Folter und Hinrichtung im Mittelalter – wirklich ein freudiges Spektakel für das Volk?

Zumindest existiert heute häufig diese Vorstellung. Eine Menschenmenge, die johlend um einen Richtplatz herumsteht und die Folter und den Tod des Angeklagten kaum noch erwarten kann. Wenn man sich die Sensationsgier des Menschen an sich vor Augen führt, überrascht dies nicht. Und sicherlich war diese auch im Mittelalter schon genauso vorhanden wie heute. Allerdings gab es auch damals schon die Gruppendynamik. Und diese konnte sehr schnell umschlagen.

Die Foltermethoden des Mittelalters hatten ihren Ursprung in der Antike und waren definitiv nicht für Menschen mit schwachen Nerven geeignet. Je nach Vergehen und dem gemäß dem Recht festgelegten Strafmaß waren diese Strafen mehr oder weniger drakonisch und nicht unbedingt darauf ausgelegt, den Täter zu resozialisieren. Ich werde an dieser Stelle nicht alle Methoden auflisten, da derartige Listen im Internet häufig zu finden sind. Im Grundsatz gab es aber zwei verschiedene Möglichkeiten, Folter einzusetzen. Zum einen diente sie der Erzwingung von Geständnissen. Zu diesem Zweck wurde sie meistens nicht öffentlich vollzogen, sonder hinter verschlossenen Türen. So erging es beispielsweise den Templern, die in den Kerkern des französischen Königs Philipp IV. landeten. Darüber hinaus wurde auch öffentlich gefoltert, dies diente dann in erster Linie der Abschreckung oder dazu, einem Gegner eine deutliche Warnung zu schicken. Verstümmelungen waren hier sehr häufig vertreten und wurden meistens im militärischen Kontext eingesetzt. Augen, Hände und Füße waren hier meistens die in Mitleidenschaft gezogenen Körperteile, also alles, was zum Kämpfen notwendig war. Hinrichtungen waren in der Regel öffentlich und sollten zum einen den Geschädigten Genugtuung verschaffen und mögliche zukünftige Täter abschrecken.

Die Form der Hinrichtung konnte dabei varrieren. Ketzer wurden meistens verbrannt, damit ihre Seelen durch das Feuer gereinigt werden konnten. Normales Volk oder Unfreie wurde in der Regel gehängt. Das Enthaupten mittels eines Schwertes oder einer Axt war eine Strafe, die dem Adel vorbehalten war. Angehörige dieses Standes sollten einen schnellen und „würdevollen“ Tod sterben. Der Tod am Galgen war dies unter Umständen ganz und gar nicht, da das Genick beim Fallen häufig nicht sofort brach und der Todeskampf mit all seinen unschönen Nebeneffekten bis zu einer halben Stunde dauern konnte. Ein Henker, der beim Enthaupten einen Fehler machte, bekam nicht selten ernste Schwierigkeiten und konnte dann sogar selbst verurteilt werden.

Bei einer öffentlichen Hinrichtung und/oder Folterung konnte es durchaus dazu kommen, dass die anfangs euphorische und gegen den Verurteilten gerichtete Stimmung umschlug. Ein deutlicher Hinweis hierauf ist die häufig nachgewiesene Befestigung der Richtplätze, die das Volk fernhalten sollte und eher an militärische Befestigungsanlage erinnert als an einfache Absperrungen. Es ist durchaus denkbar, dass die Gruppendynamik beim Anblick brutalter Folterungen dafür sorgte, dass die Menschen dem Gefolterten zu Hilfe kommen wollten. Wenn es sich bei ihm um eine besondere Persönlichkeit handelte, mussten darüber hinaus besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Die überall vorhandene Antipathie gegen den Henker ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Menschen in den Folterungen und Hinrichtungen kein besonders spaßiges Vergnügen sahen. So war es seinen Söhnen sogar verboten, in der Stadt einen Beruf zu erlernen.

Richtplatz Lutzern 15. Jhd.

Richtplatz Lutzern 15. Jhd.

Bildquelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Richtplatz_Luzern.jpg&filetimestamp=20080409154412 (03.12.2012)

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