Wie finde ich Literatur und Quellen zum Mittelalter?

Für die Literatur- und Quellensuche stehen eine ganze Reihe von nützlichen Werkzeugen bereit. Bevor man sich nun aber voller Elan in die Recherche stürzt, sollte man ein paar Überlegungen im Voraus anstellen.

1) Zu welchem Thema möchte ich recherchieren? Gibt es bestimmte Zeitabschnitte? Bestimmte Orte und/oder Personen? Gilt das Interesse eher sozialen, wirtschaftlichen oder technischen Bereichen?

2) Zu welchem Zweck möchte ich recherchieren? Geht es um generelle Informationen zu einem bestimmten Thema? Oder sollte es schon etwas spezifischer sein, beispielsweise für die Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit?

3) Suche ich lediglich Literatur, oder sollen es auch Quellen sein?

4) Möchte ich nur vor Ort suchen oder bin ich bereit, Geld für Fernleihen oder Kopien auszugeben?

Vorweg noch eine kurze Erklärung zum Unterschied von Monographien und Aufsätzen. Monographien sind ganz einfach Bücher, die von einem Autor, u.U. in Zusammenarbeit mit einem anderen Autor, verfasst wurden. Aufsätze finden sich entweder in Sammelbänden oder in Zeitschriften. Mit Zeitschriften sind wissenschaftliche Zeitschriften gemeint. Sie erscheinen regelmäßig und enthalten die aktuelle Forschungsdiskussion und Rezensionen zu bestimmten Themengebieten. Aus diesem Grund ist die Verwendung von Zeitschriftenartikeln für eine wissenschaftliche Arbeit sehr wichtig.

Der einfachste Schritt ist zunächst die Suche in den Bibliotheken vor Ort. Öffentliche Bibliotheken, beispielsweise die der Stadt, bieten ein großes Angebot an nichtwissenschaftlicher Literatur. Die erkennt man am besten daran, dass die Bücher keinen Anmerkungsapparat enthalten und größtenteils Überblicksinformationen enthalten. Dafür findet man sehr häufig Werke zur lokalen Geschichte. Die wissenschaftliche Literatur findet man in den Universitätsbibliotheken, die man in den meisten Fällen nicht nur als Student nutzen kann. Suchen muss man in beiden Fällen nicht vor Ort, sondern kann dies in den Online-Katalogen im Vorfeld tun. Manchmal sind manche Werke auch nur im Magazin vorhanden und müssen vorher online vorbestellt werden. Möchte man besonders wertvolle Bücher anschauen, kann man dies nur in einem Sonderlesesaal der Bibliothek tun. Dies gilt ebenso für Quellen, die in der Bibliothek aufbewahrt werden.

Es lohnt sich auch ein Blick in das Literaturverzeichnis eines Buches zu einem bestimmten Thema. Hier findet man sowohl die Quellen als auch die Literatur, die der Autor für sein Werk verwendet hat. Dies ist ein sehr effektiver Weg, die relevanten Veröffentlichungen zu seinem Thema zu finden.

Findet man die gewünschten Bücher nicht in der Bibliothek, sollte man in Internet weiter suchen. Hierfür gib es ganz bestimmte Suchmaschinen. Zunächst lohnt eine Suche über die DigiBib. Hier kann man nach bestimmten Standorten gefiltert nach Literatur suchen. Gibt man vorher seine eigene Unibibliothek als Standort an, kann man hierüber auch Bücher per Fernleihe bestellen (ca. 1,50 Euro/Bestellung). Zusätzlich wird angezeigt, wo man das Buch überall bekommen kann. Sogar inklusive des Preises bei Amazon.

Der „Karlsruher virtuelle Katalog“  ist eine Suchmaschine, mit der man weltweit nach Literatur suchen kann. Je nach Wunsch kann man bestimmte Datenbanken auswählen.

Die „Regesta Imperii“ sind eines der wichtigsten Recherchewerkzeuge für das Mittelalter. Es handelt sich um das „Inventar aller urkundlichen und historiographischen Quellen der römisch-deutschen Könige von den Karolingern bis zu Maximilian I. sowie der Päpste des frühen und hohen Mittelalters“ (http://www.regesta-imperii.de/unternehmen.html, 11.02.2013). Auch kann man hier Literatur zum Mittelalter suchen.

Ein absolutes Standardwerk für die deutschen Quellen des Mittelalters ist die „Monumenta Germaniae Historica“, kurz MGH. Hier kann man online nach bereits edierten Quellen suchen, diese durchsuchen und anschließend herunterladen und/oder ausdrucken. Auf diese Weise kann man sich eine Menge Zeit sparen.

Möchte man bestimmte Dokumente aus einer anderen Bibliothek bestellen, bietet sich die Plattform „subito“ an. Hier kann man zu einen nach Literatur suchen, zum anderen kann man komplette Werke oder auch Auszüge (besonders interessant, wenn man nach Aufsätzen sucht) bestellen. Diese werden dann je nach Wunsch per Post oder auch per Email (nur bei Auszügen) zugestellt. Wie der Name schon vermuten lässt, lässt sich hier sehr schnell an Dokumente kommen. Die Lieferung ist allerdings nicht kostenfrei.

Sollte man bestimmte Quellen in der Bibliothek nicht vorfinden, lohnt ein Blick in die Archive. In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Archiven, die jeweils Quellenmaterial aus ihrem Zuständigkeitsbereich aufbewahren. Die Nutzung ist in der Regel kostenlos. Auch verfügen sie über kleinere und größere Bibliotheken. Die Quellensuche erfolgt entweder über die Online-Findmittel auf der Homepage oder aber über die Findbücher im Archiv selbst. Bevor man damit beginnt, sollte man sich aber bereits mit seinem Thema auskennen und genau wissen, was man sucht. Auch sollte man bedenken, dass die Quellen nicht ediert wurden. Das bedeutet, dass man wirklich die Originale vor sich hat, ohne Transkription und Übersetzung.

Es gibt inzwischen viele Quellen, die digitalisiert und online zugänglich gemacht wurden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Sachsenspiegel des Eike von Repgow. Sucht man in Archiven des angelsächsischen Raumes hat man es ebenfalls sehr häufig mit bereits digitalisierten Quellen zu tun.

Es gibt noch eine ganze Reihe von verschiedenen Suchmöglichkeiten (einige finden sich auch in der Linkliste des Blogs). Ich habe hier nur die beschrieben, mit denen ich die besten Erfahrungen hinsichtlich Effizienz und Zuverlässigkeit gemacht habe. Wer Ergänzungen und eigene Erfahrungen posten möchte, kann dies gerne in den Kommentaren tun.

 

In eigener Sache: „Das Mittelalter – Der Blog“ ist eine nicht-kommerzielle Seite, die ich in meiner Freizeit betreibe. Die Seite wird auch zukünftig trotz eines hohen Aufwandes kostenlos bleiben. Ich würde mich daher wirklich sehr über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

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