Der mittelalterliche Herrscher – Im Krieg

In der mittelalterlichen Kriegfürung spielte der Herrscher eine zentrale Rolle. Begründet lag diese Rolle in der Geschichte. Anführer von Stämmen oder Staatengebilden mussten schon in der Antike eine Reihe von militärischen Fähigkeiten mitbringen, wenn sie als Herrscher akzeptiert werden wollten. Dieses Muster lässt sich überall erkennen, egal ob es sich um den ägyptischen Pharao oder einen germanischen Stammesfüherer handelte. Wie schon in meinem Beitrag über die Ausbildung der Herrscher zu sehen ist, wurden diese schon früh auf ihre Rolle als Heerführer vorbereitet.

Wichtig war vor allem, dass die Herrscher mit unbedingtem Gottvertrauen in den Krieg zogen. Der Gedanke an eine Niederlage durfte zumindest nach außen keine Rolle spielen. Immerhin waren die Augen aller Soldaten auf den Herrscher gerichtet. Er war nicht nur derjenige, der die militärischen Entscheidungen traf, sondern auch der religiöse Führer. Es oblag ihm, seiner Armee mit gutem Beispiel voranzugehen, sie anzuleiten und ihnen Vertrauen zu vermitteln. Dazu gehörte auch, selbst aktiv am Kampf teilzunehmen. In den Quellen wird häufig ein entsprechendes Bild vermittelt. Der optimale König musste sich demnach als fähiger Stratege und Krieger beweisen. Gute Beispiele hierfür sind das ,,Carmen de Hastingae Proelio“ sowie die ,,Gesta Henrici Quinit“. Erstere beschäftigt sich mit den Taten Wilhelms des Eroberers, letztere mit Heinrich V. und seinen Erfolgen im Kamf gegen die Franzosen, insbesondere bei Azincourt 1415.

Auffällig ist, dass die Autoren häufig bezug auf die Sagengestalten der Antike nehmen, beispielsweise Herkules. Aber auch die berühmten Generäle früherer Jahrhunderte werden immer wieder zu Vergleichen herangezogen. Zudem wird immer auf die Könige des alten Testaments Bezug genommen, die als stark und gerecht auftraten und ebenfalls Heerführer waren.

In der Realität wird es sicherlich so gewesen sein, dass die Herrscher aktiv am Kampfgeschehen teil nahm. Allerdings nicht in dem Maße, wie es in den Quellen dargestellt wurde. Er war zumeist von seiner Leibgarde umgeben, die um seinen Schutz bemüht war. Da er aber schon vor seinem Herrschaftsantritt auch in den Kampfkünsten unterrichtet wurde, wird er sicherlich kein schlechter Kämpfer gewesen zu sein. Es gab auch Ausnahmen. Manche Herrscher waren körperlich oder geistig einfach nicht in der Lage, aktiv an einer Schlacht teilzunehmen. Als Beispiel hierfür ist Karl VI., König von Frankreich, zu nennen. Dieser konnte aufgrund einer geistigen Erkrankung nicht an Schlachten teilnehmen.

Abschließend ist zu sagen, dass die mittelalterlichen Herrscher nicht nur Diplomaten, sondern auch Krieger und Strategen waren. Als Anführer mussten sie immer auch dem ritterlichen Ideal entsprechen. Und dieses beinhaltete nunmal auch den Kampf.

Daniel Ossenkop

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s