Was ist eigentlich das Mittelalter?

Wenn man sich mit dem Mittelalter beschäftigen möchte ist es unumgänglich, sich an einer Begriffsdefinition zu versuchen. Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff Mittelalter eine große Bandbreite an Vorstellungen. Zumeist sind diese geprägt durch die verschiedenen Medien. Ob Fernsehen, Filme, Videospiele oder Romane- Elemente aus dem Mittelalter sind vielerorts zu finden. Problematisch wird dies immer dann, wenn die Fiktion das Bild kreiert, welches allgemein als die historische Realität angesehen wird. Für eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Mittelalter ist es aber essentiell, klar zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Zunächst einmal sollten wir uns anschauen, welchen Zeitraum das Mittelalter umfasst. Zwar ist es in der Geschichte schwierig, einen solchen Zeitraum genau abzustecken, da die Übergänge im allgemeinen fließend sind. Für das europäische Mittelalter wird aber zumeist von dem Zeitraum vob 600 n.Chr. – 1500 n.Chr. ausgegangen.

Diese Zeit wurde in früheren Jahrhunderten als ein finsteres Zeitalter angesehen. Im Fokus der Historiker standen lange Zeit vor allem Krieg, Krankheiten, primitive Vorstellungen und schlecht organisierte Staaten. Was lange Zeit vernachlässigt wurde war, dass das Mittelalter alles andere als finster war. Das römische Reich war nicht einfach untergegangen. Vielmehr bildeten sich nach dem Erlöschen der römischen Zentralgewalt in Westeuropa regionale Strukturen heraus. Diese waren alles andere als primitiv. Bereits unter Karl dem Großen im Frankenreich als auch unter Alfred dem Großen im Süden Englands kam es wieder zu einer Blüte von Bildung, Kultur und Verwaltung. In den Museen sind zahlreiche beeindruckende Kunstgegenstände aus dieser Zeit zu bestaunen. Innerhalb der Klöster wurde das Wissen der Antike bewahrt und vervielfältigt.

Dennoch ist es richtig, dass es im Mittelalter vielfach zu Konflikten und Gewalt kam. Beispiele hierfür gibt es zahllose, wie auch in diesem Blog noch zu lesen sein wird. Die Anwendung von Gewalt war sehr viel üblicher, als dies in unserer modernen Welt der Fall ist. Lange Zeit gab es kein staatliches Machtmonopol, auch wenn dies immer wieder angestrebt wurde. Das Konzept der Fehde bot den Adligen immer wieder die Möglichkeit, ihre Konflikte gewaltsam auszutragen. Gegen Andersgläubige und Häretiker kam es immer wieder zu Gewaltexzessen. Und auch die Kriege zwischen den Staaten wurden regelmäßig auf dem Schlachtfeld ausgetragen. Hinzu kamen Angriffe von außen, beispielsweise durch die Mongolen im 13. Jahrhundert. Aber auch Räuberbanden bedrohten das Leben und den Besitz der Menschen im Mittelalter.

Der Glaube war für die Menschen besonders wichtig. Im christlichen Europa versprach dieser ein besseres Leben nach dem mühsamen Dasein. Vorausgesetzt, sie verhielten sich entsprechend den christlichen Normen. Dieser feste Glaube bildete die Machtbasis, auf die sich die Kirche immer wieder stützen und eine unglaubliche Machtfülle erlangen konnte.

Wie zu sehen ist, war das Mittelalter eine Zeit mit vielen Facetten. Es war viel mehr als nur eine finstere Zeit, wenngleich viele Bräuche und Gewohnheiten uns heute seltsam und grausam erscheinen mögen. Gerade diese Vielseitigkeit macht eine Beschäftigung mit dem Mittelalter so reizvoll.

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