Überlegungen zum Burgenbau in Westeuropa

Der Bau einer Burg war kein einfaches Unterfangen. Schon im Vorfeld musste genau überlegt werden, wo man die Burg errichten wollte und zu welchem Zweck. Die Form der Burg musste dem jeweiligen Gelände angepasst werden. Idealtypisch bestand eine Burg aus einem Palas, dem Bergfried oder einem Wohnturm, einer Zisterne, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden. Ein Bergfried findet sich allerdings nicht in allen Burgen. Das Tor wurde häufig durch Türme gesichert.1 Im Frühmittelalter wurde meistens ein quadratischer Wohnturm auf einer Motte errichtet. Bei einer Motte handelt es sich um eine künstlich aufgeschütteten Erdhügel. Um die Motte herum wurde dann zusätzlich eine Palisade oder Holzmauer errichtet. Bis in die Salierzeit hinein lassen sich Holzburgen finden. Seit dem 9. und 10. Jahrhundert sind auch Höhenburgen als Wohnsitze bekannt, Türme seit dem 11. Jahrhundert.2 Die Motte entwickelte sich wahrscheinlich aus dem befestigten Adelssitz. Besonders häufig ist sie im Flachland, in dem Erhebungen erst künstlich geschaffen werden mussten. Sie waren in der Frühzeit des Burgenbaus eher flach und wurden erst ab dem 12. Jahrhundert höher aufgeschüttet. Bis dahin blieben hölzerne oder steinerne Wohntürme, teilweise sogar ohne Motte, der Normalfall.3

Das 12. und 13. Jahrhundert schließlich gilt als die klassische Zeit des Burgenbaus. Interessant ist, dass der Hauptfokus zumeist auf der repräsentativen Wirkung der Burg lag und nicht so sehr auf ihrer Wehrhaftigkeit. Der eigene Stand sollte durch den Bau signalisiert werden, Belagerungen waren eher die Ausnahme. Die Errichtung einer Burg war dabei immer ein lokaler Vorgang. Wo eine Burg errichtet wurde war ganz unterschiedlich. Es gab Burgen, die etwas abgelegen auf Bergen oder in Wäldern lagen. Andere wurden in der Nähe eines Dorfes gebaut, wieder andere in der Stadt.4 Durch die Kreuzzüge kamen byzantinische, armenische, spätantike und islamische Einflüsse nach Nordeuropa. Schießscharten wurden beispielsweise aus dem Orient übernommen.5

Im Spätmittelalter veränderten sich die Burgen nochmals. Sie wurden größer und stärker befestigt. Parallel hierzu entwickelten sich aber auch befestigte Paläste und Residenzburgen. Vorburgen wurden errichtet, in denen Wirtschaftsgebäude, Gärten und Gehöfte zusammengefasst werden konnten. Zwinger, Fallgitter und Zugbrücken schützten die Tore. Auf den Angriffsseiten der Burgen wurden häufig Schildmauern errichtet, die durch ihre Dicke und Höhe vor allem Geschosse abfangen sollten. Außerdem kamen Ringmauern mit Flankierungstürmen in Mode. Auch finden sich jetzt regelmäßig Schießscharten und eigenständige Palastbauten innerhalb der Burg.6

Es mag auf den ersten Blick überraschen, dass es auch im Mittelalter die Technologie der Wasserleitungen gab. Teilweise wurden sogar Burgen hiermit ausgestattet, wenn man auch eine zweite Wasserquelle innerhalb der Burg für den Belagerungsfall benötigte.7

Die Genehmigung zum Bau einer Burg musste der König erteilen, er verfügte über das sogenannte „Burgenbauregal“. Im Laufe der Zeit verlieh er es aber an immer mehr Fürsten, die es ihrerseits weiter verliehen. Als dann die Königsmacht immer schwächer wurde und die regionalen Fürsten erstarkten, sahen diese das Recht, Burgen zu bauen, als Symbol ihrer Herrschaft an.

1Vgl. Großmann, G. Ulrich (2005) S. 81-84.

2Vgl. Böhme, Wolfgang (1999) S. 54-77.

3Vgl. Biller, Thomas (1993) S.112-115.

4Vgl. Meckseper, Cord (1999) S. 83-104.

5Vgl. Hofrichter, Hartmut (1999) S. 104-108.

6 Vgl. Großmann, G. Ulrich (2005) S. 169-180.

7Vgl. Grewe, Klaus (1991) S. 32-36.

Sekundärliteratur:

Biller, Thomas. Die Adelsburg in Deutschland. Entstehung, Form und Bedeutung. München, 1993.

Böhme, Horst Wolfgang u.a. (Hg.). Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch. Band 1. Bauformen und Entwicklung.Stuttgart, 1999.

Grewe, Klaus. Wasserversorgung und -entsorgung im Mittelalter. Ein technikgeschichtlicher Überblick. (Die Wasserversorgung im Mittelalter. (Geschichte der Wasserversorgung Band 4)). Mainz, 1991. S. 11-86.

Großmann, G. Ulrich. Burgen in Europa. Regensburg, 2005.

Hofrichter, Hartmut. Einflüsse durch Kreuzfahrerburgen. (Böhme, Horst Wolfgang u.a. (Hg.). Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch. Band 1. Bauformen und Entwicklung.Stuttgart, 1999). S. 104-108.

Meckseper, Cord. Burgenbau im 12./13. Jahrhundert. (Böhme, Horst Wolfgang u.a. (Hg.). Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch. Band 1. Bauformen und Entwicklung.Stuttgart, 1999). S. 83-104.


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