Waffen des Mittelalters: Die Lanze

Bei der Lanze handelt es sich, ähnlich wie beim Bogen, um eine der ältesten Waffen der Menschheit. Bereits in der Steinzeit wurden Speere verwendet. Die Evolution der Lanze ist beeindruckend. Während in der Frühzeit der Menschen der Typ der Lanze im Prinzip gleich blieb, veränderte sich vor allem die Strategie ihrer Benutzung.

Unter den Griechen entwickelte sich die Phalanx. Diese bestand aus einer großen Zahl an Kriegern, welche mit Rüstungen, Schilden, Kurzschwertern und mehreren Metern langen Lanzen ausgerüstet waren und als Einheit handelten. Hier diente die Lanze vor allem als Stoßwaffe. Die Römer entwickelten das Pilum, den römischen Wurfspeer. Dessen oberer Teil bestand aus einer relativ langen und dünnen Spitze aus Metall, welche sich nach den Eindringen in einen gegnerischen Schild verbog und diesen damit unbrauchbar machte. Aber auch andere Völker nutzten die Lanze. Die Germanen beispielsweise waren ebenfalls geübte Speerkämpfer. Sie stießen nicht nur damit zu, sondern schwangen ihn auch über ihrem Kopf, um im Nahkampf einen Reichweitenvorteil zu haben. Zudem verwendeten sie Wurfspieße, insbesondere vom Pferderücken aus. Als Stoßwaffe vom Pferd aus wurde die Lanze vor allem von den Hunnen verwendet. Diese konnten sie aufgrund ihrer Steigbügel mit besonders großer Kraft einsetzen.

Nach dem Untergang des römischen Reiches blieb die Lanze bei allen Völkern weiter in Benutzung. Die Verwendung vom Pferd aus wurde immer üblicher. Steigbügel verbreiteten sich weiter und machten eine effektive Nutzung möglich. Besonders bekannt sind die Panzerreiter der Franken. Diese Krieger hielten ihre Lanzen beim berittenen Angriff über dem Kopf, um von oben zuzustoßen. Der Brauch, die Lanze in der Hüfte zu halten, entwickelte sich erst später. In diesem Sinne sind vor allem die bildlichen Darstellungen von Turnieren wichtig. Bei den Turnieren wurden Turnierlanzen verwendet. Diese hatten eine stumpfe Spitze und einen Schutz für die Hand. Zudem konnten sie teilweise in den Schild eingehängt werden, um das Gewicht halten zu können. Grundsätzliche war die Lanze in ihren verschiedenen Formen eine der wichtigsten Waffen des Mittelalters. Durch ihre Form hatte der Nutzer einen deutlichen Reichweitenvorteil, was bei einem berittenen Angriff besonders wichtig war. Ansonsten wäre das Pferd vor der Waffe auf den Feind getroffen. Zudem wurde beim Aufprall aufgrund der Spitze die gesamte Energie des Stoßes auf eine sehr kleine Fläche verteilt.

Aber nicht nur Reiter, auch die Infanterie verwendete Lanzen und Spieße. Unter den Schotten und später den Schweizern erlebte sogar die antike Phalanx eine Renaissance. Als Stoß- und Abwehrwaffe wurden Spieße bis in den dreißigjährigen Krieg benutzt, um die Schützen vor Nahkampfangriffen zu bewahren. Nicht zuletzt war es durch das Prinzip der Lanze möglich, dass Armeen aus Infanterie Ritterheere besiegten und diese letzten Endes sogar ersetzten.

Daniel Ossenkop

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