Das Palästinalied des Walther von der Vogelweide

Was Sie hier hören können sind die Strophen 1, 2 und 4 des Palästinaliedes von Walther von der Vogelweide. Die überlieferte Abschrift samt Noten stammt zwar aus der Zeit ca. 100 Jahre nach seinem Tod, gilt aber dennoch als recht authentisch. Auf jeden Fall aber vermittelt das Lied einen erstaunlichen Eindruck und einen Einblick in die Welt des mittelalterlichen Minnegesangs.

Dieser Gesang wurde von professionellen Minnesängern komponiert und vorgetragen, wie beispielsweise eben von Walther von der Vogelweide. Häufig waren diese Sänger adlig und auch im Rittertum war der Minnegesang weit verbreitet sowie das Streben nach der Minne einer schönen Frau ein wichtiger Teil des Lebens als Ritter. Von einigen der wichtigsten Ritter ist überliefert, dass sie hervorragende Sänger waren. Ein gutes Beispiel hierfür ist William Marshal.

Dieses Lied beschäftigt sich mit dem heiligen Land, dem Anspruch der Christen auf die heiligen Stätten  und es stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der Text der hier gesungenen Strophen lautet folgendermaßen:

1. Nû lebe ich mir alrêrst werde,
sît mîn sündic ouge sihet
daz hêre lant und ouch die erde,
der man vil der êren gihet.
Nû ist geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
dâ got mennischlîchen trat.

2. Schœniu lant rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist dûz ir aller êre.
Waz ist wunders hie geschehen!
Daz ein maget ein kint gebar,
hêre über aller engel schar,
was daz niht ein wunder gar?

4. Hie liez er sich reine toufen,
daz der mensche reine sî.
Dô liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen wurden frî.
Anders wæren wir verlorn.
Wol dir, sper, kriuze unde dorn!
Wê dir, heiden, daz ist dir zorn!


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