Reiche des Mittelalters – Das Frankenreich: Eine kleine Einführung

Hierbei soll es sich um eine kleine, eher allgemein gehaltene Einführung in das Frankenreich handeln. Nach dem Ende des weströmischen Reiches wurden die ehemaligen Provinzen des Imperium Romanum von verschiedenen Stämmen in Besitz genommen. In den Gebieten nördlich der Alpen waren dies vor allem Sueben, Alemannen, Burgunder, Westgoten und Franken. Obwohl sie aus verschiedenen Gebieten stammten, waren ihre Absichten sehr ähnlich. Während sie anfangs regelmäßig Angriffe auf die römische Westgrenze ausführten, ging es ihnen nun um Land, auf dem sie Herrschaft ausüben und ihr Volk ernähren konnten.

Entscheidend für ein erfolgreiches Königtum war neben militärischen Fähigkeiten vor allem der Schatz des Königs. Erst mit diesem war es ihm möglich, Krieger zu bezahlen. Es war also nicht so, dass diese ihm aus blosser Treue folgten. Der Herrscher hatte zuallererst die Aufgabe, die ,,finaziellen“ Bedürfnisse seiner Gefolgsleute zu befriedigen. Staaten im heute üblichen Sinne gab es damals noch nicht. Es gab nur Herrschaft. Die Königsherrschaft bestimmte, wo welche Gesetze galten. Dabei wurde im Frankenreich genau unterschieden, zu welchem Stamm der Angeklagte gehörte. Ein jeder wurde nach dem Gesetz seines Stammes gerichtet.

Die Franken, zunächst nur ein Stamm unter vielen, entwickelten sich unter dem König Chlodwig I. zu einer ernstzunehmenden Macht nördlich der Alpen. Das erste Königsgeschlecht waren die Merowinger. Dieses leitete seine Herkunft von einer Seeschlange ab und stellte sich damit in die Tradition antiker Herrscher. Mit der Zeit gelang es den Franken, benachbarte Stämme zu unterwerfen und ihrem Reich einzuverleiben. Auch den Sachsen blieb dieses Schicksal nicht erspart. Die Inhaber eines der Hofämter, die Hausmeier, gelangten mit der Zeit an immer mehr Macht. Letzten Endes gelang es ihnen, die Merowinger zu entmachten und sich selbst den Thron zu sichern. Damit war die Dynastie der Karolinger begründet.

Die Franken brachten einige bedeutende Herrscher hervor, auf die ich in diesem Blog noch eingehen werde. Besonders König Pippin und sein Sohn Karl, der spätere Karl der Große, verhalfen ihrem Reich zu einer Blütephase. Durch geschickte Verhandlungen mit den römischen Päpsten, welche von den Langobarden bedroht wurden und von den Franken von dieser Gefahr erettet wurden, gelangte Karl im Jahr 800 sogar an den Kaisertitel und begründete damit eine jahrhundertelange Tradition. Besonders unter Karl blühten Bildung und Wissenschaft auf. Klöster und Schulen wurden gegründet, was ganz erheblich zu einer breiten Bildung beitrug. Antike Schriften, nur noch fragmentarisch auf Papyrus erhalten, wurden auf Pergament abgeschrieben und so der Nachwelt erhalten. Aber auch eigene, neue Texte wurden von Geistlichen verfasst.

Doch bereits unter den Söhnen Karls, unter denen das Reich gemäß altem Brauch aufgeteilt wurde, schwand die Macht der Franken mit der Zeit aufgrund von inneren Konflikten. Zudem gab es ständige äußere Bedrohungen durch Muslime, Wikinger und Ungarn. Besonders gegen die schnellen Raubzüge der Wikinger und Ungarn schienen die Franken kaum geeignete Mittel zu finden. Immer wieder drangen Feinde weit in das Reich vor und fanden in Klöstern und Siedlungen lohnenswerte Beute. Bedingt durch die Reichsteilung entwickelten sich im Laufe der Zeit die Königreiche, die im hohen Mittelalter die Macht in West- und Südeuropa ausüben sollten. Aus dem Westfrankenreich wurde später Frankreich, aus dem Ostfrankenreich das Deutsche Reich. In Norditalien gewannen einzelne Städte immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig blieben die regionalen Gewalten in einer starken Position. Diese hielten ein gewisses Maß an Ordnung aufrecht, auch wenn die Könige durch Thronstreitigkeiten abgelenkt waren.

Wie zu sehen ist, wurde durch das Frankenreich das Fundament des mittelalterlichen Europas gelegt. Dies trifft sowohl auf die Grenzen als auch auf die Glaubenswelt der Menschen und die Wissenschaft zu. Die politische und gesellschaftliche Landkarte Europas für das Mittelalter hätte eine ganz andere Gestalt angenommen, hätten andere Mächte die Kontrolle anstatt der Franken übernommen.

Sekundärliteratur:

Schmidt, Michael: Das Mewowingerreich im Gefüge Europas (von 291-754). Artaunon-Verlag: Frankfurt am Main, 2008.

Scharff, Thomas: Die Kämpfe der Herrscher und der Heiligen: Krieg und historische Erinnerung in der Karolingerzeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt, 2002.

Fried, Johannes: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur. Deutscher Taschenbuch Verlag: München, 2011.


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