Orden des Mittelalters: Die Zisterzienser

Der Zisterzienserorden war einer der sogenannten Reformorden. Er nahm seinen Anfang mit der Gründung des Klosters Citeaux durch Robert von Molesme. Dieser wurde 1028 in der Champagne geboren und starb 1111 in Molesme. Er war eigentlich Benediktiner-Abt und war einer der großen Reformer des Ordens. Er forderte vor allem die Rückkehr zum asketischen Leben im Sinne des alten Eremitenideals. Dieses Ideal wurde immer wieder zu einem Ansatzpunkt immer neuer Entwürfe für das Leben der Mönche. Entsprechend des Armutsideals sind die Kirchen der Zisterzienser vergleichsweise schlicht gehalten. Von 1109 – 1133 übernahm Abt Stephan Harding das Ruder. Er stammte ursprünglich aus Dorset, England und gilt als eigentlicher Gründer des Zisterzienserordens. Ihm verdanken die Zisterzienser eine ganze Reihe von wertvollen Schriften.

Der Orden selbst verfolgte das Prinzip der „ora et labora“. Die Mönche sollten autark leben können und sollten nicht von der Arbeit von Unfreien abhängig sein. Hieraus ging die Trennung in Konversen, also Laienbrüder, und Chormönche hervor. Während die Chormönche die geistlichen Aufgaben wie den Gottesdienst übernahmen, verrichteten die Laienbrüder die körperliche Arbeit. Die Konversen rekrutierten sich aus den neu in den Orden eingetretenen Brüdern. Einmal im Jahr fand ein Generalkapitel statt, in dem sich der Orden selbst verbindliche Statuten gab. Durch das regelmäßige Kapitel war der Orden relativ flexibel, da Änderungen schnell beschlossen werden konnten. Im Jahr 1112 trat Bernhard von Clairvaux mit 30 Getreuen in den Orden ein, 1113-15 erfolgte die Gründung von vier neuen Abteien: La Ferte, Pontigny, Morimond und Clairvaux. Jeder Abtei war selbstständig, aber den allgemein verbindlichen Statuten des Ordens unterworfen. Ein interessantes Detail zur Architektur: Zisterzienserklöster lagen immer am fließenden Wasser und verfügten häufig über Fischteiche. Eigenständige Abteien konnten aber auch inkorporiert werden, also spirituell und weltlich komplett unter die Verfügungsgewalt des Ordens gestellt werden. Voraussetzung hier für war eine bestimmte Größe der Abtei und die Einverständnis des Gründers, auf seine Rechte zukünftig zu verzichten. Von Seiten der Hauptabteien fanden regelmäßig Visitationen statt, um die kleineren Abteien zu überprüfen. Die Strukturen des Ordens wurden unter Stephan Harding in der „Charta Caritatis“ festgelegt.

Wie schon erwähnt sollten die Klöster der Zisterzienser autark sein. Da sie in relativ dünn besiedelten Gebieten gegründet wurden, erfolgte durch sie eine sogenannten Binnenkolonisation. Das bedeutete, dass sie Gebiete urbar oder überhaupt erst einmal zugänglich machten. Nach und nach wurden dann Dörfer und Städte in diesen Gebieten gegründet. Relativ bald erwirtschafteten sie Überschüsse. Diese wurden auf den sogenannten Grangienhöfen in den Städten verkauft und leisteten so ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Ordens. Durch die hierfür nötige Verwaltung brachten die Mönche so auch die Schriftlichkeit in die Regionen.

In Bezug auf Nonnenklöster taten sich die Zisterzienser zunächst schwer. 1120 wurde das erste Frauenkloster von Stephan Harding in Tart-e Ablage gegründet. Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden bereits 800 Nonnenklöster, von denen allerdings keines inkorporiert war. Die Nonnen wurden als Bräute Christi angesehen und gewannen rasch an Anzahl. Die Nonnen waren, gemäß ihrem Titel, hoch angesehen, unterstanden aber noch den Männerklöstern.

Bildquelle:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Arms_of_Ordo_cisterciensis.svg&filetimestamp=20120208130118 (29.07.2012).

Sekundärliteratur:

Schweiger, Georg (Hrsg.). Mönchtum – Orden – Klöster. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ein Lexikon. 1. Auflage 2003. München, 1993.


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