Der Hof Karls des Großen und sein Einfluss auf die karolingische Kultur

Wenn wir vom Hof Karls des Großen sprechen ist damit keinesfalls eine feste geographische Position gleichzusetzen. Es handelt sich vielmehr um einen mehr oder weniger festen Personenverband, der regelmäßig im Frankenreich umherzog und dabei an verschiedenen Orten Halt machte. Der Herrscher zeigte sich so seinen Untertanen und war in der Lage, lokale Probleme persönlich zu beheben. Man bezeichnet dies heute als Reisekönigtum. Die einzelnen Stationen lassen sich relativ gut anhand des jeweiligen Itinerars nachvollziehen, wo jede Station genau verzeichnet ist. Von diesem sogenannten Reisekönigtum ist relativ häufig zu lesen. Doch wer zog dort, abgesehen vom König bzw. Kaiser, eigentlich durch die Lande? Wer bildete den Königshof zur Zeit Karls des Großen?

Unabhängig vom umherziehenden Troß gab es verschiedene Hofämter. Die „mansonarii“ waren die Quartiermeister. Diese waren dafür verantwortlich, die jeweils angesteuerte Pfalz für den König/Kaiser und sein Gefolge herzurichten. Der Seneschall war für die königliche Tafel zuständig, der Mundschenk für den reibungslosen Ablauf innerhalb der Pfalz. Der Connetable war der Stallmeister und damit verantwortlich für die Unterbringung der Reit- und Lastentiere. Der Kämmerer widerrum war zuständig für die Gemächer. Ihm kam damit eine nicht zu unterschätzende Verantwortung zu, da in den Gemächern des Herrschers auch der Schatz desselben aufbewahrt wurden. Diese Positionen wurden mit den Großen des Reiches besetzt, was als große Ehre galt. Mit dem König waren seine gesamte Familie, Gesinde, die Beamten, die Hofgeistlichen und teilweise Vasallen unterwegs. Auch Krieger waren zahlreich vertreten.

Alle diese Menschen mussten in der jeweiligen Pfalz versorgt werden. Wie anspruchsvoll diese Aufgabe war wird unter anderem deutlich, wenn man die einzelnen Verordnungen Karls darüber, was im Garten einer Pfalz idealerweise angebaut werden sollte, in Augenschein nimmt. Die Jagd der Adligen steuerte dann noch etwas Fleisch bei, was aber eher bei Festen der Fall war. Sehr prunkvoll wurde es vor allem dann, wenn ausländische Herrscher am Hof empfangen wurden.

Wie man sich leicht vorstellen kann, gab es am Hofe ein enges Beziehungsgeflecht. Die Adligen waren stets darum bemüht, ihren erreichten Status zu erhalten und möglichst zu verbessern. Der König konnte einen genauen Blick auf seine Familie werfen und die Ausbildung seines Nachwuchses überwachen. Der Klerus, der gleichzeitig die königliche Kanzlei betrieb, beriet den Herrscher in religiösen Fragen und sorgte gleichzeitig für die Ausbildung. Karl der Große zog aber zusätzlich eine ganze Reihe hochgebildeter Gelehrter an seinen Hof, um sich mit ihnen über die freien Künste – also Künste, die nicht dem Gelderwerb gewidmet waren – zu diskutieren. Karl interessierte sich vor allem für Rhetorik, Dialektik, Astrologie, Theologie und Mathematik.

Besonders bekannt ist hier der Engländer Alkuin (735-804). Er hing der Tradition an, die sich vor allem auf die klassischen Studien, also den Ansichten der Antike, stütze. Er verfasste mehrere Lehrbücher auf Basis der antiken Philosophen. Er sah es als gerecht an, dass Karl der Große mit Hilfe des Schwertes die zahlreichen heidnischen Völker eroberte und bekehrte. Außerdem sah er es als sinnvoll an, dass Karl eine eigene Kirchenpolitik, unabhängig von der des Papstes, in die Tat umsetzte. Er wurde zu einem engen Berater des Kaisers in religiösen und kirchenpolitischen Fragen.

Ein anderer wichtiger Gelehrte an Karls Hof war Theodulf von Orleans. Er stammte ursprünglich aus Spanien und war zunächst bis 798 n. Chr. Kanzler von Karl. Danach stieg er zum Bischof von Orleans und Abt von Fleury auf. Seine Spezialgebiete waren die Poesie, die Theologie und die Politik. Er, zusammen mit anderen Spaniern, wurde zu einer wichtigen Persönlichkeit bei den Auseinandersetzungen zwischen Franken und Byzantinern in wichtigen Glaubens- und Legitimationsfragen.

Die Langobarden spielten ebenalls eine entscheidende Rolle am Hof. Das Langobardenreich war von Karl erobert worden und seine Gelehrten und Geistlichen versuchten nun, im Frankenreich Fuß zu fassen. Zu nennen sind hier vor allem Fardulf, Abt von St. Denis und Paulus Diaconus. Während Fardulf für Karl eine hölzerne Königshalle in Aachen erbaute, schrieb Paulus für Karl eine berühmte Tierfabel: Karl wird als Löwe dargestellt, seinen Untertanen in Gestalt anderer Tiere mit ihren ganz bestimmten Eigenschaften.

Aber nicht nur Gelehrte, auch zahlreiche Künstler zog es an den Hof Karls des Großen. Zusammengenommen bildeten alle diese Menschen einen Ort, an dem Bildung entstehen und sich Kultur verbreiten konnte. Nicht verwunderlich also, dass sich von hier aus die karolingische Renaissance ausbreitete. Man muss allerdings bedenken, dass diese Kultur den Umkreis des Hofes anfangs noch nicht verlassen konnte. Der einzelne Bauer auf dem Lande konnte hieran noch nicht teilhaben. Aus diesem Grund propagierte Karl später die Verbreitung der Schulen, um zumindest rudimentäre Kenntnisse zu vermitteln. Gerade aber für das Christentum und die Klöster waren diese Entwicklungen von großer Bedeutung.

Der karolingische Hof dieser Zeit war also eine Art Schmelztiegel, in dem Politik, Religion und Familie ineinander griffen. Er bildete daher gleichzeitig den Mittelpunkt des Reiches, das kulturelle, religiöse und soziale Zentrum. Und mit Aachen schuf Karl der Große eine Stadt, die zumindest von der Intention her dem Konzept einer festen Hauptstadt näher kam als jede fränkische Gründung zuvor.

Sekundärliteratur:

Heer, Friedrich. Karl der Große und seine Welt. Wien u.a., 1977.

Riche, Pierre. Die Welt der Karolinger. Übers. Cornelia und Ulf Dirlmeier. 3., durchgesehene Auflage. Stuttgart, 2009.

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