Mystery Blogger Award

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Ein reiner Mittelalterblog – das liest doch eh keiner, oder? Von wegen! Seit ich diesen Blog 2011 ins Leben gerufen habe, hat er eine treue Leserschaft gefunden. Eine Leserschaft, für die ich immer wieder gerne neue Artikel schreibe. Selbst dann, wenn es beruflich mal wieder etwas stressiger wird. Ich freue mich sehr, dass das Interesse an der Geschichte des Mittelalters nach wie vor so groß ist und ich einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, belegte und sichere Informationen zu entsprechenden Themen zur Verfügung zu stellen. Dementsprechend freue ich mich, dass mich Ralf Grabuschnik für den „Mystery Blogger Award“ nominiert hat.

Mystery Blogger Award” is an award for amazing bloggers with ingenious posts. Their blog not only captivates; it inspires and motivates. They are one of the best out there, and they deserve every recognition they get. This award is also for bloggers who find fun and inspiration in blogging; and they do it with so much love and passion.
– Okoto Enigma (Erfindern des Mystery Blogger Awards)

5 Fragen, 5 Antworten

Jeder der Nominierten wird dazu aufgefordert, einige Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. In meinem Fall sind es deren fünf. Auf gehts:

1) Was findest du an Geschichte interessant und warum beschäftigst du dich damit?

Nur wer seine Geschichte kennt, verfügt über ein solides Fundament für die Zukunft. Und nur wer die Geschichte kennt, kann die Zusammenhänge verstehen und dementsprechend handeln. Das ist der Kern meines Interesses und meiner großen Motivation, das Interesse an und das Wissen über die Geschichte weiter zu fördern.

2) Was gab euch den Anstoß, einen Geschichte Blog zu starten?

In meinem Fall ein Seminar des Instituts für Geschichtswissenschaften der TU Braunschweig, durchgeführt von Christian Frey im Jahr 2010. Es ging bereits damals um die Digitalisierung. Die Idee: Ein Blog, in dem wir über dieses Thema online schreiben und darüber diskutieren. Es wurde schnell klar, dass seriöse Blogs die Geschichtswissenschaft sehr bereichern können. Motiviert machte ich mich daran, ein Konzept zu erarbeiten und schließlich die ersten Artikel zu schreiben.

3) Was waren die überraschendsten Erlebnisse in eurer Zeit als Blogger?

Ich bin sehr froh, dass sich große Überraschungen in Grenzen gehalten haben. Aber es gab doch ein paar Dinge, die mich sehr froh gestimmt haben. Zum einen wären da die Rezensionen, die ich für einige Verlage schreiben konnte. Außerdem freut es mich sehr, dass ich im Laufe der Jahre so viele andere Blogger und ihre Arbeit kennenlernen durfte. Die Größe der Community hat mich dabei durchaus überrascht.

4) Was waren die größten Herausforderungen?

Die Zeit! In jedem Artikel stecken eine Menge Recherchearbeit und Planung. Was im Studium noch relativ problemlos möglich war, verlangt jetzt nach wesentlich mehr Organisation. Gerade in beruflich stressigen Zeiten finde ich nicht immer die Muße, um mich dem Blog zu widmen. Umso mehr freut es mich dann, wenn ich doch mal wieder Zeit und Energie dafür finde.

5) Ab welcher Uhrzeit sollte man eurer Meinung nach offiziell das erste Bier aufmachen dürfen?

Kein Bier vor vier? Kann man so halten. Bei mir meistens später.

 

Meine fünf liebsten Blogposts

Irgendwie mag ich sie ja alle – aber es gibt dann eben doch einige Artikel, die mir besonders am Herzen liegen. Hier sind meine fünf Favoriten:

William Marshal – Der größte aller Ritter

Die Rosenkriege 1461-1485 – York gegen Lancaster

Die Bedeutung der Wappen für die Welt des Mittelalters

Die Jagd im Mittelalter

Süße Düfte und sündhafter Gestank – Hygiene im Mittelalter

 

Jetzt seid ihr dran – meine Nominierten für den „Mystery Blogger Award“:

AFM – Blog

burgerbe-blog

Frag Machiavelli

Geschichte-u-Reenactment

JBS History Blog

mittelalter-entdecken.de

Historisch denken

Zeitsprung – Geschichten aus der Geschichte

Feuer&Flamme

Persophonie: Kultur-Geschichte

 

Meine 5 Fragen an die Nominierten:

  1. Wie bist du auf das Thema deines Blogs gekommen?
  2. Was motiviert(e) dich zum Bloggen?
  3. Welche Tipps würdest du einem Blog-Anfänger mit auf den Weg geben?
  4. Wie siehst du die Zukunft des Bloggens?
  5. Da eine seltsame Frage dabei sein soll, hier einer der Klassiker: Samurai gegen europäischen Ritter – wer würde gewinnen?

 

Die Regeln

  • Setze das Logo/Bild des Mystery Blogger Award in deinen Beitrag.
  • Erkläre die Regeln.
  • Danke der Person, die dich nominierte und verlinke den Blog im Beitrag.
  • Erwähne den Schöpfer des Mystery Blogger Award.
  • Erzähle deinen Lesern drei Dinge über dich selbst.
  • Nominiere 10 bis 20 Blogger.
  • Benachrichtige die Nominierten, indem du ihnen schreibst.
  • Denke dir fünf Fragen aus, die die Nominierten beantworten müssen; mit einer lustigen oder seltsamen Frage.
  • Teile deine fünf besten Blogposts.

Damit wünsche ich allen Nominierten viel Spaß beim Beantworten der Fragen. Allen Leser an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für das rege Interesse über all die Jahre!

 

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Martin Luther – Kindheit, Jugend und der Eintritt ins Kloster

christian-1296370_1280Vor einem halben Jahrtausend veränderte ein Mann mit der Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache die Welt nachhaltig: Martin Luther. Er ist vor allem als Reformator bekannt. Als mutiger Mönch, der der mächtigen römischen Kirche und dem Kaiser Karl V. mutig die Stirn bot. Doch nur wer Luthers Herkunft kennt kann beurteilen, warum er tat, was er tat – und wie aus einem einfachen Mönch der größte Widersacher des mächtigen Papstes werden konnte.

Lesen Sie im ersten Teil der Reihe, wie Martin Luthers Kindheit und Jugend aussahen, wie er an die Universität ging und sich anschließend für ein entbehrungsreiches Leben im Kloster entschied.

Vom Jungen aus einfachen Verhältnissen zum Mönch

Anfangs deutete kaum etwas darauf hin, dass aus dem Jungen aus einfachen Verhältnissen eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte werden sollte. Geboren wurde Martin Luther am 10. November 1483 im thüringischen Eisleben. Sein Vater war Bergmann, seine Mutter einfache Hausfrau. Doch trotz ihrer einfachen Verhältnisse lernte der junge Luther Lesen und Schreiben. Sein Alltag war, wie auch der seiner Altersgenossen, von Gewalt geprägt. Schläge waren sowohl im Elternhaus als auch in der Schule an der Tagesordnung. Mit 14 Jahren ging er auf eine Schule in Magdeburg, wo er allerdings nur ein Jahr lang blieb.Von dort ging es nach Eisenach. Geld besaß er meistens nicht. Was er zum Leben brauchte, musst er erbetteln. Einzig eine gewisse Ursula Cotta sorgte einige Jahre etwas besser für ihn. Sein Vater schickte in 1501 schließlich auf die Universität von Erfurt, wo er 1502 den Bakkalaureus und 1505 den Magister erwarb. Doch sollte er geglaubt haben, nun eine ruhigere Lebensphase erreicht zu haben, hätte er sich getäuscht. Mehrere Krankheiten, eine Pestwelle und der Einschlag eines Blitzes in seiner unmittelbaren Nähe sorgten dafür, dass sich Martin Luther ins Augustiner-Kloster in Erfurt begab und sich für ein Leben als einfacher Mönch entschied. Dort befolgte er für viele Jahre pflichtbewusst die strengen Klosterregeln.1

Folgen für sein weiteres Leben

Leid, Schmerz, Krankheiten und Mangel prägten Luthers Kindheit und Jugend. Erfahrungen, die sein späteres Leben ebenso prägen sollten wie seinen Umgang mit Herausforderungen und Problemen. Er lernte früh, sich durchzusetzen und sein (Über)leben auch in Notlagen zu sichern. Gleichzeitig werden ihn die harschen Bedingungen kaum unbeeindruckt gelassen haben. Dafür spricht auch, dass er sich schließlich in ein Kloster begab und sich zunächst von der Welt außerhalb der Klostermauern abwandte. Doch auch hier sollte er keineswegs eine heile Welt vorfinden.

Was ihn schließlich dazu bewegte, sich gegen die Kirche zu stellen, dazu mehr im nächsten Artikel dieser Serie.

Literatur: Febvre, Lucien. Martin Luther. Herausgegeben und übersetzt von Peter Schöttler. Frankfurt am Main, 1996.

1Vgl. Febvre, Lucien (1996). S. 25-27.

Die Namen der Wochentage im Mittelalter – Ein Ausflug in die Chronologie

Montag bis Sonntag – dass die Namen der heutigen Wochentage ihre Ursprünge in der Antike haben, ist recht bekannt. Doch wie wurden die Wochentage im Einzelnen genannt? Die Kenntnis hierüber ist zentraler Bestandteil der Chronologie und unverzichtbar für die richtige zeitliche Einordnung von Schriftquellen. Unternehmen wir also eine kleine Zeitreise und werfen einen Blick auf die Wochentage der Menschen im Mittelalter.

Wer hat den Kalender eigentlich erfunden?

Eine genaue Einteilung der verschiedenen Tage des Jahres war nicht grundsätzlich neu. Die Menschen begannen sehr früh damit, den Lauf der Gestirne zu beobachten. Mit Hilfe ihrer Beobachtungen konnten sie bestimmte Gesetzmäßigkeiten erkennen und nutzbar machen. Der erste richtige Kalender wurde von den alten Ägyptern im vierten vorchristlichen Jahrtausend entwickelt. Hier lässt sich bereits die Einteilung in 365 Tage erkennen. Aber erst mit der Einführung des Julianischen Kalenders 46 v.Chr. entstand die Grundform, wie wir sie heute noch kennen. Juli und August erhielten 31 Tage, der Februar 28. Die Schaltjahre führte allerdings erst Papst Gregor XIII. 1582 ein, um die Länge des Kalenders an die des Sonnenjahres anzugleichen.1 Doch damit befinden wir uns bereits in der Frühen Neuzeit – lassen Sie uns also schnell wieder einige Jahre zurückreisen.

Die Namen der Wochentage im Mittelalter

Die Bezeichnungen der Tage richteten sich meist nach den Namen für bestimmte Fest- und Feiertage. Beachten Sie, dass die Woche im Mittelalter in der Regel mit dem Sonntag begann. Zudem wurden an unterschiedlichen Regionen bisweilen verschiedene Bezeichnungen verwendet.

Hier eine kurze Übersicht der Wochentage mit den uns überlieferten Bezeichnungen:

Sonntag: dominica, dies dominicus, dies Solis, sonnentag, lux domini

Montag: feria secunda, dies lune, mentag

Dienstag: feria tertia, dies Martis, Eritag, Irchtag, Zinstag, Cistag

Mittwoch: feria quarta, dies Mercurii, Wodenstag, Gudenstag, media septimana

Donnerstag: feria quinta, dies Jovis, durnstag

Freitag: feria sexta, dies Veneris, fridach

Samstag: feria septima, dies sabbatinus, sabbatum, sambestag, dies saturni, Satertag2

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem sei das Taschenbuch der Zeitrechnung von Hermann Grotefend sehr ans Herz gelegt. Mit seiner Hilfe ist die genaue Bestimmung historischer Daten möglich – ein unverzichtbares Werkzeug für jeden Historiker und Geschichtsinteressierten.

Literatur:

Grotefend, Hermann. Taschenbuch der Zeitrechnung. 14. Auflage. Hannover, 2007.

2Vgl. Grotefend, Hermann. Taschenbuch der Zeitrechnung. 14. Auflage. Hannover, 2007.

Die Wikinger und Alfred der Große

Im Jahr 871 n. Chr. beherrschten die Wikinger beinahe ganz England. Die „Great Heathen Army“, angeführt von Ivar dem Knochenlosen und seinem Bruder Halfdan, hatte seit 865 n. Chr. weite Teile der britischen Inseln gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht. König Aelle, der König von Northumbria, war von ihnen 869 getötet worden. Edmund, der Herrscher von East-Anglia nur ein Jahr später. An ihrer Stelle waren englische Vasallenkönige eingesetzt worden, die vollständig unter der Kontrolle der Sieger standen. Das Königreich Wessex, angeführt von Alfred dem Großen, leistete ihnen jedoch erbitterten und schließlich erfolgreichen Widerstand.

Im ersten Artikel dieser zweiteiligen Serie haben wir gesehen, wie die „Great Heathen Army“ beinahe ganz England erobern konnte. Lesen Sie nun im zweiten und letzten Teil, wie es dem legendären englischen König Alfred dem Großen gelang, der als unbesiegbar geltenden Streitmacht aus Skandinavien Einhalt zu gebieten.

Die Wikinger greifen wieder an

Nach ihren ersten Erfolgen konnten die Wikinger relativ gefahrlos auf englischem Boden überwintern. Angespornt durch die Siegesmeldungen fanden sich immer mehr abenteuerlustige und beutehungrige Nordmänner, die die zweitägige Überfahrt von Dänemark nur zu gerne auf sich nahmen um sich ihren Landsleuten anzuschließen. Es gelang ihnen nach einer kurzen, aber heftigen Offensive im Jahr 871, Wessex zu einem Friedensvertrag zu zwingen.1 Die vollständige Eroberung des Königreiches musste jedoch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Das Wikingerheer schlug sein Lager vorerst in Repton auf. Von dort aus eroberte es 874 Mercia, bevor sie sich in zwei Gruppen teilte. Halfdan zog mit seinen Männern Richtung Norden, wo sie Land eroberten und damit begannen, Landwirtschaft zu betreiben..2 Die dort gegründeten Siedlungen sollten noch lange Zeit Bestand haben und die Grundlage für das sogenannte „Danelag“ werden sollte – ein Gebiet, das für lange Zeit immer neuen Siedlern aus Skandinavien als Heimat dienen sollte.

Rekonstruierte Häuser im Wikingermuseum Haithabu

Haithabu in Schleswig – Rekonstruierte Wikinger-Häuser

Neue Invasionen von Wessex

Wessex war nun wieder in ernsthafter Gefahr. Ein großes Wikingerheer begann 875 eine zwei Jahre dauernde Invasion. Im Laufe dieses Ereignisses entschieden sich jedoch immer mehr Nordmänner dazu, Höfe zu errichten und zu Siedlern zu werden.3 Kein Wunder: In ihrer Heimat mussten die Skandinavier mit kargen Böden und einem unbarmherzigen Klima zurechtkommen. Hier, auf der britischen Hauptinsel, lagen die Verhältnisse gänzlich anders. Die Zustände hier mussten den Männern aus dem rauen Norden geradezu paradiesisch erschienen sein. Und wer Land bestellte, musste nicht immer und immer wieder sein Leben in der Schlacht riskieren. Deutliche Vorteile für die Familiengründung hatte diese Lebensweise außerdem.

Im Jahr 878 startete eine so deutlich verringerte Streitmacht eine dritte Invasion von Wessex. Dieses Mal konnten sie König Alfred sogar ins Exil in die Sümpfe von Somerset treiben. Dort sollte er jedoch nicht lange bleiben.

Alfred erobert sein Königreich zurück

Der englische König war keineswegs dazu bereit, sich mit seinen anfänglichen Niederlagen abzufinden. In nur wenigen Wochen sammelte er ein beeindruckendes Heer um sich und stellte die Wikinger bei Edington in Wiltshire zur Schlacht. Dieses Mal triumphierten die verbissen kämpfenden Engländer. Die Wikinger mussten sich in ihr befestigtes Lager zurückziehen, wo sie belagert wurden. Schließlich mussten sie ausgehungert aufgeben. Die Anführer der Nordmänner ließen sich daraufhin Taufen und die Kämpfe fanden (vorerst) ihr Ende.4 Es ist anzunehmen, dass viele Angehörige des Heeres dem Vorbild ihrer Anführer folgten – eine wichtige Voraussetzung für die nun stattfindende Integration der Skandinavier, die in den meisten Fällen zu Siedlern wurden.

Alfred war das gelungen, was für viele seiner Vorgänger tödlich oder im Exil geendet hatte: Die Wikinger aufzuhalten. Er war der letzte König, der einer vollständigen Eroberung Englands durch die Nordmänner noch im Weg stand. Durch sein entschlossenes Handeln konnte er verhindern, dass sich sein Heer vollständig auflöste. Stattdessen vermochte er es, neue Hoffnung und neuen Kampfgeist in den Herzen seiner Männer zu erwecken.

Die Skandinavier hatten dem Land dennoch dauerhaft ihren Stempel aufgedrückt. Mit ihren zahlreichen Siedlungen sollten sie großen kulturellen Einfluss auf die englische Geschichte nehmen. Viele vermischten sich schließlich mit der einheimischen Bevölkerung. Und noch heute lassen die nordisch klingenden Ortsnamen (endend auf -by) auf dem Gebiet des ehemaligen Danelags den Einfluss der Wikinger erkennen.

Literatur:

Keynes, Simon: Die Wikinger in England (um 790-1016). In: Sawyer, Peter (Hrsg.): Die Wikinger. Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes. Hamburg, 2008.

1Vgl. Keynes, Simon (2008). S. 64.

2Vgl. Ebd. S. 65.

3Vgl. Ebd., S. 65-66.

4Vgl. Ebd. S. 67.

War die mittelalterliche Technik des Burgenbaus römischen Ursprungs?

Bereits die Römer errichteten beeindruckende Befestigungsanlagen. Ob der Hadrianswall, der obergermanisch-raetische Limes oder die Stadtmauern römischer Siedlungen – es könnte nahe liegen, hier den Ursprung für die Burgen und Mauern des Mittelalters zu suchen. Ganz so einfach ist die Sache freilich nicht.

Zunächst einmal sind Befestigungsanlagen keine Erfindung der Römer. Man baute sie lange, bevor das kleine Dorf am Tiber zur Weltmacht aufstieg. Und sie wurden lange nach dem Ende des Imperium Romanum erbaut. Die Grundprinzipien blieben dabei immer gleich. Orte mit natürlichen Hindernissen boten sich für den Bau von Befestigungen genauso an wie die Lage an Flüssen, wichtigen Straßen, Bergpässen und in Städten. Dabei erwies sich eine rechteckige Grundform meist als besonders effektiv – sofern die natürlichen Gegebenheiten dies zuließen. Diese Grundprinzipien sollten auch das Mittelalter hindurch Bestand haben.

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Die Saalburg – im 19. Jahrhundert rekonstruiert.

Unterschiedliche Strategien

Schützende Mauern besaßen für die Römer eine etwas andere Bedeutung als für die Menschen des Mittelalters. Sie dienten zwar bereits in der Antike dazu, Feinden das Vorankommen zu erschweren. Nicht umsonst war es in der Legion üblich, befestigte Marschlager für die sichere Übernachtung zu errichten. Und die große Stadtmauer Roms entstand durchaus als direkte Folge der Plünderung durch die Gallier im 4. Jhd. v.Chr. Die gesamte Taktik der römischen Armee war allerdings auf die offene Feldschlacht ausgerichtet.

Die Heerführer des Mittelalters mieden offene Schlachten aufgrund ihrer Unberechenbarkeit in den meisten Fällen. Belagerungen waren dementsprechend häufiger. Damit besaßen Burgen und Stadtmauern eine weit größere Bedeutung. Sie entschieden nun direkt über Sieg und Niederlage. Die Verteidiger mussten zudem in der Lage sein, lange Zeit ohne die Rettung durch ein Ersatzheer auszuharren.

Weiternutzung römischer Bauten

Doch auch, wenn die Anforderungen inzwischen andere waren: An verschiedenen Orten wurden die römischen Bauten zunächst weiterhin genutzt und später ausgebaut. So behielt Köln seine römische Stadtmauer, bis sie durch zeitgemäße Bauten Stück für Stück ersetzt wurde. Auch Burgen wurden teilweise auf den Ruinen früherer Kastelle errichtet – nicht zuletzt, weil die von den Römern gewählten Standorte strategisch immer noch sinnvoll waren. Wenn die baulichen Hinterlassenschaften des Weltreiches nicht mehr aktiv genutzt wurden, dienten sie meist als Steinbruch. So erging es auch der Colonia Ulpia Traiana, die das Baumaterial für das mittelalterliche Xanten lieferte.

Die Mauern der Antike = Die Mauern des Mittelalters?

Es wäre also nicht richtig, den römischen Befestigungen jeglichen Einfluss auf den Burgenbau des Mittelalters abzusprechen. Allerdings sollte bedacht werden, dass sich die Strategien des antiken Roms und der Reiche des Mittelalters deutlich voneinander unterschieden. Während die Römer ihre Feinde gerne im Feld stellten und über ein gut erschlossenes Hinterland verfügten, befanden sich die Burgen des Mittelalters häufig in einer deutlich abgelegeneren Lage. Es konnte bisweilen lange dauern, bis Verstärkung eintraf. Sie mussten also deutlich stärker befestigt und wesentlich autarker sein, als dies beispielsweise bei römischen Kastellen der Fall war. Ein gutes Beispiel ist die Schildmauer, die die Burgen vor Beschuss schützen sollte – nachgewiesenermaßen eine Erfindung des Mittelalters. Also: Römische Einflüsse gab es. Direktes Vorbild für den Burgenbau waren die römischen Befestigungen jedoch in den meisten Fällen eher nicht.

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Hohensalzburg

Die „Great Heathen Army“ – oder wie die Wikinger um ein Haar ganz England eroberten

„A.D. 865. This year sat the heathen army in the isle of Thanet,

and made peace with the men of Kent, who promised money

therewith; but under the security of peace, and the promise of

money, the army in the night stole up the country, and overran

all Kent eastward.1

Mit diesen Worten wird in der Anglo-Saxon Chronicle der Beginn einer ganzen Reihe von Ereignissen beschrieben, die weitreichende Folgen sowohl für England als auch für Skandinavien haben sollten. Im Jahr 865 erreichte die sogenannte „Great Heathen Army“ England. Erleben Sie in dieser Serie hautnah mit, wie die Wikinger durch mehrere englische Königreiche zogen, Tribute einforderten und Könige zu Fall brachten, bevor ihnen schließlich doch noch Einhalt geboten werden konnte.

Wikinger

Frühe Darstellung dänischer Krieger auf ihren Langbooten.

Der erste Teil der Serie beschäftigt sich mit der Frage, woher die „Great Heathen Army“ wahrscheinlich stammte, wer sie anführte und zeigt auf, wie sie in kurzer Zeit mehrere Königreiche zu Fall brachte.

Der Ursprung der „Great Heathen Army“

Über die genaue Herkunft und Zusammensetzung der Armee besteht in der Forschung bis heute keine Einigkeit. Einige meinen, es handelte sich um eine aus Dänemark stammende Armee. Andere Forscher vertreten die Ansicht, dass es sich um einen Zusammenschluss von Wikingern handelte, die zuvor im Frankenreich und in Irland aktiv waren. Als gesichert gilt nur, dass es sich um ein relativ großes Aufgebot gehandelt haben muss. Zum jetzigen Zeitpunkt wird von zwei- bis dreitausend Kriegern, Männern wie Frauen, ausgegangen. Angeführt wurde das Heer von mehreren, hochrangigen Wikingern. Dazu zählten Halfdan und Ivar der Knochenlose, beides Söhne des legendären Ragnar Lodbrok.

Kent, East-Anglia und Northumbria werden überrannt

Der Ansturm der Wikingerarmee scheint die englischen Herrscher gänzlich unvorbereitet getroffen zu haben. Zwar waren zuvor bereits Angriffe von Plünderern abgewehrt worden. Auf eine derart große Zahl von Angreifern war man aber offensichtlich nicht vorbereitet.

Nur ein Jahr nach der Eroberung von Kent befand sich das Heer bereits in East-Anglia, dass sich den Angreifern ergeben hatte. Strategisch besonders bedeutsam ist die Textstelle „they were soon horsed“. Sie besaßen nun Pferde für den Transport, für Aufklärung und den Einsatz im Kampf.

Die Wikinger blieben nicht in East-Anglia. 867 überschritten sie den Humber und begannen die Invasion von Northumbria. Begünstigt durch die Thronstreitigkeiten zwischen den Königen Osbert und Aella machten sie schnell Fortschritte und standen schließlich vor den Toren Yorks. Doch obwohl sich beide Herrscher im Angesicht der großen Bedrohung zusammenschlossen, konnten sie die Wikinger nicht bezwingen. Beide Könige fielen in der Schlacht und York wurde eingenommen.2

Mercia, Hilfe aus Wessex und eine überraschende Kapitulation

868 stießen die Wikinger weiter in Richtung Süden vor und fielen in Mercia ein. Ihr Winterlager schlugen sie bei Nottingham auf. König Burhred von Mercia wusste, dass er die Angreifer alleine nicht würde besiegen können. Er wandte sich hilfesuchend an Ethelred, den König von Wessex und dessen Sohn Alfred. Diese erklärten sich einverstanden. Doch schon kurz nachdem das englische Heer nach Mercia gezogen war stellte sich heraus, dass sich die Einwohner des Landes bereits unterworfen hatten. So kam es zunächst zu keinen größeren Kämpfen zwischen den beiden Heeren.3

Eine (vorläufige) Verschnaufpause

Wie die Wikinger konkret auf die Armee aus Wessex reagiert haben, wird in der Anglo-Saxon Chronicle nicht erwähnt. Überliefert ist aber Folgendes: Im Jahr 869, ein Jahr nach der Eroberung von Mercia, begab sich das Wikingerheer zurück nach York. Es sollte ein Jahr dauern, bis sich die Wikinger auf weitere Eroberungszüge begaben.

Es ist durchaus beachtlich, wie schnell und mühelos die Wikinger gleich mehrere englische Königreiche in die Knie zwangen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Zum einen zeigt der Zusammenschluss zu einem großen Heer (zumindest auf Zeit), dass sich die Wikinger der Bedeutung zahlenmäßiger Überlegenheit bewusst waren und sie zu nutzen wussten. Sie passten sich zudem flexibel neuen Gegebenheiten an. So besorgten sie sich kurzerhand Pferde und waren in der Lage, befestigte Stellungen zu belagern und einzunehmen. Ihr schnelles Vorgehen ließ den Herrschern dabei kaum Zeit für Vorbereitungen. Die englischen Armeen dieser Zeit, die sog. Fyrd, setzten sich aus der wehrpflichtigen Bevölkerung der jeweiligen Landesteile zusammen. Das waren weder professionelle Krieger, noch konnte man sie in kurzer Zeit versammeln. Dazu kam, dass den Wikingern in dieser Zeit ein schrecklicher Ruf vorauseilte. Zeitweise wurden sie gar als Strafe Gottes für die Sünden der Christenheit angesehen. Kein Wunder, dass die Kampfkraft der angelsächsischen Aufgebote zu dieser Zeit nicht wirklich gut war.

All dies sollte sich jedoch schon bald ändern. Insbesondere Alfred, der junge Thronfolger aus Wessex, sollte den Wikingern einiges mehr an Widerstand entgegensetzen.

 

2Vgl. Ebd.

3Vgl. Ebd.

Quelle:

http://omacl.org/Anglo/

Buchvorstellung: „Willehalm und Arabel“ – nach Wolfram von Eschenbach

51jscvtkswl-_sx326_bo1204203200_Opladen, Gudrun: Willehalm und Arabel – nach Wolfram von Eschenbach. rethink verlag, Friedberg, 2015.

Eine ungewöhnliche Liebe gerät in das machtpolitische Räderwerk ihrer Zeit: Es ist die Liebe zwischen der sarazenischen Königin Arabel und dem christlichen Ritter und Markgrafen Willehalm, der in Arabien gefangen gehalten wird. Gemeinsam fliehen sie an die rettende Küste der Provence. Arabel tritt zum Christentum über und wird Willehalms rechtmäßige Frau. Doch die Rache ihres ersten Ehemanns Tibalt sowie ihres Vaters, des mächtigen Großkönigs Terramer, zieht ein Meer aus Flammen, Tränen und Blut nach sich.

Willehalm und Arabel ist die spannend zu lesende Neuerzählung des Willehalm von Wolfram von Eschenbach. Der große Dichter des Parzival schuf damit ein Werk, das zugleich Ritterepos, Heldenroman, Heiligenlegende, Liebesgeschichte und Schlachtengemälde ist: alt und doch modern, brutal und doch zärtlich, fremd und doch vertraut, märchenhaft und doch real – kurz, eine durch und durch menschliche Erzählung.

(Klappentext aus: „Willehalm und Arabel“)

  1. Altes Thema der Weltgeschichte und Literatur: Islam versus Christentum

    Der Kampf Orient gegen Okzident, Morgen- gegen Abendland, Islam gegen Christentum war und ist eines der großen Themen der Weltgeschichte und Literatur. Mit ihm beschäftigt sich auch das Ritterepos Willehalm des berühmten Parzival-Dichters Wolfram von Eschenbach (* um 1160-80; † um/nach 1220). Es erzählt von der Liebe zwischen dem christlichen Ritter Willehalm und der sarazenischen Königin Arabel – eine tragische Liebe, ein blutiger „Minnesang“, der zu zwei großen Schlachten und zu mit ihnen verbundenen riesigen und letztlich unbewältigten Verlusten führt. Dabei geht die Figur des Helden Willehalm (Guillaume d’Orange) auf den 1066 heilig gesprochenen Wilhelm von Aquitanien (* um 754; † 28. Mai 812) zurück, den Grafen von Toulouse und Herzog von Aquitanien. Wie sein literarisches Pendant kämpfte auch der historische Wilhelm im Auftrag Karls des Großen gegen die Sarazenen (793).

  2. Vergessene Perle aus der Schatzkiste der Höfischen Literatur

    Der Willehalm, der schon in seiner Entstehungszeit literarisch eine eher ungewöhnliche Mischung aus Ritterepos, Heldenroman, Heiligenlegende, Liebesgeschichte und Schlachtengemälde darstellte, wurde vor über 800 Jahren im Auftrag des Landgrafen Hermann I. von Thüringen (*1190; † 1217) verfasst. Für sein Werk übersetzte Wolfram eine alt-französische Vorlage (La Bataille d’Aliscans ) ins Deutsche und erzählte sie für sein höfisches Publikum in der damals üblichen Vortrags-Reimform neu – so erfolgreich, dass der Willehalm zu einem der beliebtesten Erzähltexte des Hochmittelalters, oder, modern ausgedrückt, zu einem echten Bestseller in Form vieler schöner Handschriften wurde. Im Unterschied zu Parzival ist das Werk jedoch inzwischen allgemein in Vergessenheit geraten, von seiner nach wie vor bestehenden Bedeutung innerhalb der Mediävistik einmal abgesehen.

  3. Weniger Kreuzzugsideologie als frühes humanistisches Dokument

    Eine mögliche Vernachlässigung des Stoffes könnte darin liegen, dass er offiziell als unvollendetes Fragment gilt, es also kein klassisches „Happy End“ im Willehalm gibt – im Unterschied zum Parzival bietet der Willehalm keine homogen christliche Ritterromantik, sondern stellt das Geschehen schonungslos als eine „Schlächterei“ dar, die man nur mit „Sterben und Ruin des Glücks“ bezahlen könne. Vor allem aber bezieht das Werk erstmals auch die Lebens- und Gefühlswelt der muslimischen „Heiden“ mit ein und wird dadurch zu einem frühen, aufklärerischen und humanistischen Dokument, das sich von der einseitig feindlich gesinnten Kreuzzugsideologie eines Rolandslieds wohltuend unterscheidet.

Willehalm und Arabel: Romanhafte Wiederentdeckung des Willehalm

Für mich als Autorin bildeten gerade das Fragmentarische des Willehalm und sein fehlendes Happy End den passenden Anknüpfungspunkt, um das Wolfram’sche Original mit seinen knapp 14.000 Verszeilen für den heutigen Leser wieder zugänglich zu machen. Willehalm und Arabel hält sich werktreu an die Vorlage, reduziert das umfangreiche Epos aber auf die Handlung, die ich in eine verständliche, romanhafte Form gegossen habe. Die Erzählung wurde 2016 vom „Leseforum Bayern“ deshalb auch als Schulbuch empfohlen. Versbeispiele aus den neun Büchern der mittelhochdeutschen Originalvorlage ergänzen die Neuerzählung, ein Nachwort, ein Anmerkungs-, Begriffs- und Namensverzeichnis erleichtern darüber hinaus die Orientierung. Vor allem aber kann ich den Lesern von „Willehalm und Arabel“ eines versprechen: eine authentische, ungewöhnliche und bestürzend aktuelle Reise in die Welt des Mittelalters zu erleben.

Gudrun Opladen