Waffen des Mittelalters: Der Bogen

Der Bogen ist eine der ältesten Waffen, die von Menschen genutzt wurde. Bereits bei dem berühmten Ötzi, dessen Leiche von Bergsteigern gefunden wurde, fand man einen unfertigen Bogen. Eine genauere Untersuchung der Todesursache brachte außerdem zutage, dass er von einem Pfeil getötet wurde. Die Nutzung des Bogens sowie seine Weiterentwicklung wurde in den darauffolgenden Jahrtausenden immer intensiver und beschränkte sich nicht auf ein bestimmtes Volk. Besonders verbreitet war er aber bei den Persern, den Ägyptern und den Römern. Insbesondere die nomadisch lebenden Stämme der ungarischen Tiefebene und später Hunnen und Mongolen waren Meister des berittenen Bogenschießens. Je nach Verbreitungsgebiet gab es verschiedene Typen von Bögen. Im Mittelmeerraum wurden meist Recurvebögen verwendet. Diese sind etwas kleiner als die in Nordeuropa benutzten Langbögen und sind leicht an den gebogenen Enden erkennbar (siehe Foto). Die nomadischen Stämme aus Osteuropa verwendeten diese ebenfalls. Die Hunnen brachten dann ihre eigenen Bögen nach Europa, die aufgrund des Mangels an Holz in der Steppe aus miteinander verklebtem Horn bestanden, was sie allerdings anfällig gegen feuchte Witterung machte. Diese Bögen waren ähnlich lang wie der europäische Langbogen. Allerdings befand sich der Griff etwas weiter unten, um sie problemlos über den Pferdehals bewegen zu können. Dies verlieh ihnen ein asymmetrisches Aussehen, aber auch eine höhere Durchschlagskraft als bei kürzeren Varianten.. Auch die Mongolen verwendeten Bögen aus Horn. Diese waren aber kürzer als die der Hunnen.

In Nordeuropa fand der Langbogen eine weite Verbreitung. Dieser Bogentyp kann aus verschiedenen Holzarten gefertigt werden, die besten Langbögen wurden und werden aber aus Eibe gefertigt. Der Langbogen zeichnet sich vor allem durch hohe Reichweite und Durchschlagskraft aus. Die Nutzung vom Pferderücken aus war aber eher unüblich. Zum einen galt den europäischen Rittern die Nutzung einer Fernwaffe als unehrenhaft, zum anderen waren sie für diese Art der Nutzung einfach zu lang. Aus diesen Bögen entwickelten sich auf den britischen Inseln, insbesondere in Wales, die berühmten englischen Langbögen.

Die Bogenschützen des Mittelalters nahmen schon früh eine wichtige Rolle ein. Anfangs wurden sie zur Eröffnung einer Schlacht eingesetzt, um sich dann nach dem Verschießen der Munition zurückzuziehen. Ein gutes Beispiel hierfür liefert das ,,Carmen de Hastingae Proelio“, welches auch die Schlacht von Hastings 1066 beschreibt. Im weiteren Verlauf des Mittelalters entwickelten die Engländer eine andere Strategie. Nun bestanden die Armeen zum größten Teil aus Bogenschützen, die von den Flanken aus agierten. Sie wurden erstmals als eine Art Artillerie eingesetzt, die den Feind bei seinem Anmarsch auf eine defensive Position unter Feuer nahm. Ein weiterer Unterschied war, dass sie nach dem Beginn der Schlacht sich nicht zurückzogen, sondern notfalls auch mit Nahkampfwaffen in den Kampf eingriffen. Dazu kam eine immer wichtiger werdende Disziplin und Ausbildung. Eine der bekanntesten Schlachten, in denen diese Strategie angewendet wurde, ist die von Azincourt 1415, in denen eine englische Armee unter Henry V. eine zahlenmäßig überlegene Armee der Franzosen vernichtend besiegte. Eine gute Quelle hierfür ist die „Gesta Henrici Quinti“.

Die ermittelten Daten zur Effektivität des englischen Langbogens sind beeindruckend. Die Kriegsbögen begannen bei einer Stärke von 80 Pfund und reichten teilweise bis 180 Pfund. Tests haben ergeben, dass diese Bögen auf Entfernungen von bis zu 100 Metern in der Lage waren, Plattenpanzer zu durchschlagen oder dem Träger zumindest einen harten Schlag zu versetzen. Entscheidend hierfür war aber, dass der Pfeil mit einem Winkel von ca. 90 Grad auftraf.

Der englische Langbogen wurde auf dem Kontinent kaum eingesetzt. Hier vertraute man stattdessen auf die Armbrust. Dies hatte zwar eine höhere Durschlagskraft, aber auch eine viel geringere Schussfolge.

Auf den britischen Inseln wurde der Langbogen noch bis ins 16. Jahrhundert hinein eingesetzt. Man fand beispielsweise auf der ,,Mary Rose“, dem Flaggschiff Heinrichs VIII., eine Vielzahl an Langbögen.

Daniel Ossenkop

Sekundärliteratur:

Schmidtchen, Volker. Kriegswesen im späten Mittelalter. Technik, Taktik, Theorie. VCH, Acta Humaniora: Weinheim, 1990.

Prietzel, Malte. Krieg im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt, 2006.

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