Kriegführung im Mittelalter – was bedeutet das eigentlich?

In diesem kurzen Artikel soll es um einige grundsätzliche Angaben über die mittelalterliche Kriegführung gehen. Bei diesem Thema handelt es sich um ein sehr umfangreiches, welches an dieser Stelle erst einmal in seinen Grundzügen beleuchtet werden soll. Ich werde es aber in diesem Blog immer wieder aufgreifen und vertiefen.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass die mittelalterliche Kriegführung alles andere als einheitlich war. Es gab verschiedene Konzepte bezüglich Strategie, Waffen, Sinn und Zweck sowie Kriegsrecht. Man kann hier nicht nur innerhalb Europas große Unterschiede feststellen. Noch größer werden dieselben, wenn man den Blick über die Grenzen Europas hinweg richtet. Überall gab es eigene, meistens durch die historische Entwicklung bedingte Entwicklungen. Besonders bei einem Aufeinandertreffen zweier sehr unterschiedlicher Systeme und Vorstellungen kam es immer wieder zu besonders deutlichen oder überraschenden Ergebnissen.

Das christliche Europa war in nicht unwesentlichem Maße vom römischen Erbe geprägt. Als besonders wichtig ist hier das Werk ,,Epitoma rei militaris“ des römischen Militärtheoretikers Flavius Vegetius Renatus zu nennen. Dieses war auch im Mittelalter noch bekannt, genauso wie die dort vertretenden Prinzipien. Zu den straffen Organisationsformen des römischen Heeres kamen aber zusätzlich die von den ,,Barbaren“ traditionell verwendeten Kampftaktiken und neue Denkstrukturen hinzu. Zudem ist davon auszugehen, dass die Befehlshaber sehr gut improvisieren konnten. Ohne die Fähigkeit, sich schnell an neue Situationen anzupassen, war sicherlich keine Schlacht zu gewinnen.

Einen besonderen Bereich stellte die Kriegführung der skandinavischen Völker dar. Hier stand vor allem der Kampf zu Wasser im Vordergrund. Aber auch an Land sollten sich die unter anderem Wikinger genannten Krieger als äußerst fähig erweisen. Die Expansion dieser seefahrenden Völker, beginnend 793 n.Chr. mit der Plünderung des Klosters Lyndisfarne, stellt ein beeindruckendes Beispiel für Effizienz und Geschwindigkeit dar.

Der östliche Mittelmeerraum, Osteuropa, die Berberstämme Nordafrikas sowie die Stämme auf dem Gebiet des ehemaligen Sassanidenreiches orientierten sich in Sachen Kriegführung an dem, was in den dortigen Gebieten üblich war. Allgemein ist zu sagen, dass dort vor allem berittene Krieger und berittene Bogenschützen große Betandteile des Heeres stellten. Auch entwickelten sich hier nicht die schweren Rüstungen, die in Europa immer bedeutender wurden. Beweglichkeit und eine geringe Anfälligkeit für Hitze schienen in den heissen Gebieten und Wüsten wichtiger zu sein als eine dicke Panzerung. Besonders im Schwarzmeerraum spielten die berittenen Bogenschützen eine wichtige Rolle. Dies verwundert insofern nicht, als dass in diesem Bereich schon zur Zeit des römischen Reiches Skythen und später Hunnen lebten. Aber auch aus noch weiter östlich gelegenen Steppen, besonders der Mongolei, sollten Reiternomaden ihren Weg ins Herz Europas finden. Allgemein lässt sich feststellen, dass in den von mir an dieser Stelle genannten Bereichen im frühen Mittelalter eine durch die nomadische Lebensweise bestimmte Kriegführung praktiziert wurde. Eine Sonderrolle nimmt hier das byzantinische Reich ein, welches sowohl auf althergebrachte Konzepte der Römer als auch auf eine Vielzahl an Söldnern vertraute.

Viele meiner zukünftigen Artikel werden sich im Detail mit den hier nur kurz vorgestellten Aspekten beschäftigen. Wie zu sehen sein wird, ergibt sich daraus eine große Bandbreite an Blickwinkeln auf berühmte historische Ereignisse. Aber auch die verwendeten Waffen sollen Erwähnung finden.

Daniel Ossenkop

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