waren eigentlich angeworben worden, um auf der Seite Herzog Wilhelms III. von Sachsen gegen seinen Bruder Friedrich II. zu kämpfen. Doch bereits am 12. Mai 1447 kam es zu einem Waffenstillstand. Der Kölner Erzbischof Dietrich hatte bereits 1445 versucht, die Kurfürsten von Sachsen mit ihren böhmischen Söldnern zu einem Eingreifen in die Soester Fehde zu bewegen. Nach dem Abschluss des Waffenstillstandes unternahm er einen weiteren Versuch. Der Kölner beabsichtigte, die Söldner in seine Dienste zu nehmen und gegen seine Feinde einzusetzen. Wilhelm sollte insgesamt 12.000 Mann nach Westfalen bringen. Dietrich verpflichtete sich vertraglich, pro Söldner und Woche einen Gulden zu zahlen. Herzog Wilhelm verlangte 50.000 Gulden, einen Drittel der Beute und der Gefangenen. Auch musste ihm der Erzbischof zusichern, ihm in einem Streit mit dem Herzog Philipp von Burgund um 120.000 ungarische Gulden beizustehen. Herzog Wilhelm hätte sogar noch einen höheren Gewinn gemacht, da er von Dietrich für jeden einzelnen Söldner mehr erhielt, als er wiederrum diesem zu zahlen verpflichtet war. Allerdings musste Wilhelm zunächst zusätzlich zu den 6.000 böhmischen Söldnern weitere 6.000 Männer im Thüringen rekrutieren.[2]

Die Überführung des Heeres nach Westfalen war kein einfaches Unterfangen, zum einen aufgrund der zahlreichen verschiedenen Herrschaftsgebiete, zum anderen aufgrund der schwierigen Versorgungslage. Schnelle Erfolge waren dementsprechend wichtig. Am 14. Juni 1447 eroberte Dietrich Blomberg vom Grafen von Lippe, was weitere Städte dazu bewegte, Verhandlungen Vorzug vor Widerstand zu geben. Die hier erzwungenen Zahlungen und Proviantlieferungen sicherten schließlich die weitere Versorgung des Heeres. Vom 20. bis zum 29. Juni 1447 wurde Lippstadt mit 15.000 Mann belagert, allerdings erfolglos. Hierfür waren wohl u.a. Versorgungsschwierigkeiten verantwortlich, das Heer konnte aus der Umgebung nicht allzu lange versorgt werden. Doch trotz allem schaffte es der Erzbischof, mit seinen Truppen am 30. Juni vor Soest zu erscheinen. Doch obwohl ein erster Ausfall der Soester Reiter erfolgreich abgewehrt und das vor den Toren der Stadt gelegene Walburgis-Kloster eingenommen wurde, konnte Soest nicht erobert werden. Dies war für die Heerführer insofern besonders problematisch, als sie aufgrund der erwarteten aber nie erlangten reichen Beute aus der Hansestadt den Söldnern diverse große Versprechungen gemacht hatten. Ein Scheitern der Belagerung war nie eine Option gewesen. Dies war ein entscheidender Grund dafür, dass der Kölner Erzbischof und damit das Erzstift eine entscheidende finanzielle Schwächung erfuhr, nachdem die Belagerung am 21. Juli abgebrochen werden musste.[3]

Herzog Philipp der Gute von Burgund (1396-1467)

Herzog Philipp der Gute von Burgund (1396-1467)


[1] Vgl. Ehm-Schnocks, Petra (2002). S. 38-43.

[2] Vgl. Tresp, Uwe (2004). S. 139-143.

[3] Vgl. Ebd. S. 145-150.

Literatur:

Ehm-Schnocks, Petra. Burgund und das Reich. Spätmittelalterliche Außenpolitik am Beispiel der Regierung Karls des Kühnen (1465 – 1477). (Pariser historische Studien; 61). München, 2002.

Tresp, Uwe. Söldner aus Böhmen. Im Dienst deutscher Fürsten: Kriegsgeschäft und Heeresorganisation im 15. Jahrhundert. (Krieg in der Geschichte (KRiG); 19). Paderborn, 2004.

 

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