Der mittelalterliche Herrscher – Diplomatie

Nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen und an die Herrschaft gelangt war, musste sich der mittelalterliche Herrscher zunächst einmal auf diplomatischer Ebene bewähren. In vielen Fällen war ihm dies nicht neu, da sich die meisten der Thronfolger schon vor dem Antreten ihres Erbes politisch betätigten. So war beispielsweise der englische König Heinrich V. schon zu seiner Zeit als Prinz Vorsitzender des Kronrates. Dennoch, nachdem der Thronfolger die Herrscherposition erlangte, musste er hauptverantwortlich die diplomatischen Entscheidungen treffen.

Die schon erwähnte Erziehung war dabei keine Garantie für Erfolg. Vielmehr kam es auch auf die Persönlichkeit des Herrschers an. Er musste nicht nur maßvoll verhandeln, sondern auch entschieden auftreten. Jede Abweichung, ob es sich hierbei um Schwäche oder um überzogene Forderungen handelte, konnte ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Dies galt nicht nur für die Außen-, sondern in besonderem Maße auch für die Innenpolitik. Nicht selten versuchten die hohen Adligen, einem schwachen König Privilegien und damit Macht abzutrotzen. Und desto mehr Macht die verschiedenen Adligen gewannen, desto eher drohten verheerende Bürgerkriege und im schlimmsten Fall eine Absetzung des Königs. Für das einfache Volk waren derartige Auseinandersetzungen besonders schlimm, da zeitweise die Ordnungsmacht verschwand. Aber auch überzogene Herrschaft und Tyrannei konnten einen König zu Fall bringen oder einschränken. Ein berühmtes Beispiel hierfür stellt Johann Ohneland dar, der in der Sage des Robin Hood als Prinz John auftaucht. Durch seine rücksichtslosen Besteuerungen der Lords sorgte er schnell für Widerstand. Letzten Endes sah er sich, durch außenpolitische Misserfolge in Frankreich geschwächt, die bekannte Magna Charta zu unterzeichnen, welche den Lords aber auch den einfachen Bürgern mehr Rechtsichcherheit einräumte und die Befugnisse des Königs einschränkte.

In der Außenpolitik waren zunächst vor allem Hochzeiten von Bedeutung. Auf diese Weise konnten Bündnisse besiegelt werden oder ganze Königreiche den Herrscher wechseln. Sie konnten später aber auch zu Unsicherheiten bei den Erbschaftsansprüchen begründen, was oft zu Kriegen führte. Auch Verhandlungen über bestimmte Gebiete gehörten zur Diplomatie, genauso wie Handel. Dabei wurde immer versucht, dass für das eigene Reich günstigste herauszuholen. Nicht selten nahmen derartige Verhandlungen sehr viel Zeit in Anspruch und wurden von speziellen Gesandten geführt. Es war nicht unüblich, nach gescheiterten Verhandlungen auf militärische Mittel zurückzugreifen. Dennoch lässt sich im Mittelalter eine komplexe Verhandlungskultur erkennen. Ein Angriff auf einen anderen Staat ohne dieselben im Vorfeld hätte einen illegitimen Beigeschmack gehabt und vielleicht den Widerstand andere Staaten nach sich gezogen.

Daniel Ossenkop

Sekundärliteratur:

Die englischen Könige im Mittelalter. Von Wilhelm dem Eroberer bis Richard III. Hrsg. Hanna
Vollrath; Natalie Fryde. 2., durchgesehene Ausgabe 2009. C.H. Beck: München, 2004.

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