Waffen des Mittelalters – Der Schild

Der Schild ist beinahe so alt wie die Kriegführung selbst. Die Verwendung von Nahkampfwaffen schuf bald das Bedürfnis, sich vor diesen in einem Kampf schützen zu können. Es war naheliegend, hierfür in einer Hand auf eine Schutzwaffe zurückzugreifen. Bei den Völkern der Antike spielt der Schild bereits eine entscheidende Rolle in der Kampfstrategie. Besonders effektiv wurde er in der griechischen Phalanx und später in der römischen Legion eingesetzt. Ziel war es hier, eine beinahe undurchdringliche Wand aus Kriegern zu schaffen, die im Verbund operieren und Feinde angreifen konnte. Dabei spielte nicht nur der Schutz vor Nahkampf-, sondern besonders vor Fernkampfwaffen eine Rolle.

Die Strategie, aus Schilden einen Wall zu formen, wurde auch im Mittelalter weiter verwendet. Ein gutes Beispiel hierfür findet sich in der Schlacht von Hastings 1066, bei der die Angelsachsen ihre Stellung hinter einem festen Schildwall lange erfolgreich gegen Bogenschützen, Ritter und Fußsoldaten verteidigen konnten. Aber auch bei den Wikingern lässt sich der Schildwall finden. Aber nicht alle Armeen des Mittelalters griffen darauf zurück. Of kämpfte die Infanterie in lockerer Formation, erst im späten Mittelalter wurde das Prinzip der als Einheit operierenden Formation wieder aufgegriffen.

Der Schild selbst konnte in allen denkbaren Farben und Formen auftreten. Meist bestand er aus Holz und war optional mit Leder beschlagen. Bei hochwertigen Schilden war zudem der Rand mit Metall beschlagen, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Allerdings waren sie dadurch nicht leicht. Solch ein Schild konnte bis zu 10 kg schwer sein. Die Fußsoldaten benötigten meist hohe Schilder, um den ganzen Körper schützen zu können. Reiterschilde mussten vor allem handlich sein, um sie auch über den Pferdehals hinweg bewegen zu können. Eine Ausnahem stellten allerdings die Schilde der normannischen Ritter dar, die bis zum Knie herab reichten. Für Armbrustschützen wurden spezielle Schilde, die Parvesen, entwickelt. Diese konnten mit Hilfe einer speziellen Vorrichtung aufgestellt werden und sollten den Schützen beim spannen seiner Armbrust vor feindlichem Beschuss schützen.

Der Schild konnte aber auch offensiv eingesetzt werden. Vor allem zum Stoßen war er hervorragend geeignet, entweder mit der Oberfläche oder der Schildkante. So hatte der Kämpfer die Möglichkeit, seinen Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen oder zu verletzen. Manchmal wurden Schilde zu diesem Zweck mit Dornen versehen, auch wenn dies eher selten war. Heinrich VIII. ließ sogar Pistolen in die Mitte von Schilden einbauen. Diese sind heute im Tower von London zu besichtigen. Hierbei handelte es sich aber wohl um experimentelle Waffen, die aufgrund der geringen Anzahl von Schüssen (ein Schuss pro Schild) wohl nicht besonders effektiv waren.

Im späten Mittelalter verlor der Schild zunehmend an Bedeutung in der Schlacht. Dies lag vor allem an der hervorragenden Panzerung der Ritter. Diese gewährte ihnen fast einen Rundumschutz und erlaubte es, auf Schilde zu verzichten. Stattdessen konnten Waffen eingesetzt werden, die zweihändig geführt werden mussten. Beim Turnier oder als Untergrund für Wappen blieben Schilde aber noch sehr lange in Gebrauch. Noch heute sind in den Wappen des Adels die Formen von Schilden erkennbar.

Sekundärliteratur:

Prietzel, Malte. Kriegführung im Mittelalter. Handlungen, Erinnerungen, Bedeutungen. Aus: Krieg in
der Geschichte (KriG). Hrsg. Stig Förster u.a.. Band 32. Ferdinand Schöningh: Paderborn, 2006.


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