Wer waren die „Raubritter“?

Raubritter

Insbesondere im 18. und 19.  Jahrhundert, einer Zeit des besonders romantischen Blicks auf das deutsche Mittelalter, entstanden eine ganze Reihe von Geschichten über Raubritter. Hier waren es die Anführer von Räuberbanden, die in verfallenen Burgen im Wald hausten und von dort aus Überfälle auf Reisende, Dörfer oder gar Städte durchführten. Doch wer waren diese Ritter wirklich?

Um das Phänomen des Raubritter verstehen zu können muss man sich die mittelalterliche Fehde in Erinnerung rufen. Es gab ein Fehderecht, in dem genau festgelegt war, wann eine Fehde erlaubt war, wie sie einzuleiten war und welche Regeln man im allgemeinen befolgen musste. So eine Fehde wurde meist durch das Überbringen eines Fehdebriefes eröffnet und war im Grunde dazu da, eine Vermittlung in einem bestimmten Konflikt zu erreichen. Im Vorfeld war eine friedliche Einigung in der Regel gescheitert oder einer der Fehdeführer sah keine Möglichkeit, in einem bestimmten Gebiet ein gerechtes Urteil zu erreichen. Das war meistens dann der Fall, wenn die Gerichte unter der Kontrolle von demjenigen standen, gegen den prozessiert werden sollte. So wurde eine Fehde in vielen Fällen von ärmeren und/oder weniger mächtigen Adligen erklärt, die keine andere Möglichkeit sahen, sich gegen ein vermeintliches Unrecht zur Wehr zu setzen. Im gleichen Zuge bot eine Fehde immer auch die Aussicht auf mehr oder weniger reiche Beute, beispielsweise wenn ein Adliger eine Fehde gegen eine Stadt führte und die Händler auf dem Weg in die Stadt überfielen. So nutzten viele verarmte Adlige diese Möglichkeit, um vielleicht wieder zu Geld zu kommen. Dennoch, sich in einer Fehde befindenden Ritter sind keineswegs mit Räuberbanden gleichzusetzen.

Gut und Böse hingen in diesem Fall, wie meistens, vom jeweiligen Standpunkt ab. Auch wenn der Adlige unter Umständen im Recht war, so sah die Stadt dies mit Sicherheit ganz anders. Wenn der fehdeführende Adlige in die Hände der Stadt geriet, konnte er nicht immer mit Verständnis rechnen, zu Hinrichtungen kam es in mehreren Fällen.

So konnte sich also der Adlige durchaus im Recht fühlen, während er aus Sicht der Bürger lediglich ein übler Räuber, Plünderer und Mörder war. Auf der anderen Seite gab es aber auch durchaus Adlige, auf die diese Bezeichnungen durchaus zu trafen.

Schon im frühen Mittelalter gab es bald Probleme mit Rittern, die in Friedenszeiten immer wieder Fehden begannen. Auch wenn das Fehderecht diese vorsah, wurden sie schnell zu einem wirklichen Problem für die Zivilbevölkerung und letztlich auch für die Herrschenden. Nicht zufällig versuchte die Kirche, diese Konflikte u.a. durch den Kirchenfrieden zu begrenzen und christliche Ritter zum Kampf gegen Muslime in Spanien oder im Heiligen Land zu bewegen.

Es sollte deutlich geworden sein, dass es keine einheitliche Definition, ja nicht einmal eine genaue zeitliche Eingrenzung des Begriffes „Raubritter“ gibt. Und tatsächlich gab es ihn zur Zeit des Mittelalters nicht. Fehden und die damit verbundene Verwüstung der Landstriche des Gegners sind die Grundlage für die Legenden, in denen diese raubenden Ritter die Hauptrolle spielen.

 

In eigener Sache: „Das Mittelalter – Der Blog“ ist eine nicht-kommerzielle Seite, die ich in meiner Freizeit betreibe. Die Seite wird auch zukünftig trotz eines hohen Aufwandes kostenlos bleiben. Ich würde mich daher wirklich sehr über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

x-click-but04

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s