Höhlen- und Grottenburgen

Diese Art Burg ist im norddeutschen Raum weniger bekannt, dafür aber beispielsweise in der Schweiz und Frankreich sehr viel häufiger anzutreffen. Es handelt sich um eine Burg, die ganz oder teilweise in eine Höhle hinein gebaut wurde. Dieser Burgentyp trat vom 11. bis zum 15. Jahrhundert auf. Es versteht sich von selbst, dass die Höhle hierzu eine gewisse Größe haben musste. Grundsätzlich ist dieses Prinzip aber wenig überraschend. Die Menschheit nutzte Höhlen schon immer als Zufluchtsort. Dort ist man geschützt, man kann sie gut warm halten und man kann sie sehr gut bewachen.

Für die Verteidigung scheint diese Konstruktion auf den ersten Blick in der Tat sehr vorteilhaft zu sein. Die Burg ist nur von einer Seite zugänglich, außerdem ist es nicht so einfach, ihr Inneres mit Geschossen zu treffen. In den meisten Fällen ist sie auch nur schwer zugänglich, da die entsprechenden Höhlen sehr hoch gelegen sind. Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Reihe von Nachteilen, die nicht zu unterschätzen sind. Die Belagerer müssen keinen Belagerungsring bilden und können alle Kräfte für den Angriff auf einer Seite massieren. Wer in einer solchen Burg eingeschlossen wurde, saß mehr noch als in „normalen“ Burgen in der Falle. Es sei denn, es gab Fluchttunnel. Wer aber schon einmal eine Höhle besucht hat weiß vielleicht, wie bedrückend diese auf einen Menschen wirken kann. Nun stellen Sie sich noch vor wie es wäre, hier längere Zeit festgesetzt zu sein. Darüber hinaus konnte man derartige Burgen in vielen Fällen einfach umgehen, da sie keine wichtigen Durchgänge blockierten.

Eine abseits in einer Höhle oder unter einem Überhang gelegene Burg sieht in erster Linie interessant und beeindruckend aus. Sie konnte auch durchaus als Rückzugsort oder Versteck dienen. Meistens hatten diese Burgen aber, wie die Adelsburgen des Flachlandes auch, administrative und repräsentative Funktion. In den Bergen boten sich manche Plätze eben gut an, um Höhlenburgen zu errichten. Diese Burgen besaßen in der Regel auch zugehörige Dörfer. Diese lagen meist, wie auch im Fall von Höhenburgen, am Fuß des Berges.

Die Höhle selbst wurde hierbei direkt in die Planung der Burg einbezogen. Entweder wurde der Höhleneingang mit einer Mauer und einem Tor verschlossen und das Innere dann mit Hilfe von Wänden unterteilt (die eigentliche Höhlenburg) oder es wurde ein eigenes Gebäude in einer Höhle gebaut (die sogenannte Grottenburg).

Diese Burgen sind deswegen so interessant, weil sie so anders sind, als die so bekannten Höhenburgen oder Wasserburgen. Diese liegen immer offen da, entweder in der Mitte einer Wasserfläche oder auf einer Anhöhe oder Berg. Sie streben geradezu in die Höhe. Grotten- und Höhlenburgen gehen den umgekehrten Weg, zurück in die Erde oder in den Berg hinein. Dem Betrachter bietet sich aber auch hier ein majestätisches und auch ein unheimliches Bild. Eine ganze Burg, welche in eine Höhle gebaut wurde, ist ein beeindruckender Anblick. Eine zur Burg direkt umfunktionierte Höhle wirkt beinahe wie die Luxusvariante der steinzeitlichen Höhle und spricht unsere archaischen Instinkte an. Eine Besichtigung lohnt sich aber in jedem Fall.

Sekundärliteratur:

Piper, Otto. Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte. Unveränderter Nachdruck der dritten, vielfach verbesserten Auflage, München, 1912. Köln, 2011.

 

In eigener Sache: „Das Mittelalter – Der Blog“ ist eine nicht-kommerzielle Seite, die ich in meiner Freizeit betreibe. Die Seite wird auch zukünftig trotz eines hohen Aufwandes kostenlos bleiben. Ich würde mich daher wirklich sehr über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

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5 Kommentare zu “Höhlen- und Grottenburgen

  1. Dane sagt:

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  2. Hallo Daniel,

    seit einigen Tagen lässt mich ein Gedanke nicht mehr los. In einem Blog bin ich über eine Theorie gestolpert, die mir gänzlich unbekannt war (und das ist ehrlichgesagt eher ungewöhnlich): Die Antike(!), so heiß es dort, sei eine glatte Lüge, eine Erfindung des späten Mittelalters/der Renaissance/Neuzeit (?!?).
    Da dieser Sachverhalt ja auch dein Fachgebiet, das Mittelalter direkt tangiert, wollte ich mich mal kurz nach einer fachkundigen Meinung zu diesem Thema fragen, denn ich bin verwirrt.
    Hier der Link zum Nachlesen:

    http://www.efodon.de/html/archiv/chrono/gabo/SY7807 Gabowitsch – Antike Teil 1.pdf

    und

    http://www.efodon.de/html/archiv/chrono/gabo/2007_gabowitsch_antike-2.pdf

    Möglicherweise hast du etwas ähnliches schon einmal gehört/gelesen, oder ist das alles, wie ich ohnehin vermute, hand- und fußloser Unsinn?

    LG Otto

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    • Daniel Ossenkop , B.A. sagt:

      Hallo,

      erst einmal vielen Dank für die Links, sehr interessant. Die Zeiteinteilung in Antike, Mittelalter, Renaissance und Neuzeit ist erstmal nichts anderes als ein abstraktes Konzept, entwickelt von den Historikern. Es dient nur dazu, sich in der Zeit zu orientieren. Klare Grenzen gibt es nicht.

      Ich würde die These, dass es sich bei Tacitus um eine Erfindung handelt, nicht unterstützen. Gerade der Vergleich mit anderen Autoren der Antike zeigt, dass sich gewisse Beschreibungen nicht nur bei ihm finden lassen. Beispielsweise kann man sehr gut die Beschreibungen über die Germanen im „Bellum Gallicum“ von Gaius Julius Cäsar mit denen des Tacitus vergleichen und man entdeckt schnell Parallelen.

      Die Argumentation von Morosov ist nicht haltbar:

      1) Die Manuskripte sind deswegen so umstritten, weil die Originale nicht mehr erhalten sind. Sie befanden sich anfangs in kirchlichem Besitz und wurden mehrfach kopiert. Nur so wurde Tacitus der Nachwelt erhalten.

      2) Das gilt ebenso für die Umstände der Auffindung.

      3) Die Beschreibungen in der „Germania“ sind meistens einleuchtend, aber nicht immer direkten Beobachtungen des Autors entsprungen. Er verließ sich oft auf das, was andere ihm berichteten und so auch auf Gerüchte. Darüber hinaus beschrieb er die Welt aus der römischen Weltsicht.

      4) Es finden sich keine Renaissancespuren in den Texten von Tacitus. Es ist umgekehrt, Bereits in mittelalterlichen Quellen finden sich antike Formulierungen. So werden Könige häufiger als „Cäsar“ bezeichnet, es tauchen sogar Motive aus der griechischen Mythologie auf. Diese war den schriftkundigen Mönchen sehr gut bekannt. Die Renaissance übernahm viel aus der Antike, weil sie diese dem Mittelalter als strahlende, fortschrittliche Zeit gegenüberstellte.

      5) Das ist wahr, sagt aber nichts über dessen Echtheit aus.

      6) Das fadenscheinigste Argument. Die Pornographie der Antike war der des 15. Jahrhunderts um Lichtjahre voraus. Darüber hinaus ist die Pornographie alles andere als eine typische Erscheinung des 15. Jahrhunderts.

      7) Ich vertrete hier die übliche Meinung.

      Noch besser lässt sich Kammeier widerlegen:

      1) Er schreibt, dass Rom im 14. Jahrhundert nur ein Dorf war. Erstens ist das nicht richtig, zweitens war es das am Beginn des Mittelalters tatsächlich. Nach dem Ende des römischen Reiches und der Zerstörung der Wasserversorgung durch germanische Stämme sank die Bevölkerungszahl rapide. Das Stadtgebiet reichte bald nicht einmal mehr über das Forum Romanum heraus. Den Petersdom gab es noch lange nicht, genauso wenig wie den Kirchenstaat. Dennoch, im 14. Jhd. war Rom eine Stadt.

      2) Die Vorstellung, dass die römische Kirche erst im 14. Jhd. entstehen konnte, ist abwegig. Sie entstand bereits zur Zeit des römischen Reiches. Sie besaß bereits zu dieser Zeit eine klare Struktur. Außerdem, wer hätte denn die deutschen Könige zu Kaisern krönen sollen wenn nicht der Papst, wer hätte sonst die Quellen verfasst, wer die Klöster und Kirchen gebaut?

      3) Das Schisma ist wesentlich für die Entstehung der späteren Kirchenstruktur, in mehreren Quellen belegt und deswegen eher nicht erfunden.

      4) Das es um 1300 keine Universalkirche gab, ist nicht ganz richtig. Es gab zwar mehrere verschiedene Bischöfe mitsamt eigenen Einflussgebieten und auch ab und an mehrere Päpste. Trotzdem war die Autorität des apostolischen Stuhls allgemein anerkannt.

      Zum Bereich „Antike als Spätmittelalter“ kann ich nur wiederholen, dass sich die Autoren des Mittelalters Motiven aus der Antike bedienten.

      Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich diese Thesen nicht unterstützen kann. Auch die archäologischen Befunde sprechen dagegen, genauso die Erkenntnisse der Hilfswissenschaften (Münzkunde, Siegelkunde, Schriftkunde usw.). Niemand hätte alle diese Aspekte so perfekt fälschen können. Dazu kommt noch die Altersbestimmung durch naturwissenschaftliche Methoden.

      Dennoch, ein Aspekt bleibt, Es gibt viel, was wir noch nicht wissen. Gerade aus dem Bereich der Antike. In letzter Zeit wurden viele Entdeckungen gemacht, die die Archäologen überrascht haben. Die vorhandenen Quellen wurden aber so genau und kritisch untersucht, dass ich eine Fälschung für unwahrscheinlich halte.

      lg Daniel

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  3. Vielen Dank für die schnelle und umfangreiche Antwort.

    Deine Analyse deckt sich dann doch mit meiner laienhaften Einschätzung, so viel kann man nicht fälschen. Dass dennoch viele Fragen offen bleiben, liegt wohl daran, dass keiner von uns zurückreisen kann, um die Fakten anhand der Realität abgleichen zu können.

    Man muss Funde, Belege etc. immer in ein fantastisches Konstrukt einbinden, das für jedermann anders aussieht (je nach Wissen, Vorkenntnis, Einflusss durch Film und Fernsehen). Und was hätte man schon davon eine glorreiche Antike zu erfinden? Zumal ein goldenes Zeitalter auch im asiatischen und nordafrikanischen Raum auzutreffen ist. Nochmals vielen Dank

    LG Otto

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    • Daniel Ossenkop , B.A. sagt:

      Es freut mich, dass ich dir ein wenig weiterhelfen konnte! Es stimmt definitiv, dass wir längst nicht alles wissen. Wir haben nur das, was uns Texte und Funde verraten können. Durch die Quellenkritik wird versucht, Fehlinterpretationen möglichst zu vermeiden. Das kannst du auch anhand der Konstantinischen Schenkung sehen. Die Schenkung des Gebietes des Kirchenstaates stellte sich als eine im Mittelalter geschaffene Fälschung heraus. Auch das kann es also geben. Vor Fehlern ist man nie sicher, aber eine komplette Fälschung einer ganzen Epoche ist wirklich nicht umzusetzen.

      An sich benötigt man nur dann eine goldene Epoche, wenn man diese aus irgendeinem Grund zu einer solchen macht. Nach dem Mittelalter waren es vor allem die Wegbereiter der Renaissance, die plötzlich die Antike als Wiege der zivilisierten Lebensweise glorifizierten. Im 19. Jahrhundert galt bei den Romantikern das Mittelalter als goldene Zeit, in der es nur Ehre und Romantik gab. Die Nationalsozialisten deuteten die Zeit der Germanen nach ihren Vorstellungen um und sahen einzig diese als Ahnen der wahren Arier. Wie du siehst, irgendein Grund findet sich immer. Auch heute noch. Wenn es um den asiatischen Raum geht vor allem dann, wenn es um Philosophie und Kampfkunst geht.

      lg Daniel

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