Die karolingische Renaissance

Karl der Große, der von 768 – 814 n.Chr. König der Franken und ab 800 n.Chr. Kaiser war, gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters. Nach dem Tod seines Bruders Karlmann vereinte er das zuvor aufgeteilte Frankenreich unter seiner Herrschaft und vergrößerte es durch Feldzüge gegen die Sachsen, die Langobarden, die spanischen Muslime, die Awaren und die Baiern. Obwohl die Feldzüge nicht immer erfolgreich waren, so hinterließ er seinen Erben dennoch ein großes und gefestigtes Reich. Weit mehr Wirkung auf die Nachwelt als seine kriegerischen Aktivitäten hinterließen aber seine Bestrebungen, Kunst, Architektur und Bildung auf eine neue Ebene zu heben und den alten Glanz Roms wiederaufleben zu lassen. Unter den Merowingern war die Kultur des Frankenreiches ins Hintertreffen geraten, nicht zuletzt durch die Schwäche der Herrscher. Im Gegensatz zu den Herrschern der Merowinger hatte Karl eine klare Vorstellung davon, wie das Reich aussehen sollte. Mit seiner Pfalz und der Kapelle in Aachen versuchte Karl, die Architektur wiederaufleben zu lassen. In der Tat schuf er hier eine Stadt, wie sie nördlich der Alpen kein zweites Mal existierte. Gleichzeitig sorgte er dafür, dass der Klerus in seinem Reich eine einheitliche Ausbildung erhielt und des Lateins mächtig war. Denn wie sollten sie der Seelsorge nachkommen, wenn sie die heilige Schrift nicht lesen konnten? Die Schrift vereinheitlichte er. Die sogenannte karolingische Minuskel wurde die Grundlage der nachfolgenden Schriften und wirkt sich auch auf unsere moderne Schrift aus. Das mittelalterliche Latein wurde zur allgemein gültigen Sprache des Reiches bestimmt.  Aber auch der Ablauf des Gottesdienstes und der damit einhergehenden Regeln wurde vereinheitlicht. Der geistliche, der Lehrstand, wurde zudem über den weltlichen, den Wehrstand, erhoben. Im gleichen Zug erfolgte aber auch eine Verweltlichung des Klerus. Auch die Geistlichen mussten von ihren Lehen Panzerreiter für den Einsatz auf Feldzügen stellen. Karl setze den Klerus auch dazu ein, seine Ideen auch in die entferntesten Winkel seines Reiches zu tragen. Klostergründungen waren ein beliebtes Mittel hierzu, besonders in Richtung der neu eroberten Gebiete im Osten.

Karl verließ sich aber nicht nur auf fränkische Geistliche. Er beherbergte eine ganze Reihe von englischen und vor allem irischen Mönchen an seinem Hof und nahm ihre Ideen auf. Er diskutierte mit Gelehrten und beschäftigte sich auch mit Themen, die nichts mit dem Krieg zu tun hatten. Wichtige Persönlichkeiten waren hier Alkuin von York, Theodulf von Orleans, Peter von Pisa und Paulinus on Aquileia. Karl versuchte so, das Wissen aus Italien, Spanien und von den britischen Inseln an seinem Hof zu vereinen und auch schriftlich festzuhalten. Als Vorbild dienten die Autoren und Philosophen der Antike.

Die karolingische Renaissance ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass in den Jahrhunderten nach dem Untergang des römischen Imperiums Kunst und Kultur keineswegs komplett verschwanden. Die Franken waren durchaus dazu in der Lage, eindrucksvolle Kunst- und Bauwerke zu erschaffen und religiöse sowie Bildungsreformen in die Tat umzusetzen. Die Reformen Karls hatten eine entscheidende Bedeutung für die weitere Entwicklung des Abendlandes im Mittelalter. Nur durch sie war es möglich, dass sich der christliche Glaube so rasant ausbreiten und sich eine blühende Ordenslandschaft ausbreiten konnte. Auch die Verbreitung von Wissen, zunächst freilich nur im Rahmen des Klerus, wurde durch die Vereinheitlichung der Schrift entscheidend begünstigt. Kein Wunder also, dass sowohl Franzosen als auch Deutsche Karl den Großen als einen der wichtigsten Schöpfer ihrer Länder ansehen.


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2 Kommentare zu “Die karolingische Renaissance

  1. Nicolas sagt:

    wann hast du das geschrieben. welches jahr?
    ¨super text.!

    Gefällt mir

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