Waffen des Mittelalters: Das Schwert

Das Schwert ist mit Sicherheit eine wenn nicht die populärste Waffe, wenn man Menschen nach den Waffen des Mittelalters fragt. Sie symbolisiert wie keine andere Waffe dieses Zeitalter. Nicht zuletzt deswegen, weil sie eigentlich immer mit dem Ritterstand in Verbindung gebracht wird. Ihre Ursprünge liegen aber sehr viel weiter in der Vergangenheit.

Schwerter finden sich schon in der Frühzeit schriftlicher Überlieferung., neben Lanze und Bogen. Die Form und das Material sollten sich aber über die Jahrhunderte fundamental verändern. Die frühen Schwerter wurden noch nicht aus Eisen gefertigt, sondern aus Bronze. Auch handelte es sich vorwiegend um Stich-, nicht um Hiebwaffen. Das blieben sie zum großen Teil auch bis in das Mittelalter hinnein. Besonders wichtig wurde das Schwert aber erst mit dem Beginn der Eisenzeit, da durch das neue Material eine größere Härte erreicht werden konnte. Besonders in der römischen Armee war zuerst das Kurzschwert (Gladius), später das längere Spatha von Bedeutung. In den Stämmen Nordeuropas waren Schwerter zunächst selten. Dies lag vor allem darin begründet, dass die Gewinnung von Eisen und das Schmieden der Schwerter aufwendig und teuer war. Somit blieb diese Waffe den hochstehenden Persönlichkeiten vorbehalten. Hier wird schon der Symbolcharakter des Schwerts deutlich, als Zeichen der Herrschaft und Gerichtsgewalt.

Dieser Symbolcharakter ist auch einer der Gründe dafür, dass das Schwert sich in das Gedächtnis der Geschichte so fest eingebrannt hat. Schon in den Heldensagen des frühen Mittelalters (beispielsweise Beowulf) tauchen berühmte Schwerter auf, denen sogar Namen gegeben wurden. Später, im Reich der Deutschen, stellte das Reichsschwert eine der Königsinsignien dar. Dabei ist zu beachten, dass in der Symbolik des Mittelalters seit dem Entwurf der Zweischwerterlehre zwischen dem geistlichen und dem weltlichen Schwert unterschieden wird. Beide sind Symbole für Macht, an dieser Stelle allerdings im übertragenden Sinne. Das weltliche Schwert gebührte dem Kaiser, das geistliche dem Papst.

Die Ritter, also die berittenen Berufskrieger der Zeit, waren recht früh mit Schwertern ausgerüstet. Dies lag vor allem daran, dass diese schon immer zu der herrschenden Schicht gehörten und sich derart kostspielige Ausrüstung leisten konnten. Nachdem sich daraus so etwas wie eine europäische Adelsgesellschaft gebildet hatte, wurde das Schwert für diese zum Symbol. Nicht umsonst wurden die Knappen bei ihrem Ritterschlag mit einem Schwert an der Schulter berührt und ihnen ein solches überreicht. Zudem hatte das Schwert eine religiöse Bedeutung. Griff und Parierstange bilden nicht zufällig eine Kreuzform. Auch finden sich immer wieder religiöse Symbole auf Schwertern.

Die Form des Schwerts war auch im Laufe des Mittelalters Veränderungen unterworfen. Dabei gab es auch zahlreiche regionale Unterschiede.  Je nach Einsatzgebiet gab es andere Formen. Während beim Kampf vom Pferd aus vor allem Geschwindigkeit wichtig war, benötigten die Fusssoldaten eine gute Reichweite. Dementsprechend gab es für die Infanterie zum Teil recht lange Schwerter. Die bekanntesten dürften der Zweihänder und der Andertalbhänder sein. Letzterer ist auch als europäisches Langschwert bekannt. Außerdem gab es eine Reihe von kürzeren Schwertern, wie beispielsweise das Breitschwert. Diese waren besonders für den Kampf in engen Formationen geeignet, wie zum Beispiel bei Belagerungen. Die muslimischen Streitkräfte verwendeten dagegen meist Krummsäbel. Über den Kampfstil ist, anders als die japanischen Samurai betreffend, recht wenig überliefert. Einzig einige Bildquellen geben Aufschluss. Die experimentelle Archäologie hat aber einige neue Erkenntnisse erbracht. Näher Interessierte finden hierzu eine Vielzahl von Videos im Internet. Man sollte aber beachten, dass es sich hierbei lediglich um Rekonstruktionen von möglichen Techniken handelt, nicht unbedingt um die historische Realität.

Daniel Ossenkop

Sekundärliteratur:

Prietzel, Malte. Kriegführung im Mittelalter. Handlungen, Erinnerungen, Bedeutungen. Aus: Krieg in
der Geschichte (KriG). Hrsg. Stig Förster u.a.. Band 32. Ferdinand Schöningh: Paderborn, 2006.

Paravicini, Werner. Gab es eine einheitliche Adelskultur Europas im späten Mittelalter?. In:
Historische Zeitschrift. Hrsg. Lothar Gall. Band 40. Europa im späten Mittelalter. Politik –
Gesellschaft – Kultur. Hrsg. Rainer C. Schwinges u.a.. R. Oldenbourg Verlag: München, 2006. S.
401-434.

Göttert, Karl-Heinz. Die Ritter. Philipp Reclam jun. GmbH&Co. KG: Stuttgart, 2011.


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