Die Regula Benedicti – die Benediktsregel

In Klöstern lebten und leben eine Vielzahl von verschiedenen Charakteren unter einem Dach zusammen, um einen gemeinsamen Weg zu verfolgen. Es verwundert daher nicht, dass klare Regeln notwendig waren, um zum einen die Ordensgemeinschaft als solche auf dem richtigen Weg zu halten und zum anderen das Zusammenleben der Mönche möglich zu machen. Zu diesem Zweck wurde Klöstern bzw. Orden eine Regel zugrunde gelegt.

Der erste Entwurf der Benediktsregel stammt von Benedikt von Nursia, der von 480-547 lebte. Wer Einzelheiten über sein Leben nachlesen möchte, kann dies in seiner Vita tun, welche von Papst Gregor dem Großen verfasst wurde. Hier wird bereits deutlich, welch hohes Ansehen Benedikt nach seinem Tod in der römischen Kirche hatte. Er wurde sogar heilig gesprochen. Er war der Sohn einer adligen Familie und erhielt seine grundlegende Ausbildung in Rom, was einen entscheidenden Einfluss auf sein Leben haben sollte. Anscheinend schockiert über die Zustände der Kirche, zog er sich als Eremit zurück. Die Mönche des Klosters Vicovaro baten ihn schließlich, ihr Kloster zu leiten. Allerdings schienen sie von den harten Vorgaben Benedikts überfordert gewesen zu sein, er entging nur knapp einem Giftanschlag. Er zog daraufhin das Eremitenleben dem Klosterleben vor. Anstatt selbst in ein bereits bestehendes Kloster zu gehen, gründete er mehrere eigene, unter anderem das berühmte Kloster Monte Cassino in Italien. Im Jahr 529 schrieb er mehrere Grundsätze zum Zusammenleben von Mönchen auf. Diese Schrift sollte später als die Benediktsregel bekannt werden und die Grundlage für viele Ordensgemeinschaften bilden.

Das erste wichtige Merkmal der Benediktsregel ist, dass sie relativ offen und auslegbar ist. Sie mutet mehr wie ein Grundgerüst an, dass man durch zusätzliche Regeln ergänzen kann. Dies könnte ihre weite Verbreitung erklären. Sie war allgemein anwendbar. Nach einem einleitenden Prolog legt Benedikt fest, wie die Hierarchie innerhalb des Kloster aussehen sollte. Zunächst unterscheidet er vier Arten von Mönchen, je nach ihrer Lebensweise. Die Koinobiten seien diejenigen, die in einer Klostergemeinschaft unter einem Abt leben würden. Die Anachoreten seien die Einsiedler. Die Sarabaiten seien zu verabscheuen. Sie seien zwar nach außen hin Mönche, würden aber ansonsten noch den weltlichen Freuden anhängen. Auch kritisiert er die Gyrovagen, die Wandermönche. Auch ihnen würde es an nötiger Disziplin mangeln, würden das tun, was ihnen gerade in den Sinn käme.

Als Leiter des Klosters nennt Benedikt den Abt (aramäisch abba; Vater). Dieser würde den Mönchen zwar vorstehen, müsse aber vor allem durch ein gutes Beispiel vorangehen und auch nur das lehren, was in Übereinstimmung mit der Lehre Gottes ist. Bewerten solle er die Mönche nicht nach dem persönlichen Ansehen, sondern nach ihrer Tüchtigkeit, ihrem Fleiß und ihrer Demut. Im Falle von Regelüberschreitungen solle er aber auch hart durchgreifen können. Zudem sei er letzten Endes dafür verantwortlich, was die Mönche unter seiner Leitung vollbracht haben- ob gutes oder schlechtes. Dafür müsse er sich letzten Endes vor dem Herrn verantworten. Wichtige Entscheidungen solle er aber nicht alleine treffen, sondern vorher die Brüder zum Rat einberufen. Um Rat fragen solle er aber nur die älteren Brüder.

Als grundlegende Tugenden nennt Benedikt Gehorsam, Schweigsamkeit und Demut. An diese schließt er eine lange Liste von Geboten an, welche ich hier nicht im einzelnen aufführen werde. Diese drei Oberbegriffe sah er als Voraussetzung dafür an, das christliche Ideal bereits zu Lebzeiten zu verwirklichen. Genaue Angaben macht Benedikt auch für die verschiedenen Gebetszeiten. Ob für den Tag, die Nacht, Feiertage und die Jahreszeiten – für alles gibt es genaue Vorgaben:

http://www.benediktiner.de/index.php/die-ordensregel-des-hl-benedikt/das-gemeinsame-gebet.html

Aber nicht nur zu geistlichen Themen äußert sich Benedikt. Auch zur Organisationsstruktur des Klosters selbst schrieb er genaue Anweisungen auf. So sei es bei großen Gemeinschaften sinnvoll, Dekane zu bestimmen. Diese sollten einen guten Ruf haben und der Abt sollte ihnen vertrauen können. Ich gehe davon aus, dass es hier sowohl um die Organisation des Zusammenlebens als auch um bessere Kontrolle durch den Abt ging. Auch die Nachtruhe ist genau geregelt, etwa dass jeder Mönch ein eigenes Bett haben solle, welche in einem gemeinsamen Schlafsaal stehen sollen. Auch sollen die Mönche angekleidet schlafen. Bei Zuwiederhandlungen habe der Abt die Möglichkeit, Strafen zu verhängen. Bei leichten Vergehen reiche zunächst eine Zurechtweisung, bei Uneinsichtigkeit oder schweren Verfehlungen könne ein Mönch aber auch ausgeschlossen werden, zunächst vom Essen, später sogar vom Klosterleben. Wichtig zu beachten ist hier, dass der Abt und auch die Gemeinschaft für den Ausgeschlossenen beten und ihm, sollte er seine Fehler bereuen, auch vergeben sollten. In diesem Punkt greift ganz deutlich das christliche Prinzip von Vergebung und Nächstenliebe.

Neben den Regelungen für die sozialen Beziehungen innerhalb des Klosters ist aber auch die Versorgung der Gemeinschaft wichtig. Der Cellerar ist dafür verantwortlich, sowohl die Ausstattung des Klosters zu überwachen und die Mönche mit Essen und Trinken zu versorgen. Er verwaltet die Bestände und muss sich darum kümmern, dass alles in ausreichender Zahl vorhanden ist. Dementsprechend wird enpfohlen, nur maßvolle und weise Brüder für diese Aufgabe auszuwählen. Es gilt zu beachten, dass Eigenbesitz komplett verboten ist. Alle Gegenstände gehören der Gemeinschaft und werden auch Anordnung des Abtes an die Brüder ausgeliehen. Auch die täglichen Mahlzeiten sind streng reglementiert. Kranke, Alte und Kinder können zwar etwas mehr zu essen bekommen, viel wird es aber nicht sein. Denn wie auch beim sonstigen Tagesablauf ist auch beim Essen das richtige Maß entscheidend. Auch Fastenzeiten müssen beachtet werden. Während des Essens muss geschwiegen werden. Man kann nur den Tischleser vernehmen, der verschiedene Texte vorliest.

Ein wichtiger Aspekt des Klosterlebens ist die Aufnahme von Gästen. Fremde sollen immer aufgenommen und bewirtet werden, ganz nach dem Vorbild Jesu. So steht geschrieben, dass die Gäste durch den Abt und die Mönche eine Fußwaschung erhalten sollen. Das Klosterleben sollen sie allerdings nicht stören, so dass für den Abt und seine Gäste eine gesonderte Küche vorgesehen ist. Die Klöster empfingen häufig hochstehende Gäste, nicht zuletzt, weil viele Äbte aus adligen Familien der Region stammten und entsprechende Kontakte unterhielten. So war der Abt auch zuständig dafür, Beziehungen zu unterhalten und zu pflegen, um dem Kloster Sicherheit und Wachstum zu gewährleisten.

Die Aufnahme neuer Mönche ist ebenfalls geregelt. Zunächst bestehe die Möglichkeit, Kinder aufzunehmen. Diese wurden häufig durch adlige Familien, meist verbunden mit der Schenkung eines Hofes zur Versorgung des Kindes, in das Kloster gegeben. Erwachsene konnten auch aufgenommen werden, allerdings erst nach eingehender Prüfung ihrer Motivation und ihres Charakters. Zu diesem Zweck mussten sie erst so etwas wie eine Probezeit bestehen. Eine Ausnahme besteht für andere Mönche, welche vielleicht sogar mit einem Empfehlungsschreiben ihres alten Abtes anreisten oder von sich aus einen guten Ruf genossen.

Neben dem Cellerar und dem Abt sind in der Benediktsregel noch andere Ämter beschrieben. So gibt es einen Pförtner, der genau überwacht, wer in das Kloster gelangt. Der Prior ist der Stellvertreter des Abtes, allerdings warnt Benedikt eindringlich davor, dass sich der Prior möglicherweise als zweiter Abt betrachten und Unruhe ins Kloster bringen könnte.

Idealerweise sei die Gesellschaft der Mönche durch gegenseitige Liebe geprägt. Alle sollten mit Eifer auf das gemeinsame Ziel hin arbeiten und regelmäßig über ihre Gedanken und ihr Tun reflektieren. So sollten sie selbst mögliche Sünden bemerken und diese beichten bzw. sich selbst bestrafen.

Wie bereits am Anfang erwähnt, wurde die Benediktsregel noch durch zusätzliche, genauere Bestimmungen erweitert bzw. präzisiert werden. Wichtig waren hier die sogenannten „consuetudines“, die sich sehr genau auf alltägliche Abläufe bezogen und genau zum jeweilige Kloster passten. Die Rückbesinnung auf den eigentlichen Kern der Regel, den Armuts- und Demutsgedanken, sollte immer wieder die Grundlage für neue Reformbewegungen werden.

Quellen (Aufruf: 26.07.2012):

http://www.benediktiner.de/index.php/die-ordensregel-des-hl-benedikt

Sekundärliteratur:

Gleba, Gudrun: Klosterleben im Mittelalter. Darmstadt, 2004.


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