Die mittelalterliche Stadt und das Stadtrecht

Die Stadt als Siedlungsform war keine Erfindung des Mittelalters. Die Städte in Europa entwickelten sich auf der Grundlage der griechischen polis und der römischen colonia bzw. castra. Die Stadt unterlag aber während des Mittelalters einer Vielzahl wichtiger Entwicklungen und wies bestimmte Charakteristika auf. Städte konnten verschiedene Funktionen und Formen besitzen. Monofunktionale Städte waren auf eine einzige Funktion ausgerichtet, beispielsweise den Bergbau. Diese Städte hatten meist nur wenige oder gar keine Verbindungen mit ihrem Umland. Polyfunktionale Siedlungen dagegen besaßen vielschichtige Bedeutungen. Diese Städte hatten nicht nur mit ihrem Umland zu tun, sondern je nach Größe und Bedeutung auch mit weiter entfernten Gebieten, anderen Städten und Herrschern. Wichtig waren hier vor allem der Handel und das Gewerbe, wobei der Handel die wichtigere Rolle einnahm. Für den Handel war vor allem die Lage der Stadt wichtig, beispielsweise die Anbindung an die Handelswege über Land und Wasser.

Darüber hinaus dienten bedeutende Städte als Verwaltungs- und Regierungssitze eines Landes oder auch einer bestimmten Region, abhängig von den jeweiligen politischen Entscheidungen der Herrscher. Neben Wirtschaft und Politik spielten Städte wichtige Rollen in Bildung und Religion, wenn sie geistliche Sitze, Bibliotheken und Universitäten beherbergten. Sie konnten auch Wallfahrtsorte sein, wenn sie Reliquien von Heiligen aufbewahrten oder an einem religiös bedeutendem Ort lagen.[1]

Die Städte im mittelalterlichen Europa unterschieden sich deutlich von den Siedlungen auf dem Land. Sie besaßen das Stadtrecht, was ihnen eine ganze Reihe von Rechten einräumte. Dieses Recht erhielten sie entweder direkt bei ihrer Gründung oder nach einiger Entwicklungszeit, wenn eine Siedlung zur Stadt erhoben wurde. Zentraler Aspekt des Stadtrechts waren die Freiheit ihrer Bürger sowie deren Recht auf Grundbesitz und die Vererbung ihrer Besitztümer. Auch die Gerichtsbarkeit lag bei den Bürgern.[2]

Für die Zukunft sollte das Stadtrecht des Mittelalters entscheidende Entwicklungen anstoßen. Das Recht auf Handel und Kredit, das Arbeitsrecht, Strafrecht sowie Prozessrecht haben ihren Ursprung im mittelalterlichen Stadtrecht.[3]


[1] Vgl. LexMA. Bd. 8, Sp. 29-32.

[2] Vgl. LexMA. Bd. 8, Sp. 24.

[3] Vgl. LexMA. Bd. 8, Sp. 26.

Ratssitzung aus dem Codex Monacensis

Ratssitzung aus dem Codex Monacensis

 

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